Leonie Ilonka Henning: Wie das Leben lieben lernte (Rezension)

Wie finden sich Lebewesen? Warum wählen sie einander? Und weshalb lohnt sich Nähe überhaupt?
Die Liebe ist älter als das Herz. Sie begann nicht mit Gefühlen, sondern mit Begegnungen zwischen Zellen. Leonie Ilonka Henning zeigt, wie aus chemischen Reaktionen Verhalten wurde, aus Zufall Anziehung und aus Fortpflanzung etwas, das wir heute Liebe nennen.
Ein poetisches Sachbuch voller erstaunlicher Strategien, ungewöhnlicher Beziehungen und überraschender Antworten auf eine der ältesten Fragen des Lebens.

WIE DAS LEBEN LIEBEN LERNTE ist kein Buch über die Liebe, es geht über die Fortpflanzung (Meistens, auch wenn das nicht immer das Fall ist) und ein bisschen über Liebe (wenn es den Menschen betrifft oder der Mensch versucht Liebe in seiner Umgebung zu sehen). Und weil es nicht um die Liebe geht, so wie es der Mensch versteht, beginnt Leonie Ilonka Henning am Anfang des Lebens, als zur Vermehrung nicht mehr als eine Zelle nötig war. Aber die Evolution (und damit das Leben ging weiter) und so entwickelte sich auch die Fortpflanzung/Liebe weiter, bis zum Menschen, obwohl dieser auch nur die Liebe benennt und in der Fortpflanzung nicht anders ist als andere Tiere (sofern sie zwei Geschlechter haben, aber diese Diskussion sprengt den Rahmen der Rezension und ist auch nur am Rande Teil des Buchs).
WIE DAS LEBEN LIEBEN LERNTE ist eine kleine Evolutionsgeschichte von Anziehung, Bindung und Kooperation. Chemische Signale, Erkennen und Reagieren bilden den Ausgangspunkt einer Entwicklung, die schließlich zu Partnerwahl, Sexualität, Brutpflege, sozialen Bindungen und den Gefühlswelten des Menschen führt.
Naturwissenschaft und erzählerischer Sprache gehen Hand in Hand. Das kommt nicht von ungefähr: Henning beschäftigte sich zunächst mit germanistischer Linguistik, bevor sie zur Biologie wechselte und sich mit Evolutionsbiologie auseinandersetzte. Diese beiden Seiten sind dem Buch deutlich anzumerken. Naturwissenschaftliche Vorgänge werden nicht lediglich erklärt, sondern in Geschichten eingebettet. Das mutet teilweise durchaus poetisch an, passt aber zu einem Buch in dem es um Liebe gehen soll. Romantisch geht es dabei nicht immer zu … (man denke da an Spinnen oder Gottesanbeterinnen).
Begriffe wie „Liebe“, „Anziehung“ oder „Beziehung“ lassen sich aber nicht ohne Weiteres von Menschen auf Zellen oder Tiere übertragen. Wo endet eine evolutionär entstandene Reaktion auf bestimmte Signale, und wo beginnt tatsächlich ein Gefühl? Das Buch lebt gerade von solchen Analogien, doch gelegentlich besteht die Gefahr, biologische Prozesse stärker zu vermenschlichen, als es eine streng naturwissenschaftliche Betrachtung erlauben würde.
Ein kurzweiliges, klug konzipiertes und ungewöhnlich poetisches Evolutionsbuch, das weniger die Liebe erklärt, als ihre erstaunlich tiefen biologischen Wurzeln sichtbar macht. Aber, natürlich lässt es sich nicht vermeiden, dass die Kürze des Buchs (ca. 120 Seiten Text) und die Evolution (die seit Anbeginn der Zeit stetig vorangeht) vieles nur sehr oberflächlich abgehandelt wird (oder nur am Rande angesprochen). Aber man wird auf zahlreiche Literaturtipps hingewiesen. Kein Buch über die Liebe, wie der Mensch sie versteht, aber ein unterhaltsamer Weg durch das was die Fortpflanzung so mit sich bringt.

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(Rezensionsexemplar)

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