Ein Wochenende in der Schwäbischen Alb – Tag 2

Tag zwei des Wochenendes in der Schwäbischen Alb (und immerhin habe ich jetzt auch gelernt dass die Schwäbische Alb auf englisch Swabian Jura heißt, wichtiges Wissen …).
Große Pläne gab es nicht, das meiste ist wohl eher spontan entstanden, aber das kenne ich ja von meinen selbst geplanten Reisen auch. und Spontanität muss ja nicht schlecht sein.
Angedacht hatten wir den Besuch der Burg Hohenzollern und des Blautopfs.
Nach dem Frühstück (das sich geringfügig von den von uns gewohnten IBIS-Frühstücken unterschied, aber auf Lachs kann ich an sich auch gerne verzichten … habe ich auch) fuhren wir los.
Am Vorabend hatten wir festgestellt (bzw. meine Schwester), dass es eine Art Touristencard für die Gegend, die AlbCard gibt. Anders als die von mir bekannten und genutzten Karten (die es ja teilweise leider nicht mehr gibt) gibt es die Albcard bei einigen Hotels umsonst, unter anderem auch bei unserem. Normalerweise bekommt man sie am Anreisetag an der Rezeption, aber wir wurden darauf nicht aufmerksam gemacht (weil das vermutlich auch mit Mehrarbeit verbunden ist … allerdings weiß ich auch nicht wie groß der Aufwand anderer Karten wie der Harzcard ist, das findet ja unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt). Nach Nachfragen haben wir die Karten bekommen. Diese sind gültig für einen frei wählbaren Tag/Übernachtung, wobei man bei einer Übernachtung sowieso nur den Abreisetag zur Verfügung hat. Aber … die Karte kostet nichts und man bekommt dadurch freien Eintritt in zahlreichen touristischen Zielen, u. a. auch den von uns am Vortag besuchten. Allerdings lohnt sich die Anschaffung auf jeden Fall, zumal der reguläre Preis für die Burg Hohenzollern schon 22 Euro beträgt.

Burg Hohenzollern

Die Burg Hohenzollern ist die Stammburg des Fürstengeschlechts und ehemals regierenden preußischen Königs- und deutschen Kaiserhauses der Hohenzollern.
Die erste mittelalterliche Burg der Grafschaft Zollern, die 1267 erstmals erwähnt wurde, geht vermutlich auf das 11. Jahrhundert zurück. Sie wurde am 15. Mai 1423 nach fast einjähriger Belagerung durch den Schwäbischen Bund erobert und vollständig zerstört.
Nach einem Neubau ab 1454 wurde die Burg im Dreißigjährigen Krieg, obwohl zur starken Festung ausgebaut, von den Württembergern eingenommen und vorübergehend besetzt:
Nachdem sich das Kräfteverhältnis durch den Vormarsch der Schweden bis nach Bayern zugunsten der Protestanten verschob, und Schwedenkönig Gustav Adolf die im Schwäbischen eroberten und noch zu erobernden Gebiete Herzog Julius Friedrich von Württemberg versprach, rüstete sich dieser Anfang 1632 zum Krieg gegen seine Nachbarn. Unter dem Vorwand, „die verlassenen [katholischen] Herrschaften zu schützen“, ließ der Herzog seine Truppen zunächst in die Grafschaft Hohenberg einmarschieren. Rasch wurden wichtige Städte (z. B. Rottweil am 2. Oktober 1632) erobert, außerdem die Belagerung von Villingen (Übergabeaufforderung am 4. Oktober 1632) eingeleitet und die Blockade von Hohenzollern (im Juli 1633) begonnen. Während es die Württemberger im Schwarzwald anfangs mit der Aushebung der Landwehr aus den nahegelegenen Ämtern angehen wollten, sollte es im Hohenzollerischen Oberstleutnant Jost Faber mit 500 „bewehrten württembergischen Bauern“ und 100 Landreitern richten – doch ohne Erfolg. Acht Monate lag die württembergische Wagenburg vor der Festung, ihre Soldaten plünderten die Mundvorräte, ohne dabei einen militärischen Erfolg verbuchen zu können. Aufgrund des offensiven Vorgehens des württembergischen Herzogs drohten die Kaiserlichen nun ihrerseits mit Vergeltungsmaßnahmen. Einige ihrer Offiziere tönten, sie würden „in Württemberg ein solches Feuer anrichten, dass die Engel im Himmel die Füße an sich ziehen“. Im Frühjahr 1634 begann nun der junge und engagierte Herzog Eberhard von Württemberg mit der eigentlichen Belagerung der Burg. Er setzte den erfolglosen Kommandeur Jost Faber ab und dafür Oberstleutnant Helmstädt ein. Dieser mit den Schweden operierende Offizier und Kommandant der Landregimenter III + IV konnte schließlich die Stadt Hechingen am 25. März 1634 einnehmen, worauf am 3. April die Burg wegen anhaltend schlechter Versorgungslage kapitulierte. Die zollerische Besatzung unter Hauptmann Weinmann erhielt freien Abzug. Trotz des Protests von Philipp Christoph von Hohenzollern musste das Fürstentum Hohenzollern-Hechingen Eberhard von Württemberg huldigen und all seine Beamten wurden abgesetzt. Nachdem sich nach der Schlacht bei Nördlingen das Kräfteverhältnis wieder zugunsten des Kaisers gewendet hatte, gelang am 1. November 1635 die Rückeroberung der Feste mittels einer List: Dem württembergischen Hauptmann Albert Schmidlapp wurde ein gefälschtes Schreiben ausgehändigt, das den angeblichen Befehl seines Herzogs enthielt, der darum bat, die Burg an den kaiserlichen Oberstleutnant Karthausen zu übergeben. Nach Abzug der Württemberger erhielt die Burg zunächst eine Besatzung von 50 Mann Landvolk (einheimische Bauern).
Nach Kriegsende war die Burg überwiegend in habsburgischem Besitz, bevor sie während des Österreichischen Erbfolgekriegs im Winter 1744/45 von französischen Truppen besetzt wurde. Nach dem Abzug der letzten österreichischen Besatzung 1798 verfiel die Burg, Anfang des 19. Jahrhunderts war sie eine Ruine. Als einziger nennenswerter Teil war die St. Michaelskapelle erhalten geblieben.
Der Gedanke an einen Wiederaufbau der Burg kam dem damaligen Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm IV. möglicherweise 1819, als er auf einer Italienreise auch die Wurzeln seiner Herkunft kennenlernen wollte und den Berg bestieg.
Die Burg in ihrer heutigen Form ist ein Bauwerk des renommierten Berliner Architekten Friedrich August Stüler, der 1842 als Schüler und Nachfolger Karl Friedrich Schinkels zum Architekten des Königs ernannt worden war. Sie gilt als typisches Beispiel der Neugotik im deutschen Sprachraum. Die eindrucksvollen Auffahrtsanlagen entwarf der Ingenieuroffizier Moritz von Prittwitz, der damals als der führende preußische Festungsbaumeister galt. Die bildhauerischen Arbeiten stammen von Gustav Willgohs.
Zum einen ist die Burg Hohenzollern das Ergebnis politischen Repräsentationswillens der Herrscher von Preußen, die die Stammburg ihrer Ahnen in prunkvoller Form wiederaufgebaut sehen wollten. Zum anderen ist die Burg Ausdruck des romantischen Geistes jener Zeit und verkörpert die damalige Idealvorstellung einer mittelalterlichen Ritterburg. Insofern ist der historistische Baugedanke mit dem von Schloss Neuschwanstein in Bayern vergleichbar, jedoch ohne dessen phantastisch-theatralische Übersteigerung. 1850 fand die Grundsteinlegung statt. Finanziert wurde der Bau gemeinsam von der brandenburgisch-preußischen und den fürstlich-schwäbischen Linien der Hohenzollern. Im Streit um die Finanzierung kam es nach einem heftigen Wortgefecht am 22. März 1852 zwischen Otto von Bismarck und Georg von Vincke in der zweiten preußischen Kammer am 25. März 1852 zum Duell Vincke–Bismarck. Am 3. Oktober 1867 wurde der Bau unter König Wilhelm I. von Preußen vollendet und eingeweiht.
Der Neubau blieb nicht immer unumstritten. Nur wenige Jahrzehnte nach der Einweihung beauftragte Kaiser Wilhelm II. den Architekten Gabriel von Seidl, sich mit einem möglichen Umbau der Burg im puristischen Stil des Historismus zu beschäftigen. Seidl stellte während seines Besuchs der Burg im Jahr 1894 jedoch fest: „Diese Burg ist derart verpfuscht, dass ich nix machen kann als höchstens sie neu bauen – und dann ist es halt keine alte Burg mehr … Das kann i net!“. Seine Begleiter soll er zudem während seines Besuches auf Grund seines gewonnenen Eindrucks gebeten haben: „Um Gottes Willen, helfens mir hinaus.“ Darauf nahm Kaiser Wilhelm II. Abstand von diesem Umbauprojekt und ließ stattdessen die Hohkönigsburg neu bauen, das Residenzschloss Posen errichten, die Ordensburg Marienburg renovieren sowie nach deren Vorbild die Marineschule Mürwik für die Marine erbauen und zuletzt in Potsdam den Cecilienhof im Stil eines Jagdschlosses errichten.
Bei einem Erdbeben am 3. September 1978 wurde die Burg Hohenzollern schwer beschädigt. Einige Türmchen stürzten ein und Ritterfiguren stürzten um. Die Restaurierungsarbeiten zogen sich bis in die 1990er Jahre hin.
Die Burg ist absolut sehenswert (auch wenn ich keine 22 Euro dafür zahlen würde…), aber leider gibt es keine Führungen durch die Burg. Aber es gibt in jedem Raum „Aufpasser“, denen man Fragen stellen kann und die auch kompetent, ausführlich und gerne beantwortet werden.

Blick von Burg Hohenzollern

Nächstes Ziel: Blaubeuren.
Blaubeuren liegt im Osten von Baden-Würtemberg und ist vor allem durch den Blautopf bekannt, eine Karstquelle, aus der die Blau entspringt. Außerdem gibt es ein Kloster und zahlreiche Fachwerkhäuser.

Blautopf

Aber natürlich wollten wir uns den legendären Blautopf ansehen … und ich gebe es zu, irgendwie ist es lächerlich, so toll das blaue Wasser auch aussieht. Blaubeuren scheint ein nettes Örtchen zu sein, ist aber auch sehr touristisch, was man vor allem rund um den Blautopf merkt. Und dort sieht man dann auch am Blautopf selbst wo die Touristen auf das blaue Wasser starren … etwas anderes kann man dort auch nicht machen. Das Wasser sieht schon toll aus, aber ob das die Anzahl der Touristen rechtfertigt ist fraglich.
Der Blautopf ist die zweit-wasserreichste Karstquelle Deutschlands. Bekannt ist der Blautopf für die je nach Lichteinfall mehr oder weniger intensive, aber immer auffallend blaue Farbe seines Wassers. Die blaue Farbe entsteht durch einen physikalischen Effekt der Lichtstreuung (so genannte Rayleigh-Streuung) an den nanoskaligen Kalkpartikeln, die im Wasser dispergiert sind. Durch deren geringe Größe wird das blaue Licht bevorzugt gestreut und erzeugt das blaue Leuchten. Der gleiche Effekt ist auch bei der Blauen Lagune in Island zu beobachten; dort wird der Effekt durch nanoskalige Silikatpartikel verursacht.

Die schöne Lau (Blaubeuren)

Der Blautopf ist ein Ort der Sagen und Legenden. So wurde die Wasserfärbung einst dadurch erklärt, dass täglich ein Fass voll Tinte hineingeschüttet würde. Im Volksglauben galt der Blautopf als bodenlos. Versuche, mit einem Bleilot die Tiefe zu ermitteln, sollen immer wieder von einer Nixe vereitelt worden sein, die das Gewicht stahl. In Anlehnung an diese Sage gibt es unweit des Blautopfs einen Felsen mit dem Namen „Klötzle Blei“.
Die Geschichte Das Stuttgarter Hutzelmännlein von Eduard Mörike gibt diese und andere Sagen in einer Binnenerzählung wieder, eingebettet in die Rahmenerzählung eines Wandergesellen, der über die Alb nach Blaubeuren zieht. Ganz besonders ausführlich wird die Geschichte von der Schönen Lau erzählt, der Tochter einer Menschenfrau und eines Wassernix aus dem Schwarzen Meer, die von ihrem Gemahl, dem Donaunix, in den Blautopf verbannt wurde, weil sie nicht lachen konnte und ihm nur tote Kinder gebar. Sie sollte erst zurückkehren und ein lebendiges Kind gebären, wenn sie fünfmal gelacht hatte. Dabei half ihr die Wirtin des Nonnenhofs.
So findet unsere Entdeckung der deutschen Märchen- und Sagen-Welt, die in Hanau begann ihre Fortsetzung in der Schwäbischen Alb, mit seinen Märchenschlössern (so wie Schloss Lichtenstein, welches auf einem Roman von Wilhelm Hauff basiert 2009 ein Drehort des Märchenfilms Dornröschen war oder die Burg Hohenzollern, die natürlich auch die eine oder andere Gespenstergeschichte zu bieten hat).
Es gibt auch einen Tatort, der am Blautopf spielt: BIENZLE UND DIE SCHÖNE LAU, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Felix Huby (der sich auf meinem SuB befindet … allerdings habe ich jetzt Lust bekommen das Buch zu lesen … ob ich den TATORT kenne weiß ich gar nicht …)

Kloster Blaubeuren

Nach dem Blautopf besuchten wir noch das Kloster, das auf dem Weg zum Parkplatz lag (und das man auch mit der AlbCard kostenlos besuchen kann, kostet aber auch nur regulär 5 Euro).
Das Kloster Blaubeuren war ein um 1085 gegründetes Kloster des Benediktinerordens in unmittelbarer Nähe des Blautopfs. Es wurde 1466–1501 weitgehend neu erbaut. Nach der Reformation fiel das Kloster an die württembergischen Herzöge und wurde zum evangelischen Seminar. Im 21. Jahrhundert werden die spätmittelalterlichen Klostergebäude als altsprachliches Gymnasium genutzt; sie sind neben dem Kloster Maulbronn Standort der Evangelischen Seminare Maulbronn und Blaubeuren. Erhalten und zur Besichtigung frei sind der Kreuzgang, die Klosterkirche und ein Museum auf dem Gelände.
Der Hochaltar gilt als Perle mittelalterlicher Kunst. Er wurde 1493 geweiht und 1494 fertig gestellt. Im darauf folgenden Jahrhundert war es Matthäus Alber (1563–70), der erste lutherische Abt, der die Zerstörung verhinderte. Als Wandelaltar mit beweglichem Doppelflügelpaar bietet er drei unterschiedliche Ansichten, passend zu den Festzeiten des Kirchenjahres.

Hochaltar (Blaubeuren)

Das Badehaus der Mönche, das wir nicht besucht haben, beinhaltet das Heimatmuseum der Stadt.
Vielleicht verschlägt es uns wieder einmal nach Blaubeuren, denn es scheint noch einige andere interessante Orte zu geben. Das traut man so einer Stadt nicht unbedingt zu, aber eine Stadtführung oder eine Fahrt mit der Touristenbahn könnte sich als interessant und informativ herausstellen… irgendwann.

Blaubeuren war unser letztes Ziel auf dieser interessanten und anstrengenden Reise … und morgen geht es weiter in Richtung Oberpfalz…

Schwäbische Alb Tag 1
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Blaubeuren

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