Nicholas Drayson: Kleine Vogelkunde Ostafrikas (Rezension)


Ein bezaubernder Liebesroman, den man mit einem Lächeln zuklappt
Mr. Malik ist ein warmherziger, schüchterner Mann mit einem großen Geheimnis: Er ist bis über beide Ohren verliebt in Rose, die Leiterin der örtlichen Gruppe von Vogelbeobachtern. Während er noch überlegt, wie er die Dame seines Herzens als Begleiterin zum jährlichen Nairobi Hunt Ball gewinnen kann, trifft der charmante Draufgänger
Harry Khan in der Stadt ein. Auch er hat bald ein Auge auf Rose geworfen und möchte sie ebenfalls
zum Ball einladen. Da schreiten die Gentlemen aus Mr. Maliks Club ein und schlagen den beiden
Rivalen eine Wette vor …

KLEINE VOGELKUNDE OSTAFRIKA klingt wie ein Führer durch die Vogelwelt Ostafrikas, ist es aber bei weitem nicht. Vögel wie Wiedehopf, Perlhuhn, Flughuhn und andere, die auch in Ostafrika (oder genauer gesagt in Nairobi, dem Schauplatz dieses Romans) vorkommen, spielen zwar durchaus eine Rolle, aber es sind die menschlichen Protagonisten, die diesem Roman Leben einhauchen. Und so erzählt Nicholas Drayson nicht nur einen bezaubernden Liebesroman, dessen Liebesgeschichte zwar omnipräsent aber eher nebensächlich ist, auch wenn sie der Grund für eine aberwitzige Wette ist. Und so stellt der Hauptteil des Buchs die „Jagd“ auf Vögel dar. Und während Harry Kahn und Mr Malik versuchen, innerhalb eines festgelegten Rahmens so viele Vogelarten zu sehen wie möglich, gibt der Erzähler, der sich hin und wieder auch zu Wort meldet, Lebensgeschichten der Protagonisten wieder. Und natürlich erleben die beiden Kontrahenten durchaus auch ihre eigenen Abenteuer beim Birdwatching.
Tatsächlich stellt KLEINE VOGELKUNDE OSTAFRIKAS ein kurzweiliges Buch dar, dessen Handlung manchmal etwas gemütlich, dann wieder rasanter (wenn es um Diebstahl und Hausfriedensbruch geht) daher kommt, aber nie langweilt. Manchmal ist man etwas überfordert, wegen der Anzahl und der Namen der Vögel (über die sich der Autor/Erzähler auch lustig macht, wenn er beispielsweise von Turners Eremomela spricht), da tauchen doch einige weniger bekannte Arten auf (Turners Eremomela allerdings nur als Beispiel), aber man erfährt nicht welche Vögel letztendlich Harry Khan und Mr. Malik sehen. Aber die „Jagd“ der beiden liest sich auch so sehr amüsant und natürlich verrate ich nicht allzu viel, wenn ich sage, dass das Ergebnis letztendlich nicht eindeutig ist.
Auf der einen Seite ein sehr ruhiger Roman, der mit feinem Humor erzählt wird, auf der anderen Seite eine Liebeserklärung an die afrikanische Vogelwelt und dadurch eine Liebesgeschichte in mehr als einer Hinsicht. Ein Roman für Vogelfreunde und jene, die sich an Liebesgeschichten jenseits jeglichen Kitsches erfreuen können. Nicht Hollywood, nicht Bollywood, einfach nur schön (und ja, in gewisser Weise etwas vorhersehbar aber … wen stört’s).

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