Portrait: Limulus polyphemus

Überstamm: Häutungstiere (Ecdysozoa)
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Merostomata
Ordnung: Xiphosura
Familie: Pfeilschwanzkrebse (Limulidae)
Gattung: Limulus
Art: Limulus polyphemus

Limulus polyphemus (Ozeaneum Stralsund)

Limulus polyphemus kann einschließlich des langen Schwanzstachels etwa 50–60 cm erreichen; Weibchen werden deutlich größer als Männchen. Der Körper besteht äußerlich aus drei auffälligen Abschnitten: dem breiten, hufeisenförmigen Prosoma, dem kleineren, mit Stacheln versehenen Opisthosoma und dem langen Telson. Dieses ist kein Giftstachel, sondern dient vor allem dazu, sich wieder aufzurichten, wenn das Tier auf den Rücken geraten ist.
Bemerkenswert sind ihre Buchkiemen auf der Körperunterseite. Die blattartig angeordneten Kiemen dienen nicht nur der Atmung, sondern können auch beim Schwimmen eingesetzt werden.

Limulus polyphemus lebt ausschließlich an der Atlantik- und Golfküste Nordamerikas. Das Verbreitungsgebiet reicht ungefähr von Maine und dem südlichen Kanada bis zur Halbinsel Yucatán in Mexiko. Besonders große Populationen gibt es an der mittleren Atlantikküste der USA, vor allem in der Delaware Bay.
Die Tiere besiedeln überwiegend flache Küstengewässer mit Sand- oder Schlammböden, Buchten, Ästuare und Lagunen. Erwachsene Tiere können sich zeitweise auch in tieferes Wasser zurückziehen.

Pfeilschwanzkrebse verbringen einen großen Teil ihres Lebens auf oder knapp unter dem Meeresboden. Sie laufen mit ihren fünf Paar Laufbeinen über den Untergrund und können sich teilweise in weichen Sand oder Schlamm eingraben.
Sie sind relativ robuste Tiere und tolerieren erhebliche Schwankungen von Salzgehalt, Temperatur und Sauerstoffgehalt. Das ist eine wichtige Anpassung an Ästuare und flache Küstengewässer.

Die Tiere sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie häufig eingegraben oder bewegen sich nur wenig.

Limulus polyphemus (Tiergarten Wien)

Limulus polyphemus Sie ernähren sich von Muscheln und anderen Weichtieren sowie Aas, das sie im Boden finden und mit der Chelicere oder den Beinen zum Mundvorraum führen.
Da Pfeilschwanzkrebse keine Kiefer besitzen, wird die Nahrung auf ungewöhnliche Weise zerkleinert. Die basalen Abschnitte ihrer Beine tragen kräftige, gezähnte Gnathobasen. Während das Tier läuft, wird die Nahrung zwischen diesen Strukturen zermahlen und anschließend zur zentral zwischen den Beinen liegenden Mundöffnung transportiert.

Im Frühjahr und Frühsommer wandern geschlechtsreife Tiere aus tieferen Gewässern zu geeigneten Sandstränden. Besonders intensiv ist die Eiablage häufig bei Springtiden um Voll- und Neumond.
Das kleinere Männchen klammert sich mit speziell umgebildeten Vorderbeinen am hinteren Rand des Panzers eines Weibchens fest. Ein Weibchen kann dabei zusätzlich von mehreren weiteren Männchen begleitet werden.
Das Weibchen gräbt im Gezeitenbereich kleine Nester in den Sand und legt dort jeweils mehrere Tausend grünliche Eier ab. Die Männchen geben ihre Spermien darüber ab – die Befruchtung erfolgt also äußerlich. Ein Weibchen kann während einer Fortpflanzungssaison insgesamt Zehntausende Eier produzieren.
Nach ungefähr zwei bis vier Wochen schlüpfen kleine Larven, deren Körper bereits stark an einen Pfeilschwanzkrebs erinnert, die aber zunächst noch keinen voll entwickelten langen Schwanzstachel besitzen.

Pfeilschwanzkrebse besitzen wie alle Gliederfüßer ein Außenskelett und müssen sich deshalb zum Wachsen häuten. Junge Tiere häuten sich häufig, später werden die Abstände immer größer.
Die Entwicklung ist ausgesprochen langsam. Limulus polyphemus benötigt ungefähr 9–12 Jahre, um geschlechtsreif zu werden. Bis dahin hat das Tier zahlreiche Häutungen durchlaufen. Nach Erreichen der Geschlechtsreife finden praktisch keine weiteren Häutungen mehr statt.
Die gesamte Lebensdauer wird auf ungefähr 20 Jahre oder mehr geschätzt.

Limulus polyphemus, auch als Atlantischer oder Amerikanischer Pfeilschwanzkrebs bekannt, ist kein Krebs, auch wenn sein Erscheinungsbild entfernt daran erinnert.
Pfeilschwanzkrebse gehören zu den Chelicerata und sind evolutionär näher mit Spinnen, Skorpionen und Milben verwandt als mit Krabben oder Hummern.

Limulus polyphemus (Zoo Wroclaw)

Pfeilschwanzkrebse sind für die medizinische Forschung und bei medizinischen Tests von großem Wert. Ein Extrakt aus Blutzellen (Amöbozyten) von Limulus polyphemus ist ein entscheidender Bestandteil des weit verbreiteten Limulus-Amöbozyten-Lysat-Tests (LAL-Test), der zum Nachweis und zur Quantifizierung bakterieller Endotoxine in Arzneimitteln sowie zur Diagnose verschiedener bakterieller Erkrankungen eingesetzt wird. Zudem wird ein Protein aus dem Blut der Pfeilschwanzkrebse als neuartiges Antibiotikum erforscht.
Die Gewinnung der Rohstoffe für den LAL-Test erfordert das Einfangen von Pfeilschwanzkrebsen aus Wildbeständen und deren Aderlass. Nach der Blutentnahme werden die Tiere zwar wieder ins Meer entlassen, doch sind damit eine gewisse Sterblichkeitsrate sowie subletale Auswirkungen verbunden. Schätzungen zufolge sterben zwischen 10 und 30 Prozent der Pfeilschwanzkrebse nach dem Aderlass. Zudem sind die freigelassenen Tiere möglicherweise anfälliger für Krankheiten und weniger erfolgreich bei der Fortpflanzung.
Studien belegen, dass sich das Blutvolumen innerhalb von etwa einer Woche normalisiert, während die vollständige Wiederherstellung der Blutzellzahl zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen kann. Tiere, die den Eingriff überleben, zeigen nach der Freilassung womöglich eine erhöhte Lethargie und eine geringere Paarungsbereitschaft – was Bedenken hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen dieser Nutzung von Pfeilschwanzkrebsen aufkommen ließ.
Der LAL-Test stellt einen wesentlichen Faktor für die Abhängigkeit der biomedizinischen Industrie von tierischen Produkten dar und steht im Spannungsfeld zu den wissenschaftlichen „3R“-Prinzipien (Replacement, Reduction, Refinement) für den Umgang mit Versuchstieren. Es gibt Bestrebungen, die Abhängigkeit von Pfeilschwanzkrebsen zu verringern, die Verfahren zur Blutentnahme zu optimieren (unter anderem durch Aquakultur) und Tests auf tierischer Basis sogar durch synthetische Verfahren zu ersetzen, wie etwa den Test mit rekombinantem Faktor C (rFC-Test).

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