Die Wachtel in Brehms Tierleben

Wachtel (Brehms Tierleben)

Unsere Wachtel, Schnarr-, Sand- und Schlagwachtel (Coturnix communis, vulgaris, dactylisonans, europaea, capensis, japonica, major, media, minor und Baldami, Tetrao, Perdix und Ortygion coturnix), vertritt eine nach außen hin scharf umgrenzte Sippe, welche einige zwanzig über alle altweltlichen Gebiete und Australien verbreitete, neuerdings verschiedenen Untersippen zugetheilte Arten umfaßt. Die Merkmale dieser Sippe liegen in dem kleinen, schwachen, an der Wurzel erhöhten, von ihr aus bis zur Spitze sanftgebogenen, an den Winkeln verbreiterten Schnabel, dem niedrigen, sporenlosen, langzehigen Fuße, dem verhältnismäßig langen und spitzigen, wenig gewölbten Flügel, unter dessen Schwingen gewöhnlich die erstere über alle anderen sich verlängert, dem außerordentlich kurzen, gewölbten, aus zwölf Federn bestehenden Schwanze und dem schmalen, auf dem Bürzel sehr entwickelten, nach Geschlecht und Alter wenig verschiedenen Kleingefieder.

Die Wachtel ist auf der Oberseite braun, rostgelb quer- und längsgestreift, auf dem Kopfe dunkler als auf dem Rücken, an der Kehle rostbraun, am Kropfe rostgelb, auf der Bauchmitte gilblichweiß, an den Brust- und Bauchseiten rostroth, hellgelb in die Länge gestreift; ein licht gelbbrauner Streifen, welcher an der Wurzel des Oberschnabels beginnt, zieht sich über dem Auge dahin, am Halse herab und umschließt die Kehle, wird hier aber durch zwei schmale, dunkelbraune Bänder begrenzt; die Handschwingen zeigen auf schwärzlich braunem Grunde röthlich rostgelbe Querflecke, welche zusammen Bänder bilden; die erste Schwinge wird außen durch einen schmalen, gilblichen Saum verziert; die rostgelben Steuerfedern haben weiße Schäfte und schwarze Bindenflecke. Beim Weibchen sind alle Farben blasser und unscheinbarer; auch tritt das Kehlfeld wenig hervor. Das Auge ist hell braunröthlich, der Schnabel horngrau, der Fuß röthlich oder blaßgelb. Die Länge beträgt zwanzig, die Breite vierunddreißig, die Fittiglänge zehn, die Schwanzlänge vier Centimeter.

Man kennt wenig Länder der Alten Welt, in denen unsere Wachtel noch nicht beobachtet worden ist. In Europa kommt sie vom sechzigsten Grade nördlicher Breite an nach Süden hin überall, wenn auch erst vom funfzigsten Grade an regelmäßig vor; in Mittelasien lebt sie in einem etwas südlicher gelegenen Gürtel an geeigneten Orten, zumal in der Steppe, nicht minder häufig, und da sie nun von hier- wie von dort aus alljährlich Wanderungen nach dem Süden antritt, durchstreift sie auch ganz Afrika und ganz Südasien.

Ihre Wanderungen sind in jeder Beziehung merkwürdig. Sie geschehen alljährlich, weichen aber gleichwohl von dem Zuge anderer Vögel nicht unwesentlich ab. Einzelne Wachteln scheinen fast während des ganzen Jahres auf der Wanderung zu sein, und auch diejenigen, welche sich während des Sommers der Fortpflanzung halber eine Zeitlang fest ansiedeln, verlassen das gewählte Gebiet keineswegs zu gleicher Zeit. Einzelne erscheinen schon zu Ende des August in Egypten; eine größere Anzahl trifft hier im September ein: in demselben Monate aber findet man, und keineswegs selten, in Deutschland noch brütende Weibchen oder Junge im Dunenkleide. Der Zug geschieht allerdings hauptsächlich im September, währt aber den ganzen Oktober hindurch und manchmal sogar bis in den November hinein. Viele überwintern auf den drei südlichen Halbinseln Europas, einige schon in Südfrankreich, in gelinden Wintern sogar in Deutschland; die Mehrzahl aber wandert bis in die Gleicherländer Afrikas und Asiens, und einige finden auch dort noch nicht Rast, sondern reisen bis in die Länder am Vorgebirge der Guten Hoffnung. Versammlungen vor der Reise scheinen nicht stattzufinden, die einzelnen Wachteln vielmehr ohne Rücksicht auf andere ihre Reise anzutreten; unterwegs aber gesellt sich eine zur anderen, und bis die reisenden nach Südeuropa gelangt sind, haben sich bereits zahlreiche Flüge geschart. Vom Anfange des September an wimmelt es in allen Feldern längs der Küste des Mittelmeeres von Wachteln. »In den Gesträuchen längs der Abgründe, Gräben und Wiesen, in jedem Gestrüppe, hinter jeder Scholle«, sagt Graf von der Mühle rücksichtlich Griechenlands, »fliegt vor dem Jäger eine Wachtel auf, und wenige Stunden genügen, um die Waidtasche zu füllen. Manchen Morgen trifft man, wenn nachts Scirocco geblasen, keine Wachteln mehr an denselben Plätzen, wo tags zuvor ganze Scharen lagen; plötzlich aber erscheinen wieder große Flüge von ihnen, und so wechselt es ab, bis Nachtfröste die letzten durchreisenden verscheucht haben«. Einige Paare verweilen übrigens jahraus, jahrein im Lande, brüten hier im Mai oder Juni und werden somit zu Stand- oder doch Strichvögeln. Genau ebenso ist es in der Türkei, in Süditalien und Spanien, nicht anders rings um das Schwarze und Kaspische Meer und ebenso an der Küste der Japanischen und Chinesischen See.

Alle reisenden Wachteln benutzen das Festland soweit sie können und kommen deshalb an der Spitze der südlichen Halbinsel in zahlreichen Scharen zusammen. Bei widrigem, d.h. in der Reiserichtung wehendem Winde stockt der Zug; sowie aber Gegenwind eintritt, erhebt sich der Schwarm und fliegt nun ins Meer hinaus und in südwestlicher Richtung weiter. Wenn der Wind beständig bleibt und nicht zum Sturme anwächst, geht die Reise glücklich von statten. Die Wanderschar fliegt ihres Weges dahin, so lange die Kraft ihrer Schwingen es ermöglicht; tritt übergroße Ermüdung ein, so läßt sich, wie ich von glaubwürdigen Schiffern versichert worden bin, die ganze Gesellschaft auf den Wellen nieder, ruht hier eine Zeitlang aus, erhebt sich von neuem und fliegt weiter. Anders verhält es sich, wenn der Wind umschlägt oder zum Sturme anwächst. In der Zugrichtung wehender Wind erschwert die Reise übers Meer in hohem Grade, Sturm macht sie unmöglich. Unter solchen Umständen stürzen sich die zum Tode ermatteten Wachteln wie besinnungslos auf einzelne Klippen oder auf das Deck der Schiffe, liegen hier lange Zeit, ohne sich zu regen, und werden durch solches Mißgeschick so ängstlich und verwirrt, daß sie, auch wenn das Wetter umgeschlagen und der Wind wiederum günstig geworden ist, noch Tage lang auf solchem Zufluchtsorte verweilen, bevor sie sich zur Weiterreise entschließen. Dies hat man beobachtet: wie viele von ihnen aber in die Wellen geschleudert und hier ertränkt werden mögen, weiß man nicht.

Wenn man während der eigentlichen Zugzeit an irgend einem Punkte der nordafrikanischen Küste auf die Wachteln achtet, ist man nicht selten Zeuge ihrer Ankunft. Man gewahrt eine dunkle, niedrig über dem Wasser schwebende Wolke, welche sich rasch nähert und dabei mehr und mehr sich herabsenkt. Unmittelbar am Rande der äußersten Flutwelle stürzt sich die todtmüde Masse zum Boden hernieder. Hier liegen die armen Geschöpfe anfangs mehrere Minuten lang wie betäubt, unfähig fast, sich zu rühren. Aber dieser Zustand geht rasch vorüber. Es beginnt sich zu regen; eine macht den Anfang, und bald huscht und rennt es eilfertig über den nackten Sand, günstigeren Versteckplätzen zu. Es währt geraume Zeit, bis eine Wachtel wieder sich entschließt, die erschöpften Brustmuskeln von neuem anzustrengen; während der ersten Tage nach ihrer Ankunft erhebt sie sich gewiß nicht ohne die dringendste Noth. Für mich unterliegt es keinem Zweifel, daß die Reise von dem Augenblicke an, wo die Schar wieder festes Land unter sich hat, zum größten Theile laufend fortgesetzt wird: denn von nun an begegnet man den Wachteln überall in Nordostafrika; niemals aber sieht man fliegende Scharen: immer und überall stößt man auf vereinzelte, freilich hier und da auch auf eine ziemliche Anzahl. Zu ihren Wohnsitzen erwählen sie sich Oertlichkeiten, welche ihren Wünschen entsprechen, namentlich Stoppelfelder, die mit Halfa bedeckten und die bebauten Gelände, vor allem jedoch die Steppe. Daß alle Wintergäste, so lange sie in Afrika verweilen, umherwandern, ist mir wahrscheinlich geworden. Mit Beginn des Frühlings treten sie allgemach den Rückzug an, und im April sammeln sie sich an der Küste des Meeres, nie aber zu so zahlreichen Scharen wie im Herbste. Die abziehenden scheinen übrigens zum Rückwege nicht immer dieselbe Straße wie im Herbste zu wählen; wenigstens sah Erhard auf den Kykladen gelegentlich des Frühlingszuges niemals eine Wachtel, während im Herbste auch hier jede günstige Oertlichkeit von ihnen wimmelt. Ihre Weiterreise scheint langsam von statten zu gehen; denn man beobachtet, daß sie, welche in Südeuropa zu Ende des April massenhaft sich einstellen, bis auf diejenigen Paare, welche zum Nisten hier bleiben, nach und nach verschwinden.

Ihren Sommerstand nimmt die Wachtel am liebsten in fruchtbaren, getreidereichen Ebenen. Hochgelegene, gebirgige Länderstriche meidet sie, und schon im Hügellande ist sie seltener als in der Tiefe. Das Wasser scheut sie ebenso wie die Höhe, fehlt daher in Sümpfen oder Brüchen gänzlich. Unmittelbar nach ihrer Ankunft hält sie sich zunächst im Weizen- oder Roggenfelde auf; später zeigt sie sich weniger wählerisch; demungeachtet darf als Regel gelten, daß sie sich da, wo kein Weizen gebaut wird, nicht heimisch fühlt und hier höchstens in der Zugzeit angetroffen wird. Während der Reise fällt sie zuweilen in Gebüsch ein; im Sommer verläßt sie das Feld nicht.

Man kann die Wachtel weder einen schönen noch einen begabten Vogel nennen; gleichwohl ist sie beliebt bei jung und alt. Dies dankt sie ihrem hellen, weitschallenden Paarungsrufe, dem bekannten »Bückwerwück«, welcher von jedem gern vernommen wird und zur Belebung der Gegend entschieden mit beiträgt. Außer diesem Rufe läßt sie noch mehrere andere Laute vernehmen, welche jedoch meist so leise ausgestoßen werden, daß man sie nur in der Nähe hört. Der Lockton beider Geschlechter ist ein leises »Bübiwi«, der Liebesruf ein etwas lauteres »Prickick« oder »Brübrüb«, der Ausdruck der Unzufriedenheit ein schwaches »Gurr, gurr«, der Furcht ein unterdrücktes »Trülilil, trülil«, der Laut des Schreckens ein ebenfalls nicht weitvernehmbares »Trül reck reck reck«, welches bei größter Angst in ein Piepen umgewandelt wird. Dem Paarungsrufe des Männchens pflegt ein heiseres »Wärre wärre« vorauszugehen; diesem Vorspiele folgt das »Bückwerwück« mehreremal nach einander. Je öfter es ausgestoßen wird, umsomehr schätzt man den Hahn.

In ihren Eigenschaften und Sitten, in ihrer Lebensweise und im Betragen unterscheidet sie sich in vieler Hinsicht von dem Rebhuhne. Sie geht rasch und behend, aber mit schlechter Haltung, weil sie den Kopf einzieht und den Schwanz gerade herabhängen läßt, also kugelig erscheint, nickt bei jedem Schritte mit dem Kopfe und nimmt nur selten eine edlere Haltung an, fliegt schnell, schnurrend und ruckweise fortschießend, viel rascher und gewandter als das Rebhuhn, schwenkt sich zuweilen auch sehr zierlich, durchmißt jedoch nur ungern weitere Strecken in einem Fluge, erhebt sich bloß während des Zuges in bedeutendere Höhen und wirft sich baldmöglichst wieder zum Boden herab, umlaufend weiter zu flüchten. Ihre Sinne, zumal Gesicht und Gehör, dürfen als wohl entwickelt bezeichnet werden; ihr Verstand aber scheint sehr gering zu sein. Man kann sie nicht gerade scheu nennen; furchtsam und ängstlich zeigt sie sich jedoch stets, und wenn sie sich hart verfolgt sieht, läßt sie sich wahre Tollheiten zu Schulden kommen, so daß es scheint, als ob sie sich gesichert glaubt, wenn sie nur ihren Kopf verborgen hat. Gesellige Tugenden sind ihr fremd; nur die Noth, nicht die Neigung vereinigt sie. Der Hahn verfolgt jeden anderen mit blinder Wuth, kämpft mit ihm bis zum letzten Athemzuge und mißhandelt oft auch die Henne, welche seine Begierde im allerhöchsten Grade entflammt. Die Henne zeigt sich als gute Mutter und nimmt sich verwaister Küchlein mit warmer Liebe an, wird aber von diesen schnöde verlassen, sobald sie ihrer nicht mehr bedürfen. Um andere Thiere bekümmert sich die Wachtel nur, insoweit sie dieselben fürchtet; ein geselliges oder freundschaftliches Verhältnis geht sie mit keinem einzigen ein. So lange die Sonne am Himmel steht, hält sie sich möglichst still und verborgen zwischen den Halmen und Ranken der Felder auf; während der Mittagsstunden pflegt sie ein Sandbad zu nehmen, behaglich hingestreckt sich zu sonnen oder auch zu schlafen; gegen Sonnenuntergang wird sie munter und rege. Dann vernimmt man ihren Schlag in fast ununterbrochener Folge und sieht sie laufend oder fliegend außerhalb ihrer Versteckplätze, welche sie nunmehr verläßt, um der Nahrung nachzugehen, oder um sich zum anderen Geschlechte zu gesellen und mit einem Nebenbuhler zu kämpfen.

Ihre Nahrung besteht aus Körnern verschiedener Art, Blattspitzen, Blättern und Knospen und zu gleichen Theilen etwa aus allerhand Kerbthieren. Letztere scheinen den Pflanzenstoffen stets vorgezogen zu werden, aber zu ihrem Gedeihen wenigstens nicht unbedingt notwendig zu sein, da erfahrungsmäßig feststeht, daß sich Wachteln monatelang mit Weizenkörnern ernähren lassen. Kleine Steine, welche die Verdauung befördern, und frisches Wasser zum Trinken sind ihr Bedürfnis; aber es genügt ihr zur Stillung ihres Durstes schon der Thau auf den Blättern, und deshalb sieht man sie auch nur selten an bestimmten Tränkstellen sich einfinden.

Höchst wahrscheinlich lebt die Wachtel in Vielehigkeit; es deuten mindestens alle Beobachtungen darauf hin, daß an wirkliches Eheleben der verschiedenen Geschlechter nicht gedacht werden kann. Der Hahn übertrifft an Eifersucht womöglich alle Verwandten, versucht, aus seinem Gebiete sämmtliche Nebenbuhler zu vertreiben und streitet um die Alleinherrschaft auf Leben und Tod. Gegen die Henne zeigt er sich begehrlich und stürmisch wie kaum ein anderer Vogel, mißhandelt sie, wenn sie sich seinen Anforderungen nicht gutwillig und sofort fügen will, begattet sich sogar mit irgend einem anderen beliebigen Vogel, welcher hierzu aufzufordern scheint. Naumann sah, daß ein Wachtelmännchen in verliebter Raserei einen jungen Kukuk, welcher gefüttert sein wollte, betrat, erwähnt, daß man beobachtet habe, wie ein paarungslustiger Hahn auf todte Vögel sprang und hält deshalb die alte Sage, daß der Hahn sich sogar mit Kröten begatte, wenigstens für erklärlich. Die Henne schreitet erst spät, d.h. kaum vor Anfang des Sommers, zum Nestbaue, scharrt, am liebsten auf Erbsen- und Weizenfeldern, eine seichte Vertiefung, kleidet diese mit einigen trockenen Pflanzentheilen aus und legt auf letztere ihre acht bis vierzehn verhältnismäßig großen, durchschnittlich neunundzwanzig Millimeter langen, zweiundzwanzig Millimeter dicken, birnförmigen, glattschaligen, auf lichtbräunli chem Grunde glänzend dunkelgrün oder schwarzbraun gefleckten, in Färbung und Zeichnung vielfach abweichenden Eier. Sie brütet mit Eifer achtzehn bis zwanzig Tage lang, läßt sich kaum vom Neste scheuchen, wird deshalb auch oft ein Opfer ihrer Hingebung. Währenddem schweift der Hahn noch ebenso liebestoll wie früher im Felde umher und treibt es mit einer Henne wie mit der anderen, ohne sich wegen der Nachkommenschaft zu sorgen. Die Jungen laufen sofort nach dem Ausschlüpfen mit der Mutter davon, werden von ihr sorgsam auf die Weide geführt und zum Fressen angehalten, anfänglich bei schlechtem Wetter auch gehudert, überhaupt bestens abgewartet, wachsen auffallend rasch heran, achten bald des Lockrufes der Mutter nicht mehr und versuchen nöthigenfalls, sich allein durchs Leben zu schlagen. Schon in der zweiten Woche ihres Daseins flattern sie, in der fünften oder sechsten haben sie ihre volle Größe und genügende Flugfertigkeit erlangt, um die Herbstreife antreten zu können.

Nicht selten findet man noch zu Ende des Sommers eine alte Wachtel mit kleinen, unreifen Jungen, denen der herannahende Herbst schwerlich noch genügende Zeit zu ihrer Entwickelung läßt. Solche Bruten gehen wohl regelmäßig zu Grunde. Aber auch diejenigen, welche rechtzeitig dem Eie entschlüpften, haben von allerlei laufendem und fliegendem Raubzeuge viel zu leiden, und jedenfalls darf man annehmen, daß kaum die Hälfte von allen, welche geboren werden, bis zum Antritte der Herbstreise leben bleibt. Die Reise selbst bringt noch größere Gefahren mit sich; denn nunmehr tritt der Mensch als schlimmster aller Feinde auf. Längs der nördlichen, westlichen und östlichen Küste des Mittelmeeres wird mit Beginn dieser Reise ein Netz, eine Schlinge, eine Falle an die andere gestellt. Die Insel Capri ist berühmt geworden wegen der Ergiebigkeit des Wachtelfanges; frühere Bischöfe, zu deren Sprengel das Eiland gehörte, hatten einen bedeutenden Theil ihres Einkommens dem Wachtelfange zu danken. In Rom sollen, wie Waterton berichtet, zuweilen an einem Tage siebzehntausend Stück unserer Vögel verzollt werden. An der spanischen Küste ist der Fang, welcher hier übrigens hauptsächlich im Frühjahre stattfindet, nicht minder bedeutend. »In der Maina«, sagt von der Mühle, »zumal aber auf den Inseln, ist während ihres Durchzuges jung und alt mit der Jagd und Bereitung der Vögel beschäftigt. Man fängt sie mit Fuß-und Halsschlingen, mit Klebe- und Steckgarnen, vorzüglich mit einem Tiraß, welcher sehr groß und aus Fischernetzen gemacht wird; ja, die Knaben erschlagen sogar die recht fetten und sehr fest liegenden mit Stöcken. Sie werden gerupft, die Köpfe und Füße abgeschnitten, die Eingeweide herausgenommen, auf der Brust gespalten, wie Heringe verpackt und versendet. Diese Erwerbsquelle ist für manche Gegend so bedeutend, daß der ehemalige Minister Coletti, als im Jahre 1834 beim Aufruhre in der Maina aller Pulververkauf dorthin verboten werden sollte, sich im Ministerrathe gegen diese Maßregel erklärte, weil dadurch den Einwohnern ihre wichtigste Nahrungsquelle geraubt oder doch geschmälert würde.« Erwägt man, daß von denen, welche den Menschen und den Raubthieren entrinnen, noch tausende im Meere ihr Grab finden, so begreift man kaum, wie die starke Vermehrung alle die entstehenden Verluste ausgleichen kann.

Gefangene Wachteln gelten mit Recht als liebenswürdige Stubengenossen. Sie verlieren mindestens teilweise ihre Scheu, lassen sich leicht erhalten und verunreinigen die Zimmer oder ihr Gebauer nur wenig. Wenn man ihnen die nöthigsten Erfordernisse zu behaglichem Leben gewährt, werden sie bald in dem umgitterten Raume heimisch, schreiten auch leicht in ihm zur Fortpflanzung. In den Bauerstuben brüten viele Wachteln, aber nur wenige sehen hier ihre Brut groß werden; in dem Gesellschaftsbauer unserer Thiergärten hingegen nisten sie fast regelmäßig und mit bestem Erfolge. Doch gewähren sie hier trotzdem weniger Vergnügen als im Zimmer, wo sie sich durch ihr munteres Wesen, die Vertilgung manches Ungeziefers und ihre Vertraulichkeit gegen Hunde, Katzen und andere Hausthiere die ungetheilte Freundschaft der Familie erwerben.

»Grasflächen von nicht selten meilenweiter Ausdehnung«, so schreibt mir von Rosenberg, »bedecken den Boden mancher Gegenden auf Sumatra, zumal solcher des Inneren der großen Insel. Nur längs der Flußufer spärlich bewohnt, mit einzelnstehenden Bäumen und Sträuchern bewachsen, stellenweise größere oder kleinere Waldbestände umschließend, sind diese Flächen ein bevorzugter Aufenthalt von Elefanten, Hirschen, Wildschweinen und Tigern, beherbergen Vögel jedoch nur in geringer Anzahl. Höchstens, daß der Fuß des Jägers oder Wanderers hin und wieder einen Sporenkukuk, eine kleine Wachtel, einen Ziegenmelker oder auch einen Schwarm kleiner Finken und Webervögel aufstöbert. Nähert er sich aber einem jener Waldbestände, so nimmt er ein viel reicheres Thierleben wahr. Hier ist es, wo eines der schönsten und eigenthümlichsten Hühner lebt und haust, von wo es Ausflüge unternimmt in die Graswildnis rings umher, Ausflüge freilich von so geringer Ausdehnung, daß es bei nahender Gefahr den benachbarten Busch immer noch rechtzeitig erreichen kann.«

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