Alex Howard: Die Geisterkatze (Rezension)

120 Jahre Menschheitsgeschichte durch die Augen einer klugen Katze.
Edinburgh, 1902: Grimalkin ist ein viktorianischer Hauskater, der eine außerordentliche Beobachtungsgabe besitzt. Durch einen unglücklichen Vorfall stirbt er, doch zum Glück hat er seine neun Leben nicht verbraucht. Deshalb wird er zur Geisterkatze und darf mit seinen verbliebenen Leben zum Zeitzeugen der folgenden 120 Jahre werden. Unsichtbar streift Grimalkin umher und bringt in seiner unvergleichlichen Erzählung Enthüllungen über unsere banale menschliche Existenz, den unaufhaltsamen Lauf der Zeit sowie die wahre Größe der Katzen ans Licht.

„Eine Katze hat neun Leben. Drei spielt sie, drei streunt sie, und drei bleibt sie.“, das ist das Motto in DIE GEISTERKATZE, und das verspricht eine interessante Lektüre zu sein, die Katzenroman mit historischen Ereignissen verbindet.
Ein verzauberndes, humorvolles Buch, das zum Nachdenken anregt. Zumindest wird das versprochen und könnte es sein, aber ich wurde enttäuscht. Da wurde meiner Meinung nach eine gute Idee in den Sand gesetzt.
Dabei macht die besondere Art Grimalkins den besonderen Reiz des Romans aus. Howard erzählt Geschichte nicht anhand großer politischer Ereignisse, sondern durch die kleinen Veränderungen des Alltags. Das Haus wird zu einer Art Zeitkapsel, in der sich mehr als ein Jahrhundert gesellschaftlicher und technischer Entwicklungen widerspiegelt. Für Grimalkin sind viele dieser Neuerungen zunächst rätselhaft. Das sorgt immer wieder für leise humorvolle Momente. Die Geschichte selbst wird limitiert durch die Kürze (knapp 300 Seiten) und den zahlreichen Ereignissen, die mehr oder weniger eine Rolle spielen. So wirkt alles etwas oberflächlich und mir hat zu vielem der Zugang gefehlt. Ja, es wird aus der Sicht einer Katze erzählt, die jedoch anders als andere Katzen zum Zusehen verdonnert ist, und mehr bekommt der Leser dann auch nicht geboten. Es werden keine wirklichen Bindungen aufgebaut, weder zu Grimalkin, noch zu den menschlichen Protagonisten, da sie meist nur kurze Auftritte im langen Katzenleben haben.
Grimalkin erlebt immer wieder, wie Menschen Teil seines Hauses werden und schließlich wieder daraus verschwinden. Freundschaften entstehen, Familien verändern sich, Kinder werden erwachsen. Nur die Geisterkatze bleibt zurück. Da hätte ich mir oft gewünscht, dass die einzelnen Kapitel mehr Tiefe gezeigt hätten. Gerade im vergangenen Jahrhundert hat sich so einiges getan, das interessant wäre (und ja es gibt Ansätze, die einen Teil der Geschichte interessant machen, z. B. wenn es um Katzenfutter geht …). Im großen und ganzen ein Buch, das sich schnell liest, aber leider nur an der Oberfläche des Möglichen kratzt.
Wie gesagt, DIE GEISTERKATZE hat eine interessante Grundidee, bleibt inhaltlich allerdings eher unspektakulär und teilweise langatmig. Längere Kapitel und vielleicht ein roter Faden mit emotionaler Komponente hätten nicht geschadet.

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(Rezensionsexemplar)

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