Die Domestizierung des Pferdes brachte den beteiligten Völkern einen außerordentlichen Vorteil: Weite Strecken waren in viel kürzerer Zeit zu überwinden, was das Aufrechterhalten großer Reiche einfacher machte. Des Weiteren wurden sie, wie vielfach auch heute noch, als Fleischlieferant genutzt und leisteten als wertvoller Helfer in kriegerischen Auseinandersetzungen gute Dienste. Durch das Pferd waren neue Angriffs- und Kriegstechniken möglich.
Die frühen Großreiche der Assyrer und Hethiter sowie die Hurriter im Mitanni-Staat profitierten von der Nutzbarmachung des Pferdes im Krieg. Pferde kamen hierbei sowohl als Reit- als auch als Zugtiere (z. B. von Streitwagen) zum Einsatz. Ein Handbuch zur Ausbildung von Pferden stammt von Kikkuli. Um das Jahr 1700 v. Chr. drangen die Hyksos wohl aus der südlichen Levante kommend in Ägypten ein. Den Ägyptern waren Pferde bis dahin unbekannt und sie waren den Hyksos im Kampf so weit unterlegen, dass diese Unterägypten erobern konnten.
David Anthony fand im ukrainischen Derijiwka Pferdezähne mit Abnutzungsspuren, die auf den Gebrauch von Zaumzeug zum Reiten hinwiesen. Er ordnete sie zunächst der Sredny-Stog-Kultur zu (4000 v. Chr.), womit dies als Beleg für die älteste Pferdedomestikation galt. (Lit.: Anthony, 1986, 1991). Doch korrigierte Anthony selbst (2000) die Datierungen des Zahns auf die Zeit zwischen 700 v. Chr. und 200 v. Chr. und damit in die Skythen-Zeit.
Die frühen nomadischen Völker Zentralasiens erfanden im dritten vorchristlichen Jahrtausend den Sattel. Später berichtete der griechische Historiker Strabon über die außerordentlichen Reitkünste der Skythen.
Aus Europa sind Pferdereste seit der Altsteinzeit belegt und brechen auch nach der Wiederbewaldung nach der letzten Eiszeit nicht ab. Ab wann das Pferd in Europa domestiziert wurde, ist wegen der schwierigen Unterscheidung zwischen Haus- und Wildtierknochen umstritten.
Das Tonschieferplättchen vom Kapellenberg bei Groitzsch mit altsteinzeitlichen Ritzzeichnungen eines Pferdes aus der Zeit um 12.500–12.000 v. Chr. datiert.
Bei Ergolding, Landkreis Landshut, wurde zusammen mit Keramikresten eine Trense aus Knochen gefunden, die auf 1400 v. Chr. datiert werden konnte, ein ähnliches Objekt stammt aus Füzesabony in Ungarn (1500 v. Chr.). Dieser Fund ist ein Hinweis für die nun kommende Zeit des Pferdes und der Reiter. In der Urnenfelderzeit (ca. 1300/1200–800/750 v. Chr.) finden sich sodann die berühmten Wagengräber, bisher z. B. St. Winghardt, ein Wagengrab der späten Bronzezeit von Poing. Eine Pfeilspitze in einem Pferdewirbel, gefunden in einer Höhle des Blauen Bruches in Kaisersteinbruch im Burgenland, Österreich – ist Beweis für älteste schwere Hauspferde – erzählt von ersten Besiedlungsspuren um 800–700 v. Chr. Somit lässt sich die Verwendung des Hauspferdes in Süddeutschland in die Urnenfelder- oder Jüngere Bronzezeit datieren.
Die oft als Wildpferde bezeichneten Mustangs Nordamerikas sind keine Wildpferde, sondern Nachfahren verwilderter Hauspferde. Die amerikanischen Wildpferde waren zum Ende des Pleistozäns ausgestorben. Die Spanier brachten das Hauspferd nach Amerika. Einige der Pferde entliefen und bildeten Herden frei laufender Mustangs. So begegneten die Indianer erstmals Pferden.
Die frühesten überzeugenden Hinweise auf eine systematische Pferdehaltung stammen von der Botai-Kultur im heutigen Kasachstan. Zwischen etwa 3700 und 3100 vor Christus lebten dort Gemeinschaften, deren Wirtschaft fast vollständig auf Pferden beruhte. In Keramikgefäßen wurden Rückstände von Stutenmilch gefunden. Große Mengen an Pferdeknochen sowie mögliche Pferche sprechen ebenfalls für eine kontrollierte Haltung und Vermehrung. Ob Botai-Pferde regelmäßig geritten wurden, ist dagegen umstritten. Abnutzungsspuren an ihren Zähnen wurden zunächst als Folgen von Gebissen gedeutet, können jedoch auch natürliche Ursachen haben.
Lange hielt man die Botai-Pferde für die Vorfahren der heutigen Hauspferde. Untersuchungen alter DNA widerlegten diese Annahme. Die Botai-Pferde gehörten zu einer anderen genetischen Linie und stehen den heutigen Przewalski-Pferden besonders nahe. Das Fachmagazin Science berichtete im Jahr 2018, dass die Przewalski-Pferde entdomestizierte Botai-Pferde sind, die bereits vor etwa 5000 Jahren verwilderten. Zudem fand sich im Erbgut der eurasischen Pferde aus den vergangenen 4000 Jahren keine Übereinstimmung mit den Botai-Pferden. Es wird von den Forschern angenommen, dass eine andere Gruppe Pferde ab dem 3. Jahrtausend die Vorfahren der heutigen Pferde sind. Die Suche nach diesen Vorfahren konzentriert sich auf Gebiete in Zentralasien, im Westen der Eurasischen Steppe (Pontokaspis) und in Anatolien.
Die eigentlichen Vorfahren des modernen Hauspferdes werden als DOM2-Linie bezeichnet. Ihr Ursprungsgebiet lag wahrscheinlich in der westlichen eurasischen Steppe zwischen dem unteren Don, der unteren Wolga und dem nördlichen Kaukasus.
Die entscheidende Domestikationsphase begann vermutlich nicht vor ungefähr 2700 v. Chr. Die Menschen kontrollierten zunehmend, welche Tiere sich fortpflanzten. Dabei kam es zu einem genetischen Flaschenhals und schließlich zu einer starken Vermehrung ausgewählter Pferde.
Die frühen DOM2-Pferde besaßen offenbar Eigenschaften, die sie für Transport und Kontrolle besonders geeignet machten.
Um 2200 v. Chr. begann die DOM2-Linie, sich explosionsartig über Eurasien auszubreiten. Innerhalb weniger Jahrhunderte verdrängte sie fast überall die zuvor vorhandenen lokalen Pferdepopulationen.
Portraits: Wildpferd, Hauspferd
Librado, P., Khan, N., Fages, A. et al. The origins and spread of domestic horses from the Western Eurasian steppes. Nature 598, 634–640 (2021). https://doi.org/10.1038/s41586-021-04018-9
Librado, P., Tressières, G., Chauvey, L. et al. Widespread horse-based mobility arose around 2200 bce in Eurasia. Nature 631, 819–825 (2024). https://doi.org/10.1038/s41586-024-07597-5



