Eines der schönsten Bekenntnisse zur Natur und der Magie der Nacht
Unser Verhältnis zu Dunkelheit ist ein zwiespältiges: Was dunkel ist, ist unberechenbar, manchmal bedrohlich. Doch Tiere, Pflanzen und Menschen brauchen die Dunkelheit zum Überleben. New-York-Times-Bestsellerautorin Leigh Ann Henion lädt uns ein, die unzähligen Wunder der Nacht zu entdecken, zu staunen und unsere Beziehung mit der Natur zu überdenken.
In der Abenddämmerung erwacht um uns eine Welt, die bei Tageslicht nicht sichtbar ist: Pilze erhellen wie kleine Laternen den Waldboden, Glühwürmchen versammeln sich zum synchronen Leuchten. Salamander lugen aus dem feuchten Laub hervor und gehen auf Wanderschaft, während die Mondblumen ihre Blüten öffnen und die Motten von Kelch zu Kelch flattern. Als in der Corona-Pandemie das Leben hinter flimmernden Bildschirmen verschwindet, bemerkt Leigh Ann Henion, dass etwas fehlt. Auf der Suche nach Verbindung streift sie im Dunkeln durch die Wälder der Appalachen und entdeckt die Magie der Nacht. Je tiefer sie eintaucht, desto deutlicher erkennt sie, wie sehr künstliches Licht Tiere, Pflanzen und uns Menschen aus dem Rhythmus bringt. Henion forscht nach und lässt uns sehen, verstehen – und schließlich staunen: über eine Welt, die nur aufblüht, wenn wir das Licht auslassen. Poetisch geschrieben, weckt sie die leise Sehnsucht, der Natur und uns selbst wieder achtsamer zu begegnen.
Die Nacht ist weit mehr als die bloße Abwesenheit von Tageslicht. Sie ist ein eigenständiger Lebensraum, voller erstaunlicher biologischer Anpassungen, geheimnisvoller Begegnungen und ökologischer Zusammenhänge, die dem Menschen weitgehend verborgen bleiben, da dieser sich eher dem, was in der Dunkelheit lauert entzieht. Da spielen Urängste eine Rolle, denn das was man nicht kennt oder nicht sehen kann, lässt sich leicht fürchten. Man denke nur an das Monster unter dem Bett. Dass das aber nicht so ein muss, zeigt Leigh Ann Henion in WUNDER DER NACHT. Die amerikanische Journalistin und Naturautorin Leigh Ann Henion lädt dazu ein, diese oftmals übersehene Welt neu zu entdecken.
Ausgangspunkt ihrer Erkundungen ist eine persönliche Erfahrung. Während der Corona-Pandemie, als sich das Leben zunehmend auf die eigenen vier Wände und digitale Bildschirme beschränkt, verspürt Henion das Bedürfnis, wieder eine unmittelbarere Verbindung zur Natur herzustellen. Sie beginnt, die nächtlichen Wälder der Appalachen zu durchstreifen, und entdeckt dabei eine Welt, die sich erst nach Sonnenuntergang in ihrer ganzen Vielfalt offenbart. Und man muss nicht unbedingt in die Appalachen fahren, leuchtende Lebewesen kann man überall entdecken, sofern die Lichtverschmutzung das zulässt. Und mit den eigenen Augen bewaffnet, kann man viel mehr entdecken als man denken möchte. Henions Buch ist Nature Writing, sie bringt dem Leser ihre eigenen Erfahrungen nahe, ohne dabei allzu belehrend zu wirken oder mit Fachsprache zu langweilen. Und ich gebe zu, dass ich mich oft bei Büchern dieser Art frage, was die Autorin oder der Autor mir eigentlich sagen will. Erstaunlicherweise ist das bei WUNDER DER NACHT anders. Henion gelingt es sehr schnell mich in die Nacht zu versetzen, Fledermäuse und Glühwürmchen zu entdecken und die Welt der Motten näher zu betrachten. Es sind Henions Erlebnisse, aber sie nimmt den Leser mit und man bekommt das Gefühl selbst dabei zu sein. Die Begeisterung der Autorin ist ansteckend. Und gleichzeitig offenbart die Autorin dem Leser eine Welt, die so gut wie unbekannt ist.
Und gleichzeitig macht sie auf ein hochaktuelles Naturschutzproblem aufmerksam: die zunehmende künstliche Aufhellung unserer Umwelt. Straßenbeleuchtungen, Gebäudestrahler und andere Lichtquellen verändern natürliche Tag-Nacht-Rhythmen und können Wanderbewegungen, Bestäubungsprozesse und das Verhalten nachtaktiver Tiere erheblich beeinflussen. Henions Erkundungen führen somit über das persönliche Naturerlebnis hinaus zu der grundsätzlichen Frage, wie sehr der Mensch durch seine technische Zivilisation inzwischen auch jene Lebensräume verändert, die er kaum bewusst wahrnimmt.
Henion sensibilisiert den Leser auf unterhaltsame Weise für die WUNDER DER NACHT. Sie zeigt was man sehen kann, dass es Gleichgesinnte gibt und sie zeigt wie wir die Welt inzwischen sehen, weil wir fast überall von künstlichem Licht umgeben sind.
WUNDER DER NACHT ist kein Nachschlagewerk, man wird nicht von wissenschaftlichen Bezeichnungen erschlagen. Es ist ein Erfahrungsbericht, der gerade dadurch eine große Wirkung erzieht.
Ein Buch, das hilft, die Nacht zu entdecken.
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(Rezensionsexemplar)

