Der Kahnschnabel in Brehms Tierleben

Kahnschnabel (Brehms Tierleben)

Der von dem allgemeinen Gepräge am meisten abweichende Reiher ist offenbar der Kahnschnabel, »Savaku« der Südamerikauer (Cancroma cochlearea und cancrophaga, Cochlearius naevius und fuscus, Nycticorax cancrophagus), ein Nachtreiher mit absonderlich ungestaltetem, flachgewölbtem, umgekehrt löffelförmigem Oberschnabel, dessen Firste stumpfkantig abgesetzt, am Ende hakig herabgebogen, daneben grubig vertieft, seitlich gewölbt und nach vorn allmählich abgerundet ist, breitem, ebenem, bis zur Spitze getheiltem und mit nackter Haut ausgefülltem Unterschnabel, schlanken, mäßig hohen, fast bis auf die Ferse herab befiederten Beinen, starken und ziemlich langen Flügeln, unter deren Schwingen die vierte die längste, ziemlich kurzem, fast gerade abgeschnittenem, aus zwölf Federn gebildetem Schwanze und zartem, sperrigem, reiherartigem Kleingefieder, welches sich auf Hinterkopf und Nacken zu einem langen Busche verlängert, auf dem Rücken und den Schultern zerschleist, die Zügelgegend und die Kehle aber unbekleidet läßt. Stirn, Kehle, Backen und Vorderhals sind weiß, Unterhals und Brust gilblichweiß, die Federn des Rückens hellgrau, der hintere Oberhals und der Bauch bis zum Steiße rostrothbraun, seitlich schwarz, Schwingen und Steuerfedern weißlichgrau. Das Auge ist braun, innen grau gerandet, der Schnabel braun, am Rande des Unterkiefers gelb, der Fuß gelblich. Die Länge beträgt achtundfunfzig, die Breite neunundneunzig, die Fittiglänge dreißig, die Schwanzlänge zwölf Centimeter. Das Weibchen ist etwas kleiner, der junge Vogel anfangs ganz rothbraun, dunkler auf dem Rücken, blasser auf der Brust.

Der Savaku lebt im Gebüsche und Schilfe der Ufer aller Waldflüsse Brasiliens und wird einzeln oder zur Brutzeit paarweise angetroffen. Man sieht ihn in dem dichten Buschwerke der Flußufer ziemlich hoch auf den Zweigen über dem Wasser sitzen, in den inneren Waldungen häufiger als nahe am Meere, bei Annäherung eines Bootes aber ziemlich geschickt von Zweig zu Zweige hüpfen und sich rasch verbergen. Die Nahrung soll in Wasserthieren aller Art, jedoch nicht in Fischen bestehen. Der Prinz von Wied fand nur Gewürm in dem Magen der von ihm erlegten und meint, daß der Vogel mit seinem breiten, kahnförmi gen Schnabel nicht im Stande sei, Fische zu fangen. Eine Stimme hat dieser Forscher nicht vernommen; Schomburgk aber sagt, daß er mit seinem Schnabel ein Klappern hervorbringe wie ein Storch, dies wenigstens thue, wenn er in die Gewalt des Menschen gebracht wird. Ueber das Brutgeschäft weiß man noch wenig. Das Ei ist länglichrund, weiß, glanzlos und ungefleckt, dem des Nachtreihers sehr ähnlich.

Gefangene, welche in neuerer Zeit nicht selten in unsere Käfige gelangen, betragen sich in jeder Beziehung wie Nachtreiher. Die letzte Unterordnung umfaßt die Sumpfhühner (Paludicolae), sehr verschiedenartige Wadvögel, welche sich im allgemeinen kennzeichnen durch kräftigen Leib, mittellangen Hals, verhältnismäßig kleinen Kopf, geraden rundlichen Schnabel, hohe, vierzehige Beine, mittellange Flügel, kurzen Schwanz und reiches Gefieder, dessen Färbung nach dem Geschlechte wenig, nach dem Alter meist merklich verschieden ist.

Die Mehrzahl der Sumpfhühner lebt auf dem Boden; doch gibt es einzelne, welche regelmäßig bäumen. Hinsichtlich der Nahrung ähneln sie den Scharrvögeln mehr als den Stelzvögeln, da sie ebensowohl pflanzliche wie thierische Stoffe zu sich nehmen; hinsichtlich der Fortpflanzung kommen sie darin überein, daß sie, mit wenigen Ausnahmen, gefleckte Eier legen und Nestflüchter sind.

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