Karl Schulze-Hagen, Gabriele Kaiser: Die Vogel-WG – Die Heinroths, ihre 1000 Vögel und die Anfänge der Verhaltensforschung (Rezension)

Kuriose und unterhaltsame Vogel-Beobachtungen eines Berliner Zoologen-Paares
Eine Etagenwohnung mitten in Berlin. In jedem Zimmer Vögel. Eine Nachtschwalbe brütet auf dem Teppich, ein Specht hackt Löcher in den Schrank, ein Mauersegler kreist durchs Wohnzimmer. Ein reales Szenario. Es liegt 100 Jahre zurück. Dieses Buch erzählt die Lebensgeschichte des Naturforscher-Paares Heinroth, das in seiner Wohnung fast 1.000 Vögel aufzog. Mit subtilem Sinn für Komik beschreiben die Heinroths ihre Beobachtungen und bringen dem Leser heimische Vogelarten damit ungewöhnlich nahe. Begleitet werden die kuriosen wie lehrreichen Beschreibungen von ihren besten Aufnahmen, die erst kürzlich wiederentdeckt wurden.
Spannende und interessante Fakten aus hautnaher Forschung über früher häufige und heute sehr seltene Vogelarten
Oskar Heinroth und seine ebenso passionierte Frau Magdalene gelten als Begründer der Verhaltensforschung. Über 30 Jahre lang zogen sie in ihrer Wohnung aus den Eiern, die sie selbst gesucht hatten oder überreicht bekamen, heimische Vögel auf, beobachteten ihre Verhaltensweisen und dokumentierten sie in Text und Bildern. Für Naturkundler des frühen 20. Jahrhunderts war ein Besuch in der Vogelwohnung der Heinroths das „Non plus ultra“. Heute sind diese beiden Forscher fast vergessen. Neben der Lebensgeschichte des Forscherpaares enthält das Buch die Beschreibungen von über 100 heimischen Vogelarten von Amsel bis Ziegenmelker. Das historische Bildmaterial wird ergänzt durch Originaltexte und Zitate.
So beschreibt diese unterhaltsame Naturkunde nicht nur das spannende und skurrile Leben des engagierten Forscher-Ehepaares Heinroth und ihre wissenschaftliche Leistung, sondern ist zugleich ein historisches Zeitdokument, das zum Nachdenken über das schleichende Verschwinden der Vögel in Mitteleuropa anregt.

Oskar Heinroth, Mai 1900

Oskar Heinroth (* 1. März 1871 in Kastel; † 31. Mai 1945 in Berlin) war ein deutscher Zoologe. Internationale wissenschaftliche Bedeutung erlangte er durch seine grundlegenden Arbeiten zur vergleichenden Verhaltensforschung in der Ornithologie. Er führte den Begriff Ethologie in seiner heute üblichen Bedeutung in die moderne Verhaltensbiologie ein. Von 1911 bis 1913 war er maßgeblich am Aufbau des Berliner Zoo-Aquariums beteiligt, dem er mehr als 30 Jahre lang als Leiter vorstand. Konrad Lorenz würdigte ihn im Jahr 1941 mit der Worten: „Oskar Heinroth war diesseits des Ozeans der erste, der auf den Gedanken kam, Verhaltensweisen verschiedener Tierformen in jener Weise auf Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten, auf Gemeinsames und Trennendes hin zu untersuchen, wie es der Phylogenetiker mit körperlichen Merkmalen seit jeher tut.“
Von 1904 an war Heinroth mit Magdalena, geborene Wiebe, verheiratet. Sie arbeitete mit ihm bis zu ihrem Tode 1932 zusammen und war Mitautorin mehrerer seiner Bücher. 1933 heiratete er die Zoologin Katharina Berger (Katharina Heinroth war von 1945 – 1956 Direktorin des Berliner Zoos).

Ich weiß nicht, was ich von dem Buch halten soll.
Es verspricht viel, bietet aber in meinen Augen wenig. Es ist zu kurz, um eine ausführliche Biografie der Heinroths (Oskar, Magdalena, Katharina) darzustellen und mir kommen auch die Vögel Mitteleuropas zu kurz.
Beides wäre interessant gewesen auch wenn ich mir bewusst bin, dass eine Biografie von drei Personen auch auszugsweise sehr viel Platz eingenommen hätte. Aber so … zu kurz.
Auch die Entstehung des Heinrothschen Werks „Die Vögel Mitteleuropas“ hätte man gerne ausführlicher beschreiben dürfen.
Aber das nimmt tatsächlich nur einen kleinen Teil des Buchs in Anspruch. Ein Großteil des Buchs nehmen Auszüge aus „Die Vögel Mitteleuropas“ in Anspruch. Die vier Bände erschienen zwischen 1924 und 1934 und sind nur noch antiquarisch(und meist zu einem horrenden Preis) erhältlich. Ähnlich wie in Brehms Tierleben werden dabei persönliche Erfahrungen mit wissenschaftlichen Beobachtungen gemischt.
Leider kenne ich das Original nicht und die Auszüge sind teilweise och sehr dürftig und nicht wirklich aussagekräftig auch wenn man die Worte der Heinroths liest.
Ich verstehe dass man Abstriche bei den Auszügen machen musste, aber es wäre in meinen Augen schöner gewesen, sich auf weniger Arten zu beschränken und diese ausführlicher zu beschreiben. Die Art und Weise wie die Heinroths ihre Erfahrungen beschreiben ist sehr erfrischend und hat auch einige witzige Momente, die bei den meisten Beschreibungen innerhalb dieses Buchs meiner Meinung nach zu kurz kommen.

Die Vogel-WG hat in mir große Erwartungen gesetzt, die leider nicht erfüllt wurden.
Das Buch mag seine Freunde finden, vor allem jene, die Interesse am Zoo Berlin haben, aber der Vogelfreund wird etwas enttäuscht zurückbleiben.
Schlecht ist das Buch nicht, eher durchschnittlich, aber die Fotografien der Heinroths werten es etwas auf. Auch aus „Die Vögel Mitteleuropas“ stammend zeigen sie seltene Aufnahme junger Vögel.

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