Die Bekämpfung invasiver Arten gehört zu den größten Herausforderungen im Artenschutz. Mit der Konstruktion synthetischer Gene Drives verbindet sich die Hoffnung, dieses Problem dauerhaft und human lösen zu können. Doch kann Gentechnik tatsächlich eine nachhaltige Alternative zu bisherigen Maßnahmen sein?
Anhand dieser Frage untersucht Uta Eser die Wirksamkeit, Sicherheit und gesellschaftliche Akzeptanz eines möglichen Einsatzes von Gene-Drive-Mäusen. Grundlage ist der Vergleich mit einem konventionellen Bekämpfungsprojekt, dem »Lord Howe Island Rodent Eradication Program«. Darüber hinaus diskutiert sie die Relevanz dieser Debatte für den Naturschutz in Deutschland und lotet deren ethische Dimensionen aus.
Die Schrift ist eines von drei Gutachten, die als Informationsbasis für das TAB-Gutachten »Gene Drive: Technologien zur Verbreitung genetischer Veränderungen in Populationen« dienten. Sie setzt nicht bei technischen Verheißungen an, sondern bei den konkreten Bedingungen vor Ort und versteht sich als Beitrag zu einer wissenschaftlich und ethisch fundierten Meinungsbildung.
„Neue Gentechniken im Naturschutz?“ ist eine wissenschaftliche Analyse, die sich mit den ethischen, ökologischen und gesellschaftlichen Fragen neuer genetischer Methoden im Naturschutz beschäftigt.
Es wird die Frage untersucht, ob und unter welchen Bedingungen neue gentechnische Verfahren, insbesondere sogenannte Gene Drives, im Naturschutz eingesetzt werden könnten, um drängende Probleme wie invasiv gewordene Arten zu bekämpfen. Dabei setzt Eser nicht primär auf technische Potenziale, sondern auf eine sorgfältige Bewertung von Nutzen, Risiken, Sicherheit und gesellschaftlicher Akzeptanz.
Eser widmet sich insbesondere der Hypothese, dass gene drives – genetische Mechanismen, die eine bestimmte Veränderung sehr effektiv in Populationen verbreiten – dazu genutzt werden könnten, invasive Arten gezielt zu reduzieren oder auszurotten, im Vergleich zu konventionellen Bekämpfungsmethoden, hier speziell die Vernichtung invasiver Mäusepopulationen auf der Lord Howe Insel
Die Analyse vergleicht den gentechnischen Ansatz mit klassischen Naturschutzprojekten Dadurch wird die Frage gestellt, ob genetische Methoden tatsächlich nachhaltigere oder humanere Lösungen bieten.
Ein zentrales Anliegen ist die Bewertung ökologischer Risiken, möglicher unbeabsichtigter Folgen und der Frage, wie solche Technologien in der Gesellschaft wahrgenommen und legitimiert werden könnten.
Und auch wenn das Gutachten kein ethisches sein sollte, geht die Autorin in diesem Buch auch darauf ein.
Wenn man an ein Gutachten denkt, klingt das eher nach einer trockenen Abhandlung, aber Esers „Gutachten“ ist alles andere als trocken und auch für den Laien zum einen verständlich, als auch interessant. Und so bietet Einblicke in den Naturschutz, die Ethik von Versuchstieren, was invasive Tiere bedeuten können und welche Probleme (darunter auch ethische) das Entfernen dieser mit sich bringt.
Wissenschaftlich interessierte Tierfreunde werden dem Buch einiges abgewinnen können … und ich muss zugeben, Gene Drives sind ein interessantes Thema, das viele Möglichkeiten hätte … und es liegt an uns zu entscheiden, wie weit man damit gehen möchte.
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