Veronika Bicker: Das Maulhorn (Rezension)

„Ich werde Königin, ganz alleine. Und heiraten tu‘ ich nie, nie, nie!“
Zofía ist sich ganz sicher: auch wenn sie eine Prinzessin ist, braucht sie keinen König an ihrer Seite. Schade nur, dass ihr Vater das anders sieht, und ihre Hand einem dahergelaufenen Ritter verspricht, wenn der einen Drachen tötet. Dabei ist so was doch total altmodisch.
Zofía bleibt nichts anderes übrig: sie muss fliehen. Da kommen ihr das Einhorn Alba und das Maulhorn Finn nur recht – schließlich sind Einhörner doch dazu da, kleinen Mädchen zu helfen.
Dass sie dabei in ein gefährliches Abenteuer begibt, ahnt sie noch nicht. Genauso wenig wie, dass sie dabei genau dem Ritter begegnet, dem sie aus dem Weg gehen wollte.

Das Maulhorn ist eine klassisches Abenteuergeschichte für jüngere Leser (die aber auch Erwachsene leicht in ihren Bann ziehen kann). Es geht um ein typisches Fantasythema: Einer Reise mit „Heldenentwicklung“. Und dabei sind die Helden sehr unterschiedlich. Ein Einhorn-Esel-Mischling (das Maulhorn), ein Einhorn (mit eigenen Komplexen), einer Prinzessin (mit gestaltwandlerischen Fähigkeiten) und einem Ritter samt Knappen, die unterschiedliche Gründe für eine Reise haben (manche nennen es auch Flucht) und die das Schicksal doch zusammenführt. Es ist eine Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt, ein ebenso klassisches Thema, aber nur weil das Schema ein bekanntes ist heißt das nicht, dass Veronika Bicker auf althergebrachten Wegen daherkommt. Ihre Geschichte lebt von den Charakteren, und auch wenn ich nicht mit allen etwas anfangen kann (Zofia ist mir von Anfang an unsympathisch und kann das auch im Laufe der Geschichte nicht ändern), so erlebt doch jeder eine interessante Entwicklung. Und auf ihrer Reise erleben die „Helden“ das eine oder andere Abenteuer, lernen fremde Kreaturen und Gebiete kennen und gehen natürlich gestärkt aus ihren Erlebnissen hervor.
Manche Szenen sind vielleicht etwas zu langatmig geraten, andere für jüngere Leser etwas zu brutal (auch wenn nicht wirklich Blut fließt), aber das Ende ist nervenaufreibend, extrem spannend und macht aus der Geschichte mehr als nur eine klassische Geschichte.

Für Freunde von klassischer Fantasy mit Drachen und Einhörnern, die keine Lust auf epische Schlachten haben.

(Rezensionsexemplar)

Dieser Beitrag wurde unter Rezension veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.