Ausgestorbene Wale 4 (Archiv)

(Erstveröffentlichung am 19. April 2018)

Janjucetus hunderi (© N. Tamura)

Janjucetus hunderi (© N. Tamura)

Überreste von Janjucetus hunderti, dem bisher einzigen Vertreter seiner Gattung, wurden in ca. 25 Millionen Jahre alten Sedimentgesteinen des Oberen Oligozäns von Australien entdeckt.
Im Unterschied zu anderen Bartenwalen besaß Janjucetus Zähne, die zum Greifen und Zerkleinern von Beute geeignet waren, aber nur kleine oder gar keine Barten. Als aktiver Räuber fraß Janjucetus Fische, darunter möglicherweise kleine Haie und andere vergleichsweise große Beute.
Janjucetus war klein im Vergleich zu anderen Bartenwalen – seine Körperlänge wird auf 3,5 m geschätzt und entspricht somit in etwa der des Großen Tümmlers. Abgesehen von den über 3 cm langen spitzen serrierten Zähnen gleicht die Morphologie des Schädels derjenigen anderer Bartenwale. Aufgrund der offenbar sehr großen Augen dürfte Janjucetus außergewöhnliche Sehfähigkeiten besessen haben; zur Echoortung hingegen war er nicht fähig. Janjucetus besaß eine kurze breite Schnauze, wobei die Zähne des Oberkiefers den Unterkiefer überlappten (Prognathie). Die relativ großen robusten Kiefer dürften gut für den Fang und das Töten der Beute geeignet gewesen sein.
Man nimmt an, dass Janjucetus ein naher Verwandter verschiedener fossiler Bartenwale war, darunter Mammalodon mit dem er zusammen die Familie Mammalodontidae (Syn.: Janjucetidae) bildet. Manche seiner Merkmale sind jedoch einzigartig innerhalb der Gruppe der Mysticeti.
Die einzigen bekannten Fossilien von Janjucetus wurden Ende der 1990er Jahre von einem Surfer namens Staumn Hunder nahe dem Ort Jan Juc an der Küste des australischen Bundesstaats Victoria gefunden. 2003 begann die wissenschaftliche Erforschung der Funde durch Erich Fitzgerald, der sie 2006 beschrieb und einer neuen Gattung und Art zuordnete, die er nach dem Fundort bzw. dem Finder benannte.
Die gut erhaltenen Skelettreste des Holotypus repräsentieren den bisher vollständigsten fossilen Beleg eines Wals aus dem Alttertiär (Paläogen) von Australien. Sie umfassen den nahezu kompletten Schädel, Unterkiefer, Zähne, Wirbel, Rippen, Schulterblätter und einen Unterarmknochen. Die Fossilien werden derzeit in der Paläontologischen Sammlung des Museums von Victoria in Melbourne aufbewahrt.
Janjucetus fraß weitaus größere Beute als seine Bartenwal-Verwandten und man nimmt an, dass er sich ähnlich wie der rezente Seeleopard oder wie Meeresreptilien des Mesozoikums (Pliosaurier, Mosasaurier) ernährte, die ihre Beute in einem schnellen Angriff erlegen bzw. erlegten. Da Janjucetus manche Schädelmerkmale der zur Echoortung befähigten Wale fehlen, dürfte er nicht in der Lage gewesen sein, entsprechende Ultraschallsignale auszusenden. Auch ob er solche Signale empfangen konnte, ist unbekannt.

Eine weitere ausgestorbene Bartenwalart ist Eobalaenoptera harrisoni. Beschrieben wurde er erst 2004 von Forschern des Virginia Museum of Natural History anhand von Skelettteilen, die 1990 in der Miocene Calvert Formation im Coroline County, Virginia, gefunden wurden.
Nach Angaben der Forscher besitzt das elf Meter lange Skelett sowohl morphologische Merkmale der Furchenwale (Balaenopteridae) als auch der Grauwale (Eschtrichtiidae) und unterstützt dadurch das Schwestergruppenverhältnis dieser beiden Taxa. Das Alter des Skeletts wurde auf etwa 14 Millionen Jahre geschätzt und es stellt damit das älteste bekannte Fossil des Taxons der Grau- und Furchenwale dar. Die Trennung dieser Gruppe von den anderen Bartenwalen wurde aufgrund von molekularbiologischen Untersuchungen (molekulare Uhr) auf einen Zeitpunkt vor etwa 25 Millionen Jahren geschätzt.
Die Namensgebung erfolgte aufgrund der Ähnlichkeiten zwischen dem Skelett und Vertretern der Gattung Balaenoptera, die Vorsilbe eo- kennzeichnet es als Vorläufer dieser Gruppe. Benannt wurde die Art nach Carter Harrisson, einem verdienten Angestellten des Museums.

Cetotherium furlongi (© N. Tamura)

Cetotherium furlongi (© N. Tamura)

Die Cetotheriidae sind eine Familie aus der Unterordnung der Bartenwale. Die Familie erschien im späten Oligozän und man nahm an, dass sie mit dem frühen Pliozän wieder verschwand, bis vor kurzem der kleinste aller rezenten Bartenwale, der nur 6 Meter lang werdende und in gemäßigt-kalten Meeren der Südhalbkugel vorkommende Zwergglattwal (Caperea marginata) als Angehöriger der Cetotheriidae identifiziert wurde.
Von anderen Bartenwalen werden die Cetotheriidae durch eine Kombination folgender anatomischer Schädelmerkmale unterschieden (Auflistung nicht vollständig):
Die Nahtstelle zwischen Oberkieferknochen (Maxillare) und Stirnbein (Frontale) ist an den hinteren Seiten geringfügig konkav und schräg. Die hinteren Abschnitte der Schnauzenknochen (Rostrum) bilden einen V-förmigen Keil zwischen den Augenhöhlen. Die oberen Teile der Oberkieferknochen haben Kontakt zueinander bzw. stehen nah zusammen. Das Zwischenkieferbein (Prämaxillare) wird nach hinten, entlang des Nasenbeins (Nasale) enger und reicht nicht bis zu den hinteren Abschnitten der Maxillare. Das Nasenbein ist dreieckig und keilförmig. An seinem dorsalen Scheitel ist das Stirnbein reduziert oder völlig von Rostralknochen überwachsen. Die Gelenkpfanne des Schuppenbeins (Squamosum) ist nicht tief eingebuchtet. Wie alle anderen Bartenwale sind die Cetotheriidae zahnlos.
Ein Merkmal, das die Cetotheriidae mit den Furchenwalen (Balaenopteridae) teilen, ist die starke Verzahnung der Rostralknochen mit den übrigen Schädelknochen und der Maxillare.
Gegenwärtig unterscheidet man drei Unterfamilien, von denen die Neobalaeninae gegenwärtig vom Zwergglattwal vertreten werden. Ausgestorben sind die Herpetocetinae und die Cetotheriinae

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