Diplodocus zählt zu den bekanntesten Dinosauriern; seine Fossilien sind klassischerweise aus der Morrison-Formation (USA; Kimmeridgium–Tithonium) bekannt. Man hat aber auch Diplodociden in Europa gefunden. Diese Publikation stellt ein Tier vor, das in der Villar-del-Arzobispo-Formation (El Castellar, Teruel, Spanien; oberes Kimmeridgium–Tithonium) geborgen wurde. Dieses Exemplar stellt eines der vollständigsten in Europa entdeckten Diplodociden-Skelette dar und umfasst 14 Schwanzwirbel sowie mehrere Hämapophysen (Chevron-Knochen). Osteologische Vergleiche und phylogenetische Analysen (Maximum-Parsimonie-Methode und Bayes-Inferenz) ordneten das Exemplar übereinstimmend der Gattung *Diplodocus* zu. Dieser Fund erweitert das Verständnis der Vielfalt an Sauropoden in den Küstenökosystemen des östlichen Iberiens während des Oberjura. Zudem liefert er den ersten interkontinentalen Nachweis dieser Gattung und stellt einen der stärksten Belege für episodische Ausbreitungsereignisse und Faunenaustausch über den Proto-Nordatlantik hinweg im Zeitraum vom späten Kimmeridgium bis zum frühen Tithonium dar.
Mehrere Arten von Diplodocus sind zwischen 1878 und 1924 beschrieben worden. Das erste Skelett wurde 1878 von Benjamin Franklin Mudge und Samuel Wendell Williston in Como Bluff, Wyoming entdeckt und von dem Paläontologen Othniel Charles Marsh noch im selben Jahr als Typusart wissenschaftlich erstbeschrieben und Diplodocus longus („langer Doppelbalken“) genannt. Mit Ausnahme des Schädels, der auch oft bei ansonsten vollständigen Skeletten fehlt, sind Fossilien dieses Dinosauriers häufig. Obwohl es sich nicht um die Typusart handelt, hat D. carnegiei aufgrund der Vielzahl von Abgüssen des nahezu vollständigen Originalskeletts, die in Museen in der gesamten Welt ausgestellt sind, eine größere Bekanntheit erlangt.
Die Sauropodengattungen Diplodocus und Barosaurus, die beide aus der Morrison-Formation stammen, besaßen sehr ähnliche Gliedmaßenknochen. In der Vergangenheit wurden viele isolierte Gliedmaßenknochen darum einfach Diplodocus zugeschrieben, obwohl sie möglicherweise zu Barosaurus gehören.
Bisher sind folgende Arten beschrieben:
Diplodocus longus, die Typusart, beruht auf zwei Schädeln und einer Schwanzwirbelsäule aus der Morrison-Formation von Colorado und Utah.
D. carnegii (in älterer Literatur auch D. carnegiei), benannt nach Andrew Carnegie, ist die am besten bekannte Art, vor allem aufgrund eines nahezu vollständigen Skeletts, das von Jacob Wortman vom Carnegie Museum of Natural History in Pittsburgh, Pennsylvania entdeckt und im Jahr 1901 von John Bell Hatcher wissenschaftlich beschrieben und benannt wurde.
D. hayi beruht auf einem Teilskelett, das von William H. Utterback im Jahr 1902 nahe Sheridan, Wyoming entdeckt und 1924 beschrieben wurde. Die Art wurde 2015 bei einer Revision der Diplodocidae in die neu errichtete Gattung Galeamopus gestellt.
D. hallorum ist auch bekannt als Seismosaurus hallorum. Ein Vortrag auf der Jahrestagung der Geologischen Gesellschaft von Amerika im Jahr 2004 stellte plausibel dar, dass Seismosaurus ein mutmaßliches jüngeres Synonym von Diplodocus repräsentiert. Seismosaurus hallorum wurde im Jahr 1979 entdeckt und 1991 als eigene Gattung beschrieben.
D. lacustris ist ein nomen dubium. Die Art wurde von Othniel Marsh im Jahr 1884 beschrieben. Die Beschreibung erfolgte auf der Grundlage von Knochenresten eines kleineren Individuums, die in Morrison, Colorado gefunden wurden. Diese Fossilien werden heute als Überreste eines Jungtiers und nicht für Vertreter einer eigenen Art gedeutet.
Der europäische Diplodocus aus der eingangs erwähnten Veröffentlichung ist noch unbenannt. Auch die Gattungszuordnung ist noch nicht gesichert. Weitere Schädel- oder Rumpffunde könnten Klarheit schaffen.
Diplodocus ist eine der allgemein bekannten und oft dargestellten Dinosauriergattungen, wahrscheinlich aufgrund der Vielzahl an Skelettfunden und des Status als längster Dinosaurier. Die Vergabe vieler Skelettabgüsse an Museen weltweit trug dazu bei, Menschen vieler Kulturen mit Diplodocus in Kontakt zu bringen und vertraut zu machen. Diplodocus-Skelette werden noch immer in vielen Museen ausgestellt.



