Portrait: Kragenbär

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Bären (Ursidae)
Unterfamilie: Ursinae
Gattung: Ursus
Art: Kragenbär (Ursus thibetanus)

Kragenbär (Zoo Augsburg)

Im Gegensatz zum Amerikanischen Schwarzbären, der oft in verschiedenen Brauntönen gefärbt sein kann, ist der Kragenbär oder Asiatische Schwarzbär meist schwarz gefärbt; bräunliche Exemplare sind sehr selten. Auffälliges Kennzeichen ist eine sichelförmige, weiße Fellfärbung auf der Brust, die ihm den Namen Mondbär verlieh. Den Namen Kragenbär verdankt er den stark verlängerten Haaren im Bereich des Halses. Diese Tiere haben den üblichen kräftigen Körperbau der Bären, der Kopf ist groß und rund und mit kleinen Augen versehen. Die Ohren sind groß und stehen relativ weit auseinander. Die annähernd gleich langen Gliedmaßen sind kräftig, alle Füße tragen fünf Krallen. Wie alle Bären ist der Kragenbär ein Sohlengänger. Die Kopf-Rumpf-Länge dieser Tiere beträgt 120 bis 180 Zentimeter, der Schwanz ist ein 6 bis 10 Zentimeter langer Stummel. Männchen und Weibchen unterscheiden sich deutlich im Gewicht. Während männliche Tiere 110 bis 150 Kilogramm erreichen, wiegen weibliche Tiere nur 65 bis 90 Kilogramm.

Der Kragenbär hat ein weites Verbreitungsgebiet über Süd- und Ostasien. Im Westen reicht sein Verbreitungsgebiet bis Afghanistan und den südwestlichen Iran, er bewohnt auch die Himalaya-Region und große Teile Südostasiens, große Teile Chinas einschließlich der vorgelagerten Inseln Hainan und Taiwan, den äußersten Südosten Sibiriens, Korea und Japan (mit Ausnahme der Insel Hokkaidō). Sein Lebensraum sind vorwiegend Wälder, sowohl gemäßigte Laubwälder als auch tropische Regenwälder. Im Sommer leben die Tiere in Höhenlagen von bis zu 3600 Meter, im Winter wandern sie in tiefer gelegene Gebiete mit einer Höhe bis maximal 1500 Meter.
Folgende sieben Unterarten des Kragenbären werden unterschieden:
Taiwanischer Schwarzbär (Ursus thibetanus formosanus) auf Taiwan
Ursus thibetanus gedrosianus in Iran und Pakistan. Diese Unterart steht am Rand der Ausrottung und gilt laut IUCN als stark bedroht.
Ursus thibetanus japonicus in Japan
Ursus thibetanus laniger in Afghanistan und Südchina
Ursus thibetanus mupinensis im südwestlichen China
Ursus thibetanus thibetanus in der Himalaya-Region und Südostasien
Ursus thibetanus ussuricus in Südost-Sibirien, Nordchina und Korea
Zwei weitere Unterarten waren bis ins späte Pleistozän in Europa und Westasien verbreitet. Diese waren Ursus thibetanus mediterraneus in Westeuropa und dem Kaukasus sowie Ursus thibetanus permjak in Osteuropa, insbesondere dem Uralgebirge. Fossilfunde des Kragenbären sind darüber hinaus aus Südsibirien (Baikalseegebiet) bekannt.

Kragenbär (Zoo Berlin)

Kragenbären können sowohl tag- als auch nachtaktiv sein. Sie sind zwar eher bei Nacht unterwegs, in Zeiten mit erhöhtem Nahrungsbedarf jedoch auch tagsüber. Sie bewegen sich meist auf allen vieren am Boden fort, können sich aber auf die Hinterbeine aufrichten, um an Nahrung zu gelangen. Sie können gut klettern und ausgezeichnet schwimmen.
Im überwiegenden Teil ihres Verbreitungsgebietes, aber nicht im Süden, halten sie einen Winterschlaf. Dazu fressen sie sich im Spätsommer und Herbst einen Fettvorrat an und ziehen sich dann in einen Bau zurück. Während Atemfrequenz und Herzschlag deutlich zurückgehen, sinkt die Körpertemperatur nur leicht. Außerdem erwachen sie von Zeit zu Zeit und begeben sich bei wärmeren Perioden zwischendurch auf Nahrungssuche.
Kragenbären sind außerhalb der Paarungszeit Einzelgänger. Ihre Reviergröße variiert stark je nach Nahrungsangebot, ist aber deutlich kleiner als die der Braunbären.

Kragenbären sind Allesfresser, ernähren sich aber hauptsächlich von Pflanzen. Sie suchen nach Nüssen, Eicheln, Beeren und Obst. Daneben fressen sie Insekten und deren Larven und kleinere Wirbeltiere. Manchmal verzehren sie auch Aas. Nur ausnahmsweise machen sie auch Jagd auf größere Säugetiere wie Hirsche, Schafe oder sogar Wasserbüffel.

Kragenbär (Zoo Halle)

Die Paarungszeit unterscheidet sich deutlich je nach Region: in Sibirien findet sie im Juni oder Juli statt, in Pakistan im Oktober. Die Geburten fallen trotzdem überall in die Monate Februar bis März. Der Grund für die scheinbar längere Tragzeit im Norden ist die verzögerte Einnistung, die auch bei anderen Bären beobachtet werden kann: Die befruchtete Eizelle hält sich oft monatelang im Uterus auf, bevor sie sich einnistet. Die Wurfgröße beträgt meist zwei Jungtiere; diese sind wie bei allen Bären ausgesprochen klein und wiegen nur rund 300 bis 450 Gramm. Nach einer Woche öffnen sie die Augen, und nach rund drei Monaten werden sie entwöhnt, bleiben aber noch zwei bis drei Jahre bei der Mutter. Die Geschlechtsreife erreichen sie mit etwa drei Jahren. Über die Lebenserwartung ist wenig bekannt, das Höchstalter eines Tieres in menschlicher Obhut betrug 43 Jahre.

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