Deborah Cadbury: Dinosaurierjäger

Im Jahre 1812 entdeckt die dreizehnjährige Mary Anning in Lyme Regis an der Südküste Englands das Skelett eines „Ungeheuers“. Ihr Fund, der später als Ichtyosaurus bekannt wird, setzt einen dramatischen Wettlauf um die Erforschung der „Zeit vor der Sintflut“ in Gang, der nicht nur Karrieren begründet und zerstört, sondern eine neue Wissenschaft hervorbringt und das herrschende Weltbild von Grund auf ändert. Die Entdecker der Dinosaurier konnten unterschiedlicher kaum sein, das gleiche galt für ihre Interessen. Reverend William Buckland zum Beispiel, höchst exzentrischer Naturforscher in Oxford, setzt alles daran, die fossilen Funde in Einklang mit der biblischen Geschichte zu bringen, bisweilen auf Kosten der Wahrheit. Gideon Mantell, Sohn eines Schuhmachers und Landarzt in Sussex, entdeckt die versunkene Welt der Riesenechsen zu Lande und kämpft einen lebenslangen Kampf um die Anerkennung seiner wegweisenden Theorien – am Ende vergeblich. Den Weltruhm für die Entdeckung der Dinosaurier erntet sein Kontrahent, der ebenso brillante wie intrigante Anatom Richard Owen. Mary Anning, William Buckland, Gideon Mantell und selbst Richard Owen fielen in der Folgezeit weitgehend der Vergessenheit anheim, und mit ihnen die abenteuerliche und dennoch authentische Geschichte von der Entdeckung der Dinosaurier. Deborah Cadbury ist ihr nachgegangen und läßt in diesem Buch vor unseren Augen das Gemälde einer Zeit zwischen biblischer Tradition und naturwissenschaftlicher Aufklärung entstehen, in der Wissenschaftler mit unvorstellbar schlichten Mitteln Entdeckungen machten, die bis heute gültig sind und uns bewegen.
Dass Knochen alles andere als langweilig sein müssen erzählt Deborah Cadbury in diesem Thriller, den das Leben schrieb.
Mary Anning (* 21. Mai 1799 in Lyme Regis; † 9. März 1847) war eine britische Fossiliensammlerin. Sie war eine der ersten professionellen Sammlerinnen von Fossilien und wird damit als eine der ersten Paläontologinnen betrachtet. Mary Annings Funde waren wichtige Belege für das Aussterben von Tierarten. Bis zu ihrer Zeit war es die allgemeine Annahme, dass Tierarten nicht aussterben; jeder merkwürdige Fund wurde als ein Tier erklärt, das noch irgendwo in einem unentdeckten Teil der Erde lebe. Die bizarre Natur der Fossilien, die Anning fand, unterlief dieses Argument und unterstützte die umstrittene These Georges Cuviers, dass es sich dabei um ausgestorbene Arten handelte. Dies bereitete den Weg für das Verständnis des Lebens in früheren geologischen Zeitaltern.
William Buckland (* 12. März 1784 in Axminster; † 24. August 1856 in Islip) war ein englischer Theologe sowie einer der bedeutenden Geologen und Paläontologen in der Frühzeit dieser Wissenschaften. Er war der wissenschaftliche Erstbeschreiber von Megalosaurus, einem der ersten drei bekannten Dinosaurier. William Buckland war eine schillernde Persönlichkeit und bekannt als Exzentriker, der auch Feldforschung grundsätzlich in akademischer Robe und Zylinder abhielt und Abendgesellschaften gerne mit amüsanten Vorträgen zu seinen neuesten Knochenfunden unterhielt. Er trug stets eine blaue Tasche mit sich, die er mit unterwegs aufgelesenen geologischen Fundstücken anfüllte. In seinen Räumlichkeiten in Oxford und Westminster beherbergte Buckland eine Vielzahl von teils exotischen Tieren, die oft frei umherliefen. Bekannt war Buckland auch für seine gastronomischen Experimente. Er soll den Ehrgeiz besessen haben, sich durch das gesamte Tierreich hindurchzuessen, indem er von jeder bekannten Art ein Exemplar verspeiste.
Gideon Algernon Mantell (* 3. Februar 1790 in Lewes, Sussex, England; † 10. November 1852 in Clapham, Surrey) war ein britischer Arzt, Geologe und Paläontologe, dem zugeschrieben wird, als erster anhand des Studiums von Fossilien erkannt zu haben, dass die Erde in der geologischen Vergangenheit von den riesigen Landreptilien bevölkert wurde, die später unter der Bezeichnung Dinosaurier populär wurden.
Durch einen schweren Unfall mit einer Kutsche verkrüppelt und unter ständigen Schmerzen leidend, setzte er trotzdem seine wissenschaftlichen Arbeiten fort und veröffentlichte bis zu seinem Tode eine Reihe wissenschaftlicher Publikationen. 1852 starb er an einer Überdosis Morphium, das er normalerweise als Schmerzmittel benutzte. Seine deformierte Wirbelsäule wurde bei der Autopsie entfernt und bis 1969 im Royal College of Surgeons of England ausgestellt.

Richard Owen neben dem Skelett eines Dinornis novaezealandiae, einer der beiden Arten, deren Weibchen vormals als „Riesenmoa“ Dinornis giganteus fehlgedeutet wurden

Sir Richard Owen (* 20. Juli 1804 in Lancaster; † 18. Dezember 1892 im Richmond Park von London) war ein britischer Mediziner, Zoologe, vergleichender Anatom, Physiologe und Paläontologe. Er wird nach Charles Darwin als zweitbedeutendster Naturforscher des Viktorianischen Zeitalters angesehen.
Von 1827 bis 1856 katalogisierte Owen, zunächst als Gehilfe und später als Kurator des Hunterian Museum des Royal College of Surgeons of England, den umfangreichen wissenschaftlichen Nachlass von John Hunter. Er schrieb bedeutende Arbeiten zur vergleichenden Osteologie und Odontologie der Wirbeltiere. Während seiner Untersuchungen an in Großbritannien gefundenen Reptilienfossilien prägte er 1841 den Begriff „Dinosauria“. Im darauf folgenden Jahr revidierte er Georges Cuviers Gruppen der Wiederkäuer (Ruminantia) und der Dickhäuter (Pachydermata) und ersetzte diese durch die noch heute gebräuchlichen Untergruppen der Paarhufer (Artiodactyla) und Unpaarhufer (Perissodactyla). 1843 führte Owen den Begriff der Homologie ein und trennte ihn vom ähnlichen Begriff der Analogie. Unter Anwendung seines Homologie-Prinzips konstruierte Owen einen abstrakten „Archetypus“, anhand dessen er die Entwicklung der Wirbeltiere teleologisch erklärte.
Während seines Wirkens als Superintendent der naturgeschichtlichen Sammlung des Britischen Museums setzte er sich für die Errichtung eines unabhängigen Naturgeschichtsmuseums, des heutigen Natural History Museum, ein, dessen erster Direktor er bis 1883 war.

Das sind die Hauptakteure dieses spannenden Buchs, das zwar eine Art Biographie darstellt, sich aber tatsächlich wie ein Thriller liest und den Anfang des 19. Jahrhunderts sehr lebhaft werden lässt. Für Dinosaurierfreunde, die in die nicht ganz so weite Vergangenheit einsteigen möchten und mehr über die Anfänge der Fossilienforschung erfahren möchten ein leicht verständliches Buch.

Und wie gesagt, Knochen müssen nicht langweilig sein (eigentlich sind sie es vermutlich nur wenn sie auf dem Teller als Reste vorhanden sind, aber da würde vielleicht William Buckland widersprechen). Wissenschaft besteht aus Neid und Missgunst und auch dort herrschen Intrigen vor. Alles im Namen des (eigenen) Ruhms.

Dieser Beitrag wurde unter Rezension veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.