Eine Frau ohne Erinnerungen, ihr Verfolger und eine gnadenlose Hetzjagd – ein Survival Thriller ohnegleichen!
Ohne jede Erinnerung wacht Jess mitten im Dschungel auf – verletzt und in Handschellen. Ein schwerverletzter Mann, dem sie zur Hilfe eilt, hat sichtlich Angst vor ihr. Als endlich Hilfe eintrifft, tötet der vermeintliche Retter plötzlich den Verletzten und eröffnet die Jagd auf Jess. Hals über Kopf flüchtet sie tiefer in den dunklen Regenwald – weg vom Verfolger, weg vom Fundort. Allein im Dschungel muss Jess nicht nur um ihr Leben kämpfen, sondern auch um ihre Erinnerungen. Wie ist sie hierhergekommen? Wo genau ist sie überhaupt? Und wer jagt sie? Ihre Vergangenheit als Biologin in Berlin könnte der Schlüssel für ihre Situation sein. Und ihre einzige Chance die raue Natur zu überleben. Aber ihr Verfolger scheint ihr immer einen Schritt voraus.
Bisher kannte ich von René Anour nur DER DOKTOR UND DER LIEBE MORD gelesen, ein amüsanter CosyKrimi. Und weil ich neugierig war und wissen wollte, was der Autor sonst so an Krimis schreibt war ich auf DIE GEJAGTE natürlich neugierig. Zwar auch Krimi, aber doch anders als DER DOKTOR …
Und auch wenn es einem Autor nicht immer gelingt andere Genre auszuloten (wenn man Thriller, CosyCrime und historische Krimis als eigenständige Genre betrachtet), hier ist es gelungen.
DIE GEJAGTE ist ein atmosphärischer und kenntnisreich geschriebener Survival-Thriller mit einer starken Protagonistin, einem eindrucksvollen Schauplatz und hohem Spannungstempo.
René Anour steigt ohne lange Vorrede in die Handlung ein. Weil Jess ihr Gedächtnis verloren hat, verfügen Hauptfigur und Leser anfangsüber denselben begrenzten Wissensstand. Jede zurückkehrende Erinnerung liefert ein neues Puzzleteil, wirft aber zugleich weitere Fragen auf. Dadurch entsteht neben der äußeren Bedrohung durch den Verfolger auch ein psychologisches Rätsel: Wer ist Jess wirklich, weshalb wurde sie in den Regenwald gebracht und welche Rolle spielt ihre Vergangenheit als Biologin?
Der Dschungel bildet nicht nur eine exotische Kulisse, sondern wird zu einem eigenständigen Gegenspieler. Hitze, Feuchtigkeit, Orientierungslosigkeit sowie gefährliche Tiere und Pflanzen bestimmen Jess’ Überlebenskampf. Besonders überzeugend ist, wie Anour biologisches Wissen in die Handlung einbindet. Jess’ Kenntnisse der Tier- und Pflanzenwelt sind keine bloßen Hintergrundinformationen, sondern entscheiden immer wieder darüber, ob sie eine gefährliche Situation übersteht. Die naturkundlichen Einzelheiten vermitteln zugleich einen Eindruck von der Schönheit und der Rücksichtslosigkeit des tropischen Ökosystems.
Das hohe Erzähltempo sorgt dafür, dass sich der Roman ausgesprochen flüssig liest. Kurze Ruhephasen werden regelmäßig durch neue Gefahren, Erinnerungsfragmente und Wendungen unterbrochen. Einige Extremsituationen und glückliche Auswege wirken dabei etwas konstruiert. Auch Jess’ erstaunliche Widerstandskraft verlangt gelegentlich ein wenig Gutgläubigkeit. Wer jedoch bereit ist, sich auf die Regeln eines temporeichen Actionthrillers einzulassen, dürfte sich daran kaum stören.
DIE GEJAGTE ist aber mehr als actionreicher Survivaö-Thriller. Hinter der Verfolgungsjagd behandelt der Roman außerdem Fragen nach wissenschaftlicher Verantwortung, menschlichem Ehrgeiz und den möglichen Folgen biologischer Forschung. Diese Themen verleihen der Geschichte mehr Substanz, ohne ihren Unterhaltungswert zu bremsen oder gar mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen.
Mit DIE GEJAGTE hat sich der Autor in ein neues Genre begeben und ist darin meiner Meinung auch erfolgreich. Mir hat das Setting und Jess‘ Hintergrund gefallen. Vor allem die Kenntnis (oder Unkenntnis) der südamerikanische Tierwelt fand ich (aus offensichtlichen Gründen) unterhaltsamer als die eigentlichen medizinischen/biologischen Hintergründe… Und die Kapitelüberschriften waren teilweise auch sehr amüsant: Carcharhinus leucas oder Inia geoffrensis, um ein paar Beispiele zu nennen.
DIE GEJAGTE – für alle Fans von Survival-Thriller.
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(Rezensionsexemplar)

