Ausgestorbene Vögel (Spätquartäre Avifauna) 4

Sylviornis neocaledoniae war ein großer, flugunfähiger Vogel, der den Großfußhühnern nahesteht. Er lebte, ebenso wie eine weitere Art der Großfußhühner, auf Neukaledonien und der nahegelegenen Île des Pins, mindestens bis vor etwa 3000 Jahren, als die ersten Menschen dort siedelten. Seine Überreste wurden in den Ablagerungen menschlicher Siedlungsplätze gefunden.
Sylviornis neocaledoniae wurde zuerst für einen Ratiten gehalten, bis eine vollständigere Sammlung an Knochen nahelegte, dass es sich um ein Großfußhuhn handelte. Dies wurde allerdings ebenfalls angezweifelt, da er sich erheblich von anderen Großfußhühnern unterscheidet. Inzwischen wird Sylviornis als einziger Vertreter der Familie Sylviornithidae geführt.
Er war etwa 1,2 bis 1,6 Meter groß und wog etwa 40 Kilogramm.
Es wird angenommen, dass Sylviornis die über 400 10 bis 50 Meter breiten und 50 bis 80 Zentimeter hohen Erdhügel baute, die in Neukaledonien als „tumuli“ bekannt sind, um darin seine Eier auszubrüten. Das Material wurde in der direkten Umgebung gesammelt und besteht aus kleinen Steinchen und Erde und einer Art Zement.

Progura gallinacea ist ein ausgestorbenes australisches Großfußhuhn. Es war nahe mit dem rezenten Thermometerhuhn verwandt, jedoch deutlich größer. 1888 wurde diese Art von Charles Walter De Vis anhand von fossilem Material aus dem Pliozän und dem Pleistozän beschrieben, das in Ablagerungen in Darling Downs und Chinchilla im südöstlichen Queensland entdeckt wurde. Material, das dieser Art zugeschrieben wird, ist ebenfalls aus Südaustralien sowie vom Wellington Valley und aus den Wombeyan Caves in New South Wales bekannt.
Der australische Ornithologe und Paläontologie Gerard Frederick van Tets schätzte das ungefähre Gewicht auf 5 bis 7 kg. Die Proportionen der Röhrenknochen ähnelten denen des Thermometerhuhns, sie waren jedoch größer und robuster. Weiter waren bei Progura gallinacea der Schnabel, der Kopf und der Körper verhältnismäßig breiter. Der tiefe Kiel des Brustbeins deutet darauf hin, dass das Riesenthermometerhuhn flugfähig war.

Die Kanaren-Wachtel (Coturnix gomerae) ist eine ausgestorbene Wachtelart, die auf den Kanarischen Inseln heimisch war. Sie wurde 1993 anhand von subfossilen Knochen beschrieben, die 1985 in der Höhle Bujero del Silo auf La Gomera gefunden wurden. Insgesamt sind 78 Knochen von La Gomera bekannt, die mindestens 14 Individuen repräsentieren. Spätere Untersuchungen ergaben jedoch, dass sie auch auf den Inseln Fuerteventura, Teneriffa, La Palma und El Hierro verbreitet war.
Sie hatte kleinere Flügel jedoch längere und robustere Beine als die Wachtel (Coturnix coturnix) und war vermutlich nur bedingt flugfähig. Ihr Gewicht betrug ungefähr 150 Gramm. Die Oberarmknochen von C. gomerae und C. coturnix sind im Wesentlichen identisch. Das distale Knochenende ist bei C. gomerae weniger robust konstruiert. Die Ulna von C. gomerae ist verglichen mit der von C. coturnix mehr gewölbt, kürzer und kräftiger. Die Diaphysen sowie die proximalen und distalen Knochenenden sind bei C. gomerae breiter. Die Oberschenkelknochen sind bei der Kanarenwachtel 10,85 Prozent länger als bei der Wachtel, während die Diaphysen sowie die distalen und proximalen Knochenenden 30,08, 15,62 und 23,34 Prozent breiter sind. Der Tibiotarsus von C. gomerae ist ebenfalls länger und robuster.
Als sich im 15. Jahrhundert Katzen und Ratten auf den Kanarischen Inseln ausbreiteten, besiegelten sie das Aussterben der Kanaren-Wachtel.

Die Huahine-Möwe (Larus utunui) ist eine ausgestorbene Möwenart, die auf der Insel Huahine in den Gesellschaftsinseln brütete. Ihre nächste lebende Verwandte ist vermutlich die Silberkopfmöwe (Larus novaehollandiae, Syn.: Chroicocephalus novaehollandiae). Das Artepitheton leitet sich von den tahitianischen Wörtern utu („Vogelschnabel“) und nui („groß“) ab.
Die Huahine-Möwe ist von zwölf Knochen (zehn verschiedene Skelettelemente von zwei Individuen) bekannt, die in der archäologischen Lagerstätte Faʻahia zu Tage gefördert wurden. Der Holotypus umfasst einen kompletten Schädel mit dem dazugehörenden Schnabel. Die Paratypen bestehen aus einem Quadratbein, einem Unterkiefer, dem 3. Brustwirbel, einem Sternum, einem Gabelbein, einem Coracoid, drei Humeri, einem Oberschenkelknochen und einem Tibiotarsus. Elf Knochen stammen vermutlich von einem Altvogel, das distale Humerusende von einem juvenilen Vogel.
Nachdem die Silberkopfmöwe 2005 in die Gattung Chroicocephalus transferiert wurde, müsste auch die Huahine-Möwe in dieser Gattung stehen.
Die Huahine-Möwe ist nur von subfossilem Knochenmaterial aus dem Holozän bekannt. Den stratigraphischen Ablagerungen nach zu urteilen, könnte die Art zwischen 700 und 1200 n. Chr. ausgestorben sein. Belege für Möwenarten auf den Gesellschaftsinseln gab es jedoch auch in späteren Aufzeichnungen. So beschrieb Carl Friedrich Bruch (1789–1857) 1853 die Möwenart Gavia pomare, die 1857 als Larus pomarre von Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte für Tahiti und 1859 als Larus pomare von George Robert Gray für Tahiti und die Marquesas gelistet wurde. Bei seiner Untersuchung der Holotypen vom Naturhistorischen Museum Mainz in den Jahren 1878 und 1896 betrachtete Howard Saunders Larus pomarre als juveniles Exemplar der Silberkopfmöwe und Larus pomare als Synonym für die Maorimöwe (Larus bulleri, Synonym: Chroicocephalus bulleri). Die komplette Museums-Sammlung von Carl Friedrich Bruch wurde während des Zweiten Weltkriegs zerstört. Ein Vergleich von Bruchs Zeichnung des Holotypus von Gavia pomare mit Larus utunui zeigte jedoch auch, dass der Schnabel von Gavia pomare zu klein ist, um beide Arten als identisch zu betrachten.

Der Madagaskar-Kiebitz (Vanellus madagascariensis) ist eine ausgestorbene Watvogelart aus der Gattung der Kiebitze (Vanellus), die nur durch zwei subfossile Oberarmknochen bekannt geworden ist. Der linke und der rechte Oberarmknochen wurden an zwei unterschiedlichen Orten auf Madagaskar zu Tage gefördert. Der erste stammt aus Ampoza nahe Akkazoabo und der zweite aus Lamboharna nördlich von Toliara. Diese Knochen befinden sich im American Museum of Natural History in New York und im Muséum national d’histoire naturelle in Paris.
Laut Radiokohlenstoffdatierung starb die Art im 14. Jahrhundert durch die Austrocknung ihres Lebensraumes und die daraus resultierende Schrumpfung ihres Verbreitungsgebietes aus. Der Madagaskar-Kiebitz repräsentiert die erste bisher auf Madagaskar bekannt gewordene Kiebitzart. Über Aussehen, Lebensweise und Verbreitungsgebiet ist nichts bekannt geworden.

Die Fidschi-Schnepfe (Coenocorypha miratropica) ist eine ausgestorbene Schnepfenart aus der Gattung Coenocorypha. Sie ist nur von fossilem Material bekannt, das sehr wahrscheinlich aus dem Holozän stammt. Die Artepitheta mirabilis („Überraschung“) und tropicos („tropisch“) leiten sich von der überraschenden Tatsache ab, dass eine Gattung, die normalerweise nur in hohen südlichen Breiten zu finden ist, auf einer tropischen Insel vorkam.
Der Holotypus, ein vollständiger linker Oberarmknochen, wurde am 18. November 1999 in der Vatuma Cave etwa 12 km südlich von Nadi auf Viti Levu zu Tage gefördert. Der Knochen ist nicht mineralisiert und cremeweiß. Er hat eine Länge von 40,2 mm. Die Paratypen umfassen folgendes Material: einen distalen linken und zwei distale rechte Oberarmknochen, zwei distale rechte Ellen, drei linke Carpometacarpi, ein linkes Schulterblatt, einen distalen rechten und einen proximalen rechten Tarsometatarsus, einen proximalen linken Radius und zwei Fragmente eines Schnabels mit Zwischenkieferbein. Die Fidschi-Schnepfe war größer als die Coeonocorypha-Arten von Neuseeland und eine noch unbeschriebene Art von der Norfolkinsel. Ein Vergleich mit einer ebenfalls unbeschriebenen Art von Neukaledonien ist nicht möglich, da beim Oberarmknochen dieser Art das Coracoid fehlt.
Der genaue Aussterbezeitpunkt der Fidschi-Schnepfe ist unbekannt. Sie gehört zu neun ehemals auf den Fidschi-Inseln vorkommenden, aber heute ausgestorbenen Vogelarten, die während der frühen Kolonialisierung durch übermäßige Bejagung, Lebensraumverlust sowie Nachstellung durch Schweine, Hunde und die Pazifische Ratte verschwunden sind.

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