Portrait: Tigerpython

ohne Rang: Toxicofera
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Überfamilie: Pythonartige (Pythonoidea)
Familie: Pythons (Pythonidae)
Gattung: Eigentliche Pythons (Python)
Art: Tigerpython (Python molurus)

Dunkler Tigerpython (Zoo Zlin)

Juvenile Tigerpythons sind recht schlank gebaut, adulte Tigerpythons haben jedoch einen sehr kräftigen Körper. Hinsichtlich Körperlänge und -gewicht ist ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus vorhanden: Weibchen sind im Mittel erheblich größer und schwerer als Männchen. Der Kopf ist wuchtig, beinahe zweimal so lang wie breit und mäßig vom Hals abgesetzt. Die seitliche Anordnung der Augen ergibt ein Sehfeld von 135°. Der kräftige Greifschwanz macht bei Weibchen etwa 12 % und bei Männchen bis zu 14 % der Gesamtlänge aus. Aftersporne sind bei Männchen deutlich prominenter ausgebildet als bei Weibchen. Das Erbgut besteht aus 36 diploiden Chromosomen (2n = 36) mit 16 Makrochromosomen und 20 Mikrochromosomen.
Die Nasenlöcher sind dorsal angeordnet und jeweils von einer großen nasalen Schuppe umgeben. Die Nasalia (Nasenschilde) sind voneinander durch ein Paar kleiner, aber deutlich erkennbarer Internasalia (Zwischennasenschilde) getrennt. An diese grenzen wiederum rechteckähnliche Präfrontalia (Vorstirnschilde) an. Ein zweites, viel kleineres Paar Präfrontalia, welches oftmals in mehrere kleine Schuppen geteilt ist, liegt zwischen den vorderen Präfrontalia und den sehr ähnlich geformten paarigen Frontalia (Stirnschilde). Über den Augen befindet sich ein großes Supraoculare (Überaugenschild). Das Rostrale (Schnauzenschild) hat, wie bei den meisten anderen Pythons, zwei tiefe Labialgruben. An den Kopfseiten folgen den nasalen Schuppen Richtung Auge mehrere Lorealia (Zügelschilde), welche in Größe und Aussehen variieren. Normalerweise sind zwei Präocularia (Voraugenschilde) und drei bis vier Postocularia (Hinteraugenschilde) vorhanden. Die Subocularia (Unteraugenschilde) sind unterartspezifisch ausgebildet. Es gibt 11 bis 13 Supralabialia (Oberlippenschilde), von denen die ersten und zweiten tiefe Labialgruben tragen. Von den 16 bis 18 Infralabialia (Unterlippenschilde) besitzen mehrere vordere und hintere undeutliche Labialgruben.
Die Anzahl der Ventralia (Bauchschilde) variiert je nach Herkunft der Individuen zwischen 245 und 270, die Anzahl der dorsalen Schuppenreihen in der Körpermitte zwischen 58 und 73. Die Anzahl der paarigen Subcaudalia (Schwanzunterseitenschilde) beträgt 57 bis 83. Das Anale (Analschild) ist ungeteilt.

Die helle Grundfarbe des Tigerpythons wird zu den Flanken hin blasser. Über den Rücken ziehen 30 bis 38 große, oft rechteckförmig ausgebildete, dunkle Sattelflecken. Auf den Flanken verlaufen alternierend zur Rückenmusterung große dunkle Flecken, welche unterartspezifisch geformt sind. Die helle Bauchseite ist zum Schwanz hin dunkel gesprenkelt. Auf den Kopfseiten verläuft ein spitz zulaufendes, dunkles Band vom Auge Richtung Nase. Ein breiteres, schwarz umrandetes Band zieht vom Auge bis unter den Mundwinkel. Dieses schließt zusammen mit einem unterhalb des Auges liegenden keilförmigen dunklen Fleck ein weißes Areal ein. Von der Nase über die Augen bis zum Nacken verläuft ein pfeilspitzenförmiges braunes Muster mit einem hellen Punkt in der Mitte. Die Farbintensität der Pfeilzeichnung ist unterartspezifisch ausgeprägt.
Die dünnen, länglichen Zähne sind durchgehend spitz und zum Rachen hin gebogen. Am vorderen Teil der oberen Mundhöhle befindet sich das Zwischenkieferbein mit vier kleinen Zähnen. Die Oberkieferknochen tragen jeweils 18 bis 19 Zähne. Hiervon sind der 2. bis 6. Zahn am größten und gleich lang. Zur Maulspitze und zum Rachen hin werden die übrigen Zähne stetig kleiner. Gegen die Mitte der oberen Mundhöhle liegen parallel zu den Oberkieferknochen vorne das Gaumenbein und weiter hinten das Flügelbein. Ersteres hat sechs Zähne, die der Länge derjenigen des vorderen Oberkieferknochenabschnittes entsprechen. Die 8 bis 10 Zähne auf dem Flügelbein sind so lang wie die des hinteren Oberkieferknochens. Die Unterkiefer tragen jeweils 16 bis 19 Zähne. Die Zähne 2 bis 8 sind die größten und etwa gleich lang. Zur Maulspitze und zum Rachen verlieren die übrigen Zähne an Größe.

Über die innere Systematik des Tigerpythons wird seit mehr als 200 Jahren kontrovers diskutiert. Aktuell werden zwei Unterarten anerkannt: Die Nominatform Heller Tigerpython (Python molurus molurus) und der Dunkle Tigerpython (P. m. bivittatus) (Kuhl, 1820). Auf Grund neuerer Untersuchungen wird für die beiden Formen Artstatus diskutiert. Die Verbreitungsgebiete der beiden Unterarten überschneiden sich mit Sicherheit in Nordost-Indien, Nepal, West-Bhutan, Südwest-Bangladesch und eventuell auch in Nordwest-Burma.[10] Eine adäquate Untersuchung der Tigerpythons dieser Regionen steht noch aus. Jedoch zeigen bisherige Beobachtungen in Indien und Nepal, dass die beiden Unterarten bei sympatrischem Vorkommen entgegen früheren Annahmen verschiedene, teilweise sogar dieselben Habitate bewohnen und sich untereinander nicht verpaaren. Auch Jacobs et al. (2009) schlagen deshalb vor, den beiden Formen gestützt durch die zwei charakteristischen morphologischen Unterschiede in Kopfseitenbeschuppung und Kopfoberseitenmusterung jeweils Artstatus als Heller Tigerpython (Python molurus) bzw. Dunkler Tigerpython (Python bivittatus) zu verleihen.
Auf den indonesischen Inseln Bali, Sulawesi, Sumbawa und Java sprechen gewisse tiergeographische und morphologische Aspekte für eine Differenzierung von Python m. bivittatus. Diese Populationen sind mehr als 700 Kilometer von den Tieren des Festlands getrennt, zeigen Musterungsunterschiede und haben auf Sulawesi, Bali und Java Zwergformen ausgebildet. 2009 wurden Tiere aus Sulawesi von Jacobs et al. erstmals genauer untersucht. Aufgrund von Größen- und Färbungsunterschieden schlagen die Autoren vor, diese Zwergform als eigene Unterart abzugrenzen; als wissenschaftlichen Namen schlagen sie, ihrer Erhebung des Dunklen Tigerpythons zu einer eigenen Art folgend, P. bivittatus progschai vor. Molekulargenetische Untersuchungen zum Status dieser Zwergform stehen jedoch noch aus. Wie weit sich die anderen indonesischen Inselpopulationen von der Festlandform abheben, ist ebenfalls noch ungeklärt.
Eine weitere Unterart namens P. m. pimbura, welche ausschließlich auf der Insel Sri Lanka vorkommt, wurde 1945 von Deraniyagala beschrieben. Anhand von Färbung, Musterung und Anzahl der Subcaudalia (Schwanzunterseitenschilde) weniger Tiere wies er auf Unterschiede zur Festlandform von P. m. molurus hin. Jedoch betrachtete bereits Constable 1949 die Unterschiede als nicht ausreichend. Für ihn spiegelten sie eine zu erwartende Variationsbreite von Individuen innerhalb einer Population wider. Seither wurden die Tigerpythons von Sri Lanka nicht mehr ausführlicher morphologisch oder genetisch untersucht. Dennoch findet ihr Unterartstatus heute allgemein keine Unterstützung mehr. Sie werden wieder als Inselpopulation von Python m. molurus geführt.

Das Verbreitungsgebiet des Hellen Tigerpythons reicht von Südost-Pakistan über Indien und Sri Lanka bis nach Nepal, Bhutan und Bangladesch.
Die Verbreitung des Dunklen Tigerpythons schließt sich östlich an die des Hellen Tigerpythons an. Sie erstreckt sich von Nordost-Indien, Nepal, West-Bhutan, Südost-Bangladesch über Burma, Thailand, Kambodscha, Laos, dem nördlichen Teil der Malaiischen Halbinsel, Vietnam bis Südchina mit einer nördlichen, isolierten Population im Sichuan-Becken und inklusive Hainan. Weiter südlich fehlt er auf den Inseln Borneo und Sumatra. Erst anschließend an diese markante Verbreitungslücke erstreckt sich sein Vorkommen auf die Insel Java, Süd-Sulawesi und die kleinen Sunda-Inseln Bali und Sumbawa.
In Nordost-Indien, Nepal, West-Bhutan, Südwest-Bangladesch und eventuell auch in Nordwest-Burma überschneidet sich die Verbreitung der beiden Unterarten. Sie bewohnen hier benachbarte Lebensräume, an einigen Orten sogar dieselben. In Bangladesch scheint der Dunkle Tigerpython besonders entlang des Brahmaputra vorzukommen. Im vom Hellen Tigerpython dominierten Indien und Nepal sind erst vor Kurzem Populationen des Dunklen Tigerpythons entdeckt worden: In Nepal namentlich im Bardia-Nationalpark- und im Chitwan-Nationalpark, sowie in der Sagarmatha-Zon. Letztere geht südlich ins indische Ost-Bihar über. In Indien findet man den Dunklen Tigerpython zudem im Corbett Nationalpark[20] und im Bhitarkanika-Nationalpark und in Süd-Kolkata. Wie groß die dortigen Verbreitungsgebiete der dunklen Unterart sind und ob sie vielleicht teilweise zusammenhängen, ist bisher nicht bekannt.
In den Everglades im US-amerikanischen Bundesstaat Florida wurden Dunkle Tigerpythons illegal ausgewildert und konnten sich dort seit 1979 auch etablieren. Insbesondere ab dem Jahr 2001 war dort eine erhebliche Zunahme zu verzeichnen, im Jahr 2007 wurde der Bestand bereits auf etwa 30.500 Tiere geschätzt. Die Tiere werden als Bedrohung für die heimische Fauna betrachtet, z. B. für Rotluchse, Beutelratten, Bindentaucher, Schneesichler und Rallenkraniche. Kleine bis mittelgroße Mississippi-Alligatoren gehören dort ebenfalls zum Beutespektrum. So wurde in einem verendeten 3,86 Meter langen Tigerpython ein 2,10 Meter langer Alligator gefunden. Andererseits werden kleinere Tigerpythons auch von Alligatoren gefressen.

Tigerpythons besiedeln ein breites Spektrum von Habitaten, dazu zählen tropischer Regenwald, Monsunwald, Bergwald, Nebelwald, Galeriewald, Mangrovenwald, Sumpfland, Küstenebenen, Grasland, saisonal trockenes Buschland bis hin zu steinigem, sandigem Hügelland.Voraussetzung ist dabei stets Gewässernähe. Die meisten Vorkommen befinden sich unter 200 Meter über Meer. Im Tam-Dao-Gebirge in Vietnam findet man ihn aber auch auf 1200 Meter und in den wenigen klimatisch milden Rhododendron- und Bambuswäldern Nepals bis gegen 2000 Meter über Meer.

Dunkler Tigerpython, Caramel (Reptilienzoo Königswinter)

In Teilen Indiens, wo die beiden Unterarten sehr nahe nebeneinander existieren, wird der Helle Tigerpython in trockenen Wäldern und in ariden, sandigen Arealen gefunden, während der Dunkle Tigerpython feuchtes, von Fließgewässern durchzogenes Grasland besiedelt. Im Vergleich zum Netzpython, welcher in Südostasien zum Teil die gleichen Gebiete bewohnt, ist der Anspruch des Dunklen Tigerpythons an direkte Feuchtigkeit der Umgebung wesentlich niedriger. Zudem werden Tigerpythons im Gegensatz zu Netzpythons weitgehend als Kulturflüchter beschrieben. In der Nähe und auf landwirtschaftlichen Nutzflächen macht er aber immer wieder Jagd auf Nagetiere. Auch in Hongkong und Thailand wurde die Art vereinzelt in besiedelter Umgebung gefunden. Ebenso wurden auch in Indien wiederholt Individuen in Wohngebieten und Stadtgärten aufgegriffen. Auf Bali lebt der Tigerpython sogar rund um die Stadt Gilimanuk. Hier besiedelt er Gärten und Hinterhöfe und erbeutet gelegentlich Haushühner.

Trotz seines riesigen Verbreitungsgebietes und seiner Häufigkeit in einigen Bereichen des Areals ist über das Verhalten dieses Pythons nur wenig bekannt. Der Tigerpython ist eine vorwiegend bodenbewohnende Schlange, die sich auf dem Untergrund gemächlich und in gerader Linie fortbewegt. Als langsamer, guter Kletterer hält er sich oft auch im Geäst von Büschen und Bäumen auf, um gut getarnt Beute aufzulauern. Die Tiere klettern gelegentlich in erhebliche Höhen, in Südindien wurde beispielsweise ein Heller Tigerpython von 1,5 Meter Gesamtlänge in einer Baumkrone in 15 Meter Höhe beim Verspeisen eines Flughundes beobachtet.
In Bereichen mit Seen, Flüssen und sonstigen Gewässern führen Vertreter beider Subspezies ein semi-aquatisches Leben. Im Wasser bewegen sie sich viel schneller und flinker als an Land. Beim Schwimmen ist ihr Körper mit Ausnahme der Schnauzenspitze vollständig ins Wasser eingetaucht. Oft liegen sie auch stundenlang partiell oder ganz untergetaucht am seichten Ufer. Dabei verharren sie bis zu einer halben Stunde komplett unter Wasser ohne Luft zu holen, oder es ragen nur die Nasenlöcher über die Wasseroberfläche hinaus. Im Gegensatz zum ebenfalls wasserliebenden Netzpython[34] scheint der Tigerpython das Meer zu meiden.
Ihre bevorzugten Versteck- und Ruheplätze sind Erdhöhlen, Felsspalten, verlassene Säugetierbauten, Termitenhügel, hohle Baumstämme, Mangrovenwurzeldickicht und hohes Gras.

Tigerpythons sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Allerdings hängt die tageszeitliche Aktivität eng mit der Umgebungstemperatur zusammen. In Gebieten mit deutlichen jahreszeitlichen Temperaturunterschieden sucht sie in kühlen und heißen Monaten ein Versteck mit angenehmerem, konstanterem Mikroklima auf. Eine Untersuchung Heller Tigerpythons im nordwestindischen Keoladeo-Nationalpark zeigte, dass sie sich bevorzugt bei Temperaturen zwischen 20 und 30 °C bewegen. Im Winter von Mitte Dezember bis Ende Januar verlassen sie ihr Versteck nur während der warmen Mittagszeit, um sich in der Nähe für bis zu 6 Stunden zu sonnen.Die Futtersuche unterbleibt meist. Im Frühling zwischen Februar und März, wo das Mikroklima in den Höhlen eigentlich günstiger ist, sind Tigerpythons sowohl am Tag als auch in der Nacht aktiv. Grund dafür ist die Paarungszeit. Ab April bis in den Sommer hinein zeigen sie Aktivitätsmaxima während Sonnenaufgang und Abenddämmerung. Sie meiden die Mittagshitze und die kühle Nacht. Die zunehmende Wärme im Sommer führt zu einer verstärkt nächtlichen Aktivität. Der günstigere Temperaturdurchschnitt in dieser Jahreszeit senkt die Bindung an feste Verstecke und fördert die Wanderschaft. Bei starker Hitze, besonders in Kombination mit niedriger Luftfeuchtigkeit, sinkt die Aktivität wieder. Kühlende Verstecke gewinnen dann an Bedeutung.

In Nordpakistan, Nordindien und Nordburma fallen Tigerpythons über die kühlen Monate in eine Kältestarre, meist von Dezember bis Februar, im südwestlichen Teil von Jammu sogar noch länger. Dabei verringern sie ihren Stoffwechsel erheblich. An Überwinterungsstellen unter Steinen, Laubhaufen oder in Baum- und Erdhöhlen finden sich manchmal mehrere Individuen zusammen.

Auf der Suche nach Beute sind besonders jüngere Tigerpythons aktiv. Dabei liegen zwischen Versteckplatz und Jagdrevier teilweise mehrere Kilometer Distanz. Ein Dunkles Tigerpythonweibchen mit einer Gesamtlänge von 2,7 Meter wurde während 24 Tagen mittels Peilsender überwacht. In dieser Zeitspanne wurde eine Phase mit ausgedehnter Suche nach Futter, eine Periode limitierter Bewegung während der Verdauung und eine Rückkehr zum Beutesuchverhalten registriert. Für all das beanspruchte diese Schlange ein Areal von 12,3 Hektar und legte darin deutlich mehr als 2,5 Kilometer zurück. Sehr große Tigerpythons scheinen sich außerhalb der Paarungszeit eher weniger zu bewegen. Sie lassen sich meist in einem idealen, beutereichen Territorium mit gutem Versteckplatz nieder. Mittels Peilsendern konnte in den Everglades nachgewiesen werden, dass partnersuchende adulte Männchen während der Paarungszeit weite Strecken zurücklegen. Geschlechtsreife Weibchen bleiben im Durchschnitt viel stationärer. Auf der Suche nach einem geeigneten Lebensraum sind adulte Tigerpythons beider Geschlechter befähigt, mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 2,3 Kilometer pro Tag innerhalb 2,5 Monaten via Wasser- und Landweg Strecken von 60 Kilometer zurückzulegen.
Über das Sozialverhalten der Art gibt es ebenfalls noch erhebliche Wissenslücken. An verschiedenen Orten Indiens teilen sich mehrere Helle Tigerpythons, teilweise über das ganze Jahr hinweg, ihre Versteckplätze. Im Keoladeo-Nationalpark wurden gleichzeitig schon 12 Individuen in einer Erdhöhle gefunden.
Im Keoladeo-Nationalpark, wo es an hohlen Bäumen, Felsspalten oder sonstigen Verstecken mangelt, ist der Helle Tigerpython auf schützende Erdhöhlen des Indischen Stachelschweines angewiesen. Erstaunlicherweise bewohnen die Pythons die meisten Höhlen zusammen mit Stachelschweinen, obwohl diese Säugetiere normalerweise zur Beute des Tigerpythons gehören. In einer Erdhöhle wurden neben 3 Pythons 5 indische Stachelschweine und 350 Rundblattnasen-Fledermäuse gezählt. Eine mögliche Erklärung für das verträgliche Zusammenleben könnte an der Enge der Höhlen liegen, welche dem Python das Fangen, Erdrosseln und Verschlingen verunmöglicht.

Das Beutespektrum reicht von Säugetieren und Vögeln bis zu wechselwarmen Echsen und Amphibien.
Als Lauerjäger passt er seine Beute bevorzugt aus Verstecken, im Geäst oder im Wasser ab. Hat der Tigerpython ein Beutetier erkannt, bewegt er sich langsam darauf zu und wackelt dabei oftmals arttypisch mit dem Schwanz. Blitzschnell wird dann das Opfer gepackt, umschlungen und im für Würgeschlangen typischen Griff erstickt. Wenn nötig, kann der Würgegriff für mehr als eine Stunde aufrechterhalten werden. Je nach Größe des Beutetieres kann das anschließende Verschlingen mehrere Stunden dauern. Während kleine Beute oft schon innerhalb einer Woche verdaut ist, benötigte ein Dunkler Tigerpython mit einer Gesamtlänge von über 5 Meter im Tierpark Berlin für ein 25 Kilogramm schweres Schwein 23 Tage.

Laboruntersuchungen an juvenilen Dunklen Tigerpythons haben ergeben, dass sich der Herzmuskel beim Verdauen eines großen Futtertieres um bis zu 40 % vergrößern kann. Die maximale Vergrößerung der Herzzellen (Hypertrophie) wird durch gesteigerten Einbau kontraktiler Proteine in Muskelfibrillen bereits nach 48 Stunden erreicht. Dieser Effekt trägt zu einem energetisch günstigeren, gesteigerten Herzminutenvolumen bei, wodurch die Verdauung schneller vonstattengehen kann. Auch der Verdauungstrakt passt sich an die Verdauungsverhältnisse an. So wächst die Dünndarmschleimhaut zwei Tage nach der Fütterung bis auf das Dreifache an. Nach etwa einer Woche schrumpft sie wieder auf ihre Normalgröße zurück. Für den gesamten Verdauungsvorgang werden bis zu 35 % der mit der Beute aufgenommenen Energie benötigt.

Dunkler Tigerpython, Albino (Zoo Landau)

Zur Fortpflanzung im Freiland ist ebenfalls sehr wenig bekannt. In Nordindien finden sich Paare in den kühlen Monaten von Dezember bis Februar in einem gemeinsamen Überwinterungsquartier zusammen. Trotz niedriger Temperaturen und verringertem Stoffwechsel gelingt in dieser Zeit die Paarung. Entlang des Ganges-Beckens wird Balz und Kopulation ebenfalls während der Überwinterung von Ende Dezember bis Mitte Februar beobachtet. Im nordwestindischen Keoladeo-Nationalpark liegt die Paarungszeit Heller Tigerpythons in der zweiten Hälfte der kühlen Saison, von Mitte Februar bis März. In dieser Periode unterbleibt die Nahrungsaufnahme nahezu vollkommen. Die Paarungsbereitschaft des Weibchens wird dem Männchen durch einen braunen, flüssigen Sexuallockstoff (Pheromon) aus der Kloake signalisiert. Nach einer Verfolgungs- und Annäherungszeit kriecht das Männchen über seine Partnerin, drückt seinen Kopf an sie und beginnt sie mit seinen Afterspornen zu kratzen. Das stimulierte Weibchen hebt seinen Schwanz an. Nun kann das Tigerpython-Männchen einen seiner zweigelappten, abgeflachten Hemipenisse in die Kloake des Weibchens einführen. Die Kopulation dauert in Gefangenschaft zwischen zehn Minuten und sieben Stunden und wird in den kommenden Tagen, zum Teil auch über Monate hinweg, mehrfach wiederholt. Über die Interaktionen zwischen Männchen in der Paarungszeit ist aus der Natur noch nichts bekannt. In Gefangenschaft werden Tigerpython-Männchen in dieser Zeit teilweise territorial und liefern sich mit Nebenbuhlern Kommentkämpfe. Treffen zwei Konkurrenten aufeinander, bezüngeln sie sich anfangs, beginnen sodann nebeneinander herzukriechen, stellen sich mit dem vorderen Drittel auf, steigen aneinander empor und versuchen den Gegner zu Boden zu drücken. Bleibt eine Unterwerfung aus, kommt es zum heftigen Kratzen mit den Afterspornen und schließlich zu heftigen Beißereien.
In Mittelindien dauert die Trächtigkeit 2 bis 4 Monate. In der Mitte der heißen Saison um den Monat Mai sucht sich das Weibchen einen Eiablageplatz. Dieser Platz besteht aus einem ungestörten Versteck unter einem Haufen aus Ästen und Blättern, einem hohlen Baum, einem Termitenhügel oder einer unbewohnten Höhle. Abhängig von Größe und Verfassung des Weibchens werden durchschnittlich 8 bis 30 Eier gelegt. Aus Nordindien ist ein Rekordgelege von 107 Eiern bekannt. Die weichschaligen, weißen Eier messen 74–125 × 50–66 Millimeter und wiegen 140–270 Gramm. Die zusammenklebenden Eier werden vom Weibchen umringt und beschützt. Durch die Schlingenanordnung wird die Feuchtigkeit und Wärme reguliert. Zudem ist das Tigerpython-Weibchen zum Muskelzittern befähigt. Es erhöht mit diesem Effekt die Temperatur um bis zu 7,3 °C. Das erlaubt das Brüten in kälteren Regionen unter Beibehaltung der optimalen Inkubationstemperatur um 30,5 °C. In der Regel nimmt das Weibchen während der Bebrütungszeit keine Nahrung zu sich und verlässt das Nest nicht.
Frische Eierschalen und frisch geschlüpfte Jungtiere werden im indischen Keoladeo-Nationalpark Ende Juli bis Anfang August gefunden. Danach dauert die Brutzeit etwa 2 Monate. In Südwest-Burma erscheinen Schlüpflinge bereits im Juni, die Fortpflanzungssaison beginnt hier folglich schon früher. Die frisch geschlüpften, von nun an auf sich allein gestellten Jungtiere besitzen im größten Teil des Verbreitungsgebietes eine Gesamtlänge zwischen 40 und 60 Zentimeter und wiegen 80 bis 150 Gramm. Schlüpflinge der sulawesischen Zwergform weisen jedoch lediglich 30 bis 35 Zentimeter auf. Die Geschlechtsreife erlangen Tigerpythons mit zirka drei Jahren.

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