K. J. Charles: Das düstere Geheimnis des Gentleman (Rezension)

London, 1873: Clem Talleyfer ist Leiter einer Londoner Pension, lebt aber ansonsten recht zurückgezogen. Als der geheimnisvolle Rowley Green ein Zimmer bei ihm mietet, fühlt er sich sofort zu ihm hingezogen. Und auch Rowley fällt es schwer, den funkelnden Augen seines Vermieters zu widerstehen. Während Rowleys harte Schale bröckelt und sich die beiden Gentlemen näher kommen, wird die übel zugerichtete Leiche eines anderen Gastes auf der Schwelle der Pension gefunden. Clem und Rowley folgen den Spuren des Mordes und geraten dabei in einen Strudel von düsteren Geheimnissen. Wenn sie den Fall lösen wollen, müssen sie miteinander teilen, was sie tief in ihrem Herzen begraben haben. Können ihre Gefühle füreinander die Gefahr überstehen?
Das düstere Geheimnis des Gentleman ist die Neuauflage des Titels Der schweigsame Gentleman. Wenn ich ehrlich bin ist der Titel eher abschreckend, aber es war der Klappentext, der mich „verführt“ hat, das Buch zu lesen. Dabei ist der Titel aussagekräftiger als die Versprechungen des Klappentexts. Wer eine schwule, leicht seichte Liebesgeschichte erwartet, der wird an dem Buch seine Freude haben. Wer aber mit einem Krimi rechnet, so wie ich, wird wohl eine leichte Enttäuschung erleben. Die Beziehung von Clem und Rowley nimmt sehr viel Platz ein und plätschert ohne große Probleme (wie man sie vielleicht erwarten würde) vor sich hin. Erst spät nimmt die Krimihandlung Fahrt auf, kann sich aber gegenüber der Liebeshandlung nicht vollkommen durchsetzen, obwohl mir die Betrugsgeschichte mit all ihren Verwicklungen sehr gut gefallen hat (andere Autoren schaffen es eine Liebesgeschichte um die Krimihandlung zu wickeln, nicht umgekehrt). Leider kommt dieser Teil des Buchs zu kurz.
Und auch wenn ich zugebe, dass mir Clem und Rowley als Pärchen (und als einzelne Charaktere) gefallen (wo sonst hat man einen Tierpräparator als Hauptperson), so war mir das zu wenig Krimi und zu viel Liebe. Andererseits: Was kann man bei einem Titel von Das düstere Geheimnis des Gentlemans erwarten? Klingt das nicht schon nach schwülstiger Romantik? Der Bahnhofsbuchhandel lässt grüßen (wobei ich mich hier in Vorurteilen ergieße, nicht alles was man als sogenannte Groschenromane angeboten bekommt ist schlecht).
Aber einen Unterschied zu den Groschenromanen gibt es dann doch: Sehr viel Erotik (andere würden das schon als Pornografie bezeichnen).
Zu viel Sex, zu viel Liebe, zu moderne Ausdrücken (ficken, vögeln) zu wenig Regency-Atmosphäre, zu wenig Krimi und keine Spannung. Man hätte mehr daraus machen können.

(Rezension)

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