Der Afrikanische Elefant in Brehms Tierleben

Afrikanischer Elefant (Brehms Tierleben)

Dagegen kann es keinem Zweifel unterliegen, daß der Afrika bewohnende Elefant von dem indischen unterschieden werden muß. Derselbe, der Fihl der Araber (Elephas africanus), amharisch »Zohen«, tigrisch »Harmas«, äthiopisch »Negiê« genannt, von den Denkeli »Decken«, den Somali »Merodeh«, den Gallavölkern »Arbâ«, den Belen »Dsansa«, den Betschuanen »Ylo« und »Dzo« geheißen, fast in jedem anderen Lande Afrikas also mit einem besonderen Namen belegt, übertrifft seinen indischen Verwandten wahrscheinlich an Größe, steht jedoch insofern hinter ihm zurück, als er auf den Beschauer bei weitem nicht den majestätischen Eindruck ausübt wie die indische Art. Seine Erscheinung ist unschöner, der Leib kürzer, aber höher gestellt als bei dem Verwandten; auch sein flacher Kopf mit dem dünnen Rüssel und den ungeheuren Ohren, seine ausdruckslos geschwungene Rückenlinie, seine schmale Brust und seine häßlichen Beine bilden eine Vereinigung von Merkmalen, welche ihn bestimmt von jenem unterscheiden. Am Kopfe, welcher nur selten erhoben, sondern meist gesenkt und vorgestreckt wird, tritt, von den Nasenbeinen angefangen, die Stirn zurück, bildet eine nur wenig hervortretende Spitze und fällt über die Scheitelbeine nach dem Hinterhaupte wiederum flach ab. Alle Leisten und Gruben des Kopfes sind verflacht; die Augenränder treten wenig hervor, und das Auge füllt seine Höhle fast gänzlich aus; der Unterkiefer ist verhältnismäßig schwach, und die Kaumuskeln machen sich wenig bemerkbar; der Rüssel setzt sich flach an die Stirne an und verschmächtigt sich, ohne eine kräftige Wurzel zu zeigen, bald unverhältnismäßig. Hierdurch gewinnt die Gesichtslinie ein höchst bezeichnendes Ansehen und eine gewisse Aehnlichkeit mit der eines Raubvogels. Die größte Breite des Kopfes liegt zwischen den Jochbeinen, und Stirn und Unterkiefer treten weit zurück, wogegen bei der indischen Art Schläfe, Jochbeine und Kaumuskeln annähernd dieselbe Breite des Kopfes bedingen. Der Rüssel ist vorn rund, seitlich etwas zusammengedrückt und hinten flach, nicht aber eingemuldet, wird von breiten, nach der Spitze zu dichter stehenden und sich verschmälernden Faltenringen umgeben, von denen jeder untere aus dem oberen hervorgewachsen zu sein scheint, und hat, den Ringen entsprechend, stark geschnürte, in der Mitte jedoch sehr erhabene Randleisten, deren Begrenzungslinie deutlich zackig ist. Die Rüsselmündung ist nur schwach umwulstet. Dem sehr breiten, kaum den Namen verdienenden Finger entspricht ein ähnlicher, vorgezogener Theil des Hinter randes der Mündung; beide können mit ihren Rändern sich fest an einander legen und den Rüssel so verschließen, daß die sichtbar bleibende Oeffnung nur ein quergestellter Schlitz zu sein scheint. Die Nasenscheidewand tritt tief zurück, und die länglichen, aufrechtstehenden Nasenlöcher liegen daher ebenfalls in einer becherförmigen Aushöhlung. Die kurze, rundliche Unterlippe hängt nicht, sondern wird gewöhnlich angezogen. Die Augen sind klein und geschlitzt; die Iris hat hellröthlich gelbbraune Färbung. Hoch oben am Kopfe sitzen auf mächtigen Wurzeln die riesigen Ohren, welche nicht allein den ganzen Hinterkopf überdecken, sondern noch über das Schulterblatt wegreichen. Sie haben fünf Ecken, von denen eine, die untere, in eine lange, weit unter die Kehle reichende Spitze ausgezogen ist, und eine zweite vordere obere den Nacken, welchem sie aufliegt, überragt und von den entsprechenden des anderen Ohres bedeckt wird. Von der ersten Ecke an bis zur dritten, hinter dem Schulterblatte liegenden, ist der Ohrrand nach innen, d.h. der Vorderseite der Ohrmuschel, umgeschlagen, wogegen der übrige Theil des Ohres wie ein Stück steifer, schwachgerollter Pappe oder wie Sohlenleder auf der Schulter liegt. Das ganze Ohr ist ungemein flach, nach hinten, der Schulterform entsprechend, gebogen und zeigt nur dicht vor der Gehöröffnung eine kleine, seichte Mulde zum Auffangen des Schalles; den Gehörgang schützen Knorpel und einige Hautfalten zur Genüge. Vom Kopfe aus erhebt sich der dünne Hals zum Widerriste, welcher zwischen den Ohren liegt; hinter diesen ist der Rücken sattelartig eingesenkt, steigt aber von der Mitte an ziemlich steil empor, die Schulterhöhe merklich überbietend und fällt sodann noch steiler nach dem tief angesetzten, senkrecht herabhängenden, bis zu den Kniekehlen reichenden, dünnen und glatten Schwanze ab. Die Brust liegt hoch zwischen den Vorderbeinen, so daß die Linie des gerundeten, vollen Bauches nach hinten zu erheblich sich senkt. Die Vorderbeine, deren Elnbogen als Spitze etwas hervortreten,  verjüngen sich bis zur Mittelhand und gehen sodann, allseitig sich verbreiternd und über die Mittelhand hinausreichend, in die kissenartigen, fast rundsohligen Füße über, welche vier Hufe haben. An den Hinterbeinen, deren Oberschenkel bis ans Knie sich verstärken und länglich viereckige Keulen darstellen, sind die Unterschenkel auffallend dünn, verbreitern sich stark nach der Ferse zu und stehen auf eirundsohligen, vorn und hinten vorgezogenen, plumpen Füßen, welche drei Hufe haben. Die Falten und Risse der netzartig eingerieften Haut zeigen ein gröberes Gepräge als bei dem indischen Elefanten. Mit Ausnahme eines schwachen Haarkammes auf Hals und Widerrist dünnstehender, bis funfzehn Centimeter langer, schwarzbrauner Haare, welche von Brust und Bauch herabhängen, und einzelner, welche in der Umgebung der Augen und an der Unterlippe sich finden, fehlt die Behaarung gänzlich. Die Färbung der Haut, ein kräftiges Schieferblaugrau, wird durch anhaftenden Schmutz und Staub getrübt und in ein mißfarbenes Fahlbraun umgewandelt.

Bei einem von Kirk in den Sambesiländern erlegten männlichen Fihl betrug die Länge von der Spitze des Rüssels bis zum Scheitel 2,75 Meter, die Länge der gebogenen Linie von hier bis zur Ansatzstelle des Schwanzes 4,2 Meter, die Schwanzlänge 1,3 Meter, die Gesammtlänge also rund 8 Meter, bei 3,14 Meter Schulterhöhe. Und doch hatte jeder Stoßzahn erst ein Gewicht von 15 Kilogramm, das Thier demnach noch keineswegs ein hohes Alter erreicht.

Das Verbreitungsgebiet des Fihl umfaßt noch gegenwärtig ganz Innerafrika, soweit es durch den alljährlich regelmäßig fallenden Regen das Wüstengepräge verloren hat und entweder bewaldet oder doch mit hohen Gräsern bedeckt ist. Ob das Thier jemals in den Atlasländern gelebt hat, wie Wagner zu glauben scheint, dürfte fraglich sein. Im Kaplande ist es erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ausgerottet worden; im Süden wie im Norden Afrikas wird es von Jahr zu Jahr weiter zurück gedrängt, beziehentlich in stetig zunehmenden Gebieten vernichtet; nur im Westen wie im Osten kommt es noch in unmittelbarer Nähe der Küste vor.

Beide Elefantenarten waren den Alten wohlbekannt und wurden schon in früher Zeit oft lebend nach Europa gebracht. »Die alten Egypter«, fügt Dümichen hier ein, »kannten nicht bloß die afrikanische Art, sondern auch den Elefanten des fernen Indien und schätzten beide hoch. Die so werthvollen Stoßzähne dieser Riesen der Thierwelt bildeten zu allen Zeiten des egyptischen Reiches einen Hauptbestandtheil des jährlichen Tributes, welchen die Bewohner ›des elenden Kusch‹ und die noch südlicher wohnenden Neger wie die unter egyptischer Oberhoheit stehenden Völker Asiens an den Pharao zu entrichten hatten. Auf der die Assuâner Kataraktenlandschaft am nördlichen Ende, nach der egyptischen Seite hin, abschließenden Insel, heute Gesíret Assuân genannt, erhob sich zur Zeit des alten Egypten die Metropolis des ersten oberegyptischen Gaues, welche, gleich der Insel, auf welcher sie stand, bei Griechen und Römern den Namen Elephantine führte, was nur eine treue Wiedergabe des Namens ist, den Stadt und Insel bereits im alten Egypten trugen, des Namens ›Elefanteninsel, Elfenbeinstadt.‹ So wurden Insel und Stadt genannt, weil ehedem an jener Stelle, wie heute in dem gegenüber liegenden Assuân, der Stapelplatz war für das aus dem Süden kommende Elfenbein, welches bereits in den ältesten Zeiten des Pharaonenreiches von den in Kunst und Handwerk so geschickten egyptischen Meistern zu allerlei Schmuckgegenständen und verschiedenen Geräthschaften, welche praktischen Zwecken des Lebens dienten, verarbeitet wurden. Der Name des Elefanten wird in der Hieroglyphenschrift durch ein Silbenzeichen gegeben, welches die Aussprache ›Ab‹ hatte; je nach dem hinter dieses Wort nun tretenden Bestimmungsbilde bezeichnet ›Ab‹, außer dem Elefanten selbst, auch die Stoßzähne desselben, das Elfenbein, und ebenso die Insel oder Stadt des Elfenbeines, Elephantine. Zur Bezeichnung der letzteren tritt in den Inschriften zuweilen sogar mit Fortlassung des Silbenszeichens ›Ab‹ nur das Bild des Elefanten auf.« In Bezug auf die Kenntnis, welche die alten Egypter von dem asiatischen Elefanten hatten, ist von besonderer Wichtigkeit eine von Ebers in einem oberegyptischen Grabe, und zwar in Qurnah, auf der Westseite von Theben, aufgefundene Inschrift. Das Grab stammt, wie aus den darin vorkommenden Königsnamen hervorgeht, aus dem siebzehnten Jahrhunderte v.Chr.,  und der Verstorbene, Namens Amenemheb, welcher die Ehre hatte, den Heldenkönig Thutmosis den Dritten auf seinen asiatischen Kriegszügen zu begleiten, berichtet nur an der Wand seines Grabes über einige hervorragende Erlebnisse aus diesem Feldzuge. So heißt es: »Ich schaute abermals da eine That der Vollkommenheit, ausgeführt von dem Herrscher Egyptens im Lande Ninive, woselbst er auf der Jagd erlegte hundert und zwanzig Elefanten, wegen ihres Elfenbeins«. Ueber die Liebhaberei der egyptischen Könige für gefährliche Jagden wird uns in den Inschriften vielfach Bericht erstattet. Wie bei den alten Egyptern waren auch bei anderen Völkern des Alterthums der Name des Elefanten und die Bezeichnung des Elfenbeins gleichlautend. Erst Herodot meint unter dem Namen »Elephas« wirklich das Thier. Ktesias, der Leibarzt von Artaxerxes von Nemon, war der erste Grieche, welcher einen Elefanten nach eigener Anschauung beschrieb. Er sah einen lebenden in Babylon, wohin derselbe aus Indien gekommen sein mochte; er war es auch, welcher zuerst das Märchen verbreitete, daß der Elefant keine Gelenke in den Beinen habe, weder sich legen noch ausstehen könne und deshalb stehend schlafen müsse. Darius ist geschichtlich der erste, welcher die Elefanten in der Schlacht und zwar gegen Alexander den Großen verwendete. Von den durch letzteren erbeuteten Elefanten bekam Aristoteles einige zu Gesicht und konnte nunmehr das Thier ziemlich genau beschreiben. Von dieser Zeit an kommen die Elefanten oft in der Geschichte vor. Fast dreihundert Jahre nach einander werden sie selbst in Europa in den endlosen Kriegen verwendet, welche die verschiedenen Völker um die Weltherrschaft führen, bis die Römer endlich siegreich aus den Kämpfen hervorgehen. Neben den indischen Elefanten aber wurden auch afrikanische gebraucht, und namentlich die Karthager verstanden es, diese Thiere, welche man später für unzähmbar erklären wollte, zum Kriege abzurichten und in derselben Weise zu verwenden wie die indischen.

Die Römer brauchten ihre Elefanten hauptsächlich zu den Kampfspielen, und schon ihnen sollen wir die Schuld zuzuschreiben haben, daß die Thiere im Norden des Atlas ausgerottet wurden. Wie weit die afrikanischen Elefanten abgerichtet wurden, mag daraus hervorgehen, daß die römischen Schauspieler sie gelehrt hatten, Buchstaben mit einem Griffel zu zeichnen, auf einem schräg gespannten Seile auf- und abzugehen, zu Viert auf einer Sänfte einen Fünften zu tragen, welcher den Kranken vorstellte, nach dem Takte zu tanzen, von einer prächtig besetzten Tafel aus Gold- und Silbergeschirr mit aller Beobachtung der feinen Sitte und des Anstandes zu speisen ±. Soviel Gelegenheit aber auch die Alten hatten, Elefanten im Leben zu beobachten, so wenig zuverlässig sind die Beschreibungen, welche auf uns gekommen sind. Sonderbarerweise haben sich gewisse Märchen und Fabeln hartnäckig erhalten, und eigentlich kennen wir erst seit der allerneuesten Zeit die riesigen Dickhäuter wirklich. Gegenwärtig liegen eine Reihe vortrefflicher Beobachtungen über beide Arten vor, und es läßt sich somit ein eingehendes und richtiges Lebensbild der Thiere zeichnen.

In den angegebenen Ländern findet man den Elefanten in jeder größeren Waldung. Je reicher eine solche an Wasser ist, je mehr sie dadurch zum eigentlichen Urwalde wird, um so häufiger tritt er auf. Allein man würde sich irren, wenn man glauben wollte, daß er einzig und allein in derartigen Wäldern gefunden werde. Es ist behauptet worden, daß der Riese unter den Säugethieren die Kühle und die Höhe scheue, wogegen gewissenhafte Beobachtungen dies aufs bestimmteste widerlegen. Auf Ceilon sind gerade die hügeligen und bergigen Gegenden seine Lieblingsplätze. »In Uvah«, sagt Tennent, »wo die Hochebenen oft mit Reif überzogen sind, finden sich die Elefanten noch in Höhen von mehr als zweitausend Meter über dem Meere in Herden, während der Jäger in den Dschungeln der Tiefe vergeblich nach ihnen suchen wird. Keine Höhe scheint ihnen zu lustig oder zu frostig zu sein, vorausgesetzt nur, daß sie Wasser im Ueberflusse enthalte. Der gewöhnlichen Meinung entgegen, meidet der Elefant das Sonnenlicht so viel als möglich und bringt deshalb den Tag in den dichtesten Gehegen des Waldes zu, während er gerade die kühle, dunkle Nacht zu seinen Ausflügen erwählt. Er ist, wie fast alle Dickhäuter, mehr Nacht- als Tagthier; denn obgleich er bei Tage ab und zu weidet, bildet doch die stille, ruhige Nacht die eigentliche Zeit, in welcher er des Lebens sich freut. Wenn der Wanderer zufällig oder der Jäger auf vorsichtigem Schleichgange bei Tage einer Herde nahe kommt, sieht er sie in der größten Ruhe und Gemüthlichkeit bei einander stehen. Ihre ganze Erscheinung ist geeignet, alle die Erzählungen von ihrer Bosheit, Wildheit und Rachsucht zu widerlegen. Im Schatten des Waldes hat die Herde in den verschiedenartigsten Stellungen sich gelagert und aufgestellt. Einige brechen mit dem Rüssel Blätter und Zweige von den Bäumen, andere fächeln sich mit Blättern, welche sie abbrechen, und einige liegen und schlafen, während die jungen spiellustig unter der Herde umherlaufen: das anmuthigste Bild der Unschuld, wie die Alten das der Friedfertigkeit und des Ernstes sind. Dabei bemerkt man, daß jeder Elefant, wie die zahmen auch thun, in einer sonderbaren Bewegung sich befindet. Einige wiegen ihr Haupt einförmig in einem Kreise oder in Bogen von der rechten zur linken Seite, andere schwingen einen ihrer Füße vor- und rückwärts, andere schlagen ihre Ohren an das Haupt oder bewegen sie hin und her, andere heben oder senken in gleichen Zeiträumen ihre Vorderbeine auf und nieder. Mehrere Reisebeschreiber haben geglaubt, daß die sonderbaren Bewegungen, welche man alle auch an den Gefangenen beobachten kann, nur eine Folge von der langen Seereise wäre: sie haben aber niemals Elefanten in der Wildnis gesehen. Sobald eine Herde von Menschen überrascht wird oder sie auch nur wittert, entflieht die ganze Gesellschaft furchtsam in die Tiefe des Waldes und zwar gewöhnlich auf einen der von ihr gebahnten Pfade.«

Für den Fihl gilt hinsichtlich des Aufenthaltes wie beziehentlich des Auftretens dasselbe. In den Bogosländern habe ich die Losung der Elefanten noch in Höhen von zweitausend Meter unbedingter Höhe gefunden und von den Eingeborenen erfahren, daß in den benachbarten Hamasén die Thiere regelmäßig auf den höchsten Bergen, also bis zu dreitausend Meter über dem Meere, vorkommen. Van der Decken fand bei seiner Besteigung des Kilimandscharo noch in einer Höhe von fast dreitausend Meter über dem Meere Spuren unserer Dickhäuter.

Großes Geschick und unermüdliche Ausdauer beim Besteigen hoher Berge wird auch von gezähmten Elefanten bethätigt. Reisende Thierschausteller führen, wie Wallis mir mittheilt, solche bis zu den am höchsten gelegenen Städten Kolumbiens und Ecuadors hinauf, obgleich sie, um auf die dreitausend Meter über dem Meere gelegenen Hochebenen zu gelangen, Pässe von viertausend Meter unmittelbarer Höhe und darüber übersteigen müssen. Den Chimbor assopaß erklimmt selbst der abgehärteste Reisende nicht immer ohne Schaden, und doch sind Elefanten über ihn hinweggeführt worden.

Weder im Hoch- oder Mittelgebirge, noch in der Ebene hält der Elefant unter allen Umständen am Walde fest, ändert vielmehr seinen Aufenthalt nicht allein entsprechend der Oertlichkeit, sondern auch gemäß der obwaltenden Umstände. So begegnet man dem Fihl in einem großen, vielleicht im größten Theile Afrikas monatelang nur in der freien Steppe, vorausgesetzt, daß hier Bäume wenigstens nicht gänzlich fehlen, oder aber trifft ihn in Sümpfen an, deren Röhricht die höchste Pflanze der Umgegend ist. Eine Bedingung muß der von ihm gewählte Aufenthaltsort stets erfüllen: an Wasser darf es nicht fehlen. Von einem Regenstrome zum anderen, von diesem Sumpfe oder Pfuhle zum nächsten führen die Wechsel, und jede Lache unterwegs bildet einen Ort der Ruhe, der Erquickung, weil sie stets benutzt wird, die Haut durch Bäder oder wenigstens durch Ueberspritzen zu nässen, zu säubern und von Kerbthieren zu reinigen. »Nicht nur vormittags und mit Einbruch der Dunkelheit«, sagt Heuglin, »am lichten Nachmittage selbst haben wir in einzeln gelegenen Plätzen Elefanten angetroffen, welche dort, oft tief im Wasser stehend oder sogar liegend, beschäftigt waren, letzteres trübe und kothig zu machen und sich damit anzuspritzen.«

So häufig die Elefanten im Inneren Afrikas auch sind, so schwierig ist es zuweilen, ihren augenblicklichen Aufenthalt ausfindig zu machen, da sie ein sehr unstetes Leben führen. In hellen Mondscheinnächten hört man, wie der letztgenannte Berichterstatter ebenfalls bemerkt, einen Trupp scheinbar in nächster Nähe, muß aber schon vor Tagesgrauen zu Stelle sein, wenn man ihn noch antreffen will, weil die Thiere, nachdem sie sich gesättigt haben, in der Regel einen anderen Theil ihres Gebietes aufsuchen und so rasch sich bewegen, daß sie heute hier, morgen zweihundert Kilometer weiter sein können. Bei solchen Ortsveränderungen folgen sie regelmäßig bestimmten Wechseln oder bahnen sich neue, gleichviel ob sie ihren Weg durch Wälder oder Sümpfe, über steile Höhen oder durch enge Schluchten nehmen müssen. Bodenhindernisse scheint es für sie überhaupt nicht zu geben: sie durchschwimmen, wie Heuglin treffend schildert, Ströme und Seen, arbeiten sich ohne Mühe durch den dicksten Urwald, an steilen, steinigen und felsigen Höhen hinan, auf festem Boden oft förmliche Straßen herstellend, weil sie bei ihren Zügen nicht allein geschlossene Gesellschaften bilden, sondern sich auch in lange Reihen zu ordnen pflegen, welche dann verhältnismäßig schmale Wechsel hinterlassen. Solche Straßen bemerkte ich in allen dichteren Waldungen Innerafrikas, welche noch von ihnen bewohnt werden. Die Wege laufen gewöhnlich von der Höhe zum Wasser herab; doch findet man auch Pfade, welche die übrigen durchkreuzen. In allen größeren Urwaldungen zu beiden Seiten des oberen Blauen Nils konnte ich nur auf diesen Wegen in den Urwald eindringen: dort waren die Elefanten geradezu als Straßenbauer anzusehen. Das leitende Mitglied einer Herde geht ruhig durch den Wald, unbekümmert um das Unterholz, welches es unter seinen breiten Füßen zusammentritt, unbekümmert auch um die Aeste, welche von stärkeren Bäumen herabhängen; denn diese werden einfach mit dem Rüssel abgebrochen und bis auf die stärkeren Theile verspeist. Auf freien, sandigen oder auch staubigen Flächen des Waldes scheint die Elefantenherde gewöhnlich Rast zu halten und ein Staubbad zu nehmen, wie die Hühner es thun. Ich beobachtete an solchen Orten tiefe, der Größe des Elefanten entsprechende Kessel, welche wahrscheinlich mit Hülfe der Stoßzähne ausgewühlt worden waren und deutlich zeigten, daß die gewaltigen Thiere hier sich gepaddelt hatten. In der freien Steppe dürften sie, laut Schweinfurth, mit Vorliebe die schmalen Wege begehen, welche der Mensch im Hochgrase gebahnt hat, obgleich sie kaum zur Ausnahme eines Viertheils ihrer Körperbreite ausreichen; im Gebirge dagegen legen sie sich, ebenso wie im Walde, Pfade an, und zwar mit einer Klugheit, welche selbst menschliche Straßenbauer in Erstaunen setzt. Tennent erfuhr von englischen Baumeistern, daß die Elefanten, wenn sie Gebirge überschreiten, stets die günstigsten und tiefsten Sättel auszuwählen und alle Regeln zur Ueberwindung bedeutender Steilungen aufs geschickteste zu benutzen verstehen. Es ist eine bemerkenswerthe Thatsache, daß solche Wege selbst über Gebirge verlaufen, in denen gewöhnliche Pferde unbesiegbare Hindernisse finden würden. Genau das gleiche gilt für die Bogosländer. Hier haben die Elefanten immer die günstigsten Pässe des Gebirges, welche weit und breit zu finden sind, zu ihren Wegen sich ausgesucht und diese mit wunderbarer Klugheit benutzt. Im Mensagebirge durchkreuzen die Elefantenwege nur da das Hauptthal, wo von beiden Seiten her Querthäler einmünden, steigen von jenem aus in diesen so hoch als möglich aufwärts und erheben sich dann im Zickzack vollends bis zum Kamme, von wo aus der Weg in umgekehrter Weise nach unten führt.

Der Elefant ist nur scheinbar plump, in Wirklichkeit sehr geschickt. Für gewöhnlich geht er einen ruhigen, gleichmäßigen Paß, wie das Kamel und die Girafe; dieser ruhige Gang aber kann so beschleunigt werden, daß ein Reiter Mühe hat, dem trabenden Elefanten nachzukommen. Anderseits versteht dieser es, so leise durch den Wald zu schleichen, daß man ihn kaum noch gehen hört. »Anfangs«, sagt Tennent, »stürzt eine wilde Herde mit lautem Geräusche durch das Unterholz; bald aber sinkt der Lärm zur vollständigen Geräuschlosigkeit herab, so daß ein Neuling glauben muß, die flüchtenden Riesen hätten nur wenige Schritte gethan und sich dann ruhig wieder aufgestellt.« Beim Ueberschreiten sehr bedeutender Steilungen wird der Elefant geradezu zum kletternden Thiere. An einem Gefangenen, welchen ich pflegte, habe ich mit wahrem Vergnügen gesehen, wie geschickt er es anfängt, schroffe Gehänge zu überwinden. Er biegt zunächst sehr klug seine Vorderläufe in den Handgelenken ein, erniedrigt also den Vorderleib und bringt den Schwerpunkt nach vorn, dann rutscht er auf den eingeknickten Beinen vorwärts, während er hinten mit gerade ausgestreckten Beinen geht. Bergauf also fördert die Wanderung noch ziemlich gut, bergab dagegen hat das schwere Thier selbstverständlich wegen seines ungeheuren Gewichtes größere Schwierigkeiten zu überwinden. Wollte der Elefant in seiner gewöhnlichen Weise fortgehen, so würde er unbedingt das Gleichgewicht verlieren, nach vorn sich überschlagen und solchen Sturz vielleicht mit seinem Leben bezahlen. Das kluge Geschöpf thut dies jedoch nicht, kniet vielmehr am Rande des Abhanges nieder, so daß seine Brust auf den Boden zu liegen kommt und schiebt nun seine Vorderbeine höchst bedächtig vor sich her, bis sie irgendwo wieder Halt gewonnen haben, zieht hierauf die Hinterbeine nach und gelangt so, gleitend und rutschend, nach und nach in die Tiefe hinab. Zuweilen kommt es übrigens doch vor, daß der Elefant auf seinen nächtlichen Wanderungen einen schweren Fall thut. Im oberen Mensathale sah ich hiervon unverkennbare Spuren. Eine starke Herde war beim Uebergang des Hauptthales längs einer Bergwand hingegangen und dabei auf einen schmalen Weg gerathen, welchen das Regenwasser hier und da unterwaschen hatte. Ein theilweise überragender Stein war von einem Elefanten betreten und dadurch zur Tiefe herabgestürzt worden, hatte aber auch zugleich das schwere Thier aus dem Gleichgewichte gebracht und nach sich gezogen. Dieses mußte einen gewaltigen Burzelbaum geschossen haben; denn Gras und Büsche waren in einer Breite, welche der Länge eines Elefanten etwa entsprach, auf mindestens sechzehn Meter nach unten niedergebrochen und theilweise ausgerissen. Ein stärkeres und dichteres Gebüsch hatte den Rollenden endlich aufgehalten; denn von dort aus führte die Fährte wieder zum Hauptwege empor. Einige Kreuzschmerzen mochte das gute Thier wohl davon getragen haben, ernstlichen Schaden aber hatte es nicht erlitten.

Der alte Glaube, daß der Elefant sich nicht niederlegen könne, wird von jedem, den wir in Thierschau buden sehen, aufs gründlichste widerlegt. Allerdings schläft unser Dickhäuter nicht immer im Liegen, sondern oft auch im Stehen; wenn er es sich aber bequem machen will, läßt er sich mit derselben Leichtigkeit, mit welcher er sich anderweitig bewegt, nieder oder erhebt sich vom Lager. Nicht minder leicht schwimmt der ungeschlachte Gesell, er wirft sich daher mit wahrer Wollust in das Wasser und versenkt sich nach Belieben in die Tiefe desselben. Falls es ihm gefällt, schwimmt er in gerader Richtung über die breitesten Ströme, und manchmal lagert er sich förmlich unter Wasser, wobei er dann einzig und allein die Spitze seines Rüssels über die Oberfläche emporstreckt.

Die wunderbarsten Bewegungen, deren der Elefant überhaupt fähig ist, führt er mit seinem Rüssel aus. Dieses vorzügliche Werkzeug erscheint ebenso ausgezeichnet wegen seiner gewaltigen Kraft als wegen der Mannigfaltigkeit der Biegungen und Drehungen, deren es fähig ist, oder der Geschicklichkeit, mit welcher es etwas angreifen kann. Mit dem fingerartigen Fortsatze am Ende erfaßt der Elefant die kleinsten Dinge, leichte Silbermünzen oder Papierschnitzel zum Beispiel, mit ihm bricht er aber auch starke Bäume um. Man kann wohl sagen, daß der Rüssel zu jeder Arbeit und in jeder Richtung verwendet werden kann; denn es würde geradezu unmöglich sein, alles aufzuzählen, was das Thier mit seiner langen Nase auszuführen im Stande ist.

Nächst dem Rüssel benutzt der Elefant auch die Zähne zu mancherlei Arbeiten. Er hebt mit ihnen Lasten auf, wälzt Steine um, wühlt Löcher und gebraucht sie endlich wohl auch als Waffen zur Abwehr oder zum Angriffe, schont sie übrigens so viel als möglich; denn in ihnen liegt seine wahre Stärke nicht! Mercer sandte an Tennent die Spitze eines Elefantenzahns von zwölf Centimeter im Durchmesser und zwölf Kilogramm Gewicht, welche im Kampfe von einem anderen Elefanten abgeschlagen worden war. Eingeborene hatten ein eigenthümliches Geräusch gehört, waren dem Schalle nachgegangen und an zwei kämpfende Elefanten gekommen, einen Zahntragenden und ein Weibchen ohne Zahn, welches jenem mit einem Rüsselschlage den halben Zahn abbrach.

Alle höheren Fähigkeiten des Elefanten stehen im Einklange mit den bereits erwähnten Begabungen. Das Gesicht scheint nicht besonders entwickelt zu sein; wenigstens hegen alle Jäger die Meinung, daß das Gesichtsfeld des Thieres ein sehr beschränktes ist. Um so besser aber sind Geruch und Gehör ausgebildet, und Geschmack und Gefühl, wie man an Gefangenen leicht sich überzeugen kann, wenigstens verhältnismäßig fein. Von dem scharfen Gehöre des Thieres wissen alle Jäger zu berichten. Der geringste Laut ist hinreichend, um einen Elefanten aufmerksam zu machen; das Brechen eines kleinen Zweiges genügt, um seine Behaglichkeit zu unterbrechen. Der Geruch ist fast ebenso scharf wie bei den Wiederkäuern: jeder geübte Jäger vermeidet es sorgfältig, weidenden Elefanten mit dem Winde sich zu nähern. Im Rüssel hat auch der Tastsinn seinen bevorzugten Sitz, und zumal der fingerförmige Fortsatz an der Spitze desselben wetteifert an Feinheit der Empfindung mit dem geübten Finger eines Blinden.

Die geistigen Fähigkeiten der Elefanten werden von allen, welche mit den Thieren zu thun haben, in ihrem vollen Werthe anerkannt. Scharfer, überlegender Verstand läßt sich nicht verkennen. Der Blick verräth allerdings wenig von hervorragenden geistigen Eigenschaften, wohl aber nur deshalb, weil das verhältnismäßig kleine Auge der gewaltigen Leibesmasse gegenüber kaum zur Geltung kommt. Jede Beobachtung lehrt bald erkennen, welch ein ausgezeichnet kluges Geschöpf man in dem Elefanten vor sich hat. Wie Heuglin mittheilt, erkennen alle Neger den hohen Verstand des Thieres willig an, und schätzen ihn so hoch, daß sie den Glauben hegen, ursprünglich von diesem Riesen abzustammen, ebenso, wie viele Muselmanen des Sudân in ihm den Urvater des Menschengeschlechtes erblicken wollen und aus diesem Grunde sein Fleisch nicht genießen. Im Umgange mit dem Menschen entwickelt sich der Verstand unseres Dickhäuters zuletzt zu einer wahrhaft bewunderungswürdigen Höhe. Der Elefant steht den klügsten Säugethieren, einem Affen, Hunde oder Pferde, ziemlich gleich. Er überlegt, bevor er handelt, verbessert und vervollkommnet sich mehr und mehr, ist für Lehre empfänglicher als jedes andere Thier und erwirbt sich mit der Zeit einen wahren Schatz von Kenntnissen. Für diese Behauptung ließen sich aus den vielen Geschichten, welche von Elefanten erzählt wurden, die nöthigen Beweise leicht finden. Zwei Belege mögen genügen. Raxava, ein Kaffeepflanzer, erzählte Tennent, daß er mehr als einmal beobachtet habe, wie die wilden Elefanten bei Gewittern plötzlich die Wälder verließen und sich fern von allen Bäumen auf freie Wiesenflächen lagerten, so lange die Blitze leuchteten und der Donner noch rollte! Diese einzige Angabe spricht besser als die ausführlichste Geschichte für einen sehr scharfen Verstand: sie zeigt uns den Elefanten, wie er sich benimmt, wenn er einzig und allein auf sich selbst angewiesen ist. In der Gefangenschaft, im Umgange mit dem Menschen, tritt die hohe Begabung des Thieres noch schärfer hervor. »Eines Abends«, sagt Tennent, »ritt ich in der Nähe von Kandy durch den Wald. Plötzlich stutzte mein Pferd über ein Geräusch, welches aus dem ziemlich dichten Wald herübertönte und in einer Wiederholung von dumpfen, wie ‚urmf, urmf‘ klingenden Lauten bestand. Dieses Geräusch erklärte sich beim Näherkommen. Es rührte von einem zahmen Elefanten her, welcher eben mit harter Arbeit beschäftigt und ganz auf sich selbst angewiesen, d.h. ohne Führer war. Er bemühte sich nach Kräften, einen schweren Balken, welchen er über seine Zähne gelegt hatte und wegen des engen Weges nicht gut fortbringen konnte, wegzutragen. Die Enge des Pfades zwang ihn, um überhaupt durchzukommen, sein Haupt beständig bald nach dieser, bald nach jener Seite zu kehren, und diese Anstrengung erpreßte ihm die beschriebenen mißwilligen Töne. Als das kluge Thier uns erblickte, erhob es sein Haupt, besah uns einen Augenblick, warf plötzlich den Balken weg und schob sich rückwärts gegen das Unterholz, um uns den Weg frei zu machen. Mein Pferd zögerte. Der Elefant bemerkte dies, drückte sich noch tiefer in das Dickicht und wiederholte sein ›Urmf‹, aber entschienen in viel milderem Tone, offenbar in der Absicht, uns zu ermuthigen. Noch zitterte mein Pferd. Ich war viel zu neugierig auf das Beginnen der beiden klugen Geschöpfe, als daß ich mich eingemengt hätte. Der Elefant wich weiter und weiter zurück und wartete ungeduldig auf unseren Vorüberzug. Endlich betrat mein Pferd den Weg, zitternd vor Furcht. Wir kamen vorüber, und augenblicklich trat der Elefant aus dem Dickicht her vor, erhob seine Last von neuem und setzte seinen mühseligen Weg fort wie vorher.«

Der wildlebende Elefant bekundet mehr Einfalt als Klugheit. Seine Geistesfähigkeiten erheben sich kaum zur List, weil die reiche Natur, welche ihn umgibt und ernährt, ihn der Nothwendigkeit überhebt, seinen Verstand anzustrengen. Anfänglich will es dem Beobachter scheinen, als wäre er das stumpfsinnigste aller Geschöpfe. Das Gemessene und die Bedachtsamkeit seines Auftretens, die Ruhe und Harmlosigkeit seines Wesens werden verkannt oder unterschätzt, und erst, wenn üble Erfahrungen ihn mißtrauisch gemacht haben, Gefahr und Noth, welche ihm bisher fremd waren, durch den Menschen über ihn verhängt wurden, offenbart er seine herrlichen Geistesgaben. Es ist falsch, wenn von ihm behauptet wird, daß er ein reizbares Thier sei. Sein Wesen ist mild und ruhig. Er lebt mit jedem Geschöpfe in Freundschaft und Frieden. Ungereizt greift er niemals an, weicht im Gegentheile allen Thieren, selbst kleinen, ängstlich aus. »Der ärgste Feind des Elefanten«, sagt Tennent, »ist – die Fliege.« »Eine Maus«, behauptet Cuvier, »entsetzt den zahmen Elefanten, daß er zittert.« Alle die so schön ausgedachten Erzählungen von Kämpfen zwischen Elefant und Nashorn oder Elefant, Löwe und Tiger müssen unerbittlich in das Reich der Fabeln geworfen werden. Jedes Raubthier hütet sich, den Elefanten anzugreifen, und dieser gibt keinem Geschöpfe Veranlassung zum Zorn oder zur Rachsucht. Einzelne Thiere, namentlich einzelne Vögel, leben in besonderer Freundschaft mit ihm. Im Inneren Afrikas folgt seinen Herden regelmäßig ein Wildschwein nach, im Süden des Erdtheils begleiten jene die Madenhacker (Buphaga africana), in Nordostafrika die kleinen Kuhreiher (Ardeola bubulcus), in Indien ähnliche gutmüthige Vögel, welche das große Säugethier beständig von Ungeziefer zu reinigen suchen. Insbesondere der Kuhreiher gehört wesentlich zum Bilde des afrikanischen Elefanten. Schwerlich kann man sich einen hübscheren Anblick denken als einen der gewaltigen, dunklen, ruhig dahinschreitenden Riesen, auf welchem ein ganzes Dutzend der anmuthigen, blendend weißen Vögel sitzt oder umherwandelt, der eine ruhend, der andere sich putzend, der dritte alle Falten der Haut untersuchend und hier und dort jagend, ein Kerbthier oder einen Egel, welchen sich der Dickhäuter bei seinem nächtlichen Bade geholt, aufnehmend. Ebenso verträglich und friedlich würde der Elefant auch mit dem Menschen leben, verdiente dieser das Vertrauen des edlen Geschöpfes. Noch heutigen Tages geschieht es, wie Heuglin angibt, im Inneren Afrikas, zumal in Gegenden, wo Elefanten wenig Verfolgung erleiden, daß diese einen Menschen, welcher sich zufällig mitten unter ihnen befindet, kaum zu beachten scheinen, und ebenso trifft man, nach Kirks Versicherung, in Südafrika zuweilen auf zahlreiche Herden, welche bei Annäherung des Menschen nicht entfliehen; die Erfahrung eines Tages aber genügt, um sie für immer mißtrauisch zu machen. Aengstlich meiden sie dann die Nähe des Erzfeindes aller Thiere und seine Niederlassungen, ja sogar die nur zeitweilig von ihm begangenen Pfade, und wandern deshalb Gegenden zu, welche ihnen Sicherheit, Frieden und Ruhe gewähren. »Bei dem hohen Alter, welches sie erreichen«, meint Schweinfurth, »mag es wohl kein bejahrtes Stück mehr geben, welches nicht öfters in seinem Leben von Menschen angegriffen wurde.« Solche Erfahrungen lassen die ängstliche Scheu der Thiere begreiflich erscheinen und erklären es, daß der Elefant sofort flüchtet, wenn er die Nähe seines furchtbaren Feindes auch nur ahnt. Wittert einer Unrath, so hebt er, laut Heuglin, den Rüssel hoch, windet und legt, indem er den Kopf seitlich umbiegt oder hoch aufrichtet, ein Ohr zurück, um sich genau zu überzeugen, woher Gefahr naht, stößt, so bald er diese erkannt, einen Warnungslaut aus, und gibt damit das Zeichen zur Flucht, auf welcher alle Glieder des Rudels ihm folgen.

Jede Elefantenherde ist eine große Familie und umgekehrt, jede Familie bildet ihre eigene Herde. Die Anzahl solcher Gesellschaft kann sehr verschieden sein; denn die Herde kann von zehn, funfzehn, zwanzig Stück anwachsen bis auf hunderte. Anderson sah am Ngamisee eine Herde, welche funfzig, Barth am Dschad eine solche von sechsundneunzig, Wahlberg im Kafferland eine andere von zweihundert Stück. Einzelne Reisende sprechen von vier- und fünf-, ja sogar achthundert Elefanten, welche sie zusammen gesehen haben. So versichert Heuglin, einem Trupp begegnet zu sein, dessen Anzahl seiner Schätzung nach mindestens auf fünfhundert zu veranschlagen war, und ebenso behauptet Kirk, am Sambese einmal eine Herde von achthundert Stück angetroffen zu haben, welche in einer indianischen Reihe sich bewegte und einen über eine englische Meile langen Zug bildete. In den von mir durchreisten Ländern zählen die Herden zehn, zwanzig bis höchstens funfzig Stück.

Die Familie bildet einen geschlossenen Verband unter sich. Kein anderer Elefant findet Zutritt und derjenige, welcher so unglücklich war, durch irgend welchen Zufall von einer Herde getrennt zu werden, vielleicht übrig zu bleiben oder aus der Gefangenschaft zu entfliehen, ist gezwungen, ein Einsiedlerleben zu führen. Er mag weiden in der Nähe der Herde, dieselben Trink- und Badeplätze besuchen, der Familie nachziehen, wohin sie will: immer muß er in einer gewissen Entfernung sich halten, und niemals wird er in den eigentlichen Familienkreis aufgenommen. Wagt er sich einzudrängen, so gibt es Schläge und Stöße von allen Seiten; selbst das harmloseste Elefantenweibchen schlägt mit seinem Rüssel auf ihn los. Solche Elefanten werden von den Indianern Gundâs, oder, falls sie sich bösartig zeigen, Rogues genannt. Sie sind vorzugsweise gefürchtet. Während die Herde ruhig und still ihres Weges geht, dem Menschen immer ausweicht und nur im äußersten Nothfalle an ihm sich vergreift, während sie sogar sein Besitzthum achtet, kennen die Rogues derartige Rücksichten nicht: das einsame, unnatürliche Leben hat sie erbittert und wüthend gemacht. Auf sie werden in Indien besondere Jagden angestellt, und niemand hat mit einem Rogues Mitleid; man mag ihn nicht einmal in der Gefangenschaft haben. Die Indier, welche wir unbedingt als die größten Elefantenkenner betrachten müssen, versichern, daß jede Familie durch ihre Aehnlichkeit sich auszeichnet, und die Engländer bestätigen, daß einzelne Hindus Familienangehörige einer Herde mit aller Sicherheit erkennen, die Familie mag zerstreut sein, wie sie will. »In einer Herde von einundzwanzig Elefanten«, sagt Tennent, »welche 1844 gefangen wurden, zeigten die Rüssel von allen dieselbe eigenthümliche Gestaltung; denn sie waren lang und von derselben Dicke, anstatt sich nach der Spitze hin zu verdünnen. In einer anderen Herde von fünfunddreißig Stück zeigten alle dieselbe Stellung der Augen, dieselbe Wölbung des Rückens, dieselbe Bildung des Vorderkopfes.« Die Indier wissen, daß die Anzahl einer Herde, abgesehen von der natürlichen Vermehrung, immer gleich bleibt, wenn nicht besondere Unglücksfälle sie heimsuchen, und Jäger, welche den edlen Thieren nachstellten, haben Jahre hindurch stets nur so viele von der Herde gefunden, als ihren tödtlichen Geschossen entronnen waren. In allen Herden überwiegen die Weibchen; in manchen gibt es gar keine männlichen Elefanten, wahrscheinlich, weil sie der größeren Zähne wegen den Nachstellungen bereits zum Opfer gefallen waren. Durchschnittlich kann man annehmen, daß auf einen männlichen sechs bis acht weibliche Elefanten kommen.

Inwieweit diese Angaben auch für den afrikanischen Elefanten gelten dürfen, lasse ich unentschieden. Kirk und Heuglin melden übereinstimmend, daß die männlichen und weiblichen Thiere besondere Rudel bilden, welche sich nur während der Paarzeit gesellen, und daß man auch in Afrika Einsiedler bemerkt, deren Wesen nie zu trauen ist, weil sie gelegentlich, ohne herausgefordert zu sein, einen Menschen angreifen sollen.

Der klügste Elefant pflegt der Herde vorzustehen. Sein Amt ist, die Herde zu führen, auf alle Gefahren zu achten, die Gegend zu untersuchen, kurz für die Sicherheit derselben Sorge zu tragen. Alle wilden Elefanten sind, wie bemerkt, im höchsten Grade scheu und vorsichtig; der Leitelefant aber zeigt diese Eigenschaften gleichsam verzehnfacht. Sein Amt ist ein sehr mühevolles: er ist sozusagen ununterbrochen in Thätigkeit. Aber dafür lohnt ihn auch der unbedingteste Gehorsam seiner Untergebenen. Widerspruch gegen seine Anordnungen kommt niemals vor; er geht voran, und alle übrigen folgen ihm rücksichtslos nach und sei es in das Verderben. »In der Höhe der dürren Jahreszeit«, erzählt Major Skinner, »trocknen bekanntlich alle Ströme aus, und die Teiche und Lachen ebenso. Die indischen Thiere leiden dann des Wassers wegen bittere Noth, und sammeln sich massenhaft um diejenigen Teiche und Tümpel, welche das ihnen so nothwendige Element am längsten behalten. In der Nähe eines solchen Teiches hatte ich einmal Gelegenheit, die erstaunliche Vorsicht der Elefanten zu beobachten. An der einen Seite des Pfuhles und hart an seinem Ufer begann ein dichter Urwald, auf der anderen umgab ihn offenes Land. Es war eine jener prachtvollen, klaren Mondlichtnächte, die fast ebenso hell sind als unser nordische Tag, in welcher ich beschloß, die Elefanten zu beobachten. Die Oertlichkeit war meinem Zwecke günstig. Ein gewaltiger Baum, dessen Zweige über den Teich weg hingen, bot mir ein sicheres Unterkommen in seiner Höhe. Ich begab mich bei Zeiten an meinen Platz und achtete mit der gespanntesten Aufmerksamkeit auf alles, was vorging. Die Elefanten waren keine fünfhundert Schritte von mir entfernt; aber doch mußte ich zwei volle Stunden warten, bevor ich einen von ihnen zu sehen bekam. Endlich schlüpfte, etwa drei hundert Schritte vom Teiche entfernt, ein großer Elefant aus dem dunkeln Walde, ging mit höchster Vorsicht beiläufig zweihundert Schritte vor und stand dann still, um zu lauschen. Er war so ruhig gekommen, daß nicht das leiseste Geräusch gehört werden konnte, und blieb mehrere Minuten stehen, bewegungslos wie ein Felsblock. Dann erst rückte er in drei Absätzen weiter und weiter vor, zwischen jedem Vorrücken mehrere Minuten lang anhaltend und die mächtigen Ohren nach vorwärts öffnend, um auch das leiseste Geräusch aufzufangen. So bewegte er sich langsam bis an das Wasserbecken. Er dachte nicht daran, seinen Durst zu löschen, obgleich er dem Wasser so nahe stand, daß seine gewaltige Gestalt in ihm sich widerspiegelte. Minutenlang verweilte er lauschend, ohne ein Glied zu rühren. Dann drehte er sich vorsichtig und leise um und ging nach derselben Stelle des Waldes zurück, von woher er gekommen war. Nach einer kleinen Weile zeigte er sich wieder nebst fünf anderen, mit denen er wiederum ebenso vorsichtig, aber weniger lautlos als früher, auf das Wasser losging. Die fünf wurden als Wächter aufgestellt. Er kehrte in den Wald zurück und erschien nochmals, umgeben von der ganzen aus etwa achtzig bis hundert Stück bestehenden Herde und führte diese über die Blöße mit solcher Stille, daß ich trotz der Nähe die Thiere nur sich bewegen sah, nicht aber auch bewegen hörte. In der Mitte der Blöße blieb die Herde stehen. Der Leitelefant ging von neuem vor, verkehrte mit den Wächtern, untersuchte alles, überzeugte sich von der vollständigen Sicherheit, kehrte zurück und gab nun Befehl zum Vorrücken. In demselben Augenblick stürzte die Herde gegen das Wasser los und warf sich ohne jede Scheu und ohne an Gefahr zu denken, mit aller Wollust in die Fluten. Von ihrer Schüchternheit und Furchtsamkeit war keine Spur zu bemerken. Alle vertrauten ihrem Führer so vollkommen, daß sie sich um nichts mehr zu kümmern schienen. Nachdem die verschmachteten Thiere den Teich eingenommen hatten und als auch der letzte, der Leitelefant, eingetreten war, überließen sie sich gleichsam frohlockend der Wonne, ihren Durst zu stillen sowie der Wohlthat des Badens. Niemals hatte ich solche Menge von thierischem Leben in einem so engen Raume gesehen. Es wollte mir erscheinen, als tränken die Elefanten den ganzen Teich trocken. Ich beobachtete sie mit der größten Theilnahme, bis sie sich mit Trinken und Baden Genüge gethan hatten. Dann versuchte ich, welche Wirkung ein unbedeutendes Geräusch auf sie ausüben würde. Nur einen kleinen Zweig brauchte ich zu brechen, und die ganze feste Masse kam augenblicklich in Aufruhr und floh dahin wie eine Herbe aufgescheuchten Wildes in toller Hast und Eile.«

Mit ähnlicher Vorsicht gehen die Elefanten auf Nahrung aus, geben sich aber, falls sie sich erst von ihrer Sicherheit überzeugt haben, um so behaglicher der Mahlzeit hin. Der Reichthum ihrer Waldungen ist so groß, daß sie eigentlich niemals Mangel leiden; sie erscheinen auch, weil sie beständig auf Oertlichkeiten leben, in denen es Nahrung in Hülle und Fülle gibt, weder gefräßig noch begierig. Sie brechen Zweige von den Bäumen, gleichsam als geschähe es zu ihrem Vergnügen, fächeln sich mit ihnen, vertreiben die so gehaßten Fliegen und verzehren sie dann allgemach, nachdem sie dieselben einigermaßen zusammengebrochen haben. Wenn aber auch gemächlich und behaglich, still und geräuschlos geht solche Mahlzeit nicht von statten, verursacht vielmehr, wie Heuglin malerisch schildert, einen wahren Höllenlärm. Das Knicken der Zweige, das Krachen der oft mit vereinigten Kräften niedergebrochenen Aeste oder Stämme, das Kauen, Athmen, Misten, das dumpfe Rollen der Luft in den Eingeweiden, das Patschen der schweren Füße im Moraste, das Ueberspritzen des Leibes mittels des Rüssels, das Klatschen der mächtigen Ohren, welche oft wie Sonnenschirme ausgebreitet werden, das Reiben der massigen Leiber an dicken Baumstämmen und das dazwischen gellende tiefe, schmetternde Brüllen der Thiere vereinigt sich zu einem ohrbetäubenden Ganzen. Entsprechend solchem Lärm ist die jeder Beschreibung spottende Verwüstung, welche eine Elefantenherde im Walde anrichtet. »Was der mächtige Fuß nicht tief in den Boden tritt«, sagt unser Gewährsmann, »wird umgeworfen, der stärkste Baum entwurzelt, sein Geäst herabgebrochen; das Unterholz liegt wild durch einander, als hätte es ein rasender Wirbelwind niedergerissen; Stämme, welche den Stürmen von mehr als einem Jahrhundert getrotzt, sind abgeknickt wie ein Rohr.« Aeste von mehr als Armstärke werden von den Elefanten ohne Bedenken verschlungen: in der 50 Centim. langen und 12 Centim. dicken, 6 Kilogramm schweren wurstartigen Losung fand ich Aststücke von 10 bis 12 Centim. Länge und 4 bis 5 Centim. Dicke im Durchmesser. Niedrige Zweige, zumal solche, welche in Mundhöhe stehen, schieben sie mit dem Rüssel bündel- oder buschweise ins Maul und beißen oder richtiger quetschen sie dann mit den Zähnen ab. Sehr starke Aeste schälen sie ganz oder theilweise, lassen aber das Holz liegen. In jeder Gegend gibt es Lieblingsbäume der Elefanten, welche vor allen anderen heimgesucht werden: in Mittelafrika heißt ein Baum geradezu »Elefantenbaum«, weil er vor allen übrigen besucht, beweidet und verwüstet wird. Er ist dornig, aber die Dornen sind weich und deshalb kein Hindernis für den Gaumen des Elefanten, welcher den härteren Stacheln der Mimosenzweige nicht gewachsen zu sein scheint. Nächst diesem Elefantenbaume brandschatzt der Fihl übrigens noch viele andere, einzelne fast nur wegen der Früchte, welche er durch Schütteln gewinnt und mit dem Rüssel zusammenliest, letztere der Zweige und Schale halber. Baumzweige werden von beiden Elefanten unter allen Umständen Gräsern vorgezogen, letztere jedoch auch nicht verschmäht. Kommt eine Elefantenherde auf einen mit saftigem Grase bewachsenen Platz, so weidet sie davon, packt mit dem Rüssel einen Busch, reißt ihn sammt den Wurzeln aus dem Boden, klopft diese Wurzeln gegen einen Baum, um sie von der ihnen anhängenden Erde zu befreien, und steckt sich dann einen nach dem anderen in den Schlund. Auf den nächtlichen Weidegängen wird wohl auch ab und zu einmal ein Feld besucht, und dann freilich thut die Herde in ihm großen Schaden. Aber schon das einfachste Scheusal oder die leichteste Umzäunung genügt, um unsere Dickhäuter von den Feldern abzuhalten. Die Indier lassen zwischen ihren Pflanzungen breite Wege für die zur Tränke gehenden Elefanten und umzäunen die Felder mit leichten Rohrstäben; ein einziger Schlag mit dem gewaltigen Rüssel würde eine ganze Wand dieser Pfähle niederwerfen, aber niemals kommt es vor, daß die Elefantenherde die Umzäunung durchbricht; nur die Gondahs thun dies zuweilen. Dieselbe Herde geht aber sofort auf die Felder, wenn die Thüre dazu geöffnet ist. Nach der Ernte des Reises zum Beispiel überlassen die Indier den Elefanten das leere Stroh und halten deshalb die Umhegungen nicht mehr verschlossen. Sobald dies geschieht, dringen die Thiere ein und fressen alles übriggebliebene auf. Einen ähnlichen Beweis von Klugheit liefern, falls die Erzählungen der Eingeborenen auf Wahrheit beruhen, auch die afrikanischen Elefanten. Nach Heuglin gewordenen Mittheilungen sollen sie die Zeit, in welcher vom Flachlande her nach den Gebirgen von Habesch Getreide befördert wird, genau kennen, plötzlich erscheinen, die Kamele der Karawane erschrecken, die von diesen würdigen Thieren unter solchen Umständen regelmäßig abgeworfenen Fruchtballen öffnen und sich an den so erbeuteten Schätzen gütlich thun. Ich meine, daß diese Erzählung ebenso wenig begründet ist wie die Versicherung der Sudâner, daß der Fihl, und zwar aus edlem Gerechtigkeitssinne, niemals in die durch Schutzbriefe versicherten Felder einfalle. »Elefanten«, sagte mir ein Schëich am Blauen Flusse, »werden dir nichts zu leide thun, wenn du sie in Frieden läßt, wie sie mir und meinen Vorfahren nie etwas gethan haben. Wenn die Zeit der Ernte herankommt, hänge ich an hohen Stangen Schutzbriefe auf, und diese genügen den gerechten Thieren; denn sie achten das Wort des Gottgesandten Mahammed – über welchem der Friede des Allbarmherzigen walten möge! sie fürchten die Strafe, welche den Gotteslästerer ereilen wird: sie sind eben gerechte  Thiere!« Jedenfalls hindert diese Gerechtigkeitsliebe die Elefanten nicht, dann und wann ein Feld zu plündern und Büschelmais oder Kafferhirse zu fressen, gleichviel ob die Aehren reif sind oder nicht; ihr Edelmuth hält sie nicht einmal ab, gelegentlich die riesigen Kürbisse, welche auf den Hütten der im Walde wohnenden Neger reisen, abzupflücken oder das Dach einer solchen Hütte abzudecken, um nachzusehen, ob Getreide im Innern des Raumes aufgespeichert worden sei.

In den Gebirgen von Habesch zwingt der Wechsel der Jahreszeiten die Elefanten zu regelmäßigen Wanderungen. Im Bogoslande ziehen sie auf ziemlich streng eingehaltenen Wegen alljährlich zweimal auf und nieder, also viermal an einem Orte vorüber, so bei der Ortschaft Mensa. Wassermangel treibt sie in die tiefsten Flußthäler hinab; der Frühling, d.i. die Regenzeit, welche gerade im Gebirge reiches Leben hervorzaubert, lockt sie wieder zur ergiebigen und unbehelligten Weide empor. Sie ziehen von den Ge birgskämmen bis in das Flußbett des Ain-Saba thalwärts und von dort aus wieder nach ihren ersten Weideplätzen hinauf. Alle Wanderungen geschehen selbstverständlich nur des Nachts.

Wie die Nahrung, führt der Elefant auch seine Getränke mit Hülfe des Rüssels zum Munde: er saugt beide Röhren desselben voll und spritzt sich den Inhalt dann in das Maul. Sobald eine Herde an das Wasser kommt, ist dies ihr wichtigstes Geschäft, und erst wenn der Durst gestillt ist, denken die Thiere daran, in derselben Art und Weise auch ihren Körper zu nässen. Der Rüssel ist übrigens nicht bloß zum Aufsaugen des Wassers, sondern auch zur Aufnahme von Sand und Staub geeignet. Diese Stoffe werden angewendet, um die so lästigen Kerbthiere zu verscheuchen.

Wie leicht erklärlich, ist die Vermehrung unserer Landriesen eine geringe. Man erkennt den Zustaub des brünstigen Elefanten zunächst daran, daß zwei Drüsen neben den Ohren eine übelriechende Flüssigkeit in reichlicher Menge ausschwitzen. Das Thier selbst ist sehr erregt; sogar das gezähmte wird oft furchtbar wild gegen seine Treiber, welche es sonst vortrefflich behandelt. Früher glaubte man, daß die Elefanten im Freien, fern von allem menschlichen Treiben, sich paarten, und wollte deshalb von einer großen Schamhaftigkeit des Thieres reden; Corse aber beobachtete, daß zwei frisch gefangene Elefanten vor einer Menge Zuschauer sich begatteten. Vorher erwiesen sie sich mit ihren Rüsseln Liebkosungen; dann paarten sie sich in sechszehn Stunden viermal ganz nach Art der Pferde. Die Brunstzeit ist nicht bestimmt. Das eine Mal zeigte sie sich im Februar, das andere Mal im April, ein drittes Mal im Juni, ein viertes Mal im September und ein fünftes Mal im Oktober. Aufgeregt sind die paarungslustigen Thiere immer, und die kleinste Veranlassung kann sie in Zorn bringen. Drei Monate nach der Paarung bemerkte Corse die ersten Anzeichen der Trächtigkeit des Weibchens. Nach einer Tragzeit von zwanzig Monaten und achtzehn Tagen warf es ein Junges, welches sofort nach seiner Geburt zu saugen anfing. Die Mutter stand dabei, das Junge legte den Rüssel zurück und ergriff das Euter mit seinem Maule. Fast alle Beobachter stimmen darin überein, daß die Liebe der Mutter zu ihrem eigenen Kinde nicht besonders groß ist; dagegen bemerkte man, daß sich alle weiblichen Elefanten eines jungen mit gleicher Zärtlichkeit annehmen. Die wilden sollen sämmtlichen Kleinen ohne Ausnahme ihr Euter bieten. Letztere, welche bei der Geburt etwa 90 Centim. hoch sind, nehmen rasch an Größe zu und sind bereits nach Ablauf des ersten Jahres 1,2, ein Jahr später 1,4, zu Ende des dritten Jahres 1,5 Meter hoch geworden. Sie erscheinen vom Anfange an verhältnismäßig weniger plump als andere junge Thiere, sogar als niedliche und drollige Geschöpfe, halten sich in der ersten Zeit ihres Lebens vorzugsweise unter dem Leibe und zwischen den Beinen ihrer Mutter auf und verlassen diesen sicheren Platz auch dann nicht, wenn letztere einen rascheren Gang einschlägt. Wie es scheint, stehen sie mehrere Jahre, jedenfalls bis zur Geburt eines Geschwisters, unter Obhut der Alten, welche sie bald zum Fressen anleitet und ihnen nöthigenfalls durch Abbrechen von Aesten oder Bäumen ihr Lieblingsfutter, laubige Zweige, verschafft.

Ein Elefant wächst zwanzig bis vierundzwanzig Jahre, ist aber wahrscheinlich schon im sechzehnten Jahre zur Fortpflanzung geeignet. Der erste Zahnwechsel findet im zweiten, der zweite im sechsten, der dritte im neunten Lebensjahre statt. Später dauern seine Zähne länger aus. Das Alter, welches das Thier überhaupt erreichen kann, wird sehr verschieden angegeben. Tennent spricht von Elefanten, welche über hundert Jahre in der Gefangenschaft gelebt haben sollen, stellt jedoch vorher eine beglaubigte Todtenliste von denen auf, welche durch die Regierung verwendet wurden, aus welcher hervorgeht, daß von hundertundachtunddreißig Gefangenen nach Ablauf von zwanzig Jahren nur ein einziger noch lebte. Andere Beobachter nehmen an, daß wilde Elefanten hundertundfunfzig Jahre alt werden können.

Der Elefant zählt leider ebenfalls zu denjenigen Thieren, welche ihrem Untergange entgegengehen. Man jagt die edlen Geschöpfe nicht, um wegen des von ihnen verübten Schadens sich zu rächen, sondern des kostbaren Elfenbeins halber und hat deshalb von jeher einen Vernichtungskrieg gegen sie geführt. Der Schaden, welchen die Vielhufer anrichten, ließe sich ertragen, obgleich diese zuweilen durch sonderbare Gelüste unangenehm werden. So zogen sie den indischen Straßenbaumeistern wiederholt die Merkpfähle aus dem Boden, welche die Leute mühsam zur Bezeichnung der anzulegenden Straßen gesetzt hatten, und andere fielen hartnäckig immer und immer wieder in eine und dieselbe Pflanzung ein, so daß der Besitzer genöthigt war, die berüchtigtsten Jäger zu sich zu erbitten. Wenn ich die Jäger, anstatt berühmt, berüchtigt nenne, habe ich leider guten Grund dazu. Die meisten von ihnen betragen sich der Jagd, welche sie betreiben, vollkommen unwürdig. Es sind hauptsächlich Engländer, welche der Elefantenjagd obliegen, und dies sagt genug. Ich will einen von ihnen, den oft genannten Gordon Cumming, seine Art und Weise, Elefanten zu erlegen, selbst schildern lassen. »Am 31. August erblickte ich den größten und höchsten Elefanten, welchen ich jemals gesehen. Er stand, mit der Seite sich mir zuwendend, in einer Entfernung von ungefähr anderthalbhundert Schritten vor mir. Ich machte Halt, schoß in die Schulter und bekam ihn durch diesen einzigen Schuß in meine Gewalt. Die Kugel hatte ihn hoch in das Schulterbatt getroffen und auf der Stelle gelähmt. Ich beschloß, eine kurze Zeit der Betrachtung dieses stattlichen Elefanten zu widmen, ehe ich ihm vollends den Rest gab. Es war in der That ein gewaltiger Anblick, den er mir bot. Ich fühlte mich als Herr der grenzenlosen Wälder, welche eine unaussprechlich edle und ansprechende Jagd ermöglichen. Nachdem ich den Elefanten eine Zeitlang bewundert, beschloß ich, einige Versuche anzustellen, um die verwundbarsten Punkte des Thieres kennen zu lernen. Ich näherte mich ihm auf ganz kurze Entfernung und feuerte mehrere Kugeln auf verschiedene Theile seines ungeheuren Schädels ab. Bei jedem Schusse neigte er gleichsam grüßend seinen Kopf nieder und berührte dann mit dem Rüssel seltsam und eigenthümlich sanft die Wunde. Ich war verwundert und wurde wirklich von Mitleid ergriffen, als ich sah, daß das edle Thier sein Schicksal, seine Leiden mit so würdevoller Fassung ertrug, und beschloß, der Sache so schnell als möglich ein Ende zu machen. Deshalb eröffnete ich nun das Feuer auf ihn an einer geeigneteren Stelle. Ich gab ihm nach einander sechs Schüsse aus meiner Doppelbüchse hinter die Schulter, welche zuletzt tödtlich sein mußten, im Anfange aber keine unmittelbare Wirkung zur Folge zu haben schienen. Hierauf feuerte ich drei Kugeln aus dem holländischen Sechspfünder auf dieselbe Stelle. Jetzt rannen ihm große Thränen aus den Augen; er öffnete diese langsam und schloß sie wieder. Sein gewaltiger Leib zitterte krampfhaft; er neigte sich auf die Seite und verendete.«

Nun entschuldigt sich zwar der Mann damit, daß er diese Versuche bloß angestellt habe, um künftighin die Leiden anderer Elefanten abzukürzen: wir aber können diese Entschuldigung unmöglich gelten lassen, weil ein Elefantenjäger im voraus wissen muß, wohin er seine Geschosse zu richten hat. Auch gibt Gordon Cumming in seinem Buche so unzählige Beweise eines wilden und zwecklosen Blutdurstes, daß wir jene Entschuldigung sicherlich nur als ein Anerkenntnis seiner Roheit ansehen können. Wie unendlich hoch stand jener Elefant über dem Menschen, wie erbärmlich, wie niederträchtig zeigte sich der elende, heimtückische Feind dem herrlichen Geschöpfe gegenüber! Bei Gelegenheit einer anderen Elefantenjagd erzählt der Biedermann, daß er einem großen männlichen Thiere fünfunddreißig Schüsse gab, bevor es verendete. Die Jäger in Indien verfahren nicht besser: Tennent läßt dies deutlich genug merken. Sie sind ebenso schamlos, wie unsere Großen früher es waren, wenn sie hunderte von edlen Thieren in einen engen Raum zusammentreiben ließen und sie dann von einem hohen Sitze aus niedermeuchelten. Die prahlenden Elefantenjäger Indiens haben einen guten Theil ihrer Beute in den Corrals oder Fangplätzen, welche wir bald kennen lernen werden, erlegt. Sie haben die in einem engen Raume eingepferchten Thiere kaltblütig niedergeschossen und dann verfaulen lassen, aus dem einfachen Grunde, um in ihr schändliches Jagdregister einige Zahlen mehr eintragen zu können. Sie haben Alte und Junge zusammengeschossen, ohne die Leichname nützen zu können. Zu solchen Scheuslichkeiten sind von den sogenannten gebildeten Völkern wahrhaftig nur Engländer fähig!

Grausam und unbarmherzig betreiben auch die Eingeborenen Innerafrikas die Jagd auf dieses edle Wild. Sie jagen noch heute, wie vor undenklichen Zeiten gejagt wurde. Schon Strabo erwähnt, daß die unsern Saba, also in den Steppen des Atbaragebietes, wohnenden »Clephantophagen« den riesigen Dickhäutern die Achillessehne mit dem Schwerte zerhauen, um sich ihrer zu bemächtigen; die Nomaden, welche die genannten Steppen durchziehen, verfahren noch heutigen Tages genau ebenso. Nackt auf dem Pferde sitzend, um möglichst wenig behindert zu sein, verfolgen sie die Elefanten einer Herde, versuchen diese zu sprengen, jagen, so schnell ihre Rosse laufen können, hinter dem auserkorenen Stücke her, gleichviel, ob dasselbe bergauf oder bergab, durch Schluchten, Wälder, Dornengestrüppe oder durch das Hochgras der Steppe seinen Weg nehme, ermüden es, greifen es mit der Lanze an und lenken es dadurch ab von dem Genossen, welcher die lähmenden Streiche ausführt. Baker, welcher längere Zeit in Gesellschaft dieser Leute jagte, vermeint, nicht Worte finden zu können, um die Gewandtheit und den Muth der Schwertjäger zu schildern. Ein von ihm auf einen Elefanten abgegebener Schuß hatte keine andere Wirkung gehabt, als das Thier in gesteigerter Eile zum Dickichte zu treiben. »In demselben Augenblicke aber«, so erzählt er, »sprengten, wettlaufenden Windhunden vergleichbar, die Schwertjäger über die sandige Fläche, schnitten dem Elefanten den Rückzug ab, wandten sich gegen ihn und traten ihm mit dem Schwerte in der Hand entgegen. Sofort nahm das wüthende Thier den Feind an, welcher nunmehr ebenso tapfer als thöricht zu Werke ging. Anstatt den Elefanten durch einen vor ihm flüchtenden Reiter zu beschäftigen, wie es sonst die Gewohnheit ist, sprangen alle Schwertjäger in einem Augenblicke vom Pferde und griffen das riesige Thier zu Fuße und im tiefen Sande an. Vom Standpunkte des Jägers kann es kein prachtvolleres und ohne Noth gefährlicheres Schauspiel geben als solches Gefecht, welches mit jedem Gladiatorenkampfe zu wetteifern vermocht haben würde. Der Elefant war in höchster Wuth und schien zu wissen, daß die Jäger auf seine Rückseite zu gelangen suchten, vermied daher mit großer Gewandtheit, sich eine Blöße zu geben, indem er sich mit äußerster Geschwindigkeit wie auf einem Zapfen drehte und einem seiner Angreifer nach dem anderen mit gesenktem Kopfe entgegentrat, gleichzeitig vor Wuth schreiend und mit dem Rüssel Wolken von Staub emporschleudernd. Die Schwertjäger wichen mit affenartiger Behendigkeit aus, obwohl die Tiefe des Sandes für den Elefanten günstig, für sie aber so hinderlich war, daß sie den Angriffen des Thieres nur mit der höchsten Anstrengung zu entgehen vermochten. Bloß dem entschlossenen Muthe aller drei war es zu danken, daß sie einander abwechselnd retteten, indem sie, sobald der Elefant einen von ihnen angriff, selbander von der Seite hervorsprangen und dadurch ihren Gegner zwangen, gegen sie kehrt zu machen.« So treiben sie ihr Spiel, bis es einem von ihnen gelingt, mit einem Schwerthiebe die Achillessehne des Elefanten zu durchhauen, bringen diesen dadurch zu Falle und tödten ihn nunmehr ohne Mühe mit weiteren Schwertstreichen.

Die Neger des oberen Nilgebietes legen, wie Heuglin und Schweinfurth uns schildern, auf den zur Tränke führenden Wechseln tiefe Gruben an, welche sich nach unten kegelförmig verengen und zuweilen noch mit starken, spitzigen Pfählen versehen werden, bedecken sie oben sehr sorgfältig, damit sie der vorsichtige Elefant womöglich nicht bemerke, werfen auch, um der Straße den Anschein größter Sicherheit zu verleihen, gesammelte Losung auf die dünne Decke, welche die Grube trügerisch verbirgt, wie vorher auf den Wechsel, welchen sie durch Verhaue zu einem fast unvermeidlichen umzugestalten suchen. Wo die Gegend es gestattet, hebt man in engen Tählern solche Gruben aus und treibt sodann die Elefanten aus einem weiten Umkreise zusammen, so daß sie ihren Weg durch das gefährliche Thal nehmen und in die Fallgruben, welche sie in der Eile der Flucht leicht übersehen, stürzen müssen. Ein anderes Verfahren besteht darin, an begangenen Wechseln auf Bäumen, deren Laub als Lieblingsnahrung der Thiere bekannt ist, anzustehen und dem unten vorübergehenden Elefanten eine meterlange, breite, scharfgeschliffene, am Ende des kurzen Schaftes mit einem Klumpen aus Thon beschwerte Lanze zwischen die Schultern zu schleudern. Die erdige Masse fällt bei der ersten Bewegung des verwundeten Wildes ab, die eingedrungene Lanze wühlt sich durch Reiben und die schwingende Bewegung des schweren Schaftes tiefer in die Wunde ein und bewirkt bald das Verenden des Schlachtopfers, dessen Sterbebett binnen kurzem durch die in hoher Luft kreisenden Geier angezeigt wird. Im Westen Afrikas flechten die Neger, laut Du Chaillu, Schlingpflanzen netzartig zusammen, jagen dann die Elefanten nach den so eingezäunten Stellen des Waldes hin, verfolgen sie und schleudern, wenn die Thiere unschlüssig vor den verschlungenen Ranken stehen bleiben, hunderte von Lanzen in den Leib der stärksten und größten, bis sie zusammenbrechen. Die Niamniam schonen einzelne mit vier bis fünf Meter hohem Grase bewachsene Stellen der Steppe vor dem vernichtenden Feuer, bis sich Elefanten zeigen, rufen durch weittönende, in jedem Dorfe wiederholte Schläge ihrer Kriegs- und Lärmtrommeln binnen wenigen Stunden tausende von Jägern zusammen, umstellen Geviertmeilen und mehr, treiben die Elefanten in den Deckung versprechenden Grashorst, zünden diesen an und scheuchen die geängstigten Thiere, welche irgendwo durchzubrechen versuchen, mittels Lanzenstichen und Feuerbränden wieder in das Grasdickicht, in welchem ihnen die lodernde Flamme, der erstickende Rauch oder ein Gnadenstoß mit der Lanze unmittelbar Verderben und Tod bereiten. Herzerschütternd ist das Benehmen und Gebaren der edlen Geschöpfe in ihrer Todesnoth. Heuglin erfuhr von den Schwarzen, daß die der tückischen Fallgrube glücklich entronnenen Elefanten sich nach Kräften bemühen, um einen in die Tiefe gestürzten Genossen zu befreien, indem sie mit ihren Stoßzähnen die Erde um die Grube aufwühlen und letztere nach und nach auszufüllen versuchen, ja selbst den Rüssel zu Hülfe nehmen, und dem Gefangenen bei seinen Bestrebungen, zu entrinnen, Unterstützung gewähren; Schweinfurth schildert nach eigenen Wahrnehmungen, wie die von den Flammen bedrohten edlen Thiere, wenn ihnen ein Entweichen nicht mehr möglich scheint, um die Jungen sich scharen, dieselben mit Gras bedecken, mit ihren Rüsseln Wasser auf sie pumpen, um wenigstens sie zu retten, bis die treuen Eltern endlich, selbst von Rauch und Hitze betäubt, infolge erlittener Brandwunden ohnmächtig zusammenbrechen und dem grausamsten Schicksale erliegen.

Elefantenjäger von Fach gehen ihrem Wilde im freien Walde nach und erlegen es, um das Elfenbein zu gewinnen. Eingeborene, welche die Gewehre tragen, spüren die Elefanten auf. Der Jäger nähert sich so weit als möglich und feuert aus weitläufiger Büchse eine Kugel unmittelbar hinter dem Ohr in den Schädel. Gute Schützen brauchen selten noch den zweiten Lauf ihres Gewehres, und oft schon haben einzelne Jäger mit jedem Laufe der Büchse einen Elefanten erlegt. Die Gefahr ist nicht so groß, als sie scheinen mag. Allerdings kommt es vor, daß gereizte Elefanten auf ihre Verderber sich stürzen, und einzelne von diesen haben auch wirklich ihr Leben unter den Fußtritten der Waldriesen ausgehaucht; drei Viertheile aber von denen, welche angegriffen wurden, konnten sich noch retten, selbst wenn sie sozusagen schon zwischen den Füßen lagen. Die Furchtsamkeit des Dickhäuters siegt bald wieder über seine Erregung, und nur höchst selten geschieht es, daß ein verwundeter Elefant seinen Feind so weit verfolgt, wie nach Tennents Bericht einmal ein Rogues einen Indier, welcher bereits die Stadt erreicht hatte, aber auf dem Basare noch von dem wüthenden Elefanten eingeholt und zerstampft wurde. Auch in Afrika kommt selten ein Unglück vor, obgleich die dort wirkenden Elefantenjäger meist erbärmliche Schützen sind und der gereizte Fihl durchaus nicht unterschätzt werden darf. Rasch und entschieden, jedes Hindernis verachtend, stürzt sich, laut Heuglin, das wüthend gewordene Geschöpf zuweilen auf seinen Angreifer, verfolgt diesen jedoch selten weit, sondern begnügt sich, ihn in die Flucht geschlagen zu haben und Herr des Feldes geblieben zu sein. Ungeachtet solcher Mäßigung vermeidet jedermann so viel als möglich, es bis zu einem Angriffe seitens des Elefanten kommen zu lassen; denn dieser macht, wenn er wirklich in Zorn geräth, auch abgesehen von der Masse, unter welcher der Boden dröhnt, einen unauslöschlichen Eindruck auf den Menschen. Den Rüssel hochgehoben, die riesigen Ohren etwas gelüftet, den kurzen, borstigen Schweif in Kreisen schwingend, stürzt er sich wildbrausend auf seinen Feind; sein Vordertheil scheint zu wachsen, jedenfalls viel mächtiger und höher zu sein als je; an seinem Hintergestelle treten die langen Hautfalten schlotternd heraus; die gewaltige Masse schiebt sich rasch und unaufhaltsam vor; Schnauben des Zornes wechselt mit Wuthschreien, von denen ein Ohr, welches solche Laute niemals vernommen, keine Vorstellung gewinnen kann. Wenn unter solchen Umständen der erboste Riese seinen Gegner erreicht, ist dieser verloren, gerechter Rache unrettbar verfallen.

Weit anziehender und menschlicher als alle Jagd ist die Art und Weise, wilde Elefanten lebend in seine Gewalt zu bekommen um sie zu zähmen. Hier gilt es, sehr kluge Thiere doch noch zu überlisten, Wildlinge dem Dienste des Menschen zu unterwerfen. Die Indier sind gegenwärtig die Meister in dieser Kunst. Unter ihnen gibt es eine förmliche Zunft von Elefantenfängern, in welcher das Gewerbe vom Vater auf den Sohn forterbt. Die Kunstfertigkeit, List, Vorsicht und Kühnheit, mit welcher diese Leute zu Werke gehen, sind wahrhaft bewunderungswürdig. Ihrer zwei gehen in den Wald hinaus und fangen einen Elefanten aus seiner Familie heraus!

Die besten Elefantenfänger aus Ceilon, Panikis genannt, bewohnen die maurischen Dörfer im Norden und Nordwesten der Insel und stehen schon seit mehreren hundert Jahren in hohem Ansehen. Nach vererbter Gewohnheit folgen sie der Fährte eines Elefanten, wie ein guter Hund der Spur eines Hirsches folgt, bestimmen im voraus an gerechten und vollkommenen Jägerzeichen, wie stark die Herde, wie hoch die größten und wie niedrig die kleinsten Elefanten sind; für europäische Augen unmerkliche Spuren bilden für sie deutlich geschriebene Blätter eines ihnen verständlichen Buches. Ihr Muth steht mit ihrer Klugheit im Einklange; sie verstehen es, den Elefanten zu leiten, wie sie wollen, setzen ihn in Angst, in Wuth, wie es ihnen eben erwünscht ist. Ihre einzige Waffe besteht in einer festen und dehnbaren Schlinge aus Hirsch-oder Büffelhaut, welche sie, wenn sie allein zum Fange ausziehen, dem von ihnen bestimmten Elefanten um den Fuß werfen. Dies geschieht, indem sie ihm unhörbaren Schrittes auf seinem Wege folgen und im günstigen Augenblicke ihn fesseln oder selbst, wenn er ruhig steht, ihm die Schlinge zwischen beiden Beinen festlegen. Wie sie es anstellen, unbemerkt an das furchtsame Thier heranzukommen, ist und bleibt ein Räthsel. Und während der eine die Schlinge um den Fuß legt, befestigt sie der andere bereits an einem Baume; und sollte kein solcher in der Nähe sein, so erzürnt der eine den Elefanten und lockt ihn nach einer Baumgruppe hin, um deren stärksten Stamm dann der andere den Strick anbindet und dadurch die Verfolgung endet.

Der gefangene Elefant ist rasend; aber die Fänger wissen ihm zu begegnen. Sie kennen ihn genau und zähmen ihn in verhältnismäßig kurzer Zeit. Zuerst gebrauchen sie hellbrennendes Feuer, Rauch und andere Mittel, um ihn zu schrecken; hierauf lassen sie ihn hungern und dursten, gönnen ihm keine Ruhe, ängstigen und matten ihn ab; sodann ändern sie ihr Betragen und erweisen ihm nur liebes und gutes. So gelingt es ihnen nach wenig Monaten, ihren anfangs tobenden Zögling zu einem ihrem Willen unterwürfigen Geschöpfe umzuwandeln. Ein Europäer ist, weil er alles verderben würde, nicht im Stande, diesen Leuten auf derartigen Zügen zu folgen, muß sich also mit Hörensagen begnügen, kann dafür aber um so eher an den großartigen Treiben theilnehmen, welche unter Umständen hunderte von Elefanten auf einmal in die Gewalt des Menschen bringen.

Einen solchen Elefantenfang hat Tennent in so anziehender und ausführlicher Weise beschrieben, daß ich nichts besseres thun kann, als seine Erzählung, wenn auch theilweise im Auszuge, so doch möglichst mit seinen eigenen Worten, hier wiederzugeben.

»An einer kühlen und angenehmen Stelle des Waldes fanden wir die luftigen Wohnungen, welche für uns in der Nähe des Corral (Fangraumes) hergestellt worden waren. Man hatte Hütten aus Zweigen erbaut und mit Palmblättern und Gras bedeckt; man hatte einen hübschen Saal zum Speisezimmer errichtet, Küchen, Ställe erbaut und nach besten Kräften für unsere Bequemlichkeit gesorgt. Dies alles war von den Eingeborenen im Laufe weniger Tage ausgeführt werden.

Früher wurde die mit der Elefantenjagd nothwendig verbundene Arbeit zwangsweise von den Eingeborenen verrichtet; denn dies gehörte mit zu den Frohndiensten, welche das Volk seinen Herrschern zu leisten hatte. Die Holländer und Portugiesen verlangten diese Dienste, ebenso die britische Regierung, bis die Frohnen im Jahre 1832 abgeschafft wurden. Es wurden damals funfzehnhundert bis zweitausend Männer unter der Leitung eines Oberen beschäftigt. Sie hatten den Corral zu bauen, die Elefanten zusammenzutreiben, die Kette von Wachfeuern und Wächtern zu unterhalten und überhaupt alle mühsamen Verrichtungen des Fanges auszuführen. Seit der Abschaffung der Frohnen ist es nicht schwer gewesen, die freiwillige Mitwirkung der Eingeborenen bei diesen Unternehmungen zu erlangen. Die Regierung bezahlt denjenigen Theil der Vorbereitungen, welcher wirkliche Kosten mit sich bringt: die geschickte Arbeit, welche auf die Errichtung des Corral und seines Zubehörs verwendet wird, die Anschaffung von Speeren, Seilen, Waffen, Flöten, Trommeln, Schießgewehren und andere nothwendige Erfordernisse.

Zum Fange wählt man die Zeit des Jahres, welche dem Anbau der Reisfelder am wenigsten Eintrag thut, die Zeit zwischen der Aussaat und der Ernte. Das Volk selbst hat, ganz abgesehen von der Aufregung und dem Genusse der Jagd, seinen eigenen Vortheil dabei, die Anzahl der Elefanten zu vermindern, da diese ihren Gärten und ihren aufwachsenden Ernten ernsten Schaden zufügen. Auch die Priester ermuthigen zu dieser Jagd, weil die Elefanten einen heiligen Baum, dessen Blätter sie außerordentlich lieben, oft vernichten, und jene außerdem wünschen, auf leichte Weise Elefanten zum Tempeldienste zu erhalten. Die Häuptlinge endlich suchen ihren Stolz darin, die Menge ihrer Untergebenen im Felde zur Schau zu stellen wie auch die Leistungen der zahmen Elefanten, welche sie für das Jagdgeschäft darleihen, zu zeigen. Eine große Anzahl von Bauern findet willkommene Arbeit auf viele Wochen; denn sie haben die Pfähle zu pflanzen, Pfade durch das Sumpfrohr auszuhauen und die Treiber abzulösen, von denen die Elefanten umringt und herangetrieben werden sollen.

Zur Jagd selbst wählt man einen Platz, welcher an einer alten und viel betretenen, zur Weide oder zur Tränke führenden Straße der Thiere liegt; namentlich die Nähe eines Stromes ist unerläßlich, nicht nur, um den Elefanten den nöthigen Wasservorrath zu bieten, während man sie der Umzäunung zu nähern sucht, sondern auch, um ihnen nach dem Fange während des Zähmungsverfahrens eine Gelegenheit zum Baden und zum Abkühlen verschaffen zu können. Bei der Errichtung des Corral vermeidet man es sorgfältig, die Bäume oder das Unterholz innerhalb des eingeschlossenen Raumes, insbesondere auf der Seite, von welcher die Elefanten kommen sollen, zu vernichten, da es ein wesentliches Erfordernis ist, ihnen die Einpfählung soviel als möglich durch das dichte Laub zu verbergen.

Die zum Baue verwendeten Stämme, welche 20 bis 25 Centim. im Durchmesser haben, bringt man etwa einen Meter tief in die Erde, so daß noch vier bis fünf Meter über dem Boden sich erheben. Zwischen jedem Paar Pfählen bleibt Raum genug, daß ein Mann hindurchschlüpfen kann. An diese so aufgerichteten Säulen befestigt man mit biegsamen Schlingpflanzen oder mit Rohr Querbalken, und das Ganze wird dann noch durch Gabeln gestützt, welche die Querbalken halten und verhindern, daß das Pfahlwerk durch einen Anprall der wilden Elefanten nach außen gedrängt werde. Der also eingeschlossene Platz, welchen ich im Sinne habe, war ungefähr anderthalbhundert Meter lang und halb so breit. An dem einen Ende hatte man einen Eingang offen gelassen, welcher jeden Augenblick durch Schiebebalken verschlossen werden konnte, und von jeder Ecke des Endes, wo die Elefanten herkommen sollten, zogen sich ebenfalls, sorgfältig von Bäumen verdeckt, zwei Linien derselben starken Einzäunung auf beiden Seiten hin. Wäre die Herde nicht durch den offen gelassenen Eingang hereingekommen, sondern rechts oder links abgeschweift, so würde sie hier ein Hindernis gefunden und sich genöthigt gesehen haben, die alte Richtung nach dem Eingange zu wieder einzuschlagen. Endlich waren auf einer Gruppe von Bäumen für die Gesellschaft des Statthalters Schaubühnen errichtet worden, welche die ganze Einfassung übersehen ließen, so daß man das Verfahren vom ersten Eintreten der Herde in die Einfassung bis zum Herausführen der gefangenen Elefanten bequem beobachten konnte.

Es scheint kaum nöthig zu bemerken, daß das eben beschriebene Pfahlwerk, so stark es auch ist, blutwenig nützen würde, wenn ein Elefant mit aller Kraft sich darauf stürzen wollte, und es sind auch wirklich manche Unfälle vorgekommen, indem die Herden durchbrachen. Man verläßt sich aber nicht sowohl auf den Widerstand der Einpfählung als auf die Schüchternheit der Gefangenen, welche ihre eigene Kraft nicht kennen oder nicht verwenden wollen, ebenso aber auch auf die Kühnheit und List der Fänger.

Wenn der Corral fertig ist, beginnen die Treiber ihr Werk. Sie haben oft einen Umfang von vielen Meilen zu umstellen, damit die Anzahl der Elefanten ansehnlich genug werde, und die anzuwendende Vorsicht verlangt viel Geduld. In keinem Falle darf man die Elefanten beunruhigen; sonst möchten sie leicht die entgegengesetzte Richtung einschlagen. Die Thiere sind äußerst friedlich und wünschen nur in Stille und Sicherheit zu weiden; vor der geringsten Störung weichen sie zurück: dies muß man nun so benutzen, daß man sie gerade nur so viel beunruhigt, daß sie langsam in der gewünschten Richtung vorgehen. Auf diese Weise werden verschiedene Herden zusammen und Tag für Tag langsam weiter vorwärts dem Corral zugetrieben. Wird ihr Argwohn rege, zeigen sie Unruhe und Befürchtung, so ergreift man schärfere Maßregeln, um ihr Entkommen zu verhindern. Alle zehn Schritte wird rings um den Plan, in welchem man sie schon gesammelt hat, ein Feuer angezündet und Tag und Nacht unterhalten. Die Treiber steigen bis auf zwei- bis dreitausend; es werden Fußwege durch die Dschungeln hergestellt, um die ganze Linie in steter Verbindung zu erhalten. Die Führer üben eine ununterbrochene Aussicht, damit ein jeder Treiber auf seinem Posten und aufmerksam ist; denn Nachlässigkeit an irgend einer Stelle der Linie könnte die ganze Herde entkommen lassen und in einem Augenblicke die mühevolle Arbeit von Wochen vernichten. Auf diese Weise wird jeder Versuch der Elefanten, rückwärts durchzubrechen, sogleich abgewiesen und, wo immer ein solcher droht, augenblicklich eine hinreichende Menge versammelt, um sie zurückzuscheuchen. Endlich werden die Thiere so dicht an die Einzäunung getrieben, daß sich der Treibergürtel an beiden Flügeln an das Ende des Corral anlehnt. Das Ganze bildet nun einen Umkreis von ziemlich einer Stunde, und man wartet nun bloß noch auf das Zeichen zum Schlußtreiben.

Diese Vorbereitungen hatten zwei volle Monate in Anspruch genommen und waren eben vollendet, als wir ankamen und unseren Platz auf der oben erwähnten Schaubühne einnahmen, von welcher wir den Eingang zum Corral übersehen konnten. Dicht neben uns im Schatten lagerte eine Gruppe zahmer Elefanten, welche aus den Tempeln und von den Fürsten gesandt worden waren, um beim Fange der wilden zu helfen. Drei verschiedene Herden, zusammen vierzig bis funfzig Elefanten, waren umzingelt und lagen im Dschungel unweit der Einpfählung verborgen. Jeder Laut wurde vermieden; man sprach nur flüsternd, und das Stillschweigen unter der ungeheuren Menge der Treiber war so streng, daß man hin und wieder die Zweige rascheln hörte, wenn einer der Elefanten die Blätter abstreifte.

Plötzlich wurde das Zeichen gegeben und die Stille des Waldes von den Rufen der Wachen, dem Rasseln der Trommeln und dem Knattern der Gewehre unterbrochen. Man begann an dem entferntesten Punkte und trieb so die Elefanten immer näher, dem Eingange des Corral zu. Die Treiber entlang der Linie waren nur so lange still, bis die Herde an ihnen vorüber war: dann stimmten auch sie in das allgemeine Geschrei der anderen hinter ihnen nach Herzenslust ein. So wuchs das Getöse mit jedem Schritte der Herde. Diese suchte wiederholt die Linie zu durchbrechen, wurde aber durch Kreischen, Trommeln und Kleingewehrfeuer immer wieder zurückgeschlagen.

Endlich zeigte das Knacken der Zweige und das Prasseln des Unterholzes die Näherkunft der Elefanten an. Ihr Führer brach aus dem Dschungel heraus und stürzte wild vorwärts bis auf dreißig Ellen Entfernung vom Eingange des Corral. Die ganze Herde folgte ihm: noch einen Augenblick, und alle wären in die offene Thür hineingestürzt, als sie plötzlich rechts umschwenkten und, trotz der Jäger und Treiber, ihrem früheren Platz im Dschungel wieder zueilten. Der oberste der Treiberaufseher kam hervor und erklärte ihren Durchbruch dadurch, daß ein wildes Schwein plötzlich von seinem Lager aufgestanden und dem Leitthiere der Herde über den Weg gelaufen sei. Er fügte hinzu, daß bei dem aufgeregten Zustande der Herde es der Wunsch der Jäger wäre, ihre letzte Anstrengung bis zum Abend zu verschieben, wo ihnen die Dunkelheit, die Feuer und die Fackeln um so mächtigere Gehülfen sein würden.

Nach Sonnenuntergang wurde der Schauplatz außerordentlich fesselnd. Die niedrigen Feuer, welche im Sonnenlichte offenbar nur gedampft hatten, glühten wieder düster roth in der Dunkelheit und warfen ihren Schein über die Gruppen. Wirbelnd stieg der Rauch durch das reiche Laubwerk der Bäume. Die Scharen der Zuschauer beobachteten tiefe Stille. Kein Laut war hörbar als das Summen der Kerbthiere. Auf einmal brach wiederum das Rasseln einer Trommel und gleich darauf Gewehrfeuer durch die Stille. Dies war das Zeichen für den erneuten Angriff. Rufend und lärmend betraten die Jäger den Kreis. Trockene Blätter und Reiser wurden auf die Wachtfeuer geworfen, bis sie emporloderten und ringsum eine Flammenlinie bildeten; nur nach dem Corral zu wußte man aufs sorgfältigste die Dunkelheit zu bewahren. Dorthin begaben sich, durch das Getöse und das Gellen ihrer Verfolger hinter sich erschreckt, die Elefanten. Sie näherten sich mit rasender Eile, das Unterholz niedertretend und die trockenen Zweige zerknickend. Das leitende Thier erschien dem Corral gegenüber, hielt einen Augenblick inne, starrte wild um sich, stürzte dann über Hals und Kopf durch das offene Thor, und die ganze Herde folgte ihm nach. Der gesammte Umfang des Corral, welcher bis zu diesem Augenblicke in tiefste Dunkelheit gehüllt gewesen war, strahlte nun wie durch Zauberei plötzlich von tausend Lichtern wieder. Denn in dem Augenblicke, als die Elefanten eingetreten waren, rannte jeder Jäger mit einer Fackel herbei, welche er am nächsten Wachtfeuer angezündet hatte.

Zuerst stürmten die Elefanten bis zum äußersten Ende der Einpfählung, stießen hier auf Widerstand, prallten zurück, um das Thor zu erreichen, und fanden dasselbe verschlossen. Ihr Schrecken war entsetzlich. Sie eilten mit reißend schnellen Schritten rings im Corral umher, sahen ihn aber nunmehr von Feuer umringt. Sie versuchten das Pfahlwerk zu durchbrechen, wurden jedoch mit Speeren und Fackeln zurückgetrieben: überall, wo sie sich näherten, kam ihnen Geschrei und Gewehrfeuer entgegen. Jetzt sammelten sie sich in eine einzige Gruppe, standen einen Augenblick in offenbarer Bestürzung still und traten dann in einer anderen Richtung auf, als ob ihnen plötzlich eine Stelle eingefallen wäre, welche sie vorher übersehen gehabt hätten. Immer wieder abgewiesen, kehrten sie langsam zu ihrem einsamen Ruheplatze inmitten des Corral zurück.

Die Theilnahme an diesem außerordentlichen Schauspiele beschränkte sich nicht auf die Zuschauer, sondern erstreckte sich auch auf die außen aufgestellten zahmen Elefanten. Schon bei der ersten Annäherung der fliehenden Herde legten sie Achtsamkeit an den Tag; zwei besonders, welche vorn angebunden waren, bekundeten die höchste Aufregung, und als endlich die Herde in den Corral hineingebraust war, riß einer von diesen beiden sich los und stürzte den wilden nach, wobei er einen ziemlich ansehnlichen Baum, welcher ihm im Wege stand, umbrach.

Länger als eine Stunde durchtrabten die Elefanten den Corral und griffen mit unermüdlicher Kraft die Pfähle an. Nach jedem fehlgeschlagenen Versuche trompeteten und kreischten sie vor Wuth. Wieder und wiederstrebten sie, das Thor zu erstürmen, als ob sie wüßten, daß er einen Ausgang bieten müsse, da es ja doch zum Eingange gedient hatte; aber betäubt und verwirrt wichen sie immer zurück. Nach und nach wurden ihre Anstrengungen matter; nur einzelne Thiere noch rannten hier- und dorthin, kehrten jedoch bald bekümmert zu ihren Genossen zurück. Endlich bildete die ganze Herde, verdutzt und erschöpft, eine einzige Gruppe mit den Jungen in der Mitte, und so standen sie regungslos unter den düsteren Schatten der Bäume, mitten in dem Corral.

Es wurden nun Anstalten getroffen, während der Nacht Wache zu halten. Die Anzahl der Wächter rund um die Einfriedigung wurde verstärkt und den Feuern frische Nahrung gegeben, damit sie bis Sonnenausgang hoch emporflammten.

Ursprünglich waren von den Treibern draußen drei Herden umstellt worden; aber mit eigenthümlicher Vorausahnung hatten die drei einander sich fern gehalten. Als das Schlußtreiben stattfand, war nur eine Herde in den Corral gekommen, weil die anderen beiden sich noch zurückhielten. Da nun das Thor augenblicklich hinter der ersten Abtheilung geschlossen werden mußte, so waren die beiden anderen natürlich ausgesperrt und blieben noch im Dschungel verborgen. Um ihr Entkommen zu hindern, wurden die Wachen an ihre früheren Plätze zurückbefehligt und die Feuer neu genährt. Nachdem so alle Vorsichtsmaßregeln getroffen waren, kehrten wir zurück, um die Nacht in unseren Häusern am Flusse zu verbringen. Diese waren nur etwa dreißig Schritte vom Corral entfernt, und so wurden wir in unserem ersten Schlafe oft von dem Lärm der Menge geweckt, welche im Walde lagerte, dann und wann auch von dem Geschrei, welches die Elefanten von einem plötzlichen Angriff auf die Einfriedigung zurückscheuchte. Bei Tagesanbruch aber fanden wir am Corral alles still und wachsam. Als die Sonne aufging, ließ man die Feuer ersterben. Die abgelösten Wächter schliefen nahe der großen Einzäunung; ringsum aber waren Männer und Knaben mit Speeren oder langen Ruthen aufgestellt, während die Elefanten drinnen in einer dicht gedrängten Gruppe zusammenstanden, nicht mehr ungestüm und stürmisch, sondern erschöpft, ruhig, gänzlich gebrochen durch Furcht und vor Erstaunen über alles, was um sie herum vorgegangen war. Nur ihrer neun waren bis jetzt gefangen worden, darunter zwei sehr große und zwei kleine, höchstens ein paar Monate alte. Einer der großen war ein ›Landstreicher‹, welcher in keiner Verbindung mit der übrigen Herde stand, daher auch nicht in deren Kreis aufgenommen wurde, sondern nur in ihrer Nähe sich aufstellte.

Draußen schickte man sich an, die zahmen Elefanten in den Corral zu führen, damit diese die Gefangenen fesseln möchten. Die hierzu erforderlichen Schlingen waren bereit. Behutsam zog man die Stämme weg, welche den Eingang geschlossen, und zwei abgerichtete Elefanten gingen leise hinein, jeder von seinem Führer und einem Diener geritten und mit einem starken Halsbande versehen, von welchem herab auf beiden Seiten Stricke aus Antilopenhaut mit einer Schlinge hingen. Zugleich mit ihnen und hinter ihnen verborgen, kam der Führer der Schlingenmänner hereingekrochen, begierig, die Ehre sich zu sichern, den ersten Elefanten fest zu machen. Es war ein behender, kleiner Mann, ungefähr siebzig Jahre alt, welcher sich in solchen Diensten bereits zwei silberne Spangen als Ehrenzeichen erworben hatte. Er wurde von einem wegen seines und seiner Geschicklichkeit gleich berühmten Sohne begleitet. Zwei der zehn gezähmten Elefanten waren das Eigenthum eines nahen Tempels, vier gehörten benachbarten Häuptlingen; die übrigen waren aus den Ställen der Regierung, so auch die beiden, welche jetzt den Corral betraten. Von den ersten beiden war einer erst das Jahr vorher gefangen worden und dennoch jetzt schon zum Fange anderer tauglich. Einer von den letzteren war von ungemeinem Alter und bereits im Dienste der holländischen und der englischen Regierung seit mehr denn einem Jahrhundert. Der andere, Namens Siribeddi, war etwa funfzig Jahre alt und durch sanftes und gelehriges Wesen ausgezeichnet. Siribeddi war eine vollendete Sirene und ein solcher Fang ganz und gar nach ihrem Geschmacke. Geräuschlos betrat sie den Corral und ging mit schlauem Blick, aber anscheinend sehr  gleichgültig, langsam vorwärts. Gemüthlich schlenderte sie in der Richtung nach den Gefangenen hin und blieb hin und wieder stehen, um ein wenig Gras oder einige Blätter im Vorbeigehen zu pflücken. Als sie den eingeschlossenen wilden Elefanten sich näherte, kamen diese ihr entgegen, und ihr Anführer strich sie sanft mit seinem Rüssel über den Kopf, wandte sich dann um und ging langsam zu seinen niedergeschlagenen Gefährten zurück. Siribeddi folgte ihm mit demselben gleichgültigen Schritte und stellte sich dicht hinter ihm auf, so daß der alte Mann unter ihr hinkriechen und seine Schlinge um den Hinterfuß des wilden Elefanten gleiten lassen konnte. Derselbe bemerkte augenblicklich seine Gefahr, schüttelte das Seil ab und wandte sich zum Angriffe gegen den Mann. Dieser würde auch seine Keckheit schwer gebüßt haben, hätte nicht Siribeddi ihn mit ihrem Rüssel beschützt und den Angreifer in die Mitte der Herde getrieben. Der Alte war nur leicht verwundet und verließ den Corral, während sein Sohn Raughanie seine Stelle einnahm. Die Herde stellte sich wieder in einen Kreis, die Köpfe nach der Mitte gerichtet. Zwei zahme Elefanten drängten sich keck zwischen sie und zwar so, daß sie das größte Männchen zwischen sich nahmen. Dieses leistete keinen Widerstand, zeigte aber doch sein Unbehagen dadurch an, daß es fortwährend einen Fuß um den anderen hob. Raughanie kroch jetzt herbei, hielt die Schleife, deren anderes Ende an das Halsband Siribeddi’s befestigt war, mit beiden Händen offen und lauerte nun den Augenblick ab, in welchem der wilde Elefant seinen Hinterfuß erhob; endlich gelang es ihm, die Schlinge über das Bein zu bringen, er zog sie an und floh rückwärts. Die beiden zahmen Elefanten wichen augenblicklich zurück. Siribeddi spannte das Seil zur vollen Länge an, und während sie den Gefangenen von der Herde abzog, stellte sich der andere zwischen sie und die Herde, um jede Einmischung zu verhindern.

Nun aber war der Gefangene an einem Baume zu fesseln und mußte deswegen dreißig oder vierzig Meter weit rückwärts gezogen werden, während er doch wüthend widerstand, unablässig voll Entsetzen brüllte, nach allen Seiten sprang und die kleineren Bäume wie Schilf zertrat. Siribeddi zog ihn stetig nach sich und wand das Seil, welches sie fortwährend in voller Spannung erhielt, um den geeigneten Baum. Schließlich schritt sie behutsam über das Seil hinweg, um es ein zweites Mal um den Stamm zu wickeln, wobei sie erklärlicherweise zwischen dem Baume und dem Elefanten durchzugehen hatte. Es war ihr aber nicht möglich gewesen, den Gefangenen dicht an den Baum zu fesseln, was doch nöthig war. Der zweite zahme, welcher die Schwierigkeiten bemerkte, kam ihr zu Hülfe, und Schulter an Schulter, Kopf an Kopf drängte er den Gefangenen rückwärts, während Siribeddi bei jedem seiner Schritte das schlaff gewordene Seil anzog, bis er richtig am Fuße des Baumes fest stand. Dann wurde er von dem Fänger festgemacht, hierauf eine zweite Schlinge um das andere Hinterbein gelegt und so wie die erste am Baume befestigt. Endlich wurden beide Beine mit geschmeidigeren Stricken zusammengefesselt, um Wunden und Eiterung möglichst zu verhüten.

Wiederum stellten sich nun die beiden Fängerelefanten wie zuvor neben den Wildling, so daß Raughanie unter ihrem Leibe hervor seine Schlingen auch um dessen beide Vorderfüße konnte. Nachdem er dann auch diese Seile an einen hervorstehenden Baum gebunden hatte, war der Fang vollständig, und die zahmen Elefanten wie die Wärter verließen ihr Opfer, um es mit einem anderen Gliede der Herde zu versuchen. Solange die beiden zahmen neben ihm gestanden hatten, blieb der Gefangene verhältnismäßig ruhig und fast widerstandlos stehen; in dem Augenblicke, als sie weggingen und er ganz allein gelassen war, begann er die erstaunlichsten Anstrengungen, um sich frei zu machen und wieder zu seinen Gefährten zu kommen. Er befühlte die Stricke mit seinem Rüssel und versuchte die unzähligen Knoten aufzuknüpfen; er zog nach hinten, um seine Vorderfüße zu befreien; er lehnte sich vorwärts, um die Hinterbeine los zu bekommen, so daß jeder Ast des großen Baumes erzitterte; er kreischte in seiner Angst und erhob den Rüssel hoch in die Luft; er legte sich seitwärts mit dem Kopfe auf den Boden und preßte seinen zusammengebogenen Rüssel, als ob er ihn in die Erde stoßen wollte; er sprang plötzlich wieder auf und erhob sich auf Kopf und Vorderbeinen frei in die Höhe. Dieses traurige Schauspiel währte mehrere Stunden. Er hielt mitunter, offenbar vor sich hinbrütend, inne, erneuerte dann plötzlich die Anstrengungen, gab sie aber zuletzt hoffnungslos auf und stand nun vollkommen regungslos, ein Bild der Erschöpfung und Verzweiflung. Unterdessen stellte sich Raughanie vor der Schaubühne des Statthalters auf, um die gewohnte Belohnung für das Fesseln des ersten Elefanten in Empfang zu nehmen. Ein Platzregen von Rupien belohnte ihn, und aufs neue ging er an sein gefährliches Amt.

Die Herde stand in einer gedrängten Masse mürrisch und unruhig. Mitunter trieb den einen oder den anderen die Ungeduld, ein paar Schritte zu thun und Umschau zu halten; dann folgten die anderen, erst langsam, hierauf schneller, und zuletzt stürmte die ganze Herde wüthend zum erneuten Angriffe auf das Pfahlwerk. Diese erfolglosen Anläufe waren ebenso großartig wie erheiternd: die Anstrengung der riesigen Kraft ihrer gewaltigen Glieder, gepaart mit dem fast lächerlichen Wackeln ihres schwerfälligen Schrittes und der Wuth ihrer anscheinend unwiderstehlichen Angriffe verwandelte sich einen Augenblick später in einen furchtsamen Rückzug. Sie stürzten wie toll längs der Einfriedigung hinunter, den Rücken gekrümmt, den Schwanz gestelzt, die Ohren ausgebreitet, den Rüssel hoch über den Kopf erhoben, schrillend, trompetend und kreischend: und blieben, obgleich ein Schritt mehr das Pfahlwerk zu Trümmern zerschmettert haben würde, plötzlich vor einigen weißen Stäbchen stehen, welche ihnen durch das Gitter entgegengestreckt wurden! Und wenn sie dann das verhöhnende Geschrei der Menge draußen vernahmen, verschwanden sie, vollständig aus der Fassung gebracht, durchkreisten den Corral ein- oder ein paarmal und gingen wieder langsam an ihren Standplatz im Schatten. Die Wächter, welche namentlich aus Knaben und jungen Männern bestanden, legten aber auch wirklich eine erstaunliche Ausdauer und Unermüdlichkeit an den Tag. Immer wieder stürzten sie nach dem Punkte hin, welcher von den Elefanten bedroht schien, und hielten den Rüsseln ihre Stäbe entgegen, wobei ihr ununterbrochenes Geschrei: ›Huub, Huub‹ ertönte und die Thiere unabänderlich in die Flucht trieb.

Das zweite von der Herde getrennte Opfer, ein weiblicher Elefant, wurde auf dieselbe Weise festgemacht wie das erste. Als dieses Thier die Schlinge an dem Vorderfuße fühlte, ergriff es sie mit seinem Rüssel, und es gelang ihm, sie in den Mund zu bringen, wo sie sich schleunigst getrennt haben würde, hätte nicht ein zahmer Elefant seinen Fuß auf das Seil gesetzt und so die Schlinge niedergedrückt und seinen Kinnladen entrissen. Die Fänger wählten nun immer zunächst dasjenige Thier, welches bei den nachfolgenden Angriffen auf die Einpfählung die Führerschaft übernommen hatte, und der Fang eines jeden erforderte durchschnittlich nicht mehr als dreiviertel Stunden.

Höchst merkwürdig war, daß die wilden Elefanten keinen Versuch wagten, die Leiter, welche auf den zahmen Thieren ritten, anzugreifen oder herunterzuziehen. Diese ritten gerade mitten in die Herde hinein, aber sein Elefant machte auch nur Miene, sie zu belästigen.« Major Skinner sagt: »Es scheint mir, daß man in einem Corral vollständig vor den Angriffen der wilden gesichert ist, sobald man auf einem zahmen Elefanten sitzt. Ich sah einst den alten Häuptling Mollegadde in eine Herde von Wildlingen hineinreiten, und zwar auf einem so kleinen Elefanten, daß der Kopf des Häuptlings in gleicher Höhe mit dem Rücken der wilden Thiere war. Ich war sehr besorgt um den Mann, dieser aber blieb ohne alle Belästigung.«

»Da der Herde,« fährt Tennent fort, »alle ihre Führer nach einander weggefangen wurden, so wuchs die Aufregung der anderen immer mehr. Wie groß aber auch ihre Theilnahme für die verlorenen Gefährten sein mochte: sie wagten doch nicht, zu den Bäumen zu folgen, an denen diese angebunden waren. Wenn sie an ihnen vorüberkamen, blieben sie manchmal stehen, umschlangen einander mit dem Rüssel, leckten sich an Hals und Gliedern und legten die rührendste Trauer über ihre Gefangenschaft an den Tag, machten aber keinen Versuch, die fesselnden Seile zu lösen. Die Verschiedenheit des Wesens der einzelnen Thiere bekundete sich deutlich in ihrem Benehmen. Einige ergaben sich mit verhältnismäßig geringem Widerstande, andere warfen sich in ihrer Wuth mit solcher Gewalt zu Boden, daß jedes andere schwächere Thier dabei den Tod gefunden haben würde. Sie ließen ihren Zorn an jedem Baume, an jeder Pflanze aus, welche sie erreichen konnten. War sie klein genug, um niedergerissen zu werden, so machten sie dieselbe mit ihrem Rüssel dem Boden gleich, streiften die Blätter und Zweige ab und streuten diese wild nach allen Seiten über ihre Köpfe hin. Einige gaben keinen Laut von sich, während andere wüthend trompeteten und brüllten, dann wohl ein kurzes, krampfhaftes Gekreisch ausstießen und zuletzt erschöpft und hoffnungslos nur noch dumpf und kläglich stöhnten. Manche blieben nach einigen heftigen Versuchen regungslos auf dem Boden liegen, und nur die Thränen, welche unaufhörlich aus ihren Augen flossen, sprachen aus, was sie duldeten; andere machten in der Kraft ihrer Wuth die erstaunlichsten Windungen und Verrenkungen, und uns, die wir bei dem unbehülflichen Körper des Elefanten unbedingt an Steifheit denken, erschienen die Stellungen, in welche sie sich drängten, geradezu unglaublich. Ich sah einen liegen, welcher die Wangen gegen die Erde drückte und die Vorderfüße vor sich hingestreckt hatte, während der Körper so herumgebogen war, daß die Hinterfüße nach der entgegengesetzten Seite hinausragten.

Es war höchst wunderbar, daß ihre Rüssel, welche sie doch gewaltig nach allen Seiten schleuderten, nicht verletzt wurden. Einer wand den seinigen so, daß er einem gekrümmten riesigen Wurme ähnlich sah, zog ihn mit rastloser Schnelligkeit ein und stieß ihn aus, legte ihn, wie eine Uhrfeder, zusammen und schoß ihn dann plötzlich wieder in voller Länge vor; ein anderer, welcher sonst ganz regungslos dalag, schlug langsam den Boden mit der Spitze seines Rüssels, wie ein Mann in Verzweiflung wohl mit der flachen Hand auf sein Knie schlägt. Die Empfindlichkeit ihres Fußes war bei so plumpen Verhältnissen und einer solchen Dicke der Haut äußerst auffallend. Die Fänger konnten sie jeden Augenblick dazu zwingen, den Fuß zu heben, sobald sie nur mit einem Blatte ober Zweige kitzelten. Die Anlegung der Schlinge bemerkte das Thier augenblicklich; und wenn es dieselbe mit dem Rüssel erreichen konnte, näherte es den anderen Fuß, um sie womöglich abzustreifen.

Eins war fast bei allen zu bemerken: sie zertrampelten den Boden mit ihren Vorderfüßen, nahmen mit einer Wendung des Rüssels die trockene Erde oder den Sand auf und bestreuten sich damit geschickt über und über. Dann führten sie die Spitze des Rüssels in den Mund und entnahmen diesem Wasser, welches sie über ihren Rücken ausgossen; dies wiederholten sie so oft, bis der Staub gewöhnlich durchnäßt war. Ich verwunderte mich über die Menge Wasser, welche sie dazu verwendeten; denn sie bekleideten sich förmlich mit einem dünnen Schlammmantel und hatten nun doch seit vierundzwanzig Stunden keinen Zugang zur Tränke gehabt, waren außerdem auch von Kampf und Schrecken erschöpft. Man kann sich danach denken, welchen Vorrath von Feuchtigkeit der an seinen Magen angefügte Behälter auffassen kann.

Wirklich bewundernswerth war das Benehmen der zahmen Elefanten. Sie bewiesen das vollkommenste Verständnis jeder Bewegung, des erstrebten Zieles und der Mittel, es zu erreichen. Offenbar bereitete ihnen der Fang Vergnügen. Es war keine böse Stimmung, kein Uebelwollen in ihnen: sie schienen die ganze Sache als einen angenehmen Zeitvertreib zu betrachten. Ebenso merkwürdig wie ihre Klugheit war aber auch ihre Vorsicht. Uebereilung oder Verwirrung war niemals zu bemerken. Nie verwickelten sie sich in die Seile, nie kamen sie den gefesselten in den Weg, und mitten in den heftigsten Kämpfen, wenn sie über die gefangenen wegzusteigen hatten, traten sie weder auf diese, noch fügten sie ihnen das geringste Leid zu, suchten vielmehr aus freien Stücken jede Schwierigkeit oder Gefahr für dieselben zu beseitigen. Mehr als einmal, wenn ein wilder seinen Rüssel ausstreckte, um das Seil aufzufangen, welches um sein Bein gewickelt werden sollte, schob Siribeddi den Rüssel schnell bei Seite. Ein Elefant, welcher schon an einem Fuße gefesselt war, setzte den anderen immer weislich fest auf den Boden, so oft man versuchte, die Schlinge darum zu legen. Da lauerte Siribeddi die Gelegenheit ab, als jener den Fuß wieder erhob, schob geschwind ihr eigenes Bein darunter und hielt es in die Höhe, bis die Schlinge angelegt und zugezogen war. Es schien fast, als ob die zahmen mit der Furcht der wilden ihr Spiel trieben und ihren Widerstand verspotteten. Drängten die wilden sich rückwärts, so schoben sie dieselben vorwärts; wollten jene erzürnt eine andere Richtung einschlagen, so trieben die zahmen sie zurück. Warfen sie sich nieder, so stemmte sich ein zahmer mit Kopf und Schulter dagegen und zwang sie wieder in die Höhe. War es aber nöthig, sie niederzuhalten, so kniete er auf sie und hielt sie nieder, bis die Seile fest gemacht waren. Nur der Fänger, welcher besonders gute Dienste leistete, und vor dem sich die wilde Herde ganz vorzüglich zu fürchten schien, hatte Stoßzähne, brauchte sie aber durchaus nicht zum Verwunden, sondern bahnte sich mit ihnen zwischen zwei Elefanten, wo er den Kopf nicht hätte hineinbringen können, einen Weg und benutzte seine Zähne außerdem, die Gefallenen oder Widerspenstigen mit größerer Bequemlichkeit aufzuheben. Mehrere Male, als die Vermittelung der anderen zahmen Elefanten nicht genügte, um einen wilden zur Ordnung zu bringen, schien die bloße Annäherung dieses Stoßzahnträgers Furcht einzuflößen und Unterwürfigkeit zu erzwingen.

Vielleicht wurde der Muth und die Geschicklichkeit der Menschen durch die überraschenden Eigenschaften der zahmen Elefanten in den Schatten gestellt. Gewiß besaßen die ersteren ein schnelles Auge, welches die geringste Bewegung des Elefanten erlauerte, und großes Geschick, die Schlingen überzuwerfen und rasch zu befestigen; jedoch genossen sie dabei stets den Schutz der zahmen Elefanten, ohne welchen auch die kühnsten und geschicktesten Jäger in einem Corral nichts ausrichten würden.

Von den beiden jungen Elefanten war der eine etwa zehn Monate alt, der andere etwas älter. Der kleinere mit seinem kolbigen Kopfe und wolligen, braunen Haaren war die belustigendste und anziehendste Taschenausgabe eines Elefanten, welche man sich denken kann. Bei jedem Angriffe auf die Einfriedigung trabten beide Jungen der Herde nach. Standen die anderen ruhig, so liefen sie den älteren zwischen den Beinen umher. Als die Mutter des jüngsten gefangen wurde, hielt sich das kleine Geschöpf neben ihr, bis sie dicht an den verhängnisvollen Baum gezogen wor den war. Anfangs waren die Fänger von seinem Aerger mehr belustigt; bald aber fanden sie, daß es durchaus nicht zugab, wie seiner Mutter die zweite Schlinge angelegt werden sollte. Es lief herbei, griff nach dem Seile, stieß und schlug die Männer mit seinem Rüssel und mußte endlich zur Herde zurückgetrieben werden. Langsam, fortwährend brüllend und bei jedem Schritte sich umsehend, zog es sich zurück, gesellte sich sodann zu dem größten Weibchen, welches noch unter der Herde war, und stellte sich zwischen dessen Vorderfüße, während dieses es mit seinem Rüssel liebkoste und ihm zuzureden schien. Hier blieb er stöhnend und wehklagend, bis die Fänger seine gefesselte Mutter sich selbst überlassen hatten. Dann kehrte es augenblicklich zu dieser zurück. Da es aber wieder störend auftrat und jeden Vorbeigehenden angriff, wurde es endlich nebst dem anderen Jungen an einen nahen Baum gebunden. Letzteres hatte sich übrigens beim Fange seiner Mutter ganz ebenso benommen. Die beiden Jungen waren die lustigsten der ganzen Gesellschaft. Ihr Geschrei nahm kein Ende, und jeden, welcher in ihre Nähe kam, suchten sie zu packen. Ihre Wendungen erregten wegen der Geschmeidigkeit ihres Körpers besonderes Erstaunen. Das Belustigendste war, daß die kleinen Burschen mitten in all ihrer Noth und Betrübnis doch alles Eßbare, was ihnen vorgeworfen wurde, schleunigst er griffen und dann gleichzeitig brüllten und fraßen.

Unter den letzten, welche eingefangen wurden, befand sich auch der Landstreicher. Obgleich er viel wilder war als die anderen, verband er sich doch nicht mit ihnen zum Angriffe gegen die Einfriedigung, da sie ihn einmüthig von sich trieben und ihn nicht in ihren Kreis aufnahmen. Als er neben einem seiner Unglücksgefährten vorbeigeschleppt wurde, stürzte er auf ihn zu und suchte ihn mit seinen Zähnen zu durchbohren. Dies war auch das einzige Beispiel von Böswilligkeit, welches sich während dieses Vorfalls im Corral zeigte. Als er überwältigt war, zeigte er sich erst lärmend und ungestüm, legte sich aber bald friedlich nieder, ein Zeichen, wie die Jäger sagten, daß sein Ende nahe war. Etwa zwölf Stunden lang deckte er sich noch ununterbrochen mit Staub, wie die anderen, und befeuchtete diesen mit Wasser aus seinem Rüssel; endlich aber lag er erschöpft da und starb so ruhig, daß der Eintritt des Todes nur durch das Heer von schwarzen Fliegen bemerklich wurde, von welchem sein Körper fast augenblicklich bedeckt wurde, obschon wenige Minuten vorher nicht eine sichtbar gewesen. Der Leichnam wurde losgebunden, und zwei zahme Elefanten zogen ihn hinaus.

Als endlich sämmtliche Elefanten gefesselt waren, vernahm man aus der Entfernung die Töne einer Flöte. Sie wirkten wundersam auf mehr als einen. Die Thiere wandten den Kopf nach der Richtung, woher die Musik kam, und spannten ihre breiten Ohren: der klägliche Laut besänftigte sie offenbar. Nur die Jungen brüllten noch nach Freiheit, stampften mit den Füßen, bliesen Staubwolken über ihre Schultern, schwangen ihre kleinen Rüssel hoch empor und griffen jeden an, den sie erreichen konnten.

Anfangs verschmähten die älteren Thiere jedes angebotene Futter, traten es unter die Füße und wandten sich verächtlich ab. Einige konnten, als sie ruhiger wurden, der Versuchung eines saftigen Bäumchens nicht mehr widerstehen, sondern rollten ihn unter den Füßen, bis sie zarten Zweige abgelöst hatten, hoben sie dann wieder mit ihrem Rüssel auf und kauten sie sorglos.

Wenn die Klugheit, die Ruhe und Gelehrigkeit der Lockthiere lebhaftes Erstaunen erregte, so mußte man anderseits auch das würdige Benehmen der Gefangenen bewundern. Ihr Betragen stand durchaus im Widerspruche mit den Schilderungen mancher Jäger, welche sie als falsch, wild und rachsüchtig darstellen. Wenn die Thiere von den Waffen ihrer Verfolger gequält werden, wenden sie freilich ihre Stärke und ihre Klugheit dazu an, daß sie zu entkommen oder zu vergelten suchen; hier im Corral aber zeigte jede ihrer Bewegungen von Unschuld und Schüchternheit. Nach einem Kampfe, in welchem sie keine Neigung zur Gewaltthätigkeit oder Rache sehen ließen, unterwarfen sie sich endlich mit der Ruhe der Verzweiflung. Erbarmend war ihre Stellung, rührend ihr Schmerz, zum Herzen gehend ihr dumpfes Stöhnen. Wären sie mit unnöthiger Quälerei gefangen worden, ober wären sie einer übeln Behandlung entgegengegangen, es wäre geradezu unerträglich gewesen.

In ähnlicher Weise wie die erste Herde wurden dann auch die anderen nach und nach eingetrieben, bald mit vollerem, bald mit geringerem Erfolge. Der Eintritt der neuen Gäste in den Corral beunruhigte natürlich die bereits gefangenen nicht wenig. Die zweite Herde kam nun aber bei Tageslicht hinein, und ihre Angriffe waren daher noch viel entschiedener als die der ersten. Sie wurde von einem weiblichen Elefanten, welcher ziemlich neun Fuß hoch war, angeführt, und dieses muthige Thier konnte bei einem Angriffe auf die Umfriedigung, da alle weißen Stäbe nichts mehr halfen, nur dadurch zurückgetrieben werden, daß ihm ein Jäger eine lodernde Fackel an den Kopf warf. Um die bereits gefangenen kümmerten sich die später gekommenen nicht, stürzten vielmehr öfters wie toll über deren Körper dahin. Die oben erwähnte weibliche Führerin wurde zuerst erkoren. Als sie die Schlinge am Hinterfuße hatte, zeigte es sich, daß sie für Siribeddi zu stark war. Da diese fühlte, daß ihre Kraft nicht hinreichte, die widerstrebende Beute an den bestimmten Ort zu bringen, so kniete sie nieder, um ihr Ziehen durch das volle Gewicht ihres Körpers zu verstärken. Der Stoßzähner aber, welcher wohl sah, wie sauer sie sich es werden ließ, stellte sich vor die Gefangene und trieb sie Schritt für Schritt rückwärts, bis sie glücklich an den Baum gebracht und festgebunden worden war.

Die letzte Arbeit bestand darin, die Seile, welche die Beine der Gefangenen fesselten, ein wenig zu lockern; dann führte man jeden zum Flusse. Zwei zahme mit starken Halsbändern traten ihm zur Seite; dem Neugefangenen legte man ein gleich starkes Halsband aus Kokosnußfäden an, band dann alle drei zusammen, wobei der zahme Elefant mitunter seinen Rüssel brauchte, um den Arm seines Reiters vor dem Rüssel des Gefangenen zu schützen, weil dieser sich das Seil natürlich nicht gern um den Hals legen ließ. Nachdem dies geschehen war, wurden die Schlingen von seinen Beinen abgenommen und er zum Flusse geleitet, wo er sich baden durfte, ein Genuß, welchen alle begierig ergriffen. Dann wurde jeder an einen Baum im Walde festgebunden und ihm seine Wärter zugewiesen, welche ihn reichlich mit seinem Lieblingsfutter versorgten.

Die Zähmung des Elefanten ist ziemlich einfach. Nach etwa drei Tagen beginnt er ordentlich zu fressen und bekommt dann in der Regel einen zahmen zum Gesellschafter. Zwei Männer streicheln ihm den Rücken und reden ihm in sanften Tönen zu. Anfangs ist er wüthend und schlägt mit seinem Rüssel nach alten Seiten; vorn aber stehen andere Männer, welche alle seine Schläge mit der Spitze ihrer Eisenstangen auffangen, bis das Vorderende des Rüssels so wund wird, daß das Thier ihn endlich einzieht und dann selten wieder zum Angriffe benutzt. So lernt er zuerst die Macht des Menschen fürchten. Später helfen die zahmen Elefanten seine Erziehung weiter führen. In etwa drei Wochen bringt man das Thier so weit, daß es sich im Wasser niederlegt, sobald die Spitze der eisernen Ruthe, welche ihn vorher öfters am Rücken verwundet hatte, ihm droht.

Sehr schwierig ist es, die Wunden zu heilen, welche auch die weichsten Seile an den Beinen hervorbringen. Diese Wunden eitern oft viele Monate lang, und manchmal vergehen Jahre, ehe der Elefant bei einer Berührung der Füße ruhig bleibt.

Während ihre Größe keinen besonderen Einfluß auf die Dauer ihrer Abrichtung zu haben scheint, sind die Männchen gewöhnlich minder leicht zu behandeln als die Weibchen. Die, welche anfangs die heftigsten und widerspenstigsten sind, werden am schnellsten und wirksamsten gezähmt und bleiben gewöhnlich gehorsam unterworfen; die mürrischen oder tückischen aber langsamer, und es ist ihnen selten zu trauen. Ueberhaupt darf man einem gefangenen Elefanten nie mit unbegrenztem Vertrauen begegnen. Auch die zahmsten und sanftesten bekommen mitunter Anfälle von Halsstarrigkeit, und selbst nach jahrelangem Gehorsam macht sich ihre Reizbarkeit und Rachsucht bemerklich.

Im allgemeinen kann die Gegenwart der zahmen Elefanten nach zwei Monaten entbehrt und der eingefangene vom Kornak allein geritten werden; nach drei bis vier Monaten läßt er sich zur Arbeit verwenden; nur darf man ihn nicht zeitig dazu bringen, da es oft vorgekommen ist, daß ein werthvolles Thier beim ersten Mal Anschirren sich niedergelegt hat und, wie die Einwohner sagen, ›am gebrochenen Herzen gestorben ist‹, jedenfalls verendet ist, ohne daß irgend eine Ursache nachgewiesen werden konnte. Gewöhnlich läßt man den Elefanten Lasten tragen oder in Gemeinschaft mit einem zahmen einen Wagen ziehen. Am schätzbarsten wird er durch Herbeischaffung schwerer Baustoffe, Balken oder Steine, wobei er Einsicht und Geschick in hohem Grade beweist und stundenlang ohne irgend einen Wink seines Aufsehers arbeitet; indeß läßt sein Eifer nach, wenn er sich unbeobachtet glaubt.«

Wie Melchior mittheilt, schätzt und werthet man in Indien männliche Elefanten aus dem Grunde höher als weibliche, weil letztere, wegen der ihnen mangelnden Stoßzähne, nur zum Ziehen, erstere dagegen auch zum Heben und Fortstoßen schwerer Lasten gebraucht werden können. Außerdem schwankt der Preis je nach der Erziehung, welche das Thier genossen, beziehentlich nach der Leistungsfähigkeit, welche es erlangt hat. Weibliche Arbeitselefanten kosten dem entsprechend oft nicht mehr als 600 Mark, wogegen man für männliche, arbeitstüchtige Thiere, je nach Umständen das doppelte dieser Summe und darüber bezahlt. Daß letztere, einmal gezähmt, bösartiger sein sollen als weibliche, bestreitet man in Indien, meiner Ansicht nach jedoch mit Unrecht.

Was man von der Vorliebe des Elefanten für eine einmal angenommene Ordnung der Zeit oder seiner Arbeitsweise oft behauptet hat, ist nach Tennents Beobachtungen ungenau. Er zeigt sich auch in dieser Beziehung so gefügig wie etwa ein Pferd. Sein Gehorsam gegen seinen Treiber gründet sich sowohl auf Furcht als auf Liebe, und obschon er dem einen oft sehr zugethan ist, gewöhnt er sich doch auch leicht an einen anderen, falls dieser ihn ebenso freundlich behandelt wie der frühere. Die Stimme des Führers reicht hin, ihn bei seinen Verrichtungen zu leiten. Wenn zwei eine gemeinsame Arbeit verrichten sollen, lassen sich ihre Bewegungen leicht durch eine Art Gesang in Einklang bringen. Die schwerste Probe seines Gehorsams legt der Elefant ab, wenn er auf Geheiß seines Wärters die ekelhaften Arzneien der Elefantenärzte verschluckt, oder wenn er schmerzvolle wundärztliche Verrichtungen an sich vornehmen lassen muß.

Als Lastthier muß der Elefant zart behandelt sein; denn seine Haut ist äußerst empfindlich und Eiterungen in hohem Grade ausgesetzt. Ebenso bekommt er leicht böse Füße und ist dann monatelang nicht zu gebrauchen. Auch von Augenentzündungen wird er häufig heimgesucht, und gerade in dieser Beziehung leisten die Elefantenärzte wirklich so viel, daß sie seit den Zeiten der alten Griechen berühmt geworden sind. An der Viehseuche leiden wilde und zahme Elefanten gleich stark.

Von zweihundertundvierzig Elefanten, welche der Regierung von Ceilon gehörten und zwischen 1831 bis 1856 starben, war bei hundertundachtunddreißig die Dauer ihrer Gefangenschaft aufgezeichnet worden. Im ersten Jahre derselben starben zweiundsiebzig (neunundzwanzig männliche und dreiundvierzig weibliche), zwischen dem ersten und zweiten Jahre fünf männliche und neun weibliche. Die längste Dauer der Gefangenschaft zeigte sich bei einem Weibchen, welches fast zwanzig Jahre aushielt. Von zweiundsiebzig, welche im ersten Jahre ihres Dienstes starben, verendeten fünfunddreißig innerhalb der ersten sechs Monate ihrer Gefangenschaft, darunter viele in unerklärlicher Weise, indem sie sich plötzlich hinlegten und verschieden. Regelmäßiges Baden scheint ihnen sehr zuträglich zu sein; ebenso ist es gut für sie, wenn sie mit den Füßen im Wasser oder in feuchter Erde stehen.

Die alte Angabe, daß der Elefant ein Alter von zwei- bis dreihundert Jahren erreiche, wird durch einzelne Beispiele auf Ceilon allerdings bestätigt, wo einzelne in der Gefangenschaft länger als hundertundvierzig Jahre zugebracht haben. Indeß glaubt man jetzt, daß ihre eigentliche Lebensdauer etwa siebzig Jahre betrage. Der Glaube an ihr fast unbegrenztes Alter kommt jedenfalls daher, daß der Leichnam selten oder nie in den Wäldern gefunden wird. Nur nach einer verheerenden Seuche finden sich solche vor. Ein Europäer, welcher sechsunddreißig Jahre lang ununterbrochen in dem Dschungel gelebt und die Elefanten fleißig beobachtet hat, pflegte oft seine Verwunderung auszusprechen, daß er, der doch viele tausende lebendiger Elefanten gesehen, noch nie das Geripp eines einzigen todten gefunden habe, ausgenommen solche, welche durch eine Krankheit gefallen waren. Diese Bemerkung gilt übrigens nur von den Elefanten auf Ceilon; denn in Afrika werden die Gebeine der in den Waldungen gestorbenen Elefanten häufig gefunden. Der Eingeborene in Ceilon glaubt, daß jeder Elefantentrupp seine Todten begrabe. Außerdem behauptet er auch, daß der Elefant, welcher seinen Tod herannahen fühle, stets ein einsames Thal zu seinem Sterbeplatze erwähle, welches zwischen den Bergen östlich von Adams Peak liegt und einen klaren See umschließt.

Fragt man, ob es zweckmäßig ist, einen Marstall von Elefanten z.B. auf Ceilon zu halten, so muß die Antwort lauten: daß sie allerdings in den noch unbebauten Landtheilen von Nutzen sind, wo Wälder nur durch rauhe Pfade durchschnitten werden und Flüsse zu durchkreuzen sind, daß aber in Gegenden, wo Ochsen und Pferde zum Zuge angewendet werden können, ihre kostbare Verwendung sehr eingeschränkt, wenn nicht gänzlich entbehrt werden darf.

Gegenüber den regelrechten Fanganstalten der Indier und deren verständnisvoller, auf die sorgsamste Beobachtung begründeter Behandlungsweise des Elefanten, verfahren die afrikanischen Stämme, welche sich mit dem Fange des Fihl befassen, unendlich roh und ungeschickt. So viel mir bekannt, betreiben nur die Nomadenstämme der zwischen dem oberen Nile und dem Rothen Meere sich ausdehnenden Steppen, also der Atbaraländer, einen mehr oder weniger regelmäßigern Fang, seitdem der nunmehr verstorbene Thierhändler Casanova sie hierzu angeregt und eine Verbindung mit ihnen angebahnt hat, welche von anderen Händlern noch gegenwärtig unterhalten wird. Casanova brachte anfangs der sechziger Jahre zuerst einige, später fast alljährlich viele lebende afrikanische Elefanten nach Europa, woselbst sie seit Jahrhunderten nicht gesehen worden  waren. Marno, welcher Casanova auf einer seiner Reisen nach Kassala (der am Sudit, einem Zuflusse des Atbara, gelegenen Hauptstadt des Steppenlandes Taka) begleitete, berichtet, daß die Steppenbewohner einzig und allein auf Säuglinge jagen und auch diese nur erbeuten, indem sie deren Mütter in der oben geschilderten Weise verfolgen und tödten. Während die kühnsten Jäger sich mit den alten beschäftigen, versuchen andere des Jungen sich zu bemächtigen, werfen ihm Schlingen über, reißen es zu Boden und fesseln es sodann an allen Vieren. Die Jäger selbst kehren von ihren wilden Ritten durch dornige Dickichte zerkratzt und zerschunden, die Pferde krumm und lahm nach dem Dorfe zurück, und beide bedürfen nach jeder Jagd längerer Erholung. Nach Marno’s Versicherung verursachen selbst die jüngsten Elefanten oft bedeutende Schwierigkeiten, ebensowohl durch ihr Widerstreben bei und nach dem Fange selbst, wie durch die mit der Ernährung und Fortschaffung verbundene Mühwaltung. Daß ein junger Elefant dem Jäger, welcher etwas von seinem eigenen Schweiße an die Rüsselspitze des kleinen Dickhäuters gebracht hat, beständig nachfolgen soll, wie Heuglin behauptet, scheint man in den Atbaraländern nicht zu wissen, braucht hier vielmehr stets Gewalt. Mehrere Männer sind erforderlich, um die kleinen Wildlinge auf kurzen Märschen bis zum Aufenthaltsorte des Händlers zu geleiten, und eine stetig mitwandernde Ziegenherde ist nöthig, sie unterwegs mit Milch zu versorgen. Infolge der rohen Behandlung, welche sie erlitten, bekunden die jungen Thiere einen glühenden Haß gegen alle Eingeborenen, erheben ihre mächtigen Ohren, sobald sie einen solchen gewahren, schreien und werden wild und ungebärdig, falls ein solcher sich naht, wogegen sie mit dem Europäer um so eher sich befreunden, je sanfter und liebevoller dieser mit ihnen verkehrt. Anfänglich versuchen sie auch ihn zu stoßen oder mit dem Rüssel zu schlagen, gewöhnen sich jedoch verhältnismäßig erstaunlich schnell an jeden verständigen Pfleger und werden dann zu wirklich liebenswürdigen Geschöpfen, deren gutmüthig drolliges Wesen jedes Herz gewinnen muß. Verdiente oder doch für nothwendig erachtete Schläge fruchten zwar, machen sie jedoch ängstlich und furchtsam, erschweren deshalb auch ihre Zähmung mehr, als sie dieselbe fördern. Bei harter Behandlung vergießen sie Thränen wie ein gequälter Mensch. Nicht wenige verenden in den ersten Tagen ihrer Gefangenschaft infolge der rohen Behandlung, der Beschwerden des Weges, der ungewohnten Nahrung und endlich der Wunden, welche die Fesseln verursachen, in manchen Fällen auch ohne erklärliche Ursache, wahrscheinlich aus Kummer über den Verlust ihrer Mutter und ihrer Freiheit. Schweinfurth schildert das Betragen eines jungen Elefanten dieser Art, welcher in der üblichen Weise erbeutet und ihm geschenkt worden war: »Einen rührenden Anblick gewährte die vererbte Wohlerzogenheit des jungen Elefantenkindes. Bei jeder Pfütze und bei jedem Brunnen, welchen der Weg berührte, pflegte es den Rüssel voll Wasser zu pumpen, um sich vom Staube der Wanderung oder vom Schmutze des sumpfigen Pfades zu säubern. Indem es sich des Rüssels gleich eines Wasserschlauches bediente, begann es alsdann, immer wieder von neuem, sich den Körper zu berieseln und zu bespritzen«. Ungeachtet der ihm gewordenen Sorgfalt und Pflege, erlag auch dieser Elefant nach wenigen Tagen den Folgen des anstrengenden Marsches. »Es hatte für mich«, sagt Schweinfurth, »etwas unendlich wehmuthvolles, das bereits riesige und doch noch so hülflose Geschöpf unter schweren Athemzügen verenden zu sehen. Wer das Auge des Elefanten beobachtet, wird finden, daß trotz seiner Kleinheit, und bei aller Kurzsichtigkeit, welche diesen Thieren angeboren ist, doch ein so seelenvoller Blick von demselben ausgeht, wie bei keinem zweiten Vierfüßler.«

Casanova’s Gefangene wurden, wie Marno fernerhin mittheilt, unter schattigen Bäumen aufgestellt oder durch aufgespannte Matten gegen die Hitze geschützt, bekamen dreimal täglich ein Gemisch von Milch und Wasser, die größeren nur Wasser zu trinken und außer Durrahmehlbrei junge Durrahkolben und Zweige verschiedener Bäume zu fressen. Beim Trinken bekundeten auch sie, daß Wasser ihnen durchaus unentbehrlich ist. Sie tranken nicht allein eine erhebliche Menge desselben, sondern verbrauchten stets auch einen ansehnlichen Theil davon, um sich zu überspritzen und die ihnen ersichtlich sehr schmerzlichen Wunden zu kühlen.

Auf der Reise von Kassala nach Suakim, welche mehrere Wochen in Anspruch nahm, wurden die größten und verständigsten unter den jungen Elefanten von je drei Männern geleitet, derart, daß ein Mann das Thier führte und zwei die an den Hinterbeinen befestigten Stricke hielten, um ein etwaiges Entrinnen zu verhindern. Hieran dachten die folgsamen Geschöpfe jedoch nicht, liefen vielmehr, wie Schafe ihrem Hirten, dem Führer nach, so lange sie nicht erschreckt wurden. Noch immer hatten sie ihre Abneigung gegen die Araber nicht aufgegeben, griffen auch einmal einen dieser Leute an und würden ihn wahrscheinlich übel zugerichtet haben, wäre dem Bedrohten nicht rechtzeitig ein Europäer zu Hülfe geeilt. Diesem gegenüber zeigte sich das soeben in Wuth gerathene Thier zahm und gehorsam wie immer. Weit mehr Unannehmlichkeiten verursachten die jüngeren Genossen der leitenden Elefanten. Sie hatten sich vom Anfange an gewöhnt, in dicht gedrängtem Haufen neben einander zu gehen, stießen und drückten sich infolge dessen, schrien, wollten sich auch auf dem Lagerplatze, wo sie, um das Verwickeln ihrer Fesseln zu verhüten, einzeln angebunden werden mußten, nicht trennen, ergriffen ärgerlich die Flucht und zerrten dann nicht allein ihre Führer durch Dick und Dünn, Gestrüpp und Dornen, sondern verleiteten auch die übrigen zur Flucht, da einer dem anderen nachzulaufen pflegte. Mehrmals rissen einzelne sich los, liefen jedoch niemals davon, sondern blieben stets in der Nähe ihrer Schicksalsgenossen. Ein kleines Weibchen, welches ohne alle Fesseln umherlaufen durfte, ging naschend von einem Kameraden zum anderen, wurde auch von den kleineren geduldet, von den größeren dagegen stets vertrieben, weil diese futterneidischer waren als jene. Nur mit einem größeren Weibchen hatte es innige Freundschaft geschlossen, fraß und trank mit ihm und hielt sich fast beständig in seiner Nähe auf, schlief auch stets dicht an seiner Seite. Fast alle kleinen hatten die Gewohnheit, an den Ohren ihrer Nachbarn oder an den Kleidern und Händen ihrer Führer zu saugen. Gewöhnlich wurde täglich morgens und abends je fünf bis sieben Stunden lang weiter gezogen und dazwischen gerastet, die langnasige Herde gefüttert, getränkt, mit Wasser begossen und, nachdem Leute und Thiere geruht und geschlafen, die Wanderung fortgesetzt. An heißen Tagen fächelten sich die Elefanten während des Gehens mit den großen Ohren Kühlung zu und bespritzten sich mit dem früher getrunkenen Wasser, welches sie vom Magen aus in das Maul stießen und dann mittels des Rüssels hervorholten. Letzterer war in beständiger Bewegung: spritzten die Thiere nicht Wasser, so bestreuten sie sich mit Sand oder hüllten sich in dicke Staubwolken ein. Durch die Hitze litten sie fast ebenso wie durch die weiten Wege über dürren und steinigen Boden, infolge deren ihre dicken Sohlen sehr angegriffen wurden. Viele Mühe verursachte das Ein-und Ausladen in und aus Booten, Schiffen und Güterwagen auf den Eisenbahnen; doch gewöhnten sie sich, so erschreckt sie anfänglich sich zeigten, in kürzester Frist auch an diese ihnen vollkommen neuen Verhältnisse.

Aus Marno’s Mittheilungen wie aus den von mir und anderen in Thiergärten gesammelten Beobachtungen geht hervor, daß auch der Fihl wie sein indischer Verwandter gezähmt und in seiner an geeigneten Nutzthieren so armen Heimat gewiß mit großem Vortheile dem Menschen dienstbar gemacht werden könnte. Ob er ebensoviel leisten würde, wie der indische Elefant, steht dahin; die Angaben der Alten sprechen dagegen, und der Eindruck, welchen das Thier auf den Beobachter macht, straft jene Angaben nicht Lügen. Wie Plinius, Livius, Strabo und andere römische Schriftsteller berichten, waren die indischen Elefanten den afrikanischen an Stärke und Muth entschieden überlegen: in der von Ptolemäus Philopator im Jahre 217 v.Chr. gegen Antiochus geschlagenen Schlacht von Raphia zogen, wie Hartmann hervorhebt, die dreiundsiebzig afrikanischen Elefanten des egyptischen Königs gegen die hundertundzwei des syrischen Gegners in kläglicher Weise den Kürzeren. Doch wissen wir auch, durch die Römer sowohl wie durch unsere Thierbändiger, daß der Fihl jeder für ihn überhaupt möglichen Abrichtung fähig ist. Allerdings vermissen wir an ihm den Ausdruck der geistigen Vollkommenheit, welcher den indischen Verwandten in so hohem Grade auszeichnet, würden ihm jedoch entschieden Unrecht thun, wenn wir deshalb folgern wollten, daß er der Erziehung und Abrichtung unfähig wäre. Er dürfte nicht so erstaunliches wie sein Verwandter, sicherlich aber noch immer außerordentlich viel leisten, wollte man ihn nur in derselben Weise behandeln, wie die Indier mit der in ihrer Heimat lebenden Art verkehren. Einstweilen denkt noch niemand daran, die für Mittelafrika geradezu unschätzbaren Kräfte des Fihls auszunutzen; denn die wenigen hier lebenden Europäer sind zu gewinnsüchtig, die Eingeborenen zu roh, als daß die viele Zeit und Geduld erfordernde Zähmung der edlen Thiere überhaupt versucht worden sein sollte.

In unseren Thiergärten hält sich der afrikanische Elefant ebenso gut wie der indische, auch unter Umständen, welche seinen natürlichen Bedürfnissen wenig entsprechen: so beispielsweise da, wo ihm ein größerer Raum zu freier Bewegung oder ein hinreichend weites und tiefes Badebecken fehlt, und er genöthigt wird, durch Hin- und Hergehen oder Aufheben und Niederlassen der Beine für erstere, durch zeitweiliges Ueberspritzen mit Hülfe des Rüssels für die ihm so nothwendige Suhle Ersatz sich zu verschaffen. In der Regel höchst gutmüthig und folgsam, kann der eine wie der andere zuweilen doch alle Rücksichten gegen den sonst warm geliebten Wärter vergessen und dann sehr gefährlich werden. Die Brunstzeit erregt ihn stets im hohen Grade und macht äußerste Vorsicht des ihn bedienenden Mannes zur gebieterischen Nothwendigkeit. Nach den bisher gesammelten Erfahrungen sind Männchen stets mehr zu fürchten als Weibchen, obgleich auch sie sehr zornig und angriffslustig werden können. Freundliche Behandlung erkennt jeder Elefant und erweist sich derselben gegenüber dankbar; Unfreundlichkeit und Ungerechtigkeit vergibt er in den meisten, aber keineswegs in allen Fällen. Gleichwohl richtet er nur selten Unglück an und ist deshalb weniger zu fürchten als jeder bösartige Wiederkäuer, als jeder Wildstier, jeder größere Hirsch, jede stärkere Antilope. Seine vortrefflichen Sinne, sein scharfer Verstand, sein mildes Wesen machen sich jedem Beobachter in ersichtlicher Weise bemerkbar. Er lernt spielend leicht und »arbeitet« willig und gern, bildet deshalb auch eines der hervorragendsten Zugthiere jeder Thierbude, wie er bald zum erklärten Lieblinge der Besucher eines Thiergartens wird. Die Menge der Nahrung, deren er bedarf, ist sehr bedeutend: laut Schmidt erhält der im Frankfurter Thiergarten lebende, etwa funfzehn Jahre alte Elefant täglich acht Kilogramm Weizenkleie, fünf Kilogramm Brod, achtzehn Kilogramm Heu und einen Tag um den anderen je drei Kilogramm gekochten Reis, abgesehen von den ihm seitens der Besucher zugesteckten Leckerbissen, in Gestalt von Weiß- und Schwarzbrod, Rüben, Obst und ähnlichen Dingen. Dasselbe Thier leert, je nach der Jahreszeit, täglich vier bis achtzehn mit Wasser gefüllte Stalleimer. Paarweise zusammenlebende Elefanten begatten sich nicht selten, jedoch, soweit bisher beobachtet werden konnte, ohne Erfolg. Mancherlei Krankheiten und ebenso zufällige Unfälle raffen unsere Gefangenen oft plötzlich weg: ersteren stehen die Thierärzte meist rathlos gegenüber, letztere sind in den seltensten Fällen zu vermeiden. Mit gewöhnlichen Arzneigaben richtet man, wie folgendes Beispiel beweist, bei den kranken Riesen wenig aus. Einem Elefanten, welcher an Verstopfung litt, wurden im Laufe von zehn Tagen eingegeben: vier Pfund Aloë, ein Pfund fünf Unzen Kalomel, fünf Pfund Ricinusöl, zwölf Pfund Butter und fünf Pfund Leinöl, worauf endlich die erwünschte Wirkung eintrat. Unter die Unfälle zähle ich nicht, wenn man, wie in einem deutschen Thiergarten geschehen, einen liegenden Elefanten aufrichten will und ihn dabei erhängt, wohl aber, wenn ein Elefant an einer von ihm selbst aufgenommenen Rübe erstickt, oder wenn ein Thierhändler, wie dies Hagenbeck erfahren mußte, drei junge Elefanten dadurch verliert, daß die Ratten ihnen die Fußsohlen bei lebendigem Leibe abgenagt haben.

Elefantenfleisch hat den Geschmack von Ochsenfleisch, ist aber viel zäher und grobfaseriger; Elefantenfett ist von graulichweißer Farbe etwas grobkörnig und rauh, und dabei so leicht gerinnbar, daß es schon bei 20° Reaumur zu einer ziemlich festen Masse verdickt. So berichtet Heuglin, welcher ersteres frisch und im getrockneten Zustande genossen und schmackhaft gefunden hat. Das Stück eines Vorderfußes lieferte, nachdem es vierundzwanzig Stunden lang über dem Feuer gestanden hatte, wohlschmeckende Fleischbrühe in Menge und außerdem schmackhaftes Fleisch.  Tennent rühmt die Zunge, Corse läßt dem in Asche gebratenen Rüssel Gerechtigkeit widerfahren. Die Neger schneiden alle Muskeln in lange Streifen, trocknen diese an der Sonne oder über dem Feuer und zerreiben sie vor der Verwendung zu einem groben Pulver, welches ihren einfachen Gerichten beigemischt wird. Bei den Jagden, welche die Niamniam anstellen, vernichtet man zuweilen so viele Elefanten, daß der Fleischbedarf mehrerer Dörfer auf Monate gedeckt ist. »Oft«, sagt Schweinfurth, »sah ich Leute, welche ich mit einem großen Bündel Brennholz ihren Hütten zuzuschreiten glaubte: sie trugen ihren Antheil an Elefantenfleisch, welches, in lange Striemen geschnitten und über dem Feuer gedörrt, ganz das Ansehen von Holz und Reisig angenommen hatte.«

Von dem Elfenbein, welches wir gegenwärtig bei uns verarbeiten, stammt ein guter Theil aus Afrika, kaum weniger aus Sibirien, von den vorweltlichen Arten nämlich, und der geringste Theil endlich aus Indien. Die Negerländer im oberen Nilgebiete führen alljährlich eine bedeutende Menge des kostbaren und von Jahr zu Jahr im Preise steigenden Stoffes aus; die größte Handelsstadt des inneren Afrika, Chartum, die Hauptstadt Kordafâns, Obëid, und die Hafenstadt Massaua am Rothen Meere sind zur Zeit wichtige Stapelplätze für dieses, den höchsten Gewinn bringende Erzeugnis des inneren Afrika. Der gesammte Elfenbeinhandel von Chartum befindet sich, laut Schweinfurth, in den Händen von sechs größeren Kaufleuten, denen noch ein Dutzend kleinerer Händler sich anschließen. Seit Jahren hat daselbst die Elfenbeinausfuhr einen Betrag von fünfmalhunderttausend Maria-Theresien-Thalern oder zwei Millionen Mark nicht überschritten, und diese Summe wurde, bei der empfindlichen Abnahme der Zähne in allen den Wasserstraßen des oberen Nillaufes zunächst gelegenen Gebieten, in der letzten Zeit nur dadurch erschwungen, daß die Handelsleute von Jahr zu Jahr nach immer weiter entlegeneren Gegenden des Inneren vordrangen. An der Quelle selbst zahlt man noch heute höchstens den zwanzigsten Theil des Preises, welchen das Elfenbein in Europa erzielt; schon in Chartum dagegen werthet man es ziemlich hoch. Von Massaua aus wird vornehmlich das in Abessinien und in den Barkaländern erbeutete Elfenbein verschifft, und zwar zunächst nach Indien, weshalb auch die von dort kommende Menge größer ist als sie sein könnte, wenn nur die Zähne des indischen Elefanten in den Handel kämen. Sehr bedeutende Geschäfte werden alljährlich in Berbera gemacht, jenem eigenthümlichen Marktplatze, Aden gegenüber, welcher nur zeitweilig von Kaufleuten besucht und bewohnt wird, sonst aber wüst ist. In den letzten Jahren hat sich auch Sansibar zum Stapelplatze für Elfenbein aufgeschwungen, und in der Neuzeit beginnt die Verfolgung des Elefanten seiner Zähne wegen längs der ganzen Westküste. Noch durchziehen zahlreiche Herden der stattlichen Tiere die Wälder Afrikas; aber mehr und mehr lichtet sie der verfolgende Mensch. Wie im Norden und Süden, steht ihnen auch in den Küstenländern des Ostens und Westens und selbst im Inneren von Afrika das Schicksal bevor: ausgestrichen zu werden in der Liste der Lebendigen. In den oberen Nilländern, wo der Elfenbeinhandel seit Jahrzehnten betrieben wird, sind sie bereits vollständig ausgerottet worden, »und nicht schwer wäre es«, sagt Schweinfurth, »in Abständen von fünf zu fünf Jahren die entsprechenden Zonen quer durch das ganze Gebiet des Gazellenstromes zu zeichnen, innerhalb welcher diese Thiere vor der Massenverfolgung theils sich zurückgezogen haben, theils gänzlich verschwunden sind.«

 

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