Tim Flannery: Europa – Die ersten 100 Millionen Jahre (Rezension)

»Europa«, verkündete Angela Merkel 2007 in Berlin, »ist viel mehr als Milchkühe und die Chemikalienrichtlinie«. Zweifellos verbindet die Landmassen vom nördlichen Skandinavien bis zum südlichen Italien mehr als ein gemeinsamer Name. Aber die Fragen, was Europa, wer Europäer und was europäisch ist, sind heute so umstritten wie selten zuvor.
In seinem beeindruckenden Buch geht Tim Flannery zurück bis zu den Ursprüngen des Kontinents. Vor rund 100 Millionen Jahren entwickelte sich auf der Inselgruppe, die später unseren Erdteil formen sollte, erstmals eine Region mit eigenen Arten. Seitdem ist Europa Schauplatz steter Veränderung, ein Schmelztiegel für Spezies jeder Herkunft.
Von der Entstehung der ersten Korallenriffe über die Ära, als noch riesige Elefanten durch die Wälder zogen, führt uns Flannery durch die Jahrtausende bis ins moderne Zeitalter, in dem der Mensch seine Umwelt mindestens ebenso sehr prägt wie diese ihn. Er erzählt von den oft exzentrischen Forschern, denen wir unser heutiges Wissen verdanken, von ihren abenteuerlichen Erkundungen und spektakulären Entdeckungen. Dabei verwebt er Natur- und Kulturgeschichte zu einer Erzählung darüber, wer wir sind und woher wir kommen – eine Erzählung, die so einzigartig ist wie Europa selbst.


Die ersten 100 Millionen Jahre von Europa sind eine spannende Sache, die oft ignoriert wird, da der Kontinent klein ist und die anscheinend wirklich spektakulären Fossilienfunde aus anderen Kontinenten stammen und auch die Wiege der Menschheit wohl nicht hier war.
Aber ist der Kontinent auf dem wir leben, deswegen uninteressant? Nur weil Tyrannosaurus und Triceratops und viele andere bekannte (und riesige) Dinosaurier in Europa fehlen? Dabei hat Europa so viel zu bieten und das geht naturgeschichtlich weit über Kriege und technischen Fortschritt hinaus.
Tim Flannery führt den Leser mit in eine unbekannte Welt und beschreibt so lebendig, dass man das Gefühl bekommt, die Bewohner der damaligen Welt direkt vor uns zu haben. Als ob wir mit einer Zeitmaschine die verschiedenen Epochen bereisen führt uns Flannery vor Augen wie Europa war und wie es zu dem wurde, was es ist. Der Mensch (Homo sapiens) spielt dabei ebenso eine Rolle wie seine Verwandten, aber da es ein naturgeschichtliches Werk ist wird der Mensch nicht über das Tierdasein erhoben und seine Errungenschaften und Entwicklungen sind nur Beiwerk.
Diese Zeitreise ist spannend von Anfang bis zum Ende und es zeigt uns, wie faszinierend unser Kontinent ist.
Und diese Faszination wirkt sich auch auf andere aus.
Tim Flannery, geboren 1956 in Australien, ist Biologe, Zoologe und Paläontologe. Seit Jahren gehört er zu den international bekanntesten Wissenschaftlern, die sich für einen Richtungswechsel in der Klimapolitik einsetzen. Er ist Mitbegründer des Climate Council und Mitglied des World Future Council.
Und mit seiner Faszination steckt er auch den Europäer an.

Europa mag zwar keine riesigen Dinosaurier aufweisen, aber auch winzige Saurier und riesige Flugechsen sind erwähnenswert, nicht zu vergessen die zahlreichen Tiere, die man in der Grube Messel gefunden hat und die Menschen, die Europa beheimateten (und das waren weitaus mehr als Homo sapiens, Homo neanderthalesnis oder Homo heidelbergensis)

Wer mehr über die Vergangenheit Europas aus naturgeschichtlicher Sicht wissen möchte, für den ist „Europa – Die ersten 100 Millionen Jahre“ ein echtes Highlight.
Ich hätte mir nur etwas mehr Bilder gewünscht, bzw. manche etwas größer.

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