Petra Ahne: Wölfe – Ein Portrait (Rezension)

Der Wolf ist zurück in unseren Breiten, und mit ihm und jedem gerissenen Schaf kehrt auch eine unbändige Urangst zurück, die ein Dickicht aus Vorurteilen, Aberglauben und Nichtwissen nährt: Die Furcht vor dem vermeintlich blutrünstigen Räuber, der im Rudel Menschenkinder zu Tode hetzt und Großmütter verspeist, hat sich über Jahrhunderte zu einer Obsession ausgewachsen, die einst zu seiner gnadenlosen Bejagung und Ausrottung führte. Doch stets weckte der Wolf auch die Sehnsüchte romantisch veranlagter Zeitgenossen und freiheitsliebender Außenseiter, die ihn mit seiner sprichwörtlichen, aber fantasierten ›Einsamkeit‹ zum Seelenverwandten erwählen. In ihrem klugen und feinfühligen Tierportrait nimmt Petra Ahne die kultur- und naturgeschichtliche Fährte des bernsteinäugigen Wanderers auf, durchstreift die Motivgeschichte von Rotkäppchen bis zum Werwolf, erkundet die ambivalente Beziehung zu seinem domestizierten Nachfahren, dem Hund, und sucht nach seinen Spuren in der heutigen Lausitz, wo Mensch und Wolf zusammenleben. Vorläufig. Denn die Frage nach dem Wolf ist die immer drängendere Frage danach, wie viel Natur und Wildnis der Mensch zu ertragen bereit ist.
Bereits 2016 erschien Wölfe – Ein Portrait aus der „Naturkunden“-Reihe von Matthes & Seitz. In gewohnt ansprechender Aufmachung wirft Petra Ahne einen Blick auf das Verhältnis Mensch – Wolf in Literatur (Märchen) und Wissenschaft und berichtet von interessanten (und vielleicht auch etwas fragwürdigen) Experimenten aus der Wolfsforschung (vor allem Erick Zimen wird dabei oft und gerne und zu Recht zitiert). Dabei zeigt sie ein Bild eines Wesens, das bis in kurzer Zeit vollkommen missverstanden wurde. Bücher wie dieses und Aufklärung durch geschultes Personal sorgen nach und nach dafür, dass sich das Bild des Wolfs wandelt. Aber natürlich darf man nicht vergessen, dass es sich um ein wildes Tier handelt und dieses kann, unter Umständen, auch für den Mensch gefährlich werden. Aber Petra Ahne bemüht sich um einen neutralen Tonfall, der sich als Gewinn herausstellt.
Am Ende des Buchs werden, wie man es von der Reihe gewohnt ist einige Wolfs(unter)arten vorgestellt.
WÖLFE – EIN PORTRAIT ist eines der besseren Vertreter der NATURKUNDEN und jedem Wolfsfreund zu empfehlen. Ich habe mich auch ein bisschen an meine Kindheit erinnert gefühlt, denn die damalige Wolfsforschung lehrte noch die Bedeutung von Alphatier, Beta und Omega. Aber inzwischen ist man auf einem ganz anderen Stand. Nichts desto trotz ist es interessant wie man früher Wolfsforschung betrieben hat und auch davon berichtet Petra Ahne.

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