Mira Bartók: Der Wunderling (Rezension)

Bekannt als Nummer Dreizehn lebt eine einohrige, schüchterne Kreatur – halb Fuchs, halb Mensch – in einem Waisenhaus, dem Heim für widerspenstige und missratene Geschöpfe , das in einem futuristisch-viktorianischen Land angesiedelt ist. Unter dem grausamen Regime der Heimleiterin Miss Carbunkle und ihrem Gehilfen Mister Sneezeweed muss er als Erdling endlose Schikanen über sich ergehen lassen. Doch Nummer Dreizehn hütet ein Geheimnis, dessen wahre Ausmaße ihm erst bewusst werden, als er sich mit dem Vogel Trixi anfreundet: er kann Geräusche hören, die kein anderer wahrnimmt – wie Mäuse in den Wänden flüstern, Bienen Nektar aus Blüten schlürfen und meilenweit entfernten Vogelgesang. Mit Trixis Hilfe entkommt er dem Waisenhaus und macht sich auf den Weg in die große weiße Stadt Lichterburg. Doch auch dort existiert die erhoffte Idylle nicht mehr, stattdessen werden Erdlinge drangsaliert, so dass der einohrige Held weiterhin ums Überleben kämpfen muss. Mehr und mehr kristallisiert sich heraus, dass Miss Carbunkel auch in Lichterburg ihren teuflischen Plan vorantreibt. Und mit jedem Schritt der Reise erkennt Nummer Dreizehn, dass nur seine Begabung eine Katastrophe verhindern kann. Denn nur er ist der Wunderling.

Nun ja, irgendwie klingt der Klappentext schon sehr reißerisch. Und ich finde, er wird dem Inhalt des Buches nicht gerecht. Anhand des Klappentextes könnte man den Eindruck gewinnen, dass es sich beim Wunderling um eine Art Superheld mit unbekannten Kräften handelt, der jedoch erst einmal wissen muss, was oder wer er ist.
Aber dem ist nicht so. Der Wunderling ist ein ruhiges Buch, zumindest am Anfang, dass sich in detaillgetreuen, liebevollen Beschreibungen ergießt und eine Welt kreiert, die vetraut und doch fremd ist, eine Welt mit Tieren und Menschen und Wesen, die weder das eine, noch das andere sind, eben jene Erdlinge.
Erdling Nummer 13 (der im Laufe der Geschichte noch viele andere Namen erhält) erinnert an viele andere junge Helden (auch an Harry Potter): Er wächst in einer unangenehmen Umgebung auf, hat wenige Freunde und findet erst im Laufe des Romans heraus, wer er wirklich ist.
Die Handlung ist düster, mit einigen Lichtblicken, das Erzähltempo langsam, aber dadurch genau passend, die Charaktere (egal ob es sich um die „Bösen“ oder die „Guten“ handelt) liebevoll beschrieben und der Schluss so herrlich süß, dass man das Wasser in den Augen fast nicht zurückhalten kann.

(Rezensionsexemplar)

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