Bernard Werber: Die Invasion (Rezension)

Die Ameisentrilogie in einem Band

Die Ameisen
Als Jonathan Wells das alte, beinahe verfallene Haus seines Onkels in Paris erbt, ahnt er nicht, dass ihn dort mehr erwartet als nur umfangreiche Renovierungsarbeiten. Doch sein Onkel hinterlässt ihm eine Warnung: unter keinen Umständen soll Jonathan den Keller betreten. Zunächst halten sich Jonathan und seine Familie an das Verbot, schließlich war Onkel Edmondo ein genialer Wissenschaftler, und niemand will sich den potenziell gefährlichen Überbleibseln seiner Experimente aussetzen. Doch dann verschwindet Jonathans Hund, und er muss Edmondos Verbot übertreten. Was er im Keller findet, übersteigt seine Vorstellungskraft: Ameisenvölker, deren kollektive Intelligenz ein unglaubliches Niveau erreicht hat. Und die einen grausamen Vernichtungsfeldzug gegen die Menschheit planen …

Der Tag der Ameisen
Paris, ein Jahr nach den Ereignissen in „Die Ameisen“: Von den insgesamt 17 Menschen, die im Keller von Jonathan Wells‘ Haus verschwunden sind, fehlt weiterhin jede Spur. Was die Ermittler nicht ahnen: diese Menschen sind nach wie vor am Leben – und Gefangene einer gigantischen Ameisenkolonie, deren Kollektivintelligenz dank der Experimenten von Edmondo Wells ins Unermessliche gesteigert wurde. Sie planen die Ausrottung der Menschheit, doch der enge Kontakt zwischen den Ameisen und ihren Gefangenen geht nicht spurlos an den Angehörigen beider Spezies vorüber.
An der Oberfläche geschieht in der Zwischenzeit eine Reihe von grausamen Morden. Die Opfer sind ausnahmslos Chemiker, die an Insektenvernichtungsmitteln forschen. Der junge Kommissar Jaques Méliès wird mit der Aufklärung des mysteriösen Falles beauftragt. Ihm zur Seite steht Laetitia Wells, Jounalistin – und Jonathan Wells’ Tochter …

Die Revolution der Ameisen
Unterhalb von Paris lebt eine gigantische Kolonie Roter Waldameisen, deren kollektive Intelligenz von Edmondo Wells, einem genialen Wissenschaftler, so gesteigert wurde, dass sie derjenigen der Menschen gleichkommt. Als Edmondo stirbt und sein Haus inklusive der Kolonie seinem Neffen Jonathan vermacht, löst dieser nichts ahnend einen Krieg aus: Er vernichtet eines der Ameisennester im Keller. Die Insekten schlagen zurück und nehmen Jonathan und einige Mitglieder seiner Familie gefangen, um mehr über ihre Feinde zu erfahren. Die Königin plant einen Rache- und Vernichtungsfeldzug gegen die allein durch ihre Größe schier übermächtigen Menschen. Doch der Kontakt zwischen Ameisen und Menschen fördert mehr als nur Hass zwischen den Spezies: Ein Teil der Kolonie beginnt, die Menschen als Götter zu verehren. Eine davon ist Ameise 103 683. Als sie auf die Studentin und Musikerin Julie Pinson trifft und deren Musik hört, verändert sich nicht nur die Sicht dieser einen Ameise auf die Welt, sondern sie löst eine wahre Revolution aus – der sich die Königin mit aller Macht entgegenstellt.

Die drei Bände bestehen aus kurzen, durchnummerierten Kapiteln, welche aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt werden. Zum einen erfährt der Leser die Sicht der Menschen, zum anderen auch die der Ameisen (gewöhnungsbedürftig und auch ungewöhnlich die Sicht der Dinge aus dem Blickwinkel eines bzw. mehrere Insekten zu erfahren, die erstaunlich eigenständig handeln, kleine Revolutionäre sozusagen). Außerdem gibt es Auszüge aus der Enzyklopädie des verstorbenen Edmond Wells, der Leitfaden der sich durch alle drei teile zieht (während die Protagonisten bis auf wenige Ausnahmen wechseln).
Es mag wirklich gewöhnungsbedürftig sein Ameisen als Helden einer Geschichte zu nehmen, ohne diese dabei allzu sehr zu vermenschlichen, aber auf eine gewisse Art und Weise funktioniert es und ich gebe zu, dass mich das Schicksal, bzw. die Abenteuer der Ameisen mehr interessiert hat als das der Menschen. Diese Tiergeschichte entwickelt ihre ganz eigene Dynamik während ich die Motive der menschlichen Protagonisten nicht ganz nachvollziehen kann und teilweise auch merkwürdig finde (warum sollte ich mich unter die Erde begeben, mit Ameisen kommunizieren und mich von ihnen abhängig machen).
Manchmal musste ich dem Drang widerstehen und diese Teile nicht zu überfliegen, wobei ich mir besonders bei DIE REVOLUTION DER AMEISEN schwer getan habe, dieser Teil war am wenigsten nachvollziehbar, sehr abstrus und … langweilig. Aber ich habe bis zum Ende durchgehalten. Die ersten beiden Teile der Trilogie lasen sich dagegen sehr angenehm, vielleicht weil die Erzählweise neu war und die Ameisen wirklich interessante Protagonisten waren. Die menschlichen Charaktere im zweiten teil waren auch okay und einigermaßen nachvollziehbar, während sie es im ersten teil nicht waren. Vor allem hätte man eine kriminalistische Handlung einbauen und vertiefen können, aber das verschwinden von mehreren Menschen gerät irgendwann in Vergessenheit (und ich finde es doch seltsam dass diese Personen an einem anderen Ort mehr oder weniger konfliktfrei zusammenleben, trotz unterschiedlicher Herkunft und Bildung. Ich weiß nicht ob ich mich von jetzt auf gleich einer Kolonie mir unbekannter Personen anschließen würde…
Aber die Ameisen … vielleicht nicht unbedingt wissenschaftlich korrekt in der Darstellungsweise, aber unter dem Aspekt der SF durchaus akzeptabel und gut geschildert sind sie die tatsächlichen „Helden“ der Geschichte, die in gewisser Weise auch nicht anders sind als die Menschen: Sie haben eine Geschichte, führen Kriege, lagern ihr Wissen in einer chemischen Bibliothek und denken über Taktiken nach. Und sie sind intelligent (und einige sogar religiöse Fanatiker)

Die Trilogie ist ganz nett aber vollkommen überzeugen konnte sie mich nicht.
Die Vermenschlichung der Ameisen und die Motivation der Menschen ist nicht immer nachvollziehbar, den (stillen) Revolutionsgedanken im letzten Band finde ich unausgegoren und etwas an den Haaren herbeigezogen. Und … die Geschichte ist zu lang, wirklich begeistern kann die Trilogie, trotz einiger guter Gedankengänge, nicht. Der letzte Band zieht sich fast spannungsarm durch die Länge und manchmal sind die Ameisen doch zu harmonisch.

Die Ameisentrilogie mag einen ungewöhnlichen Ansatz bieten, gehört aber nicht unbedingt zu den Buchreihen, die man gelesen haben muss.

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