Dr. Maximilian von Bauenstein: Das geheime Seelenleben der Stabschrecken (Rezension)

Argosarchus horridus (George Hudson)

Die Gespenstschrecken oder Phasmiden (Phasmatodea, Syn.: Phasmida) sind eine Ordnung pflanzenfressender Insekten. Oft wird die Ordnung, bezugnehmend auf die verschiedenen Körperformen, auch als Stab- und Gespenstschrecken angesprochen. Bereits in der im Jahre 1758 erschienenen 10. Auflage von Carl von Linnés „Systema Naturæ“ wurden die ersten drei Arten zunächst unter dem Gattungsnamen Gryllus beschrieben. Bis November 2025 waren 3585 valide Arten beschrieben. Insbesondere seit Ende des 20. Jahrhunderts werden jährlich mehrere Arten entdeckt bzw. neubeschrieben.
Den Namen Gespenstschrecken, vom wissenschaftlichen Namen Phasmatodea (griechisch: Phasma = Gespenst) abgeleitet, erhielten diese Insekten aufgrund ihres Aussehens. Je nach Körperform und Größe werden bestimmte Arten auch „Stabschrecken“, „Wandelnde Blätter“ oder „Wandelnde Äste“ genannt, wobei nur die Wandelnden Blätter eine taxonomische Einheit bilden, nämlich die Phyllioidea. Vielfach werden die Gespenstschrecken in der deutschen Sprache auch „Stabheuschrecken“ oder „Gespenstheuschrecken“ genannt, obwohl als Heuschrecken üblicherweise nur Vertreter der Langfühlerschrecken (Ensifera) und der Kurzfühlerschrecken (Caelifera) verstanden werden.

Dr. Maximilian von Bauenstein gibt nun Einblicke in Das geheime Seelenleben der Stabschrecken. Oder nicht?

Erstaunliche Dinge geschehen im Dschungel: Stabschrecken, die miteinander kommunizieren. Stabschrecken, die ihren Nachwuchs, aber auch alte und kranke Nachbarn liebevoll umsorgen und pflegen. Stabschrecken, die Empfindungen haben, Gefühle, ein Gedächtnis. Unglaublich? Aber wahr! – Der führende Stabschrecken-Forscher Dr. Maximilian von Bauenstein erzählt faszinierende Geschichten über die ungeahnten und höchst erstaunlichen Fähigkeiten dieser Insekten. Dazu zieht er die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse ebenso heran wie seine eigenen unmittelbaren Erfahrungen mit diesen Königen der Wildnis und schafft so eine aufregend neue Begegnung für die Leser: Wir schließen Bekanntschaft mit der Stabschrecke, die uns vertraut schien, uns aber hier erstmals in ihrer ganzen Lebendigkeit vor Augen tritt.
Ich weiß nicht wirklich, was ich von dem Buch halten soll. Ist es Satire? Dann ist es nicht witzig genug. Und es ist auch nicht wirklich ersichtlich. Ist es ernst gemeinte Forschung? Definitiv nicht. Aber was ist es dann? 56 Seiten, um Geld zu machen? Nun, das Buch ist im Thariel-Verlag erschienen, ein kleiner, kaum bekannter Verlag, der mir durch seine seltsamen Bücher aufgefallen ist. Dies sind (wie dieses hier) eher humorvoll/witzig, auch wenn es Ausnahmen gibt, die in die Fachliteratur driften. Was es umso schwerer macht dieses Buch einzuschätzen.
Auf jeden Fall eine Warnung: Wer tatsächlich Einblicke in das geheime Seelenleben der Stabschrecken wünscht, der wird hier nicht fündig. Zumal man sich erst einmal Gedanken über die Begrifflichkeiten der Seele machen muss und in wie weit Stabschrecken eine solche besitzen könnten. Aber das ist eine eher religiöse/philosophische (und vielleicht auch schwachsinnige) Diskussion, die der Autor scheut. Wie er auch so viele andere scheut.
Es gibt keine Quellenangaben, es gibt keine Autorenvita, aber das braucht man ja auch nicht. Ich gehe fast davon aus, dass es diesen Doktor nicht gibt, es sich eher um ein Pseudonym handelt, denn auch eine (zugegebenermaßen kurze) Internetrecherche hat nichts zu tage gebracht.
Abgesehen davon ist hier auch von einem Tierarzt die Rede, der Stabschrecken Blut abnimmt und den Puls misst. Heutige Stabschrecken sind winzig, im Vergleich zu prähistorischen Verwandten, die bis zu sieben Meter Körperlänge haben können … nun ja, das größte bisher entdeckte Fluginsekt war Meganeuropsis permiana, eine Riesenlibelle mit einer Körperlänge von ca. 43 cm. Der größte Gliederfüßer war Arthropleura ein Vertreter der Tausendfüßer mit einer Länge von ca 2,6 m. Beide also um einiges kleiner als die angebliche Ur-Stabschrecke. Und in wie weit man die Lebensweise der Stabschrecken auf das menschliche Dasein übertragen kann ist ebenso fraglich. Ernst nehmen kann man das Buch nicht, wirkliche Informationen zu Stabschrecken bekommt man auch nicht … und auch keinen Hinweis, was das Buch bezweckt. Also eher Hände weg.
Und Goldfische leben nicht im Meer.

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(ja, das mag etwas inkonsequent sein, wenn ich kurz vorher vom Buch abrate, aber wer sich die dortigen Rezensionen anschauen möchte … diese sind teilweise auch etwas fragwürdig)

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