Ausgestorbene Vögel (Spätquartäre Avifauna) 8

Tyto melitensis (deutsch: Malta-Schleiereule) ist eine fossile Eulenart aus der Familie der Schleiereulen. Sie wurde 1891 von Richard Lydekker als Stryx melitensis beschrieben, jedoch 1970 von Pierce Brodkorb in die Gattung Tyto gestellt. Das fossile Material wurde in einer nicht bekannten Höhlenablagerung entdeckt und besteht aus einem einzigen linken Oberschenkelknochen (Femur), dessen Alter auf das Jungpleistozän datiert wird. Der unvollständige Knochen hat eine Länge von 54 mm und eine Schaftbreite von 4 mm. Verglichen mit dem Femur der Sumpfohreule (Asio flammeus) ist der Oberschenkelknochen länger und schlanker. Der Vergleichsknochen des Waldkauzes (Strix aluco) ist dicker und viel mehr gebogen. Der große Rollhügel ist stärker nach innen geneigt. Die Scheidewand ist weniger ausgebildet. Manche Autoren betrachten Tyto melitensis entweder als Synonym oder als Unterart der Schleiereule (Tyto alba).

Von der Puerto-Rico-Krähe (Corvus pumilis) sind nur subfossile Ellen und ein Tibiotarsus überliefert. Erstere sind 68 mm lang und liegen damit zwischen den der ehemals sympatrischen Antillenkrähe (C. leucognaphalus) mit 76–78 mm und der der hispaniolischen Palmenkrähe (C. palmarum) mit etwa 62 mm. In ihrer Gestalt ähnelt die Elle von C. pumilis der der Palmkrähe. Gleiches gilt für den Tibiotarsus der Art, der mit 78 mm etwas größer als der der Palmkrähe und etwas kleiner als der der Antillenkrähe ist.
Überreste der Puerto-Rico-Krähe wurden auf Puerto Rico und auf der Insel St. Croix gefunden, die zu den Amerikanischen Jungferninseln gehört.
Über die Lebensweise der Art kann nur gemutmaßt werden. Da sie auf Puerto Rico gemeinsam mit der Antillenkrähe vorkam, besetzte sie womöglich eine andere ökologische Nische als diese und kam vielleicht eher im Inseltiefland vor.
Die ersten Überreste der Puerto-Rico-Krähe wurden 1916 in der Cueva San Miguel nahe Morovis auf Puerto Rico gefunden. Es handelte sich um eine rechte Elle (AMNH 4925), die Alexander Wetmore 1920 als Holotyp für seine Erstbeschreibung der Art Corvus pumilis heranzog. Zur Etymologie des Artepithetons pumilis äußerte sich Wetmore nicht; das Wort bedeutet im Lateinischen „zwergenhaft“. Über die Verwandtschaftsbeziehungen der Puerto-Rico-Krähe zu anderen Krähenarten innerhalb und außerhalb der Karibik gibt es bislang keine Erkenntnisse.
Die Puerto-Rico-Krähe verschwand offenbar schon früh. Auf Puerto Rico ist sie nur aus Fossillagerstätten aus der Zeit vor der Besiedlung bekannt; auf St. Croix fand sie sich an einer Kochstelle aus präkolumbianischer Zeit, deren Alter auf 500 bis 800 Jahre geschätzt wird. Vermutlich starb sie noch vor der Ankunft der Europäer in der Karibik aus.

Die Maorikrähe (Corvus antipodum) war eine sehr große Krähenart und übertraf mit Ausnahme des Chathamrabens (C. moriorum) alle heutigen australasischen Krähen in der Körpergröße. Das Fossilmaterial der Art ist zwar zahlreich, aber oft nur bruchstückhaft erhalten, weshalb Schlüsse auf das Aussehen nicht immer möglich sind. Der Schnabel war lang, breit und relativ gerade. Sie war etwas kleiner als der Chatham-Island-Rabe, gehörte aber dennoch zu den größten Arten der Gattung Corvus. Das Gewicht der Maorikrähe wird auf 0,9–1,0 kg geschätzt, damit wäre sie etwa so schwer wie ein afrikanischer Geierrabe (C. albicollis) geworden. Das Verhältnis der Flügellänge zur Beinlänge war geringfügig kleiner als bei den heute lebenden Krähenarten. Das deutet darauf hin, dass die Maorikrähe zumindest leicht an eine Umgebung ohne Bodenprädatoren angepasst war, obgleich sie ihre Flugfähigkeit behielt. Diese Entwicklung war aber nicht so stark wie beim Chathamraben ausgeprägt. In der Körpergröße gab es deutliche Unterschiede zwischen Nord- und Südinsel: Maorikrähen wurden im Süden größer als im Norden. Die gefundenen Laufknochen auf der Südinsel messen im Mittel 71 mm, auf der Nordinsel hingegen nur 68 mm. Ähnliche Verhältnisse gelten für die anderen Teile des Skeletts. Die Variation verlief klinal vom wärmeren Norden in den kälteren Süden, womit sie der Bergmannschen Regel entsprach. Im Pleistozän wurden die Vögel im Mittel genauso groß wie im Holozän, wiesen aber eine größere Varianz auf.
Fundstätten der Maorikrähe auf Neuseeland. (Fossillagerstätten als Kästen, archäologische Fundplätze als Stern). Die Verbreitung der Art beschränkte sich im Pleistozän wie im Holozän auf die Küstenregionen.
Die Maorikrähe war auf der Nord- und Südinsel Neuseelands beheimatet. Im Fossilbericht zeigt sich zwischen Pleistozän und Holozän ein merklicher Unterschied: Während sich die Art im Pleistozän sowohl in Fossillagerstätten nördlich wie südlich der Cookstraße finden, fehlt sie im Holozän in Lagerstätten der Nordinsel. Sie ist dort allerdings in archäologischen Fundplätzen aus der Frühzeit der Maori gefunden worden. Für das Pleistozän konzentrieren sich die Funde auf die Westküste und die Ostspitze der Nordinsel. Aus dem Holozän ist die Maorikrähe mit Ausnahme der südwestlichen Südinsel auch von der Ostküste überliefert.
Alle Fundorte verteilen sich entlang der Küste der neuseeländischen Inseln, in weiter im Binnenland gelegenen Lagerstätten wurden bislang keine Knochen gefunden. Das deutet darauf hin, dass die Maorikrähe ein Küstenbewohner war. Dass die meisten auf das Holozän datierten Funde von der waldarmen neuseeländischen Ostküste stammen, deutet auf offene Landschaften beziehungsweise Waldränder als Habitat hin.
Die Lebensweise der Maorikrähe dürfte der rezenter großer Krähen entsprochen haben. Als unspezialisierter Küstenbewohner ernährte sie sich vermutlich omnivor von Früchten, großen Insekten, Landwirbeltieren sowie den Eiern und Jungen aus Seevogelkolonien. Richard Holdaway vermutet darüber hinaus, dass die Maorikrähe auch an Kadavern vom Haastadler (Harpagornis moorei) geschlagener Vögel fraß und hält es für möglich, dass sie Moaküken nachstellte. Möglich ist darüber hinaus auch, dass die Art bei Ebbe das Watt durchkämmte. Der Körperbau der Maorikrähe legt keine besondere Anpassung nahe, auch wenn sie durch ihre relativ langen Beine wohl ein passabler Läufer war. Nach Holdaway wurde das Nest wahrscheinlich aus Stöcken gebaut und in Baumkronen oder Felsnischen platziert. Dem widerspricht Brian Gill, mit seiner Vermutung, die Maorikrähe sei ein Bodenbrüter gewesen oder habe zumindest in geringer Höhe gebrütet, da ihr Aussterben anders nicht zu erklären sei.
Der genaue Zeitpunkt, zu dem die Maorikrähe ausstarb, ist unbekannt. Als gesichert gilt, dass sie im Zuge der ersten Besiedlung Neuseelands durch die Māori verschwand. Die genauen Gründe sind unklar: Als unspezialisierter, flugfähiger Allesfresser hätte die Maorikrähe eigentlich gute Chancen gehabt, zu überleben. Möglich ist aber, dass Pazifische Ratten (Rattus exulans) und andere von den Māori eingeführte Tiere den Gelegen der Art stark zusetzten; vorausgesetzt die Maorikrähe war ein Bodenbrüter. Eine andere Ursache für das Verschwinden der Art könnte die Habitatveränderung gewesen sein, die mit der frühen Erschließung Neuseelands einherging. Da sie in prähistorischen Kochstellen genauso oft vorkommt wie in Fossillagerstätten gleichen Alters, ist Überjagung als Grund für ihr Aussterben eher unwahrscheinlich.

Der Huahine-Star (Aplonis diluvialis) ist ein ausgestorbener Singvogel aus der Familie der Stare. Er war auf der polynesischen Insel Huahine endemisch und hatte damit das östlichste Verbreitungsgebiet von allen in Ozeanien vorkommenden Starenarten der Gattung Aplonis. Der Huahine-Star ist nur durch einen subfossilen Tarsometatarsus bekannt, der 1984 vom amerikanischen Archäologen und Anthropologen Yosihiko H. Sinoto vom Bernice P. Bishop Museum in der Lagerstätte Faʻahia im Norden von Huahine ausgegraben und 1989 von David William Steadman wissenschaftlich beschrieben wurde. Der Knochen hat eine Länge von 38 Millimeter und ein Vergleich mit den Tarsometatarsi anderer Arten der Gattung Aplonis legt die Vermutung nahe, dass der Huahine-Star in seiner Größe nur vom Samoa-Star (Aplonis atrifusca) übertroffen wurde. Das Aussterben des Huahine-Stars ist vermutlich auf polynesische Siedler zurückzuführen, die zwischen 750 und 1250 n. Chr. die Wälder rodeten, nicht-heimische Pflanzenarten mitbrachten und es Ratten und nicht-heimischen Vogelarten ermöglichten, sich auf Huahine auszubreiten und Seuchen einzuschleppen.
Steadman misst dem Fund eine große Bedeutung bei, da er das Wissen über die Verbreitung der Aplonis-Arten erheblich erweitert hat. Nach Ansicht von Steadman könnte eine Zeichnung von Georg Forster aus dem Jahre 1774, die einen mysteriösen Vogel von der Insel Raiatea (früher Ulieta genannt) darstellt, nicht wie irrtümlich angenommen, eine Drosselart repräsentieren, sondern einen Verwandten des Huahine-Stars, da die Stare vermutlich nicht nur auf Huahine vorkamen, sondern auch auf der südwestlich von Huahine gelegenen Nachbarinsel Raiatea.

Der Holotypus des Trias-Grünfink (Chloris triasi) ist ein nahezu vollständiger Schädel mit beiden Flügelbeinen aber fehlendem Unterkiefer, Os quadratum und Gaumenbeinfortsatz. Die Paratypen umfassen das proximale Fragment eines rechten Oberarmknochens, das distale Fragment eines rechten Oberarmknochens mit einem hervorstehenden, zersplitterten Gelenkknorren, eine linke Ulna ohne Epiphysenfuge, eine fast vollständige rechte Ulna mit fehlendem Ellenbogenhöcker sowie einen vollständigen linken Carpometacarpus. Die Schädellänge beträgt 34,89 mm, die Schädelbreite 17,47 mm und die Schädelhöhe 14,31 mm. Die Oberkieferlänge beträgt 19,10 mm, die Oberkieferbreite 9,67 und die Oberkieferhöhe 6,71 mm. Der Abstand zwischen den Augenhöhlen beträgt 6,11 mm. Die Länge des Carpometacarpus beträgt 11,69 mm.
Der Trias-Grünfink war nahe mit dem Grünfink (Chloris chloris) verwandt. Sein Kopf war jedoch größer und breiter und sein Schnabel ungefähr 30 Prozent länger. Seine Beine waren sehr lang und robust, seine Flügel im Vergleich zum Grünfink jedoch kürzer. Dies könnte eine Anpassung an eine bodenbewohnende Lebensweise in den Lorbeerwäldern gewesen sein.
Der große Schnabel lässt die Vermutung zu, dass große Samen zu seiner Hauptnahrung zählten. Durch die verkürzten Flügel war vermutlich das Fliegen beeinträchtigt, was aufgrund des Fehlens von Beutegreifern auf La Palma auch nicht nötig war.
Das fossile Material stammt aus Schichten, die auf das Jungpleistozän datiert werden. Vermutlich hat die Art bis zum Holozän überlebt, als die Kanarischen Inseln besiedelt und Ratten und Katzen auf La Palma heimisch wurden.

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