Matthias Glaubrecht: Das Ende der Evolution (Rezension)


Von einem der bekanntesten deutschen Evolutionsbiologen
Der Klimawandel ist endlich in aller Munde. Doch so alarmierende Ausmaße er auch angenommen hat – er ist nur Nebenschauplatz angesichts der apokalyptischen Reiter, die in einem Akt der Verwüstung gegenwärtig über die Erde ziehen: Bevölkerungsexplosion, Ressourcenverknappung, Umweltzerstörung und Artensterben.
In seiner ebenso umfassenden wie beklemmenden Analyse sieht der renommierte Evolutionsbiologe Matthias Glaubrecht mit dem sich abzeichnenden Massenexitus, dem größten Artenschwund seit dem Aussterben der Dinosaurier, eine weltweite biologische Tragödie auf uns zukommen. Der Mensch ist heute so zum größten Raubtier und zum entscheidenden Evolutionsfaktor mutiert, der die Existenz aller Lebewesen – auch seine eigene – gefährdet.
Ob das Ende der Evolution, das spätestens ab Mitte des 21. Jahrhunderts ein realistisches Szenario zu werden droht, noch aufzuhalten sein wird, darüber wird allein unser Tun in den unmittelbar vor uns liegenden Jahrzehnten entscheiden.

Matthias Glaubrecht ist ein deutscher Zoologe und Wissenschaftsjournalist. Er studierte Biologie an der Universität Hamburg, wo er 1990 sein Diplom erlangte und 1994 promoviert wurde. Von 1994 bis 1995 arbeitete er an der Universität Hamburg. Von 1996 bis 2009 arbeitete er in verschiedenen Museen. 2011 habilitierte er sich an der Humboldt-Universität Berlin.
Er forscht über evolutionäre Systematik, historische Biogeographie, Morphologie und Wissenschaftsgeschichte der Biologie.
In seinem neuesten Werk (und das kann sich mit über 1000 Seiten sehen lassen), DAS ENDE DER EVOLUTION, rechnet Glaubrecht mit der Menschheit ab. Und das mit ungeschönten, ernstzunehmenden Worten.
Ich würde sagen, es ist ein wichtiges Buch, das durchaus aufrüttelt (obwohl es viele andere Bücher zum Thema gibt, sie alle aufrütteln sollten, aber wenn man ehrlich ist … der Effekt ist gleich null. Bücher zu schreiben oder zu lesen ist nur ein kleiner Tropfen auf … man kennt das Sprichwort ja).
Glaubrecht gibt Beispiele, die offensichtlich sind und auch ständig in den Medien kursieren (das Verschwinden der Insekten, wobei es nicht unbedingt um die Arten selbst, sondern um die Anzahl, die Biomasse, geht; die letzten Nashörner und afrikanischen/Asiatischen Großkatzen …), aber auch andere, die zum Nachdenken anregen.
Davor wirft er einen Blick auf die Menschwerdung, zeigt woher wir (vermutlich) kommen und wirft auch einen Ausblick darauf, wohin wir gehen.
Und die letzten Seiten werden (so wie man es von einem Buch dieser Art erwartet) von Quellen- und Literaturhinweisen eingenommen und bieten noch mehr Interessantes zum Thema.

Es hätte ein gutes Buch werden können, das aber aufgrund der Dicke schon die meisten Leser abschrecken dürfte (und mich selbst hat es etwas überrascht). Selbst ohne Literatur und Quellen sind es noch 900 Seiten, die gelesen werden wollen und Informationen bieten.
Und ja, die Botschaft gefällt mir, sie ist wichtig und sollte sich endlich in den Köpfen der Menschheit durchsetzen. Das Buch hat auch seine Stärken, denn es ist verständlich geschrieben, nimmt kein Blatt vor dem Mund und zeigt teilweise sehr drastisch (aber realistisch) wie der Mensch auf seine Umwelt einwirkt.

Was mir nicht gefallen hat:
Ich finde den Titel irreführend. Es wird zwar immer wieder erklärt, warum wir das Ende der Evolution herbeiführen, aber so richtig ist das nicht. Evolution ist fortführend und nur weil einige (leicht übertrieben) Arten aus dem Verkehr gezogen werden (und diese Arten keine Möglichkeit mehr haben sich weiter zu entwickeln) endet für andere die Evolution nicht, nur weil ein Tier (wir) den Planeten verändert. Evolution endet erst, wenn der Planet zerstört ist (nicht mehr existiert), aber darum geht es in diesem Buch nicht.
Ich finde den Titel irreführend und wenn er reißerisch sein sollte, dann verfehlt er in meinen Augen seinen Zweck. Aber vielleicht ist das auch gar nicht beabsichtigt.
Was mir auch nicht gefällt (was aber vielleicht in einem mehrere hundert seiten dicken Buch nötig ist) sind die ständigen Wiederholungen von Tatsachen. Das ermüdet und langweilt auf Dauer (und zieht das Buch vermutlich nur unnötig in die Länge).
Und was mich auch stört, sind die Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehler. Normalerweise bin ich jemand, der darüber hinwegsehen kann (besonders bei meinen eigenen), aber manchmal stören sie mich, vor allem wenn sie gehäuft auftauchen.
Die falsche Trennung des Elbufers fand ich ja durchaus erheiternd, aber die Erwähnung von madegassischen Koboldmakis (gibt es nicht) und Rehhühnern (falsche Schreibweise des Rebhuhns, taucht aber mehr als einmal auf) hat mich doch sehr gestört.

Wie gesagt: Es hätte ein wichtiges Buch sein können und der Autor hat auch viel zu sagen.
Aber: Kürzer wäre besser gewesen und würde vermutlich auch mehr Leser ansprechen.

Dieser Beitrag wurde unter Rezension veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.