Das Haselhuhn in Brehms Tierleben

Haselhuhn (Brehms Tierleben)

Neben dem Auer- und Birkhuhne lebt in den europäischen Waldungen noch ein drittes Mitglied der Familie, das Hasel- oder Rotthuhn (Bonasia betulina, lagopus, sylvestris, rupestris, minor und albigularis, Tetrao bonasia, betulinus und canus, Tetrastes bonasia, Bonasa betulina und sylvestris), welches als Vertreter einer besonderen Sippe angesehen wird. In der Gestalt ähnelt unser Huhn dem bisher besprochenen Verwandten; seine Fußwurzel ist aber nur bis zu drei Viertel ihrer Länge befiedert, und die Zehen sind nackt; der abgerundete Schwanz besteht aus sechzehn Steuerfedern; die Scheitelfedern sind stark verlängert und zu einer Holle aufrichtbar. Beide Geschlechter ähneln sich in Größe und Färbung des Gefieders, obwohl sie sich noch leicht unterscheiden lassen. Das Gefieder ist auf der Oberseite rostrothgrau und weiß gefleckt, der größte Theil der Federn auch mit schwarzen Wellenlinien gezeichnet; auf dem Oberflügel, dessen Färbung ein Gemisch von Rostgrau und Rostfarben ist, treten weiße Längsstreifen und weiße Flecke deutlich hervor; die Kehle ist weiß und braun gefleckt; die Schwingen sind graubraun, auf der schmalen Außenfahne röthlichweiß gefleckt, die Steuerfedern schwärzlich, aschgrau getuscht und die mittleren rostfarben gebändert und gezeichnet. Das Auge ist nußbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß, soweit er nackt, hornbraun. Dem Weibchen fehlt die schwarze Kehle, und die Färbung seines Gefieders ist minder lebhaft, namentlich mehr grau als rostroth. Die Länge beträgt durchschnittlich fünfundvierzig, die Breite zweiundsechzig, die Fittiglänge neunzehn, die Schwanzlänge dreizehn Centimeter. Das Weibchen ist etwa um ein Fünftel kleiner als das Männchen.

Der Verbreitungskreis des Haselhuhnes erstreckt sich von den Pyrenäen an bis zum Polarkreise und von der Küste des Atlantischen bis zu der des Großen Weltmeeres. Innerhalb dieser ausgedehnten Länderstrecken findet es sich jedoch keineswegs allerorten, sondern nur in gewissen Gegenden. Es bevorzugt Gebirge der Ebene, hält sich aber auch dort bloß hier und da ständig auf. Im Alpengebiete, in Bayern, Schlesien, Posen, Ost- und Westpreußen ist es nicht gerade selten; in den Rheinländern, Hessen-Nassau, dem südlichen Westfalen und Franken, auf dem Harze und Erzgebirge noch immer heimisch, in Pommern bereits sehr zusammengeschmolzen. Letzteres gilt auch für Oesterreich-Ungarn, wo es, außer geeigneten Oertlichkeiten des Alpengebietes, hier und da in Niederösterreich, Böhmen und Mähren, häufiger aber in Ungarn und Galizien auftritt.
In Italien, wo es vormals an verschiedenen Orten nicht selten war, findet es sich nur noch an wenigen Stellen, so zum Beispiel in Comasco; in Griechenland wie in Spanien hat man es nicht beobachtet; in Frankreich tritt es in den Alpen, Pyrenäen und den Westlichen Theilen der Vogesen, in Belgien wohl nur in den Ardennen auf; in ganz Norddeutschland, Holland, Dänemark und Großbritannien kommt es nicht vor. Häufig und allverbreitet ist es erst im Norden und zumal im Nordosten Europas, namentlich in Schweden und Norwegen, in Polen, Liv- und Esthland, Rußland und Sibirien. Große, dunkle und gemischte Wälder, insbesondere solche, welche aus Eichen, Birken, Erlen und Nußbäumen, mindestens aus Nadelbäumen, Birken und Espen bestehen, und hier auf der Südseite liegende, wenig besuchte, an steinige, mit Beerengestrüpp bedeckte Halden grenzende Gehänge bilden seine Lieblingsaufenthaltsorte, während es im reinen Nadelholzwalde selten und immer nur einzeln angetroffen wird. In Waldungen, welche seinen Anforderungen entsprechen, wählt es sich dichte Bestände zu seinem Wohnorte, und nach ihnen zieht es sich bei jeder Gefahr zurück. Je wechselreicher der Wald, um so angenehmer scheint er ihm zu sein. An gewissen Waldstellen findet man es jahraus jahrein, während es andere zeitweilig verläßt, um kurze Streifzüge zu unternehmen. Namentlich die Hähne streichen im Herbste ziemlich regelmäßig nach angrenzenden kleinen Wäldern oder Schlägen, um sich dort an verschiedenen Beeren zu erlaben. Dabei geschieht es denn, daß einzelne oft zehn bis zwanzig Kilometer weit in die Felder und das Feldgesträuch fliegen und förmlich verschlagen werden; doch kehren die meisten gegen Ende des Monats nach den großen Waldungen wieder zurück. Auch im übrigen Jahre wechselt das Haselhuhn mit seinem Aufenthaltsorte. So hält es sich, nach Leyen, im Mai, Juni und Juli vorzugsweise im gemischten Holze und gern an den Rändern des Waldes auf, zieht sich im August nach höheren Waldstellen zurück und nähert sich allmählich den Beerenschlägen, während die einzelnen Hähne sich zu ihren Streifzügen anschicken; im September begegnet man ihm an den Waldrändern und in Gebüschen, sogar in Heidegegenden, falls nur dichte Gebüsche, die Zufluchtsorte, in der Nähe sind; wenn das Laub zu fallen beginnt, verläßt es gewöhnlich den Laubholzwald und zieht sich nach den Nadelholzwäldern zurück; im Oktober trifft man es da, wo die Blätter nicht so stark fallen, und während des Winters endlich begegnet man ihm wiederum im gemischten Walde. In den Schweizer Alpen haust es, laut Tschudi, vorzugsweise in dem unteren und mittleren Waldgürtel der Gebirge, selten auf den Vorbergen und in den Forsten der Ebene. Es ist oft der Begleiter des Auerhuhnes, scheint aber ausnahmsweise höher zu gehen. Auch hier zieht es die Mittagsseite dicht bewaldeter einsamer Berghalden allen übrigen Orten vor und findet sich vorzugsweise in steinigen, mit Wacholder-, Hasel- und Erlenbüschen bewachsenen, von Bächen durchflossenen, mit Tannen und Birken besetzten Gebieten. Im Norden siedelt es sich im Gebirge wie in der Ebene, in Skandinavien am häufigsten am Fuße der Nordischen Alpen an; in Rußland und Sibirien nimmt es in allen zusammenhängenden Waldungen seinen Stand.

Das Haselhuhn lebt gern versteckt und macht sich deshalb wenig bemerklich. Nur selten und bloß zufällig, oder wenn man sich still und versteckt hält, gewahrt man es, am häufigsten noch im Laufen, wenn es, von einem Gebüsche nach dem anderen rennend, einmal eine freie Stelle überschreiten muß, in der rauhen Jahreszeit auch wohl auf stärkeren Aesten eines Baumes sitzend, wo es sich oft der Länge nach hindrückt und auch den Kopf darauf hinstreckt, so daß es sich recht gut verbirgt. Von dünnen Zweigen ausfliegt es, aufgescheucht, meist schnell weg und verbirgt sich im Gesträuche am Boden; vom Boden aus dagegen erhebt es sich, wenn man es hier überraschte, regelmäßig zu einem der nächsten Bäume, um von der Höhe aus den Störenfried neugierig dumm zu betrachten. Wird es nochmals verscheucht, so fliegt es, wenigstens in Sibirien, stets einem dichtwipfeligen Nadelbaume zu, versteckt sich im dunkelsten Gezweige und verhält sich ganz ruhig, oder läuft ungesehen auf die dem Beobachter entgegengesetzte Seite des Baumes und verläßt den Wipfel unbemerkt. Gewöhnlich sitzt und geht es sehr geduckt, wie ein Rebhuhn, wenn es sich unsicher fühlt, dagegen mit mehr erhobenem und im Laufen mit vorgestrecktem Halse. Es ist überraschend schnell und gewandt, kann auch vortrefflich springen. »Ich belauschte eins«, erzählt Naumann, »beim Ausbeeren einer Dohne, welches mit Hülfe der Flügel über anderthalb Meter senkrecht in die Höhe sprang, die erschnappten Beerenbüschel in die Höhe riß, und als es mich in demselben Augenblicke gewahr wurde, schnell damit unter die nahen Wacholderbeerbüsche rannte.« Die Henne trägt im Laufen die wenig verlängerten Scheitelfedern glatt niedergelegt, während der mit mehr Anstand einherschreitende Hahn die Haube lüftet. Der Flug ähnelt im wesentlichen dem anderer Rauchfußhühner, ist, nach meiner Auffassung, bei weitem leichter, jedoch etwas langsamer als der des Birkhuhnes und, was ich besonders hervorheben möchte, nur beim Aufstehen mit leise schwirrendem, nicht mit laut polterndem Geräusche verbunden, übrigens aber so lautlos, daß man ein im vollen Zuge begriffenes Haselhuhn kaum hört. Männchen und Weibchen unterscheiden sich nicht unwesentlich durch die Stimme, und namentlich die Hennen lassen vielfach wechselnde Laute vernehmen. Die jungen einjährigen Hühner ändern, wie Leyen behauptet, ihren Lockruf mit dem zunehmenden Alter bis zum September des ersten Jahres fünfmal. Es ist schwer, diesen Ruf mit Worten wiederzugeben. Er beginnt im hohen, auf- und absteigenden Diskant und endet in derselben Tonart mit einem kürzeren oder längeren Triller. Die erstjährigen Haselhühner locken, so lange sie zusammen in der Kette leben, einfach: »Pi, pi, pi, pi«, und zwar die Hähne ebenso wie die Hennen. Sind die Jungen schon paarungsfähig, wenn auch noch in der Kette, so lassen sie einen Ton vernehmen, welcher etwa durch »Tih« oder »Tihti« ausgedrückt werden kann, später fügen sie noch einen dritten zu, so daß der ganze Stimmlaut »Tih tih – titi« oder »Tih tih – tite« klingt. Der ausgebildete Hahn pfeift ein förmliches Liedchen, welches man durch die Silben »Tih tih – titi diri« wiederzugeben versucht hat. Dieser Ruf wird übrigens ebensowohl im Anfange wie am Ende mehrfach verändert. Die alte Henne unterscheidet sich durch ihre Stimme auffallend von dem Hahne und läßt, namentlich wenn sie davonfliegt, einen sogenannten Läufer hören, welcher sehr fein und leise beginnt, immer lauter und breiter wird und endlich in möglichst schnell auf einander folgenden Tönen endigt. Leyen versucht das ganze durch die Silben »Tititititititititikiulkiulkiulkiulkiul« auszudrücken, und Kobell bemerkt, daß ihn die Jäger Oberbayerns durch die Worte »Zieh, zieh, zieh, bei der Hitz in die Höh« zu übersetzen pflegen.

Hinsichtlich der Sinnesanlagen übertrifft das Haselhuhn wahrscheinlich das Birkhuhn, zeichnet sich mindestens durch überaus scharfes Gehör aus; rücksichtlich der geistigen Anlagen steht es mit jenem ungefähr auf gleicher Stufe. Wesen und Lebensart unterscheiden es von den bisher geschilderten Verwandten. Es gehört nicht zu den Hühnern, welche in Vielehigkeit leben, sondern hält sich paar- und familienweise zusammen. Schon im September wählt sich der junge Hahn eine Gefährtin, ohne jedoch die Kette zu verlassen; gegen das Frühjahr hin trennt er sich mit ihr, um zur Fortpflanzung zu schreiten. Auch er hat eine Balze, wie Auer- und Birkhahn, tanzt aber nicht in der ausdrucksvollen Weise wie die genannten, sondern begnügt sich, durch Aufrichten seiner Scheitel-, Ohr- und Kehlfedern und sehr lebhaftes Trillern und Pfeifen der Gattin seine Gefühle kundzugeben. Wenn er recht hitzig ist, pfeift und trillert er, gewöhnlich auf einem geeigneten Baume und in mittlerer Höhe der Krone stehend, von Sonnenuntergang an fast die ganze Nacht hindurch bis zum späten Morgen. Zum Boden herab kommt der balzende Hahn nur unmittelbar vor der Begattung. Die Henne, welche sich auf demselben oder einem benachbarten Baume aufzuhalten pflegt, soll um diese Zeit den Hahn so an sich zu fesseln wissen, daß er sich keinen Augenblick von ihr trennt und nicht einmal durch das Pfeifen anderer Hähne zu Kampf und Streit verlocken läßt, während er sonst einer derartigen Aufforderung unter allen Umständen nachkommt. Erst wenn die Henne brütet, wird seine Kampflust wieder rege oder doch bemerklich.

Am Fortpflanzungsgeschäfte nimmt er wenigstens in einem gewissen Grade Antheil. Nach der ersten Begattung sucht die Henne einen möglichst gut versteckten Platz unter Gebüsch und Reisern, hinter Steinblöcken, im Farnkraut usw., legt in eine Mulde ihre acht bis zehn, auch wohl zwölf und mehr, verhältnismäßig kleinen, etwa vierzig Millimeter langen, dreißig Millimeter dicken, glattschaligen, glänzenden, auf röthlichbraunem Grunde roth und dunkelbraun gefleckten und getüpfelten Eier und bebrütet sie drei volle Wochen lang so eifrig, daß man in ihre unmittelbare Nähe kommen kann, ehe man sie verscheucht. Während sie sitzt, und so lange die Jungen noch klein sind, treibt sich der Hahn nach eigenem Belieben umher, zumeist allerdings in der Nähe der Gattin, zuweilen aber auch in entfernteren Strichen, zu denen ihn der Lockton eines anderen Hahnes gerufen, und erst wenn die Jungen größer geworden, findet er sich wieder bei der Familie ein, um fortan derselben als treuer Führer und Wächter zu dienen. Das Nest ist äußerst schwer zu finden, weil sein Standort stets mit größter Vorsicht gewählt wird und die Henne bei Annäherung eines Feindes nicht davon hinkt und flattert, sondern still und geräuschlos davonschleicht, während sie, wenn sie die Eier aus freien Stücken verläßt, nie verfehlt, dieselben mit den Niststoffen sorgfältig zu bedecken. Auch die ausgeschlüpften Jungen werden nur zufällig einmal bemerkt. Nach ihrem Eintritte ins Leben hudert sie die Henne noch eine Zeitlang im Neste, bis sie vollkommen abgetrocknet sind; dann führt sie die Kinderschar baldmöglichst geeigneten Weideplätzen zu. Sobald sie Gefahr wittert, gebraucht sie alle Verstellungskünste, welche in ihrer Familie üblich sind, und die kleinen, dem Erdboden täuschend ähnlich gefärbten Küchlein drücken sich so geschickt zwischen Moos und Kraut, Steine, Baumwurzeln und dergleichen, daß wohl die feine Nase eines Fuchses oder Hühnerhundes, nicht aber das Auge eines Menschen sie wahrnehmen kann. Anfänglich werden sie an sonnige Stellen geführt und hier fast ausschließlich mit Kerbthieren ernährt; später nehmen sie dieselbe Nahrung zu sich wie die Alten, noch immer viele Kerbthiere, aber auch Beeren, Grasspitzen, Blätterknospen und Blütenblättchen der verschiedenen Pflanzen. Sie lernen sehr bald fliegen und vertauschen dann ihren nächtlichen Ruheplatz unter der Mutterbrust mit niederen und höheren Baumästen, auf denen sie sich dicht neben und noch theilweise unter die Mutter niederzusetzen pflegen. Mit dem Flugbarwerden trifft nun auch der Vater wieder bei der Familie ein, und nunmehr bildet die ganze Gesellschaft ein Gesperre, welches bis zum Herbste treu zusammenhält.

Leider wird das Haselhuhn bei uns zu Lande, trotz des ihm abseitens der Menschen gern gewährten Schutzes, von Jahr zu Jahr seltener. Raubsäugethiere und Raubvögel mögen viele Jungen wegnehmen; es müssen aber auch noch andere Ursachen zu dieser in mancher Hinsicht auffallenden Verminderung beitragen. In vielen Gegenden, wo es früher Haselhühner gab, sind sie jetzt verschwunden, ohne daß man eigentlich sagen kann, warum. Dagegen wandern sie in einzelne Waldungen auch wieder ein. So ist es geschehen in einigen Wäldern an dem südlichen Abhange des Erzgebirges, woselbst man gegenwärtig bereits wieder namhafte Flüge antrifft.

Da, wo das Haselhuhn häufig ist, wird es in Menge erlegt; denn sein Wildpret ist unbestritten das köstlichste, welches die Ordnung der Scharrvögel überhaupt gewährt. Die Jagd wird entweder mit Hülfe des Vorstehhundes oder, und wohl mit größerem Vergnügen, vermittels der sogenannten Locke betrieben. Letztere ist eine Pfeife, auf welcher der Ruf des Hahnes täuschend nachgeahmt und jedes kampflustige Männchen herbeigezogen wird. Glücklicherweise gehört zu dieser Jagdart eine gewisse Kunstfertigkeit oder mit anderen Worten ein zünftiger Jäger. Wie bei anderen Hühnern erregen die letzten schönen Herbsttage auch das Haselhuhn und machen es geneigt, mit anderen seinesgleichen zu kämpfen, zu streiten. Diese sogenannte Kampfzeit währt von den ersten Tagen des September an bis zu Ende des Oktober, und sie ist es, welche zur Jagd benutzt wird; namentlich die ersten Tage des September sind hierzu geeignet, falls die Witterung günstig ist. Der Jäger, welcher auf der Locke mit Erfolg Haselhühner jagen will, muß nicht nur die Jagdart, sondern auch den Wald genau kennen; denn die Hauptsache ist und bleibt, einen geeigneten Standort zu wählen und während des Ganges möglichst wenig Geräusch zu verursachen. In der Frühe des Morgens bricht man auf, schleicht durch den Wald und stellt sich da, wo man Haselhühner weiß oder vermuthet, hinter einem hochschaftigen Baume auf. Hauptbedingung des Standortes ist ein im Umkreise von dreißig Schritten freier, d.h. nicht mit Gestrüppe oder Heide bedeckter Boden, weil der herbeigelockte Haselhahn nicht immer geflogen, sondern sehr oft gelaufen kommt, dann selbstverständlich jede Deckung benutzt und regelmäßig den Schützen eher entdeckt, als dieser sein Wild. Der schulgerechte Jäger stellt oder lehnt sich, nachdem er den passenden Standpunkt gefunden, an seinen Baum, bringt sein Gewehr von der Schulter in die Hand, spannt den Hahn, nimmt die Locke und ruft nun zunächst als jüngerer Haselhahn. Bei günstigem Wetter kommt der getäuschte Hahn auf den ersten Ton geflogen, und zwar so schnell, daß der Jäger kaum Zeit hat, die Locke aus dem Munde zu nehmen. Er erkennt aus der größeren oder geringeren Stärke des Aufbrausens, ob der Hahn von einem Baume auf den anderen geflogen ist oder sich von dem Baume auf die Erde geworfen hat, weiß also im voraus, von welcher Seite sein Wild ankommen wird, stellt sich günstig zurecht, lockt noch einmal, um jenem die Stelle genau zu bezeichnen, sieht schußfertig nach der betreffenden Gegend hin und wird so in der Regel den ankommenden Hahn schon von weitem wahrnehmen können. Läuft dieser auf dem Boden dahin, so wartet der Schütze, bis er hinter eine Baumwurzel oder hinter eine Erdvertiefung tritt, benutzt diesen Augenblick zum Anschlage, zielt ruhig und drückt ab, sobald der Hahn auf funfzehn, zwanzig oder höchstens dreißig Schritte zum Vorscheine kommt; denn es handelt sich auch darum, daß der Vogel im Feuer zusammenbricht. Ein angeschossenes Huhn geht fast regelmäßig verloren, sei es, indem es sich unter eine Baumwurzel verkriecht oder in Moos vergräbt, oder sei es, indem es fliegend einen dichtästigen Baum erreicht, in dessen Krone es sich bis zum Verenden verbirgt. Erscheint das Wild nicht nach dem ersten Locken, so muß der Jäger wenigstens fünf Minuten lang ruhig sitzen, bevor er wieder ruft, weil er in den meisten Fällen annehmen darf, daß sein Wild die Lockung doch vernommen und dann von selbst kommt, um nachzusehen. Fliegt der Hahn auf den Lockruf herbei, so muß in demselben Augenblicke, in welchem er sich auf den Baumast wirft, geschossen werden; denn sobald der Vogel den Menschen wahrnimmt, geht er auf und davon. Ein alter Hahn, welcher früher durch Verscheuchung, Fehlschüsse oder unrichtiges Locken betrogen und mißtrauisch gemacht wurde, kommt weder gehend, noch fliegend unmittelbar auf die Locke, sondern läuft oder fliegt in solcher Entfernung rundum, daß man selten zum Schusse kommt. Lockt ein Haselhahn entgegen, so will er damit sagen, daß er nicht Lust oder Muth hat, sofort zu erscheinen. Dann heißt es für den Jäger geduldig warten; doch thut er wohl, wenn er ein- oder zweimal lockt, um jenem seinen Standpunkt möglichst richtig anzudeuten. Der Haselhahn antwortet darauf gewöhnlich noch einigemal und verstummt wieder. Aber nach fünf bis zehn Minuten geschieht eine Ueberraschung. Man hört plötzlich Aufbrausen; der Hahn kommt in einem Zuge heran und wirft sich vor die Füße des Jägers, oft mit solcher Heftigkeit, daß vorhandenes, trockenes Laub förmlich aufstiebt. In der festen Ueberzeugung, auf diesem Punkte seine Kameraden zu finden, bemerkt er zwar etwas, welches nicht aussieht wie Holz, erkennt aber doch nicht sofort den Menschen und schickt sich dann langsam zum Abmarsche an. Diesen Augenblick der Verblüfftheit muß der Jäger zum Schusse benutzen. Geräth der Schütze zwischen viele Haselhühner, welche getrennt, einzeln oder paarweise, in hörbarer Weite von einander sich befinden und rundum gleichzeitig antworten und locken, so kommt auf seinen Anruf nur zufällig ein Haselhuhn herbei. Der geübte Jäger weiß aber in solchen Fällen Rath, indem er als Henne lockt; dann wird es ruhig, und er kann nunmehr seine Jagd beginnen. Oft geschieht es, daß er von einem und demselben Standpunkte aus mehrere Hähne erlegt; denn der Knall des Gewehres stört diese nicht, so lange der Jäger seinen Stand nicht verläßt oder sich überhaupt nicht bewegt. Dies darf erst geschehen, wenn sich der Schütze einem zweiten Stande zuwendet. So beschreibt Leyen sachgemäß und richtig diese anziehende Jagd.

Gefangene Haselhühner gewöhnen sich zwar leicht an ein Ersatzfutter, werden aber selten zahm. Im Anfange ihrer Gefangenschaft geberden sie sich ungemein ängstlich, und wenn der Raum, in dem man sie hält, nicht groß genug ist, rennen sie sich beim Erscheinen eines Menschen zu Tode. Sind sie jedoch einmal eingewöhnt und haben sich mit ihrem Pfleger befreundet, so erfreuen sie diesen auf das höchste; denn sie bleiben auch im Käfige anmuthig und liebenswürdig.

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