Yorkshire, 1926. An den schroff aufragenden Klippen der Küste seilen sich Männer ab, um die Eier der dort nistenden Seevögel zu stehlen. Die schönsten erzielen hohe Preise. Als die sechsjährige Celie Sheppard ein »unmögliches« rotes Ei findet, setzt sie damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die ihr Leben – und das vieler anderer – für immer verändern wird.
Hundert Jahre später findet Patrick seinen Freund Nick und dessen Mutter Fort in einem abgelegenen Cottage in Wales gefesselt und beraubt vor. Verschwunden ist nur eine geschnitzte Schatulle, in der sich einst ein scharlachrotes Ei befand. Auf der beharrlichen Suche nach dem gestohlenen Objekt tauchen Patrick und Nick tief in die grausame Welt des Handels mit raren Vogeleiern ein – und folgen bald der Spur einer außergewöhnlich wertvollen Eiersammlung, die lange als verloren galt.
Belinda Bauer soll eine der größten lebenden Krimiautorinnen sein, zumindest wenn man diversen Pressetexten glauben mag. Ich kann mir dazu kein Urteil erlauben, denn DAS DING DER UNMÖGLICHKEIT ist das erste Buch, das ich von der Autorin lese. Und bei dem Thema kann ich ja gar nicht anders. Denkt man an Krimis, muss man an wirklich spektakuläre Verbrechen wie Mord oder aufsehenerregende Diebstähle denken. Vogeleier? Nun ja, das klingt auf den ersten Blick eher harmlos, aber … man glaubt gar nicht wie gefährlich/spektakulär und spannend das sein kann.
Der Roman besitzt zweifellos originelle Ideen und einige starke Momente, wirkt aber über weite Strecken erstaunlich zäh und konstruiert. So ganz konnte mich die Geschichte nicht überzeugen und vor allem mit dem Handlungsstrang um Celie wurde ich nicht warm. Im Vergleich zum ernsten Ton dieser Geschichte ist der Teil mit Patrick und Wird Nick teilweise sehr witzig, fast slapstickartig und … beides zusammen ergänzt sich nicht gut. Auf der einen Seite ernstere Töne rund um das Eiersammeln, dann wieder Humor beim Eierdiebstahl. Manchmal war ich mir nicht sicher was die Autorin damit bezwecken wollte.
Bauer nimmt sich viel Zeit, um Figuren, Vergangenheit und familiäre Zusammenhänge aufzubauen. Dabei verliert sich die Handlung oft in Episoden und Nebenwegen, deren Bedeutung zunächst unklar bleibt und die nicht alle gleichermaßen interessant sind. Dadurch entsteht weniger ein kontinuierlicher Spannungsbogen als eine Folge von Szenen, bei denen man gelegentlich darauf wartet, dass die eigentliche Geschichte endlich weitergeht.
Problematisch ist außerdem die Konstruktion der Handlung. Bauer streut zahlreiche Hinweise und scheinbar nebensächliche Details ein, die später Bedeutung erhalten sollen. Das ist handwerklich geschickt, wirkt rückblickend aber nicht immer selbstverständlich. Einige Entwicklungen erscheinen eher deshalb möglich, weil die Autorin sie für ihre Auflösung benötigt. Zufälle, Missverständnisse und ungewöhnliche Entscheidungen der Figuren häufen sich so stark, dass die Geschichte stark an Glaubwürdigkeit verliert, ohne dabei jedoch zu einer übertriebenen Farce zu werden. Es bleibt leidlich spannend, wenig überraschend und das hat das Thema nicht verdient. Man hätte so viel mehr daraus machen können.
Ach ja, das ganze gilt als Krimi. Und auch wenn man den illegalen Handel mit Eiern schon als Verbrechen betrachten kann, geht Bauer noch weiter. Aber der eigentliche Fall steht lange nicht deutlich genug im Mittelpunkt, um einen starken Ermittlungs- oder Rätselcharakter zu entwickeln. Wer einen klassischen Whodunit oder einen spannungsgetriebenen Thriller erwartet, dürfte enttäuscht werden. Das Buch ist eher Familiengeschichte gemischt mit Elementen einer Tragikomödie und ganz wenig Kriminalroman, und gerade diese Mischung verhindert manchmal, dass einer dieser Bestandteile seine volle Wirkung entfalten kann. Zu viele Umwege, zu viele bewusst schräge Figuren und eine teilweise überkonstruierte Handlung bremsen die Geschichte aus. Zurück bleibt ein interessantes Thema, das zu einem unausgegorenen Roman verwoben wurde.
DAS DING DER UNMÖGLICHKEIT bei amazon (AffiliateLink)
(Rezensionsexemplar)

