Georg Beining: Cyprinus auratus (Rezension)

Da ist ein toter Typ in meinem Amazonasbecken! Und so musste es sein, da für die Besucher, die nun schon in einer knappen halben Stunde erwartet wurden, keinerlei Überraschung in Form einer auf tot getrimmten Schaufensterpuppe im Fischbecken geplant war. Und dieser Typ war definitiv tot. Dass der Pressesprecher des Allwetterzoos Münster, Gregor Kotten, die geplante Nachtführung absagen muss, ist klar. Weniger klar ist, was der Tote im Aquarium zu suchen hat und warum zeitgleich eine Tierärztin in Münster-Mecklenbeck sowie der Chef der Zoohandlung Köntzgen sterben müssen. Zufall? Kurz darauf wird ein weiterer Toter auf dem Aasee-Dampfer Professor Landois geborgen. Kotten macht sich zusammen mit seinen Freunden, den van Puffelens, Milla und dem schwerfälligen Fast-Pensionär der Kripo Münster, Kommissar Jurgeleit, an die Ermittlungen. Was mit der Obduktion eines Goldfisches beginnt, bringt Kotten bald in die Fänge einer verrückten Bruderschaft …
Ich habe ein kleines Problem mit Cyprinus auratus (der Goldfisch, der heutzutage als Carassius gibelio forma auratus bezeichnet wird, aber das nur am Rande): Das Buch ist zu kurz und dadurch werden viele Möglichkeiten ignoriert und nicht weiter verfolgt. Und das ist schade, denn eigentlich fängt alles sehr unterhaltsam an. Man bekommt Einblicke in den Allwetterzoo Münster (später erfährt man auch mehr über die EEPS und die Wichtigkeit für die europäischen Zoos).
Der Fall an sich wirkt anfänglich auch eher unspannend: Der Tote hat vermutlich Selbstmord begangen und der aufgespießte kranke Goldfisch in seinem Besitz ist nur Bewierk. Aber die Nachforschungen die Pressesprecher Kotten anstellt werden sehr unterhaltsam beschrieben und sind das Highlight des Buchs. Leider aber auch schon das einzige. Denn die anfänglich gemütliche Erzählweise wird zu Ende des Buchs schneller, aber auch weniger detaillgetreu. Hinzu kommt, dass ich die Motivation des Toten, dessen letzte Lebenswochen der Leser miterleben darf, nicht nachvollziehen kann. Da verändert ein Goldfisch schlagartig das Leben…
Ich habe mir mehr erwartet.
Am Anfang des Buchs fühlte ich mich noch unterhalten (sieht man von verschiedenen Passagen, die das Leben des Toten betreffen, ab), aber danach war das Erzähltempo so schnell, dass nicht einmal Spannung aufkam, da diese sofort in spätestens zwei nachfolgenden Absätzen zu Nichte gemacht wurde.
Ich würde eher einen Besuch im Allwetterzoo Münster empfehlen, als dieses Buch.

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