Sarah Diehl: Ins Tiefe Blau (Rezension)

Ein einzigartiger Blick auf verborgene Tiefen und unsere Beziehung zur natürlichen Welt
Was geschieht, wenn wir in eine Welt eintauchen, in der unser Körper plötzlich schwebt, Haie uns zum Spielen einladen und gesunkene Schiffe wie Unterwassermuseen vor uns erscheinen? 71 Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt und bilden ein vertrautes und doch fremdes Ökosystem, das uns körperlich, emotional und intellektuell herausfordert.
Sarah Diehl nimmt uns mit Ins tiefe Blau– von Seeungeheuern unserer Fantasie bis zu realen Gefahren und Wundern. Sie erzählt von ungeahnten Fähigkeiten, die wir unter Wasser entwickeln, wie Wale als „Rührstäbe“ Nährstoffe im Ozean verteilen und lehrt uns, wie wir uns an unheimlichen Orten zu Hause fühlen können. Zwischen Naturwissenschaft, Kulturgeschichte und Philosophie wurde das Tauchen selten so intensiv als Raum der Erkenntnis beschrieben. Dabei offenbart die Autorin tiefe Einsichten über die Zerbrechlichkeit, den Erfindungsreichtum und die Schönheit des Lebens – an Land und unter Wasser.

Mit INS TIEFE BLAU versucht Sarah Diehl, Naturbuch, autobiografischen Erfahrungsbericht und philosophischen Essay miteinander zu verbinden. Das Meer dient dabei nicht nur als bloßer Schauplatz, sondern als als Beispiel eines Lebensraums, in dem Fragen der Beziehung des Menschen zur Natur verhandelt werden. Die Grundidee ist faszinierend und hebt sich angenehm von klassischen populärwissenschaftlichen Meeresbüchern ab. Man merkt der Autorin den Spaß am Tauchen an, jedes ihrer Wort vermittelt die Faszination unter dem Wasser zu sein. Dabei ist es eher Nature Writing als ein Buch über Meeresbiologie oder Ozeanografie, oder dem Tauchsport im Allgemeinen. Wissenschaftliche Fakten stehen häufig im Dienst persönlicher Reflexionen und philosophischer Betrachtungen. Leider lässt die Autorin auch den erhobenen Zeigefinger nicht außen vor, sehr oft redet sie in das Gewissen des Lesers. Ich mag nicht abstreiten, dass es nötig ist, den Menschen für seine Umwelt und sein Handeln zu sensibilisieren, aber wenn ich durch das Lesen eines Buchs (teilweise berechtigt, teilweise grundlos) ein schlechtes Gewissen bekomme, weiß ich nicht ob das der Sache dienlich ist. Dann ist man eher dem Autoren (oder in diesem Fall der Autorin) negativ eingestellt und sucht Ausreden, statt selbst zu reflektieren. Ja, wir müssen umdenken, und ja, eigentlich wissen wir das auch, aber … ich denke die Leute, die sich eher für die Umwelt einsetzen (wollen) werden einen Bogen um das Buch machen.

Der Aufbau von INS TIEFE BLAU wirkt eher assoziativ als systematisch. Die Autorin springt zwischen Naturwissenschaft, Kulturgeschichte, Mythologie und persönlichen Taucherlebnissen hin und her. Auf der einen Seite macht das durchaus auch den Reiz des Buches aus, gleichzeitig erweckt es aber auch den Eindruck, dass viele spannende Themen nur angerissen werden, anstatt konsequent vertieft zu werden. Da wird oft nur an der Oberfläche gekratzt, was ich ein bisschen schade finde, da (neben dem erhobenen Zeigefinger) die Botschaft des Buchs etwas verwässert wird (man möge mir das Wortspiel verzeihen).
INS TIEFE BLAU ist eine Mischung aus Essay, Erlebnisbericht und Naturbuch, wirkt aber an vielen Stellen etwas zu ambitioniert und dadurch erstaunlich oberflächlich. Fast scheint es so, dass die Autorin zu viel wollte und dadurch … in meinen Augen weniger erreicht.

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(Rezensionsexemplar)

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