Let’s talk about … Das Fossil des Jahres 2026

Das Fossil des Jahres ist eine Auszeichnung, die seit 2008 von der deutschen Paläontologischen Gesellschaft für einzelne Fossilexamplare oder ausgestorbene Arten verliehen wird. Sie wurde ins Leben gerufen, um die Bedeutung von Fossilien für die Geo- und Biowissenschaften zu betonen und ihrem ästhetischen Wert als Museumsexponate Rechnung zu tragen. Auf diese Weise will die Gesellschaft die Paläontologie stärker in den Blick der deutschen Öffentlichkeit rücken. Bei der Auswahl des jährlichen Preisträgers aus einer Reihe von Vorschlägen werden sowohl die wissenschaftliche Bedeutung als auch der Museumswert berücksichtigt. Die Mitglieder der Paläontologischen Gesellschaft treffen die Wahl auf ihrer Jahrestagung.
Die Westfälischen Plesiosaurier repräsentieren das Fossil, bzw. die Fossilien des Jahres 2026.
Sie lebten vor über 135 Millionen Jahren in den Meeren des Mesozoikums in unterschiedlichen Formen, bis sie am Ende der Kreidezeit ausstarben.
Die „Westfälischen Plesiosaurier” umfassen vier Gattungen und bilden einen weltweit einzigartigen Querschnitt eines etwa 135 Millionen Jahre währenden evolutionären Sonderweges unter den Wirbeltieren ab.
Vier Skelette, präsentiert in drei westfälischen Museen, sind unter maßgeblicher Beteiligung von Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftlern erforscht worden und begeistern Besuchende der Region seit Jahren für das Leben des Erdmittelalters. Als sogenannte Holotypen dienten alle vier Fossilien zur Definition neuer Gattungen und haben damit das Wissen um die vergangene Biodiversität erweitert. 200 Jahre nach der Ersterwähnung der Plesiosaurier werden die „Westfälischen Plesiosaurier“ als Fossil des Jahres 2026 in den Vordergrund gestellt

Westfalen ist reich an Gesteinen aus den Zeitabschnitten Trias, Jura und Kreide, die teilweise sehr fossilführend sind.
In diesen Gesteinen entdeckte man einzelne Knochen und Zähne, gelegentlich auch Teil-Skelette.
Zu den paläontologisch wertvollsten Funden zählen vier Plesiosaurier-Holotypen, die in dieser Zusammenstellung aufgrund ihres Alters und ihrer Erhaltung einen einmaligen Querschnitt durch die Evolution dieser sehr erfolgreichen Gruppe mariner Reptilien bilden.

Plesiosaurier waren große, im Meer lebende Reptilien der Erdmittelzeit, die vor etwa 250 bis 66 Millionen Jahren existierten. Sie gehörten nicht zu den Dinosauriern, sondern zu einer eigenen Gruppe mariner Reptilien. Typisch für Plesiosaurier waren ihre vier kräftigen Flossen, mit denen sie wie Unterwasserflieger schwammen, sowie ihre oft sehr langen Hälse und kleinen Köpfe. Dieses eigenwillige Aussehen ließ Georges Cuvier in den frühen Funden zunächst eine Fälschung vermuten und verleitete Edward D. Cope folgenschwer dazu, den Schädel an der Schwanzspitze eines Skelettes zu platzieren, da der Hals oft länger als der Schwanz war. Plesiosaurier jagten Fische, Tintenfische und andere Meerestiere. Plesiosaurier lebten in den Ozeanen weltweit und sind heute vor allem durch Fossilienfunde aus der Trias-, Jura- und Kreidezeit bekannt.
Die „Westfälischen Plesiosaurier”, auch „Westfälische Vier“ genannt: Rhaeticosaurus (einer der ältesten bekannten Plesiosaurier), Westphaliasaurus, Arminisaurus und Brancasaurus

Arminisaurus schuberti (ChatGPT)

Arminisaurus ist eine Gattung der Plesiosaurier aus der Familie Pliosauridae, die zur Zeit des Unterjura im heutigen Deutschland lebte. Die einzige Art ist Arminisaurus schuberti. Die Gattung ist, nach Westphaliasaurus und Cryonectes, erst der dritte Plesiosaurier, der aus der Stufe des Pliensbachium (190,8–182,7 mya) benannt wurde. Der Holotypus und das bisher einzige bekannte Exemplar von Arminisaurus schuberti ist ein unvollständiges Skelett (etwa 40 % sind erhalten), das einen Teil des Unterkiefers, Zähne, Wirbel, sowie Knochen aus dem Brustgürtel und den Extremitäten umfasst. Die Körperlänge wurde auf 3 bis 4 Meter geschätzt.
Der Holotypus wurde in den frühen 1980er Jahren von dem Hannoveraner Fossiliensammler Lothar Schulz in der jetzt stillgelegten Tongrube Beukenhorst II im Bielefelder Stadtteil Jöllenbeck entdeckt. Die Fundschicht gehört zur Amaltheenton-Formation des Oberen Pliensbachiums (Amaltheus margaritatus-Ammonitenzone). Das Exemplar kam später in den Besitz des Steinhagener Amateurpaläontologen Siegfried Schubert, der den Fund 2015 dem Naturkunde-Museum Bielefeld übergab. Hier ist der Holotypus unter der Exemplarnummer NAMU ES/jl 36052 inventarisiert.
Arminisaurus schuberti besitzt eine Kombination von anatomischen Merkmalen, die innerhalb der Plesiosaurier einmalig ist. Unter anderem ist eine markante Kerbe am Hinterende der Gelenkpfanne des Unterkiefers ausgebildet und der seitliche Bereich des Unterkiefers ist vor der Gelenkpfanne nicht eingebeult wie dies für andere Plesiosaurier dieser Gruppe üblich ist. Die Halswirbel besitzen kleine dornenartigen Vorsprünge, sogenannte parazygapophyseale Fortsätze, sowie stark konkave Gelenkflächen. Das Schulterblatt ist nicht stabförmig und mittig verdickt, wie bei anderen Plesiosauriern des Unterjura, sondern verhältnismäßig dünn. Außerdem besitzt das Schulterblatt einen markanten Kiel an der unteren Außenseite.

Westphaliasaurus ist durch ein nahezu vollständiges und artikuliertes Skelett, dem der Schädel und etwa 38 % der oberen Halswirbel fehlen, bekannt.
Entdeckt wurde es 2007 von dem Amateurpaläontologen Sönke Simonsen im Landkreis Höxter bei Bielefeld in Ostrhein-Westfalen. Die Erstbeschreibung erfolgte 2011 durch Leonie Schwermann und Martin Sander. Die Typusart ist Westphaliasaurus simonsensii. Der Gattungsname leitet sich vom latinisierten Namen für Westfalen, Westphalia, und dem Wort für Echse, saurus, ab. Der Artname ehrt Sönke Simonsen. Schätzungen zufolge war das Tier etwa 4,5 m lang.

Brancasaurus (wörtlich „Brancas Echse“) ist eine Gattung von Plesiosauriern, die in einem Süßwassersee der frühen Kreidezeit im heutigen Nordrhein-Westfalen lebten. Mit seinem langen Hals, dessen Wirbel charakteristisch geformte, haifischflossenartige Dornfortsätze aufweisen, und dem relativ kleinen, spitzen Kopf ähnelt Brancasaurus oberflächlich dem Elasmosaurus, ist aber mit einer Länge von 3,26 Metern als Jungtier deutlich kleiner.
Die Typusart dieser Gattung ist Brancasaurus brancai, die 1914 von Theodor Wegner zu Ehren des deutschen Paläontologen Wilhelm von Branca benannt wurde. Ein weiterer Plesiosaurier aus derselben Region, Gronausaurus wegneri, ist höchstwahrscheinlich ein Synonym dieser Gattung. Obwohl Brancasaurus traditionell als basales Mitglied der Elasmosauridae angesehen wurde, wurde er in jüngerer Zeit als Mitglied oder naher Verwandter der Leptocleididae, einer Gruppe, zu der viele andere Süßwasserplesiosaurier gehören, wiedergefunden.

Obwohl Westfalen bislang die einzige Region in Deutschland ist, die Plesiosaurier-Skelette aus allen Systemen des Erdmittelalters geliefert hat, sind fossile Überreste dieser Tiere auch aus anderen Regionen bekannt. Hierbei sind insbesondere Schwaben, Franken, das Harzumland und Vorpommern zu nennen, wo Jura und Unterkreide spektakuläre Funde geliefert haben. Originale und Abgüsse entsprechender Fossilien sind an viele verschiedene Museen gelangt, national wie international. Als Fossil des Jahres 2026 heben die Westfälischen Plesiosaurier daher nicht nur eine regionale Besonderheit und eine aus evolutionsbiologischer Sicht außergewöhnliche Gruppe hervor. Vielmehr stehen die vier Skelette stellvertretend für die über 120 Arten umfassenden Plesiosauria als Ganzes und ihren umfangreichen Nachweis in Deutschland.
Die vier Skelette werden an drei Standorten bewahrt, die einige von Westfalens bedeutsamsten erdgeschichtlichen Sammlungen beherbergen: das Geomuseum der Universität Münster, das LWL-Museum für Naturkunde (Münster) und das Naturkunde-Museum Bielefeld.
Alle vier Museen planen Veranstaltungen/Vorträge rund um die Westfälischen Plesiosaurier

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