Mark Rowlands: Der Philosoph und der Wolf (Rezension)

Als Mark Rowlands die Anzeige »Wolfswelpen zu verkaufen« sah, zögerte er keinen Moment. Zwei Stunden später nahm er den kleinen Wolf Brenin mit nach Hause. Eine faszinierende Freundschaft begann. Das Zusammenleben mit dem Wolf brachte Rowlands dazu, seine Haltung zu den fundamentalsten Fragen der menschlichen Existenz zu überdenken: Liebe, Freundschaft, Tod, Natur und Zivilisation bekamen eine völlig neue Bedeutung. Dieses Buch erzählt von der intensiven Beziehung zwischen dem menschenscheuen Philosophieprofessor und seinem wilden Begleiter. Worin unterscheidet sich die Welt der Tiere und die der Menschen wirklich? Vor allem aber: Was können wir von einem Wolf über das Leben lernen?

Es gibt zahlreiche Bücher über Wölfe (ein paar davon habe ich gelesen) und ebenso viele über Philosophie (aber das ist nicht so mein Thema), aber vermutlich ist Der Philosoph und der Wolf einzigartig, verbindet er doch den Wolf mit der Philosophie, auf einer sehr persönlichen Ebene. Das Zusammenleben von Mensch Mark Rowlands und Wolf Brenin, scheint eine außergewöhnliche Tiergeschichte zu sein, entwickelt sich aber schnell zu einer ebenso persönlichen wie philosophischen Reflexion über das Menschsein.
Rowlands nutzt gemeinsame Erlebnisse mit Brenin als Ausgangspunkt für Überlegungen zu Glück, Freiheit, Moral, Liebe, Tod und Identität. Dabei zitiert er nicht bloß die großen Denker von Aristoteles über Nietzsche bis Schopenhauer, sondern stellt ihre Gedanken den unmittelbaren Erfahrungen mit einem Tier gegenüber, das weder gesellschaftliche Konventionen kennt noch sich um philosophische Theorien schert. Auch vor der modernen Popkultur macht er nicht halt und sorgt so für eine persönliche, leicht verständliche und alles andere als abgehobene Erzählweise (die man Philosophen ja gerne unterstellen möchte, vor allem weil man sich damit eher ins antike Griechenland zurückversetzt glaubt und moderne Philosophen nicht einschätzen kann)
Rowlands schreibt mit trockenem Humor, Selbstironie und großer Ehrlichkeit. Er verschweigt weder die Schwierigkeiten noch die Verantwortung, die mit der Haltung eines Wolfs verbunden sind. Brenin wird dabei nie romantisiert oder vermenschlicht. Vielmehr bleibt er ein wildes Tier mit eigenen Instinkten und Bedürfnissen – und genau darin liegt seine philosophische Bedeutung. Der Wolf dient nicht als Symbol, sondern als eigenständiges Wesen, das dem Autor die Grenzen menschlicher Selbstbilder vor Augen führt.
Rowlands zeigt, dass Tiere nicht nur Gegenstand wissenschaftlicher Beobachtung sein können, sondern auch Anlass, grundlegende Fragen über unser eigenes Leben neu zu stellen. Wer sich für Philosophie, Tierethik oder Wölfe interessiert und offen für ein Buch zwischen Memoiren und philosophischem Essay ist, findet hier eine außergewöhnliche Lektüre.
Allerdings muss man auch einen gewissen Abstand wahren. Ein Wolf als Haustier in Deutschland ist mit strengen Auflagen verbunden und eigentlich fast unmöglich. Da sollte der gesunde Menschenverstand greifen. Das was Rowlands beschreibt ist in Deutschland so nicht möglich. Aber DER PHILOSOPH UND DER WOLF ist kein Ratgeber, der dazu verführen soll sich einen Wolf anzuschaffen.

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