Markus Bühler/Tobias Möser: Unsere Exoten (Rezension)

Alexandersittich, Karolinasittich und Gelbkopfamazone (ChatGPT)

Ambrosia artemisifolia (Jan Kops)

Es gibt tatsächlich zwei Pflanzen, vor denen ich Angst, bzw. Respekt habe (meine kindliche Angst vor der Venusfliegenfalle, von der ich auch dachte, dass sie Menschen fressen könnte, wenn man ihr den Finger hinhält rede ich jetzt nicht. Ich weiß, dass sie keine Menschen fressen, auch wenn ich nach wie vor keine Venusfliegenfalle berühren würde … aber das ist ein ganz anderes Thema…). Dem Riesen-Bärenklau und Ambrosia artemisiifolia, dem Beifußblättrigen Traubenkraut. Von ersterem habe ich Geschichten in meiner Kindheit gehört, dass die Berührung fürchterliche Ausschläge hervorrufen kann. Ich habe es nicht geglaubt, aber eine Herkulesstaude berührt habe ich nicht. Inzwischen weiß ich, dass die Geschichten wahr sind, und ich froh bin, keine Pflanze berührt zu haben … Gelegenheit dazu hatte ich genug. Und Ambrosia … nun, wenn man in einem Gewächshaus mit blühenden Ambrosia arbeitet, soweit geschützt, dass keine Hautstelle frei ist und Pollen sammelt … da kann einem schon anders werden. Vor allem wenn man sowieso schon Gräserallergiker ist … aber das sind alles nur Randbemerkungen, die in diesem Blog viel zu kurz kommen, weil Pflanzen nicht unbedingt zu den Themen gehören, mit denen ich mich auskenne.
Aber in diesem Fall muss ich sie erwähnen, denn auch wenn NEOBIOTA in diesem Blog eine Rolle spielen (weil man das nicht ignorieren kann, wenn man über Tiere schreibt), so sind es nicht nur Neozoen (Tiere), die dazu gehören. Neophyten (Pflanzen wie die genannten beiden) und Neomyceten (Pilze) darf man auch nicht unter den Tisch fallen lassen, auch wenn sie (meiner Meinung nach, und auch von mir…) größtenteils ignoriert werden. Vielleicht ist es aber auch das Umfeld, in dem ich mich umgebe, denn ich kenne niemanden, der sich wirklich mit der Pflanzenwelt Deutschlands auskennt. Exotische Pflanzen für Heim und Garten, da scheinen sich doch so einige auszukennen, aber was tatsächlich in den Wäldern zu finden ist, und was dort auch hineingehört … das ist wohl weniger auffällig als Schwärme von Alexandersittichen oder Waschbären auf dem Dachboden.
Und nicht jeder Neophyt ist so präsent (weil gesundheitsgefährdend) wie der Riesen-Bärenklau oder die Ambrosia.
Aber vom eigentlichen Thema bin ich vollkommen abgekommen … es geht hier nicht um meine (nicht vorhandenen) Erfahrungen und Kenntnisse zu Neophyten (oder Pflanzen im Allgemeinen), ich wollte nur eine kurze Einleitung zum Buch UNSERE EXOTEN von Markus Bühler und Tobias Möser schreiben. Und bin dann ins Schwafeln geraten …
Mehrwert bisher also … eher nicht vorhanden… also weiter zum eigentlichen Thema.

Wir sind von Exoten umgeben – oft, ohne es zu bemerken. Ob an Küsten, in Flüssen und Seen, Wäldern und Gärten, Brachen oder Höhlen: Nahezu jeder Lebensraum in Deutschland wird von Lebewesen bewohnt, die aus anderen Ländern eingeführt wurden. Die meisten bleiben unauffällig, doch einige breiten sich aus – häufig begünstigt durch die Klimaerwärmung. Wenige verursachen Ärger oder wecken Sympathien. Nur wenige Neubürger richten erhebliche ökologische oder wirtschaftliche Schäden an. Einzelne sind jedoch so mächtig, dass sie den Lauf der Geschichte entscheidend geprägt haben. Die Autoren stellen mehr als 200 Pflanzen, Pilze und Tiere als Neubürger in Deutschland in Wort und Bild vor.
Waschbär, Riesen-Bärenklau und Wildkaninchen dürften zu den bekanntesten Neozoen gehören, die Deutschland zu bieten hat. Gebietsweise kommen Alexander- und Halsbandsittiche hinzu, die man in manchen Städten gar nicht ignorieren kann. Aber Deutschland wird von weitaus mehr Tieren, Pflanzen und Pilzen heimgesucht, als man glauben mag. Und viele davon kommen auf heimlichen Pfaden und bleiben, weil die Lebensbedingungen gut sind. Manche von ihnen bleiben unbemerkt, andere kann man nicht ignorieren weil sie sich als Schädlinge herausstellen oder einfach durch ihre Masse auffallen (wo wir wieder bei den Papageien wären).
UNSERE EXOTEN stellt ein umfangreiches naturkundliches Sachbuch zu den Neobiota dar. Das Werk versteht sich als systematische Bestandsaufnahme dieser „Neubürger“ und verbindet biologische Grundlagen mit anschaulicher Artenkunde.
Der Band ist klar strukturiert und gliedert sich in zahlreiche kompakte Artenporträts, die jeweils Herkunft, Einwanderungsweg, heutige Verbreitung sowie ökologische Einordnung behandeln. Die Auswahl umfasst sowohl weithin bekannte Arten als auch weniger beachtete Vertreter, und solche, die bereits wieder verschwunden sind (wie den Karolinasittich, der kurzzeitig auch in Deutschland zu finden war und nun … nirgends mehr), wodurch ein breites Bild der biologischen Durchmischung deutscher Lebensräume entsteht. Ergänzt werden die Texte durch zahlreiche Fotografien und Karten, die den Bestimmungs- und Orientierungswert des Buches deutlich erhöhen.
Der Stil ist sachlich und zurückhaltend. Die Autoren verzichten auf wertende oder polemische Aussagen und präsentieren die behandelten Arten primär beschreibend. Fachbegriffe aus Biologie und Ökologie werden verständlich eingeführt, sodass das Buch auch für Leserinnen und Leser ohne vertiefte wissenschaftliche Vorbildung zugänglich bleibt.
Fragen nach ökologischen Auswirkungen, Ausbreitungsdynamiken und dem Einfluss globaler Handels- und Klimaprozesse werden angesprochen, jedoch nicht vertieft diskutiert. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Darstellung der Artenvielfalt und weniger auf kontroversen Debatten der Invasionsbiologie oder des Naturschutzmanagements.
Insgesamt bietet Unsere Exoten eine übersichtlich aufbereitete Einführung in das Thema nicht-heimischer Arten in Deutschland für alle, die sich für die Natur vor der eigenen Haustür interessieren.

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(Rezensionsexemplar)

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