Ausgestorbene Fische der Neuzeit 5

Carcharhinus obsolerus ist eine Haiart aus der Familie der Requiem- oder Grauhaie, die erst Anfang 2019 beschrieben wurde. Typusexemplare waren drei konservierte Jungtiere, die vor Jahrzehnten gefangen worden sind. Als Fundort der drei Jungtiere werden Bangkok, Ho-Chi-Minh-Stadt und Baram (Sarawak) angegeben. Das Verbreitungsgebiet der Art liegt wahrscheinlich im Südchinesischen Meer könnte jedoch auch weiter sein. Da es von Carcharhinus obsolerus seit 1934 keinen Nachweis mehr gibt ist die Art möglicherweise inzwischen ausgestorben.
Die jungen Typusexemplare sind 34, 37 und 43,3 cm lang. Da ausgewachsene Exemplare nicht bekannt sind, ist auch deren Größe und die Maximallänge der Art unbekannt. Die konservierten Jungfische sind auf der Oberseite grau und auf der Unterseite hell gefärbt. Die hellere Kopfunterseite beginnt am oberen Augenrand und an den äußeren Nasenöffnungen und ist von oben gesehen am Rand sichtbar. Der Übergang der Tönungen ist am Kopf plötzlich und erfolgt auf dem Rumpf und dem Schwanzstiel allmählich. Die Kiemenspalten sind hellgrau und ihre Ränder sind noch heller. Auch die Flossen sind grau und ohne schwärzliche oder helle Zeichnungen. Die erste Rückenflosse ist grau mit einer helleren unteren Spitze; die zweite Rückenflosse ist ebenfalls grau mit einem leicht helleren äußeren Rand. Die Afterflosse ist etwas heller als die Rückenflossen. Die Schwanzflosse ist grau, die Enden der zwei Loben sind etwas dunkler als die übrige Flosse. Die Brustflossen sind grau mit einem hellen Außenrand; die Bauchflossen sind grau und an der Basis hell. Die Augen sind schwärzlich, die Nickhaut ist hell.
Carcharhinus obsolerus ist wahrscheinlich eine relativ kleine, schlanke Haiart. Der Kopf ist breit und von oben gesehen parabolförmig. Die Augen sind relativ groß. Ein Interdorsalkamm fehlt. Die vorderen Zähne im Oberkiefer sind dreieckig, gesägt und an der Basis breit. Im Unterkiefer sind die vorderen Zähne schmaler und haben in den meistens Fällen gerade Spitzen. In beiden Kiefern sind die hinteren und seitlichen Zähne leicht gebogen. Im Oberkiefer finden sich 27 bis 31 Zahnreihen, im Unterkiefer sind es 26 bis 29. Die erste Rückenflosse ist dreieckig. Sie beginnt oberhalb des ersten Drittels der Brustflossen. Die zweite Rückenflosse ist etwas kleiner als die Afterflosse und viel kleiner als die erste. Ihre Höhe liegt nur bei 22 bis 31 % der Höhe der ersten Rückenflosse. Die zweite Rückenflosse beginnt deutlich vor dem vorderen Ende der Afterflosse. Die Afterflosse ist 1,2 bis 1,5 mal höher als die zweite Rückenflosse. Carcharhinus obsolerus hat 114 bis 120 Wirbel. Insgesamt ähnelt Carcharhinus obsolerus dem Borneohai (Carcharhinus borneensis) unterscheidet sich von dieser Art aber in der Anzahl und der Morphologie der Zähne und bei einigen anderen morphologischen Merkmalen.
Der letzte Nachweis der Art stammt aus dem Jahr 1934. Trotz intensiver Suche auf Fischmärkten in der Region wurde in den letzten 20 Jahren kein Exemplar mehr gefunden. Da der vermutete Lebensraum der Art, die flachen Küsten des Südchinesischen Meeres, intensiv und unkontrolliert befischt werden, muss davon ausgegangen werden, dass Carcharhinus obsolerus inzwischen ausgestorben ist. Jedoch ist es noch nicht ausgeschlossen, dass in Zukunft Exemplare von Carcharhinus obsolerus gefunden werden. Auch der Borneohai galt lange Zeit als ausgestorben, bevor er im Jahr 2007 wiederentdeckt wurde.

Syrdarja-Schaufelstör (Fishes of Turkestan)

Der Syrdarja-Schaufelstör hat wie die anderen Schaufelstöre einen spindelförmigen, vorne verbreiterten Körper mit einer breiten, flachen spatelförmigen Schnauze. Er erreicht nur eine Körperlänge von 20,7 bis 27 Zentimetern, mit dem Filament der Schwanzflosse bis zu 36 Zentimetern. Die Schnauze trägt keine Stacheln und ist länger als bei den beiden Amudarja-Schaufelstören. Ihre Länge variiert deutlich zwischen den verschiedenen Morphen. Entlang des Körpers verlaufen die für Störe typischen fünf Reihen von Knochenschuppen, wobei diese zahlreicher sind als bei den Amudarja-Arten. Die Reihe entlang des Rückens zählt 15 bis 22 Schilde mit 4 bis 5 weiteren kleinen Schilden hinter der 30- bis 34-strahligen Rückenflosse. Die seitlichen Reihen zählen 37 bis 46 und die Bauchreihen 6 bis 11 Schilde. Die Brustflossen sind an ihrem äußeren Rand nach oben gefaltet. Die Afterflosse weist 19 bis 20 Strahlen auf, vor ihr sitzen 4 bis 5, dahinter noch einmal 1 bis 5 kleine Schilde.
Historisch konnten drei Morphen unterschieden werden. Die gewöhnliche Morphe wies eine lange Schnauze und kein Filament an der Schwanzflosse auf, die brevirostris-Morphe eine kürzere Schnauze und ein langes Filament am oberen Lappen der Schwanzflosse und die intermedia-Morphe eine mittellange Schnauze und ein mittellanges Filament.
Die Art kommt endemisch im Syrdarja vor und besiedelte früher die unteren und mittleren Abschnitte des Flusses. Über die Lebensweise ist fast nichts bekannt. Ausgewachsene Tiere ernähren sich überwiegend von bodenlebenden Insektenlarven. Die Laichzeit liegt im April.
Der Syrdarja-Schaufelstör ist vor allem durch die Zerstörung seines Lebensraums bedroht. Der letzte Nachweis der Art stammt von 1960, so dass sie effektiv wahrscheinlich ausgestorben ist.

Der Kleine Amudarja-Schaufelstör hat wie die anderen Schaufelstöre einen spindelförmigen, vorne verbreiterten Körper mit einer breiten, flachen spatelförmigen Schnauze. Sein Rücken ist dunkelbraun, der Bauch weiß. Morphologisch ist er dem Großen Amudarja-Schaufelstör (Pseudoscaphirhynchus kaufmanni) sehr ähnlich, bleibt aber mit einer Körperlänge von 20,7 bis 27 Zentimetern deutlich kleiner. Außerdem ist die Schnauze verhältnismäßig länger und abgerundeter und besitzt keine Stacheln. Mit zunehmendem Alter nimmt die Länge der Schnauze weiter zu. Die Augen sind sehr klein. Vor dem quer verlaufenden Maul sitzen zwei Paar ungefranster Barteln, von denen das äußere doppelt bis dreimal so lang ist wie das innere. Die Unterlippe ist in der Mitte geteilt. Entlang des Körpers verlaufen die für Störe typischen fünf Reihen von Knochenschuppen. Diese haben keine oder sehr kleine Stacheln. Die Reihe entlang des Rückens zählt 9 bis 13 Schilde, die jeweils etwa die Hälfte des nachfolgenden Schildes bedecken, mit 4 bis 5 weiteren kleinen Schilden hinter der 28- bis 31-strahligen Rückenflosse. Die seitlichen Reihen zählen 30 bis 39 wie die Rückenreihe überlappende und die Bauchreihen 6 bis 10 Schilde. Die Brustflossen sind an ihrem äußeren Rand nach oben gefaltet. Die Afterflosse weist 15 bis 24 Strahlen auf, vor ihr sitzen 4 bis 5, dahinter noch einmal 1 bis 3 kleine Schilde. Zwischen den Knochenschilden sitzen regelmäßig verteilte Knötchen. Im Gegensatz zum Großen Amudarja-Schaufelstör hat die Schwanzflosse kein filamentöses Anhängsel.
Mit dem Großen Amudarja-Schaufelstör hat der kleine Amudarja-Schaufelstör früher häufig Hybride gebildet.
Die Art kommt endemisch im Amudarja vor und besiedelte früher die unteren und mittleren Abschnitte des Flusses. Über die Lebensweise ist fast nichts bekannt. Ausgewachsene Tiere ernähren sich überwiegend von bodenlebenden Insektenlarven.
Der Kleine Amudarja-Schaufelstör ist vor allem durch die Zerstörung seines Lebensraums bedroht. Die Art ist schon immer selten gewesen und 1996 wurden zum ersten Mal seit 15 Jahren drei Tiere gefangen.

Schwertstör (Muséum d’histoire Naturelle)

Die Stirnpartie des Schwertstörs ist zu einem mächtigen Fortsatz, der etwa ein Drittel der Gesamtlänge des Fisches erreicht, ausgezogen. Schwertstöre werden über drei Meter lang und bis zu 500 kg schwer (Angaben über früher größere Längen, bis 7 m, sind nicht unmöglich, aber mit großer Vorsicht aufzufassen). Die Augen sind sehr klein und schwach (der Yangtse ist stets trüb). Ein großes Maul dient dem Raubfisch zum Fischfang. Offenbar kann er Schwärme kleiner Fische (z. B. Heringe) durch Seihen einschlürfen. Er frisst aber auch vom Grund Krebstiere.- Die obere Seite der Schwanzflosse ist mit größen glänzenden Ganoidschuppen, den Fulkren, bedeckt, woraus sich der Gattungsname erklärt: (altgr.) Psephurus bedeutet „Glattschwanz“ (von psēphos „glatter Kiesel“)
Durch weißliche Färbung, nackte Haut, kurze Flossen, breiten Kiemendeckelsaum und geringe Verknöcherung macht der Fisch trotz seiner Größe einen „unreifen“ Eindruck, so dass ihn Grande und Bemis in ihrer großen vergleichend-osteologischen Studie (1991) sogar mit dem pädomorphen Axolotl vergleichen.
Der bis zu 3,0 m lange Schwertstör ist in China im Yangtse und seinen Nebenflüssen endemisch. Deswegen ist er durch den Bau des Drei-Schluchten-Damms zusätzlich bedroht. Es gibt Forscher, die ihn bereits für ausgestorben halten. Fachleute in China hoffen auf den „Glücksfall“, dass man noch ein fortpflanzungsbereites Weibchen fängt, denn da man tiefgekühltes Sperma hat, könnte man damit bald hunderttausende Larven aufziehen.
Zhang et al. (2019) gehen davon aus, dass der Schwertstör zwischen 2005 und 2010 ausgestorben ist.

Das Verschwinden vieler Buntbarsche der Gattung Haplochromis wird vor allem dem im Victoriasee in den 1960er-Jahren ausgesetzten fischfressenden Nilbarsch zugeschrieben, der deshalb auch in die Liste der 100 gefährlichsten Neobiota aufgenommen wurde. Seit er allerdings in diesem See industriell befischt wird und dadurch erheblich dezimiert wurde, haben sich viele der kleineren Arten wieder erholen können, von denen zuvor gesagt wurde, dass sie ausgestorben seien. Welche Arten im Victoriasee durch den Nilbarsch letztendlich tatsächlich ausgestorben sind, lässt sich aufgrund der schlechten Datenlage in einem Gewässer von der Größe dieses Sees nicht feststellen.
Haplochromis arcanus und Haplochromis spekii wurden bereits im Blog vorgestellt.
Haplochromis vonlinnei wird maximal 15,9 cm lang. Sein Körper ist mäßig langgestreckt, das obere Kopfprofil sanft gerundet. Die Schnauze ist relativ spitz, die Zähne sind stark gebogen. Die Art zeigt eine bräunlich-graue Grundfärbung, der Kiemendeckel und die oberen Körperseiten schimmern goldbraun. Auf der Mitte der Flanken zeigt sich ein deutliches, dunkles Längsband, das bei Männchen breiter als bei den Weibchen ist. Ein weiteres dunkles Längsband liegt direkt unterhalb der Rückenflosse.
Haplochromis vonlinnei wurde nur im tansanischen Teil des Victoriasees im Golf von Mwanza gefunden. In den Därmen der untersuchten Exemplare wurden Überreste kleinerer haplochrominer Buntbarsche gefunden, woraus geschlossen wird, dass es sich bei Haplochromis vonlinnei um einen spezialisierten Fischfresser handelt.
Die Art ist nach dem Begründer der modernen Taxonomie, dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné, benannt. In ihrer Einleitung zur Erstbeschreibung bedauern die Autoren, dass von den ursprünglich 26 Fischarten, die nach Linné benannt wurden, nur eine auch heute noch als gültig angesehen wird, während die übrigen mit anderen Arten synonymisiert wurden. Mit Haplochromis vonlinnei sollte Linné durch eine zweite gültige Art geehrt werden. Die Beschreibung der Art erfolgte anhand von fünf Exemplaren, die zwischen 1978 und 1980 im Golf von Mwanza im südlichen Teil des Victoriasees gefangen wurden. Es sind die einzigen bis heute bekannten Exemplare der Art.

Haplochromis bicolor (Boulenger, George Albert)

Haplochromis bicolor kann eine Gesamtlänge von 18 cm erreichen. Männchen haben eine dunkel, schiefergraue Grundfärbung und einen hellen, leicht silbrig schimmernden Bauch. Die Körperseiten und die Kiemendeckel schimmern leicht purpurn. Unterkiefer, Wangen, Kehle (Branchistegalmembranen) und Brust sind schwarz. Die Rückenflosse ist schwärzlich und zeigt auf den Membranen zwischen den Flossenstrahlen rote Punkte und Linien. Die Afterflosse ist grau und trägt purpurne Eiflecke. Weibchen sind gelblich grün mit einem silbrigen Bauch, gelblich grüner Rücken- und Afterflosse, wobei die Rückenflosse gelegentlich zwei Längsstreifen zeigt, und farbloser Schwanz- und Bauchflossen. Neben der beschriebenen Normalform gibt es eine schwarzweiße und eine OB-Morphe (Männchen und Weibchen sind orange-schwarz gefleckt).
Von anderen Haplochromis-Arten unterscheidet sich Haplochromis bicolor vor allem durch die kräftigen Zähne der äußeren Zahnreihe in beiden Kiefern, die schräg abgeschnittene, zweispitzige Kronen besitzen. Die vorn liegende Hauptspitze ist nach innen gerichtet, die hintere Spitze steht senkrecht, ist nur wenig ausgebildet und wegen der extremen Biegung der Hauptspitze nach innen steht sie den Lippen näher als die Hauptspitze. Bei kleinen Exemplaren sind die Zähne der inneren Zahnreihen klein und ein- oder zweispitzig. Bei Individuen, die größer als 8 bis 9 cm (SL) sind, sind die Zähne der inneren Zahnreihen größer und ähneln denen der äußeren Zahnreihe. Deshalb ist auch der bezahnte Bereich der Prämaxillare breiter. Die Zähne der äußeren Zahnreihe sind auch bei geschlossenem Maul sichtbar.
Haplochromis bicolor lebt küstennah über sandigem oder felsigem Bodengrund und ernährt sich von Mollusken.
Die Bestände von Haplochromis bicolor sind seit den 1970er Jahren dramatisch eingebrochen. Seit 1991 wurde die Art im See nicht mehr gesehen und ist dort möglicherweise ausgestorben. Eventuell gibt es aber noch kleine Populationen in geschützten Bereichen des Sees.
Es gibt aber noch zahlreiche andere Haplochromis-Arten, die entweder ausgestorben oder vom Aussterben bedroht sind.

Tristramella sacra (Louis Charles Émile Lorte)

Tristramella sacra wird maximal 28 cm lang. 37,5 bis 43,9 % der Gesamtlänge nimmt der Kopf ein. Das Maul ist groß, der Unterkiefer steht vor. Im Oberkiefer haben die vorne zwei bis drei und an den Seiten zwei Zahnreihen. Alle Kieferzähne sind konisch. Die untere Pharyngealia ist nur wenig länger als breit und hat eine mittige Reihe großer backenzahnähnlicher Zähne. Männchen wachsen schneller und werden größer. Auf dem unteren Ast des ersten Kiemenbogens befinden sich 10 bis 13 Kiemenrechen. Ihre Flossen sind größer als die der Weibchen.
Flossenformel: Dorsale XIII–XV/11, Anale III/8.
Schuppenformel: SL 30–32.
Die Fische sind am Rücken olivgrün gefärbt, an den Körperseiten und am Bauch sind sie silbrig mit bläulichen Flecken. Einige längliche dunkle Flecken sind manchmal an den Körperseiten sichtbar. Die Flossen sind gelblich.
Tristramella sacra lebt im Uferbereich des See Genezareth und in Quellen in Seenähe. Die Art ist omnivor und ernährt sich vor allem von Phytoplankton, gelegentlich auch von kleinen Fischen. Die Fortpflanzungszeit dauert von April bis Juli. Die Fische sind Maulbrüter. Gelaicht wird in Sandmulden oder im Röhricht. Ein Gelege umfasst maximal 250 Eier.
Die Fischart wurde 1865 durch den deutschen Zoologen Albert Günther unter dem wissenschaftlichen Namen Hemichromis sacra beschrieben und 1942 Typusart der von der britischen Ichthyologin Ethelwynn Trewavas eingeführten Gattung Tristramella.
Tristramella sacra wurde seit den Jahren 1989/90 nicht mehr gesichtet.
Weitere ausgestorbene Vertreter der Gattung Tristramella:
Tristramella intermedia wurde seit Trockenleegung des Lebensraum in den 1970er-Jahren nicht mehr gesichtet)
Tristramella magdelainae wurde in den 1950er-Jahren zuletzt gesichtet)

 

Dieser Beitrag wurde unter Ausgestorben, Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.