Der Trauerschwan in Brehms Tierleben

Trauerschwan (Brehms Tierleben)

Eine dem Höckerschwane an Schönheit der Gestalt und Anmuth der Bewegungen nicht nachstehende Art ist der Trauerschwan oder Schwarzschwan (Cygnus atratus, plutonius und Novae-Hollandiae, Anas atrata und plutonia, Chenopsis atrata), Vertreter der Untersippe der Langhalsschwäne (Chenopsis). Sein Leib ist sehr gestreckt, der Hals verhältnismäßig noch länger als beim Höckerschwane, der Kopf klein und wohlgestaltet, der Schnabel ungefähr kopflang und höckerlos. Die Färbung des Kleingefieders, ein fast einfarbiges Bräunlichschwarz, welches nur an den Rändern der Federn in Schwarzgrau übergeht und auf der Unterseite etwas lichter wird, sticht von dem blendenden Weiß aller Handschwingen und des größten Theiles der Armschwingen prachtvoll ab. Das Auge ist scharlachroth, der Zügel nelkenroth, der Schnabel lebhaft karminroth; ein Band vor der Spitze des Oberschnabels und die Spitzen beider Schnabelhälften selbst sind weiß, die Füße schwarz. In der Größe steht der Vogel hinter dem Höckerschwane etwas zurück; genaue Maße sind mir jedoch nicht bekannt.

Cook fand den schon seit dem Jahre 1698 bekannten Schwarzschwan oft an der von ihm besuchten Küste Neuhollands; gegenwärtig wissen wir, daß er, obwohl hier und da verdrängt, noch häufig in allen entsprechenden Seen, Lachen und Flüssen Südaustraliens und Tasmaniens gefunden wird. In den weniger besuchten Gegenden des Inneren kommt er noch jetzt in erstaunlicher Menge vor, laut Bennett zu tausenden vereinigt, ist dort auch noch so wenig scheu, daß man ohne Mühe so viele erlegen kann, wie man will. Während der Wintermonate erscheint er in Südaustralien und vertheilt sich hier über die größeren Sümpfe und Seen, in der Regel zu kleinen Gesellschaften, vielleicht Familien vereinigt; gegen den Frühling, unseren Herbst, hin, bricht er wieder zu seinen Brutplätzen auf. Nach Gould fällt die Zeit seiner Fortpflanzung in die Monate Oktober bis Januar; dieser Forscher fand noch frisch gelegte Eier um die Mitte des letzten Monats und erhielt um die Mitte des December Junge im Dunenkleide. Das Nest ist ein großer Haufen von allerlei Sumpf- und Wasserpflanzen und wird ebenso wie das der nördlichen Arten bald auf kleinen Inseln, bald mitten im Wasser angelegt. Fünf bis sieben schmutzigweiße oder blaßgrüne, überall verwaschen fahlgrün gefleckte Eier von elf Centimeter Länge und sieben Centimeter Dicke bilden das Gelege. Das Weibchen brütet mit Hingebung, das Männchen hält treue Wacht. Die Jungen kommen in einem graulichen oder rußfarbigen Dunenkleide zur Welt, schwimmen und tauchen vom ersten Tage ihres Lebens an vorzüglich und entgehen dadurch mancherlei Gefahren.

In seinem Wesen und Betragen hat der Trauerschwan mit dem stummen Verwandten viele Aehnlichkeit, doch ist er lauter, d.h. schreilustiger; zumal gegen die Paarungszeit hin läßt er seine sonderbare Stimme oft vernehmen. Letztere erinnert einigermaßen an dumpfe Trompetentöne, läßt sich also mit Worten schwer beschreiben. Auf einen tiefen, wenig vernehmbaren Laut folgt ein höherer pfeifender, ebenfalls nicht besonders lauter und unreiner, welcher kaum bezeichnet werden kann. Jeder einzelne Doppellaut scheint mit Anstrengung hervorgebracht zu werden; wenigstens legt der schreiende Schwan seinen Hals der ganzen Länge nach auf das Wasser, so daß der Schnabel die Oberfläche desselben fast berührt, und gibt nun die Laute zu hören. Gegen seinesgleichen zeigt er sich ebenso kampflustig, schwächeren Thieren gegenüber ebenso herrschsüchtig wie die übrigen Verwandten. Schon im Schwimmen ziert er ein Gewässer in hohem Grade; seine eigentliche Pracht aber zeigt er erst, wenn er in höherer Luft dahinfliegt und nun auch die blendend weißen, von dem Gefieder scharf abstechenden Schwingen sehen läßt. Ihrer mehrere bilden eine schiefe Reihe oder sogenannte Schleife, strecken die langen Hälse weit vor und begleiten das sausende Fuchteln der Schwingen oft mit dem Locktone, welcher in der Ferne ebenfalls klangvoll wird. In stillen Mondscheinnächten fliegen sie von einer Lache zur anderen und rufen sich dabei beständig gegenseitig zu, zur wahren Freude des Beobachters.

Leider stellt man den schönen Thieren in Australien rücksichtslos nach, nimmt ihnen in der Brutzeit die Eier weg, sucht sie während der Mauser, welche auch sie zeitweilig unfähig zum Fliegen macht, in den Sümpfen auf und erlegt sie nicht selten aus schändlichem Muthwillen. Gould hörte, daß die Boote eines Walfischfängers in eine Flußmündung einliefen und nach kurzer Zeit mit Trauerschwänen angefüllt zum Schiffe zurückkehrten. Der Weiße wird dem Vogel zum Verderben; da, wo er sich festangesiedelt, muß dieser weichen oder unterliegen. Schon heutigentages ist er in vielen Gegenden, welche er früher zu tausenden bevölkerte, ausgerottet worden.

Für unsere Weiher eignet sich der Trauerschwan ebensogut wie irgend ein anderes Mitglied seiner Familie. Die Strenge unseres Winters ficht ihn wenig an, und seine Anforderungen an die Nahrung sind gering. Alljährlich pflanzt er sich in der Gefangenschaft fort: ein einziges Paar, welches Bodinus erkaufte und in seine bewährte Pflege nahm, hat mehr als funfzig Junge erzeugt und die Weiher anderer Thiergärten bevölkert.

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