Uwe Krüger: Frankfurter Fische (Rezension)

Im Frankfurter Zoo ist ein Nachtwächter in das Gehege eines hungrigen Krokodils gefallen. Alles sieht nach einem Unfall aus. Ein Zuhälter wird tot aufgefunden, zwischen seinen Beinen ein Transportbetel mit besonderen Fischen. Und ein wichtiges anatomisches Teil fehlt. Mehr Leichen folgen und selbst der Ermittler Hauptkommissar Klaus Sebald gerät in Verdacht.
Ich gebe zu, dass ich mir das Buch nur deshalb gekauft habe, weil ich der Meinung war, dass ein Zusammenhang mit dem Frankfurter Zoo besteht. Dieser spielt allerdings nur am Anfang eine kurze Rolle, denn die Handlung zieht sich durch ganz Frankfurt. Ein wichtiger Schauplatz bildet dabei die Aquaristikfirma Aquafutur, die nicht nur Guppys verkauft.
Und auch die ägyptische Mythologie spielt eine Rolle.
Frankfurter Fische liest sich gut und der Unterhaltungswert ist groß. Allerdings wirkt der Roman etwas überfrachtet, es werden zu viele Themen angeschnitten und manche bleiben auf der Strecke. Nebenschauplätze und -personen werden eingeführt und verschwinden wieder in der Bedeutungslosigkeit und die (in meinen Augen) wirklich interessanten Themen Ägyptische Mythologie und genetisch veränderte Organismen bekommen nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient hätten.
Aber so bekommt man zahlreiche Handlungsstränge und ich kann nicht behaupten, dass es langweilig wird. Nur wirkt das ganze sehr überfrachtet.
Daneben gibt es einige Punkte, bei denen es sich um Kleinigkeiten handelt, die ich aber als störend empfinde:
Ritze, eine Ratte, ist zwar ganz nett, auch wenn sie falsch ernährt wird, aber es gibt eine Szene, in der sie zur Heldin wird und das finde ich etwas übertrieben.
Channa obscura ist KEIN Raubsalmler.
Die Dünnlippige Meeräsche (Liza ramada) ist ein Salzwasserfisch, Mormyrus caschive (ein Nilhecht) und die Nilbarbe (Barbus bynni) leben im Süßwasser. Sie werden einfach in ein Aquarium gesetzt ohne die besonderen Bedürfnisse zu bedenken (allerdings stirbt die Meeräsche auch …, allerdings ist das nur nebensächlich, bedenkt man die Anzahl an menschlichen Leichen)
Gefrorenes Fischfutter im Gefrierfach zwischen anderen, normalen Lebensmittel stellt kein Geruchsproblem dar.
Das Verschwinden eines Doktorvaters ist kein finanzielles Problem bei bereits genehmigten Projekten. Es kommt öfter mal vor, dass Doktorväter ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen können, weil sie versterben, das Land verlassen oder sich neu definieren wollen. Für den Doktoranden gibt es aber immer eine Alternative.
Auch sprachlich werden einige Redewendungen und Vergleiche verwendet, die eher befremden, als erklären (und auch wenn vermutlich niemand nachvollziehen kann was ich meine, so wurde ich doch ein bisschen an Shades of Grey erinnert).
Außerdem sollte man ein einigermaßen gutes Namensgedächtnis haben, denn neben den menschlichen Namen tauchen auch zahlreiche wissenschaftliche Namen (nicht nur von Fischen) auf.
Man wird gut unterhalten, darf aber keinen Tiefgang erwarten.

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