Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

08.01.2019, Universität Wien
Clevere Tiere upgraden ihr Genom
Puzzlestein in der Evolution der Tintenfische entschlüsselt
Kopffüßer wie Tintenfisch, Oktopus oder Nautilus sind nicht nur bekannt für ihre einzigartigen Fähigkeiten zur Tarnung und Lösung komplexer Aufgaben, sie besitzen auch die größten Gehirne unter den wirbellosen Tieren. Ein Team um den Evolutionsbiologen Oleg Simakov von der Universität Wien hat nun das erste Tintenfischgenom analysiert und mittels Vergleich mit dem zuvor veröffentlichten Oktopusgenom eine bemerkenswerte Umstrukturierung der Kopffüßergenome offenbart. Die Ergebnisse der Studie erscheinen aktuell in der Fachzeitschrift PNAS.
Im Laufe der Jahrhunderte haben Kopffüßer sowohl BiologInnen als auch die breite Öffentlichkeit fasziniert. Während sie von vielen alten Völkern als mystische Feinde gefürchtet wurden, erlangten sie erst kürzlich Aufsehen aufgrund ihrer einzigartigen Fähigkeiten sich schnell in ihrer äußeren Umgebung zu tarnen und, dank des großen Gehirns, komplexe Aufgaben zu lösen. Dennoch stellte sich stets die Frage, wie die Tiere diese einzigartige Komplexität erreichen konnten. Das Verständnis der zugrunde liegenden molekularen Mechanismen wurde bislang durch das Fehlen genomischer Daten erschwert.
Ein internationales Forschungsteam um Oleg Simakov vom Department für Molekulare Evolution und Entwicklung der Universität Wien, Jamie Foster von der Universität von Florida und Spencer Nyholm von der Universität von Connecticut hat nun den entscheidenden Schritt getan, um diese wichtige Lücke zu schließen. Dazu sequenzierten und anaylsierten die WissenschafterInnen das Genom des hawaiianischen Bobtail-Tintenfisches (Euprymna scolopes). Zusammen mit dem bereits vorhandenen Genom des Oktopusses zeigt dieses, dass der letzte gemeinsame Kopffüßervorfahre eine umfassende Reorganisation des Genoms durchgemacht hat.
„Wir haben herausgefunden, dass dieses ‚Upgrade‘ einige Schlüsselgene hervorgebracht hat, die möglicherweise zur Entwicklung des komplexen Gehirns beigetragen haben. Gleichzeitig war diese Reorganisation offenbar mit der Ausdehnung der Genomgröße verbunden, die zusätzlich bei den Tintenfischen und Oktopussen unabhängig stattfand“, erklärt Simakov. Im Rahmen der? Studie zeigen die WissenschafterInnen insbesondere die genomischen Signaturen der Evolution eines einzigartigen Organs, dem Leuchtorgan, auf. Dieses bildet eine Symbiose mit einem bestimmten Bakterienstamm, Vibrio fischerii, der Licht emittiert, und kommt nur bei sehr wenigen Tintenfischarten vor. Euprymna kontrolliert damit die Lichtemission und setzen es sowohl zum Jagen, als auch zum Täuschen seiner Raubtiere ein.
„Mit unserer Analyse zeigen wir, dass das Leuchtorgan dem Auge nicht nur genetisch ähnlich ist, sondern viele der augenspezifischen Gene teilt und dupliziert“, erklärt Hannah Schmidbaur, Co-Autorin und PhD-Studentin in der Gruppe von Simakov. Diese Art der Evolution scheint für das Leuchtorgan einzigartig zu sein, und liefert somit Erkenntnis über die Entstehung dieser komplexen Symbiose. Mit den Ergebnissen der Studie konnten die WissenschafterInnen eine Grundlage für das Verständnis der Entstehung der Komplexität bei den Kopffüßern schaffen und legen damit den Grundstein zur weiteren Erforschung dieser vielfältigen, jedoch noch wenig untersuchten Tiergruppe.
Publication in „PNAS“:
„Symbiotic Organs Shaped by Distinct Modes of Genome Evolution in Cephalopods“: Belcaid et al, Proceedings of the Academy of Sciences (PNAS).

09.01.2019, Universität Zürich
Zahnwechsel sorgt bei Elefanten für Jojo-Effekt
Das Gewicht von Zoo-Elefanten schwankt im Laufe ihres erwachsenen Lebens in einem Zyklus von etwa hundert Monaten, wie Forscher der Universität Zürich herausgefunden haben. Dies lässt sich mit dem eigentümlichen Zahnwechsel von Elefanten erklären, durch den sie mal mehr und mal weniger Kaufläche zur Verfügung haben.
Wie der Mensch wechseln die meisten Säugetiere nur einmal im Leben ihre Zähne, wenn die Milchzähne durch die bleibenden Zähne ersetzt werden. Das genügt als Anpassung an die zunehmende Grösse des Kiefers. Doch Elefanten legen im Laufe ihres Lebens gewaltig an Gewicht zu – von einem Startgewicht von 100 kg bis hin zu mehreren Tonnen im Erwachsenenalter. Ein einziger Zahnwechsel könnte diesem enormen Wachstum des Kiefers gar nicht gerecht werden.
Elefanten zahnen fünfmal im Leben
Darum wechseln Elefanten ihre Zähne insgesamt fünfmal. Sie haben auf jeder Seite immer einen einzigen Zahn im Kiefer, der von dem nächsten grösseren Zahn im Mund langsam nach vorne geschoben wird, wo er stückweise abbricht. Schaut man einem Elefanten ins Maul, so sieht man also entweder nur einen einzigen Zahn oder Bruchstücke des älteren Zahns, hinter dem ein Teil des neueren Zahns nach vorn drängt. Diesen Vorgang nennt man auch «molare Progression».
Das hat zur Folge, dass bei Elefanten die Kaufläche immer mal wieder grösser ist – nämlich dann wenn gerade zwei Zähne gleichzeitig während des Zahnwechsels im Kiefer sind – und dann wieder kleiner, wenn gerade nur ein Zahn dort ist. Und dementsprechend ist es für die Tiere in manchen Lebensabschnitten leichter oder schwieriger, beim Essen genügend Pflanzenmaterial für den Erhalt oder die Zunahme ihres Gewichts zu zerkleinern.
Europaweite Gewichtskontrolle
Forscher der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich haben nun bei Zoo-Elefanten Gewichtsschwankungen beobachtet, die sich durch diese Zahnwechsel erklären lassen. «Eigentlich wollten wir herausfinden, ob Zoo-Elefanten, die sich fortpflanzen, schlanker sind als solche, die keine Nachkommen produzieren», sagt Marcus Clauss von der Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere. Zu diesem Zweck besuchte der Doktorand Christian Schiffmann fast alle Zoos in Europa und notierte die Gewichte der Dickhäuter.
Zahnwechsel passt zu zyklischer Schwankung des Gewichts
Dabei fiel ihnen ein Muster auf: Die Tiere nehmen zunächst vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter hin stetig zu, um dann in ihrem Körpergewicht in langen Zyklen von etwa hundert Monaten um 300 kg zu fluktuieren. «Zuerst dachten wir, es könnte etwas mit den Jahreszeiten oder der Fortpflanzung selbst zu tun haben», erklärt Christian Schiffmann. «Aber der Zyklus ist deutlich länger als ein Jahr, und wir fanden das Muster in Gruppen sowohl mit als auch ohne Fortpflanzung. Da bleibt als einzige plausible Erklärung nur der ungewöhnliche Zahnwechsel der Elefanten übrig.»
Im natürlichen Lebensraum sollte dieses Phänomen übrigens nicht zu beobachten sein: Da Elefanten das ganze Jahr über Junge bekommen, aber saisonalen Schwankungen im Nahrungsangebot ausgesetzt sind, haben Tiere der verschiedensten Altersstufen und abhängig vom jeweiligen Zustand der Zähne Zugang zu unterschiedlicher Nahrungsqualität.
Das Gewicht der Elefanten wird deshalb nicht nur durch den Zahnwechsel, sondern auch durch andere Faktoren beeinflusst. Nur in Zoos, wo die Fütterung vergleichsweise einheitlich ist, kann das Muster deutlich zutage treten. Für Clauss ist diese Studie deshalb ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie Untersuchungen an Zootieren neue biologische Erkenntnisse liefern können, die durch Beobachtungen in freier Wildbahn nicht möglich gewesen wären.
Originalpublikation:
Schiffmann C, Hatt J-M, Hoby S, Codron D, Clauss M. Elephant body mass cyclicity suggests effect of molar progression on chewing efficiency. Mammalian Biology (in press), 9 January 2019. Doi: 10.1016/j.mambio.2018.12.004

09.01.2019, Universität zu Köln
Heuschreckenstudie zeigt Bedeutung von passiven Muskelkräften für schnelle Bewegungen
Lange, schwere Gliedmaßen wie Arme oder Beine unterscheiden sich von kurzen, leichten Gliedmaßen wie Fingern grundlegend in den Möglichkeiten, schnelle Bewegungen zu erzeugen. Während schnelle Bewegungen von großen Gliedmaßen aktiv durch das zentrale Nervensystem kontrolliert werden müssen, haben bei kleinen und leichten Gliedmaßen die passiven Muskelkräfte das Potential, die entscheidende Rolle für den Geschwindigkeitsverlauf einer Bewegung zu spielen. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Zoologen Ansgar Büschges, Arndt von Twickel und Christoph Guschlbauer von der Universität zu Köln in Zusammenarbeit mit dem Gastwissenschaftler Scott Hooper von der Ohio University am Modelltier der Stabheuschrecke. Sie ist unter dem Titel „Swing Velocity Profiles of Small Limbs Can Arise from Transient Passive Torques of the Antagonist Muscle Alone“ in der Fachzeitschrift „Current Biology“ erschienen.
Grundsätzlich gibt es im Ablauf einer Bewegung verschiedene Geschwindigkeitsstufen je Teilschritt, bis die gesamte motorische Aktion optimal erzeugt wird, erklärt Professor Büschges: „Betrachten wir beispielsweise das Schwingen unserer Beine: Durch die Schwingphase wird das Bein beim Gehen wieder in die Ausgangsposition des nächsten Schrittes gebracht. Bei dieser Rückführung nimmt die Schwunggeschwindigkeit des Beins zum Ende hin ab, sodass der Fuß weniger schnell aufsetzt – ohne die Verlangsamung würde die beim Aufsetzen erzeugte Kraft dem Laufantrieb zu stark entgegenwirken.“ Diese Verlangsamung wird bei solch großen Gliedmaßen wie dem menschlichen Bein durch das Nervensystem erzeugt.
Bei kleineren Gliedmaßen, wie die Autoren anhand von Insektenbeinen zeigen konnten, kann die Verlangsamung des Beins in schnellen Bewegungen wie der Schwingphase jedoch unabhängig vom zentralen Nervensystem bewirkt werden. Von Twickel erklärt, dass dies an den intrinsischen Eigenschaften der Muskeln, die die Gliedmaßen bewegen, liege: „Wenn sich der Streckermuskel eines Beingelenks zur Erzeugung schneller Bewegungen aktiv verkürzt, verlängert sich der derweil inaktive Beugermuskel notwendigerweise. Der Beugermuskel entwickelt während dieser Streckung eine bisher unbekannte dynamische passive Kraft, die so groß ist, dass sie es schaffen kann, Bewegungen kontinuierlich in ihrem Verlauf auf das funktionell notwendige Niveau zu verlangsamen.“
In der Untersuchung setzten die Autoren den Beugermuskel des Heuschreckenbeins verschiedenen Streckszenarien aus und maßen die dynamischen Kräfte, die der passive Muskel den unterschiedlichen Dehnungen entgegensetzte. Anschließend wurden die neu gewonnenen Ergebnisse dazu verwendet, die Funktionsweise eines Beingelenks dynamisch zu simulieren. Hierbei zeigte sich, dass durch das Zusammenspiel aus simulierter Streckeraktivierung und daraus resultierenden passiven dynamischen Kräften des simulierten Beugers eine Bewegung erzeugt werden konnte, die in ihrem Geschwindigkeitsprofil schnellen Bewegungen beim echten Laufen eines Tieres entsprach.
Diese Ergebnisse ändern die gegenwärtigen Vorstellungen über die Erzeugung von schnellen Bewegungen kleiner Gliedmaßen erheblich, betont Büschges: „Es war seit Längerem bekannt, dass passive Muskelkräfte besonders bei Bewegungen kleiner Gliedmaßen eine Rolle spielen, jedoch wurde bislang nicht damit gerechnet, dass deren Wirkung so groß sein könnte, dass sie das Geschwindigkeitsprofil einer Bewegung bestimmen können. Dies bedeutet, dass der aktive Muskel und sein Gegenspieler perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen. Wir sind gerade dabei, dieses Zusammenspiel besser zu verstehen.“
Veröffentlichung:
https://doi.org/10.1016/j.cub.2018.11.016

09.01.2019, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Intensives Licht macht schläfrig
Insekten und Säugetiere besitzen spezielle Sensoren für unterschiedliche Lichtintensitäten. Diese nehmen gezielt Einfluss auf innere Uhren und steuern so das alltägliche Aktivitätsmuster.
Mit zunehmender Intensität des Sonnenlichts wächst das Schlafpensum, verlängert sich die Mittagspause und verschiebt sich die Wiederaufnahme der Aktivität in den Abend hinein. Was sich anhört wie eine Diagnose der Konsequenzen des ungewöhnlichen Sommers 2018, ist tatsächlich das neueste Forschungsergebnis von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Würzburg und den USA. Die Neurobiologen hatten untersucht, welche Auswirkungen unterschiedliche Lichtintensitäten auf den Tag-Nacht-Rhythmus der Taufliege Drosophila haben.
Forschung im Nobelpreisträger-Labor
„Wir konnten zeigen, dass Licht geringer, mittlerer und hoher Intensität auf unterschiedlichen, spezifischen Wegen die innere Uhr im Gehirn der Fliege auf den 24-Stunden-Tag synchronisiert“, beschreibt Charlotte Helfrich-Förster das zentrale Ergebnis der jetzt veröffentlichten Arbeit. Die Professorin hat an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) den Lehrstuhl für Neurobiologie und Genetik inne; Schwerpunkt ihrer Forschung ist die Chronobiologie, also die zeitliche Organisation aller Lebewesen.
Gemeinsam mit ihrem ehemaligen Doktoranden Dr. Matthias Schlichting, der jetzt im Labor des Nobelpreisträgers für Physiologie 2017, Michael Rosbash, an der Brandeis University in Waltham, Massachusetts (USA) forscht, hat sie die Studie geleitet. Seine Ergebnisse hat das Team in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift The Journal of Neuroscience veröffentlicht.
Täglich eine Stunde mehr Siesta
Wie die Experimente zeigen, beeinflusst Licht hoher Intensität das Verhaltensmuster von Taufliegen deutlich. Auffällig war dabei vor allem eine deutlich verlängerte „Siesta“ der Taufliege um durchschnittlich etwa eine Stunde, mindestens aber um 30 Minuten. Damit einher ging ein verzögerter Start in die üblichen Abendaktivitäten, die von den Fliegen in der Regel mit einer Verspätung von ein bis zwei Stunden aufgenommen wurden.
Auch den für diese Verhaltensänderungen auf molekularer Ebene Verantwortlichen konnten die Wissenschaftler identifizieren: spezielle Fotorezeptoren außerhalb der Netzhaut, die unter dem Namen Hofbauer-Buchner-Äuglein oder HB eyelets bekannt sind. Diese mikroskopisch kleinen „Zusatzaugen“ – jedes von ihnen besteht aus gerade einmal vier Sinneszellen – sind erst seit 30 Jahren bekannt. Entdeckt wurden sie 1989 von den Würzburger Biologen Alois Hofbauer und Erich Buchner.
Sinnvolle Schutzreaktion
„Wir konnten erstmals zeigen, dass die Hofbauer-Buchner-Äuglein auf hohe Lichtintensitäten reagieren und die Siesta der Fliegen verstärken“, erklärt Helfrich-Förster. Der Signalweg, den sie dabei einschlagen, ist mehrstufig: Über spezifische Acetylcholinrezeptoren wirken die HB eyeletsHBauf eine Untergruppe der Uhr-Neuronen ein, was deren Calcium-Spiegel erhöht. Als Konsequenz schütten die Neuronen im rückwärtig gelegenen Teil des Fliegengehirns ein spezielles Neuropeptid aus – den „Pigment-Dispersing Factor“ (PDF). Dort beeinflusst PDF die Aktivität weiterer Uhr-Neuronen, die die Ausprägung der Siesta regulieren und den Beginn der Abendaktivität steuern.
Nach Ansicht der Wissenschaftler ist diese Reaktion auf starken Lichteinfall bei der Taufliege sinnvoll. „Dies ist ein wesentlicher Mechanismus um starkes, eventuell schädliches Licht während der Mittagszeit zu vermeiden“, erklärt die Neurobiologin. Schließlich gehen hohe Lichtintensitäten häufig mit heißen Sommertagen einher, die insbesondere für Insekten gefährlich sein können – zum einen, weil sie rasch austrocken könnten, zum anderen weil sie im hellen Tageslicht leichter von ihren Fressfeinden entdeckt werden.
Vergleichbare Strukturen beim Menschen
Um die Möglichkeit auszuschließen, dass nicht die intensive Lichteinstrahlung, sondern möglicherweise die damit verbundene Wärmeentwicklung Auslöser des verlängerten Mittagsschlafs ist, haben die Wissenschaftler zur Kontrolle ihre Experimente auch an speziellen, gentechnisch veränderten Fliegen durchgeführt. Deren innere Uhr reagiert nicht mehr auf Temperaturveränderungen, aber trotzdem zeigen die Fliegen noch das veränderte Verhalten. Dies spricht dafür, dass der Lichteintrag verantwortlich für die verlängerte Siesta und die späte Abendaktivität ist.
Nach Aussage der Forscherinnen und Forscher zeigen die Ergebnisse ihrer Studie „überraschende Parallelen zu Säugetiermechanismen“. Auch Säugetiere – und übrigens auch Menschen – besitzen spezialisierte Fotorezeptoren, die starkes Licht wahrnehmen, und ihre Signale direkt zur inneren Uhr in einen speziellen Bereich des Zwischenhirns (Hypothalamus) leiten. Ob deren Aktivierung allerdings auch beim Menschen zu einer Verlängerung der Siesta führt, sei nicht bekannt. Die Wissenschaftler halten es aber für durchaus möglich.
em>Originalpublikation:
A distinct visual pathway mediates high light intensity adaptation of the circadian clock in Drosophila. M. Schlichting, P. Menegazzi, M. Rosbash and C. Helfrich-Förster. The Journal of Neuroscience, https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.1497-18.2018

11.01.2019, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Langfristiger Rückgang der Überlebensraten erstjähriger Rotmilane
Landwirtschaftliche Intensivierung und eine Verschlechterung der Nahrungsverfügbarkeit, aber auch anthropogene Mortalität durch Vergiftungen und Kollisionen sind zentrale Bedrohungen für den Rotmilan in seinem stark begrenzten Verbreitungsgebiet. Bei langlebigen Vogelarten haben die Überlebensraten verschiedener Altersklassen einen wesentlichen Einfluss auf die Bestandsentwicklung. Eine erhöhte Mortalität hat daher langfristig auch für den Rotmilan besonders negative Auswirkungen auf die Bestandsgröße, insbesondere wenn mehr Altvögel zu Tode kommen.
Eine äußerst wertvolle Datenquelle um belastbare Überlebensraten zu bestimmen, ist die Beringung von Vögeln und die daraus resultierenden Wiederfunde von toten Individuen. Eine jetzt im Journal of Ornithology erschienene Studie, an der auch Wissenschaftler des DDA beteiligt waren, analysiert die Ring-Wiederfunde von toten Rotmilanen die zwischen 1970-2015 in Deutschland markiert wurden. Die Auswertung erlaubt so eine Schätzung der Überlebensraten von erstjährigen, subadulten und adulten Vögeln über fast 50 Jahre anhand von >29.000 beringten Individuen und etwa 1.500 Wiederfunden die durch das große Engagement der Beringer und die Bereitstellung der Daten durch die Beringungszentralen Hiddensee, Helgoland und Radolfzell ermöglicht wurden.
Die Ergebnisse zeigen einen erheblichen langfristigen Rückgang des Überlebens erstjähriger Rotmilane – um mehr als 40 % im Vergleich der 1970er Jahren bis heute. Darüber hinaus zeigt auch die Überlebenswahrscheinlichkeit der Altvögel in den Jahren 1974-2014 einen abnehmenden Trend (-0,26 % pro Jahr). Der Schlüssel zu diesen neuen Erkenntnissen ist, dass erstmals auch die Wiederfundswahrscheinlichkeit von toten Rotmilanen in verschiedenen Altersklassen bei der Auswertung berücksichtigt wurde. So kann auch die Vielzahl an beringten Vögeln, die nie mehr gefunden werden, zu einer verbesserten Schätzung der Überlebensraten beitragen. Hierbei zeigte sich, dass die Wiederfundsrate der erstjährigen Vögel nur ca. die Hälfte der Wiederfundsrate der Individuen die mindestens das zweite Lebensjahr erreichen beträgt. Dies könnte sowohl auf bisher unbekannte Unterschiede in den Todesursachen der erstjährigen Vögel hindeuten, als auch darauf, dass diese deutlich häufiger in größerer Entfernung vom Brutgebiet zu Tode kommen.
Die räumliche und zeitliche Verteilung der Totfunde erstjähriger Rotmilane, die sich anhand der Wiederfunde darstellen lässt, deutet jedoch mehr auf eine erhöhte Sterblichkeit im Brutgebiet hin. Allerdings war in >60 % der Fälle die Todesursache der erstjährigen Vögel beim Ring-Wiederfund unbekannt und daher sind anhand der vorliegenden Daten keine belastbaren Aussagen zu den Gründen für die nachgewiesenermaßen stark erhöhte Mortalität ableitbar. Weitere Untersuchungen der Todesursachen in den verschiedenen Altersklassen sind daher dringend erforderlich um ein genaueres Bild zu erhalten, welche Faktoren die Überlebensraten, und damit auch wesentlich die Bestandsentwicklung, beeinflussen.
Weitere Informationen:
Katzenberger, J., Gottschalk, E., Balkenhol, N., Waltert, M. (2019) Long-term decline of juvenile survival in German Red Kites. Journal of Ornithology. https://doi.org/10.1007/s10336-018-1619-z
Der Artikel ist online frei zugänglich zu lesen unter: https://rdcu.be/bfxpn

11.01.2019, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Aktualisierte Informationen über Einflüsse der Windenergienutzung auf Vögel
Seit dem Jahr 2002 trägt die Staatliche Vogelschutzwarte des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (LUGV) verfügbare Daten zu Kollisionen von Vögeln und Fledermäusen an Windenergieanlagen (WEA) aus ganz Deutschland zusammen. Ziel der Datenbank ist es, die vorhandenen, bundesweit verstreuten Daten über Anflugverluste an WEA zusammenzutragen, durch diese Sammlung zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen und die Einhaltung von Mindeststandards bei der weiteren Datengewinnung und -dokumentation durchzusetzen. Die „Dokumentation Vögel und Windenergienutzung“ auf der Internetseite des LUGV wurde nun aktualisiert und die Informationen und Kollisionszahlen auf den neuesten Stand gebracht. Nach der Erweiterung sind auf nunmehr 126 Seiten fast 500 Literaturquellen verarbeitet, die eine solide Basis für Entscheidungen verschiedenster Art bilden. Zusammen mit der gesamtdeutschen Datenbank der Kollisionsopfer ist diese Faktensammlung die Grundlage der Abstandsempfehlungen der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten für Windkraftanlagen.
Bei jeder Art ist jeder Einzelfund nachvollziehbar, so dass jeder selbst überprüfen kann, was bereits gemeldet wurde und was nicht. Ergänzt werden die Daten durch Informationen über Einflüsse der Windenergienutzung auf Vögel. Darin werden für die einzelnen Arten Schutzstatus, Gefährdung durch Kollision, Lebensraumentwertung, Aktionsraum, Abstandsregelungen und hilfreiche Literaturhinweise zusammengefasst. Unterstützen Sie die Datensammlung durch die Meldung von Kollisionsopfern oder weiterer hilfreicher Publikationen zu dem Thema!

Informationen zur Stunde der Wintervögel findet man hier (NABU) und hier (LBV).

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