Michael Sutor: Abenteuer Naturfilm (Rezension)

Als Heinz Sielmann 1960 zu einer monatelangen Expedition nach Galapagos aufbricht, setzt er alles aufs Spiel. Mit schwerem Kameraequipment, unsicherer Finanzierung und fern der Familie sucht er Bilder, die noch niemand zuvor gesehen hat: Riesenschildkröten im Nebelwald, Meerechsen in der in der Brandung – und den legendären Darwin-Finken, der mit einem Werkzeug Nahrung gewinnt. Aus dem Wagnis wird ein Triumph: »Galapagos – Landung in Eden« begeistert Millionen und markiert den Beginn der ARD-Reihe »Expeditionen ins Tierreich«.
Diese Biografie erzählt von gefährlichen Drehs in Südamerika und Papua-Neuguinea, von Paradiesvögeln im Urwald und vom Aufbruch des jungen Fernsehens. Auf Grundlage von Tagebüchern, Briefen und eindrucksvollen Fotografien entsteht das fesselnde Porträt eines Mannes, der den Naturfilm neu erfand – und eine ganze Generation für die Schönheit und den Schutz der Natur sensibilisierte.


Ich bin mit den EXPEDITIONEN INS TIERREICH von und mit Heinz Sielmann aufgewachsen, das waren wohl meine prägenden Jahre, die mir die Tierwelt nahe gebracht haben. Die Filme, an denen er maßgeblich beteiligt war habe ich dagegen nie gesehen. Ich kann mich nicht erinnern sie im Fernsehen gesehen zu haben, sonst wären sie mir wohl auch in Erinnerung geblieben. Aber genau um diese Filme, u. a. Herrscher des Urwalds oder Galápagos – Landung in Eden geht es in ABENTEUER NATURFILM, ein Buch, das auch Heinz Sielmann hätte schreiben können, oder es sogar schreiben hätte sollen.
Das Buch ist Lebensgeschichte, Expeditionsbericht und ein Stück deutscher Mediengeschichte, aber keine Sielmann-Biografie. Es zeigt, unter welchen Bedingungen jene Naturfilme entstanden, die das Bild ferner Landschaften und Tierwelten für Generationen von Fernsehzuschauern geprägt haben und auch heute noch die Einflüsse die er heute auf den Tier/Naturfilm hat.
Im Mittelpunkt steht (natürlich) Sielmann als Naturfilmer und Medienpionier. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei seine Galapagos-Expedition von 1960 ein. Mit schwerer Filmausrüstung, begrenzten finanziellen Mitteln und unter Bedingungen, die mit heutigen Naturfilmproduktionen kaum vergleichbar sind, versuchte Sielmann Verhaltensweisen und Tierarten aufzunehmen, die einem breiten Publikum damals weitgehend unbekannt waren. All die ikonischen Bewohner wie Riesenschildkröten, Meerechsen und Darwinfinken wurden zu Protagonisten eines Films, der Sielmanns Karriere entscheidend prägen sollte: Galapagos – Landung in Eden. Der Erfolg dieses Films war eng mit der später über Jahrzehnte ausgestrahlten ARD-Reihe Expeditionen ins Tierreich verbunden.
Eine besondere Stärke von Sutors Buch liegt in der Verbindung von Biografie und Produktionsgeschichte. Naturfilme erscheinen hier nicht einfach als fertige Produkte. Sutor interessiert sich dafür, wie die berühmten Bilder überhaupt zustande kamen: für Expeditionen, Kameratechnik, Finanzierung, logistische Schwierigkeiten und die oft enorme Geduld, die notwendig war, um Tierverhalten filmisch festzuhalten. Damit wird deutlich, wie sehr die Geschichte des Naturfilms auch eine Geschichte technischer Möglichkeiten und persönlicher Risikobereitschaft ist. Oft vermischt die Geschichte Sielmanns mit technischen Möglichkeiten aus den Anfängen des Naturfilms.
Bemerkenswert ist zudem die Quellengrundlage. Sutor greift auf Tagebücher und Briefe sowie auf zahlreiche historische Fotografien zurück, darunter bislang unveröffentlichtes Material. Dadurch erhält das Buch stellenweise den Charakter einer visuellen Spurensuche. Die Fotografien sind nicht bloß Illustration, sondern Teil der erzählten Geschichte.
Der klassische Naturfilm vermittelte häufig das Bild scheinbar unberührter Wildnis. Gleichzeitig entwickelte sich Sielmann zunehmend vom Tierfilmer zum Naturschützer. Seine 1994 gegründete Heinz Sielmann Stiftung steht für diesen späteren Schwerpunkt seines Wirkens. Damit lässt sich auch nachvollziehen, wie sich Naturfilm, öffentliches Umweltbewusstsein und organisierter Naturschutz gegenseitig beeinflussten.
ABENTEUER TIERFILM zeigt Ausschnitte aus Sielmanns Leben, spart aber das Privatleben aus. Der Naturfilm steht im Vordergrund, Sutor entführt seine Leser in eine vergangene aber spannende Zeit und Sielmann dient als Hauptakteur und Statist in gleicher Weise. Sutor verliert sich nicht in biografischen Nebensächlichkeiten, sondern macht verständlich, weshalb Sielmann zu einer Schlüsselfigur des deutschsprachigen Naturfilms werden konnte.
ABENTEUER NATURFILM ist besonders für Leser interessant, die sich nicht nur für Heinz Sielmann, sondern für Naturfilmgeschichte, Tierbeobachtung, historische Expeditionen und die Entwicklung des Fernsehens interessieren.

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(Rezensionsexemplar)

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