Celine Edinger: Die Austernfischerin (Rezension)

Pazifische Auster (ChatGPT)

Die Pazifische Auster stammt ursprünglich aus den Küstengewässern des westlichen Pazifiks von Sachalin (etwa 48° N) im Norden bis nach Kyūshū (Japan) im Süden, an der Festlandsküste bis Südchina (ca. 30° N). Sie wurde aber mittlerweile über große Teile der Welt als Zuchtauster verbreitet. Nach genetischen Analysen stammten die Zuchttiere von der Küste der Präfektur Miyagi im Nordosten der japanischen Hauptinsel Honshū. Von den Austernkulturen in Europa hat sie sich weiter verbreitet. 1964 wurde die Art in der Oosterschelde (Niederlande) ausgesetzt, von wo sie sich anschließend nach Nordwesten ausbreitete und etwa 1980 das Wattenmeer bei Texel erreichte. Im Bereich der deutschen Nordseeküste wurde sie erstmals 1986 in der Nähe der ersten deutschen Austernfarm westlich von Norddeich entdeckt. Bis 2002 gab es nur wenige Pazifische Austern im Niedersächsischen Wattenmeer. Inzwischen wird befürchtet, dass das Neozoon aufgrund des Fehlens von Fressfeinden und durch mildere Winter die Miesmuscheln als vorherrschende Muscheln verdrängen könnte. Auch im Mittelmeer wurde sie angesiedelt, wo sie sich von den Austernfarmen weiter ausgebreitet hat.
Die Pazifische Auster ersetzt in der Nordsee aber nicht die dort bis 1930 durch Überfischung ausgerottete Europäische Auster (Ostrea edulis), da diese Art Austernbänke ausschließlich im flachen Sublitoral bildete.

Lydia verbringt ihren Urlaub im Haus der Mutter ihres Freunds Hendrick an der dänischen Nordseeküste. Elna gilt als schroff wie die See. Als Hendrick erfährt, dass er durch eine Prüfung gefallen ist und lernen muss, ist Lydia auf sich gestellt. Elnas Einladung, ihr bei der Austern-Ernte zu helfen, nimmt sie zögernd an, und erkennt auf den kargen Sandbänken eine Seite an Elna, die nur die wenigsten zu kennen scheinen. Vorsichtig erkundet Lydia eine zarte Zuneigung zu der unnahbar wirkenden Frau, während Hendricks Verhalten immer rätselhafter wird. In dem abgeschiedenen Haus macht Lydia schließlich eine Entdeckung, die alles auf den Kopf stellt. Weder der Sohn noch die Mutter sind das, was sie zu sein scheinen. Celine Edingers Debüt erzählt sinnlich und bildstark von Intimität und Tabubruch, fragt, ab wann sich Grenzen verschieben, und ergründet das Gefühl, von einem Menschen wirklich gesehen zu werden.
So ganz wusste ich nicht, was mich erwarten sollte. Und auch nachdem ich DIE AUSTERNFISCHERIN gelesen habe, war ich mir nicht sicher, was ich gelesen habe.
Mit DIE AUSTERNFISCHERIN legt Celine Edinger ein bemerkenswert ruhiges und atmosphärisch dichtes Debüt vor. Statt auf große Wendungen oder dramatische Konflikte setzt der Roman auf Blicke, Berührungen und das, was unausgesprochen zwischen Menschen entsteht. Tatsächlich passiert kaum etwas, fast hat man den Anschein einen mehr oder weniger normalen Urlaubsbericht zu lesen. Sehr subtil entwickelt sich die Beziehung zu Elna und Lydia, ebenso subtil wie sich Hendrick und Lydia voneinander entfernen. Es wird viel angedeutet, nichts wirklich ausgesprochen und so liegt auch der Reiz dieses Romans eher in dem was nicht gesagt wird, was nicht passiert. Die Charaktere bleiben oberflächlich, aber auch das passt zum Stil von DIE AUSTERNFISCHERIN, denn die Auster (die pazifische) dient schon fast als Symbol des Romans. Auch wenn sie eine direkte Rolle spielt, und man einiges über die Bedeutung der Pazifischen Auster erfährt, so bietet sie gleichzeitig ein Abbild dessen, was auf viele Charaktere der Geschichte zutrifft: Harte Schale, weicher Kern.
Edinger beschreibt Landschaft, Wetter, Gerüche und Speisen mit einer beinahe sinnlichen Präzision. Man hört das Rauschen der Brandung, spürt den kalten Wind auf der Haut und glaubt den Salzgeschmack des Meeres auf der Zunge zu haben. Die Natur ist hier keine bloße Kulisse, sondern ein Spiegel der Figuren und ihrer Gefühle, denn diese bleiben doch etwas unnahbar und lassen die Geschichte fast wie ein Gemälde oder einen Kunstfilm wirken. Tatsächlich ist DIE AUSTERNFISCHERIN ein Roman, den man nicht so leicht aus den Händen legen kann, doch die Erwartungen auf mehr werden nicht erfüllt. Was aber auch zur Atmosphäre beiträgt. Keine hektischen Ereignisse, keine plötzlichen hemmungslosen Sexszenen … das alles passt nicht, und das alles gibt es nicht. Nur … am Ende hat man das Gefühl Zeuge einer Geschichte geworden zu sein, die noch kein Ende gefunden hat.
Einepoetische Sprache und fein beobachtete zwischenmenschliche Beziehungen gehören zu den Stärken des Romans. Celine Edinger beweist ein außergewöhnliches Gespür für Atmosphäre und Zwischentöne und erzählt eine Geschichte, die lange nachhallt – leise, melancholisch und voller Sinnlichkeit, obwohl vieles auch der Fantasy des Lesers (oder der Leserin) überlassen wird.

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(Rezensionsexemplar)

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