Die Artenvielfalt schwindet …

das sollte ja eigentlich bekannt sein. Es ist nicht nur das Bienen- oder Insektensterben, das im Moment in den Medien omnipräsent ist. Auch andere Tiere verschwinden, manche sang- und klanglos, und es werden mehr. Und wer weiß … auch eine Dunkelziffer existiert … Arten die verschwinden, ohne dass es jemand mitbekommt.
Bereits 2012 gründete die UN einen internationalen Wissenschaftsrat für Biodiversitätsfragen.
Die Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) (deutsch: Zwischenstaatliche Plattform für Biodiversität und Ökosystem-Dienstleistungen, auch Weltbiodiversitätsrat oder Weltrat für Biologische Vielfalt genannt) ist eine Organisation mit 132 Mitgliedsstaaten zur wissenschaftlichen Politikberatung in Sachen Erhaltung und nachhaltigen Nutzung von biologischer Vielfalt und Ökosystemdienstleistungen. IPBES soll politischen Entscheidungsträgern zuverlässige, unabhängige, glaubwürdige und legitimierte Informationen als Entscheidungshilfe zur Verfügung stellen.
Zweck der Organisation ist es, auf Anfrage von Regierungen, multilateralen Umweltabkommen, UN-Institutionen und anderen relevanten Entscheidungsträgern im Bereich der Biodiversität und Ökosystemfunktionen wissenschaftliche Informationen zu liefern.
Damit hat IPBES folgende Hauptaufgaben:
wissenschaftliche Informationen für politische Entscheidungsträger zu identifizieren und zu priorisieren sowie die Gewinnung relevanten Wissens zu unterstützen;
regelmäßig die Kenntnisse über Biodiversität und Ökosystemfunktionen sowie über deren Wechselbeziehungen zu begutachten;
politisch relevante Instrumente und Methoden aufzuzeigen, um die Formulierung und Umsetzung politischer Maßnahmen zu unterstützen;
den Bedarf an Kapazitäten und Aktivitäten zu priorisieren, die zu einer besseren Vernetzung von Wissenschaft und Politik beitragen.

Große Aufmerksamkeit erfährt der „Global Assessment Report“, der am 6. Mai 2019 veröffentlicht wurde. In dem Bericht wird davor gewarnt, dass in den nächsten Jahrzehnten bis zu einer Million Tier- und Pflanzenarten für immer von unserem Planeten zu verschwinden drohen, wenn der Rettung der Artenvielfalt nicht endlich höhere Priorität eingeräumt wird. Für den Bericht haben 150 führende Wissenschaftler aus 50 Staaten drei Jahre lang nahezu 15.000 Studien ausgewertet.

Die Kernaussagen des Reports:
40 Prozent der Amphibien, fast ein Drittel der riffbildenden Korallen und mehr als ein Drittel der Meeressäuger sind vom Aussterben bedroht. Unsicherheit besteht bei den Insekten, es lässt sich keine Zahl der bedrohten Arten nennen, obwohl das wichtig wäre. Schätzungen gehen für diese Klasse von zehn Prozent bedrohter Arten aus. Seit dem 16. Jahrhundert sind mindestens 680 Arten der Wirbeltiere ausgestorben. Bis 2016 waren unter den Säugetieren mehr als neun Prozent der Nutztierrassen ausgestorben, weitere 1000 Rassen sind vom Aussterben bedroht. Bei den Pflanzen sind mehr als 60 Prozent der Palmfarne und ein Drittel der Koniferen vom Aussterben bedroht. Für mehr als 500.000 Arten prägten die Autoren den Begriff dead species walking (deutsch in etwa: Todgeweihte Art auf ihrem letzten Gang, angelehnt an das US-amerikanische Filmdrama Dead Man Walking) für Arten, die noch nicht ausgestorben sind, die aber aufgrund der Veränderungen oder der Verkleinerung ihrer Lebensräume langfristig keine Überlebenschance haben.

Die Bedrohung der Artenvielfalt ist nach Ansicht der Autoren des Berichts ohne Zweifel durch Menschen verursacht. Dabei ist der menschliche Flächenbedarf, durch den anderen Arten der Lebensraum entzogen wird, die Hauptursache. In den vergangenen 50 Jahren hat sich der Flächenverlust dramatisch beschleunigt. Für die Landwirtschaft wurden zum Beispiel Wälder gerodet, um Rinderweiden in Südamerika und Plantagen für Ölpalmen in Südostasien anzulegen. Hinzu kommt der Flächenbedarf für menschliche Siedlungen, der sich seit 1992 weltweit verdoppelt hat.

Die Überfischung ist der Hauptgrund für den Artenschwund in den Ozeanen. Die von Menschen befischten Meeresregionen nehmen zu und es wird in immer größeren Tiefen gefischt. Eine Vielzahl von Arten wird schneller gefangen als sie sich vermehren können. 2015 war ein Drittel der nutzbaren Fischarten überfischt, besonders betroffen sind Aale, der Granatbarsch, Dornhaie und alle anderen Haiarten und Rochen.

Und immer wieder liest und hört man die Aussage, dass man nur schützt was man auch kennt. In gewisser Weise stimmt das auch. Aber … schützt man das, was man kennt, schützt man auch das, was man (noch) nicht kennt.
Und das ist auch gut so, nur sollte man nicht auf die anderen schauen sondern im eigenen Umfeld schauen was man machen kann. Es muss nicht viel sein, aber jede Hilfe zählt…
Bienen (und andere Insekten) und Vögel können auch auf dem Balkon unterstützt werden.

Der Beutelwolf bietet einige Beispiele für kürzlich ausgestorbene Tierarten, oder solche, die kurz davor sind.
Die Rote Liste gibt einen guten Überblick über die Situation unserer Tierwelt (und was für die Tierwelt gilt, gilt nicht weniger für die Pflanzenwelt, aber davon habe ich leider gar keine Ahnung)
Eine gute Zusammenfassung von IPBES gibt es auf den Seiten des NABU (auf deutsch)
Und natürlich präsentiert sich IPBES auch auf einer eigenen Seite (auf englisch)

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