Arjan Postma: Wie eine verrückte Ameise die Welt verändern kann (Rezension)

Eisbären, die eine ganz besondere Kleidung tragen, Pinguine, die in den Kindergarten gehen, und Seehunde, die in die Pubertät kommen: Arjan Postma wirft einen ganz besonderen Blick auf die tierische Welt um uns. So humorvoll wie fesselnd erzählt er davon, wie eine verrückte Ameise aus eigener Kraft die Welt verändern kann und nimmt uns mit zu Tieren, die Theater spielen, ihre eigenen Gerichte kochen und sogar komplette Städte errichten.
Außerdem deckt Arjan Postma erstaunliche Gemeinsamkeiten zwischen Menschen und Tieren auf – von der Kinderstube der Füchse bis zum Sprachunterricht bei den japanischen Kohlmeisen. Und auch amouröse Parallelen gibt es in dem unterhaltsamen Buch: So ist Prostitution kein typisch menschliches Phänomen, und männliche Spechte haben sogar ihre eigene Höhle! Darüber hinaus behandeln die überraschenden Geschichten auch große Themen wie Führung, Kooperation, Krieg oder das Älterwerden und zeigen, dass wir Menschen einiges von den Tieren lernen können.
Wunderbare Betrachtungen über die Tiere in der Natur und die Natur selbst, die die „Einzigartigkeit“ des Menschen ins rechte Licht rücken.

Wie eine verrückte Ameise die Welt verändern kann (und andere erstaunliche Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier) hält dem Leser einen seltsamen Spiegel vor. Es zeigt nicht den Menschen als Krone der Schöpfung, es zeigt das Tier das wir sind. Und wir machen einen Fehler wenn wir Tiere vermenschlichen, das haben sie nicht nötig, wir müssten, auch wenn es schwer fällt, sie auf Augenhöhe betrachten.
Das mag auf den ersten Blick seltsam klingen, aber der Mensch unterscheidet sich wenig von den anderen Tieren. Er kann sprechen, ja, aber das ist nur eine andere Art von Kommunikation, denn jedes andere Tier kann mit seinesgleichen Unterhaltungen führen. Und so sind die Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier größer als man denken mag, auch wenn man deswegen nicht von gleichen Werten sprechen können.
Menschen führen Kriege, aber das machen Ameisen und Schimpansen auch. Viele Tiere kümmern sich um ihren Nachwuchs so liebenswert wie der Mensch (oder schiebt ihn ab wie es auch manche Menschen machen). Manche Tiere leben in Monogamie und wurden dafür Jahrzehnte lang als strahlendes Beispiel verehrt. Aber auch bei monogamen Tieren wie Gibbons oder Schwänen gibt es Seitensprünge, die durchaus ihren Zweck verbinden. Und die ach so oft verteufelte und krankhafte Homoseualität ist bei Tieren normal und hat durchaus ihre Vorteile (für die Art).
Arjan Postma führt den Leser amüsant durch das Tierreich, bleibt dabei zwar etwas oberflächlich aber informativ. Ein Anhang mit weiterführenden Quellen wäre wünschenswert gewesen, für diejenigen die mehr über verrückte Ameisen, schmusende Bonobos oder kriegsführende Schimpansen erfahren wollten.
Aber dem Autor scheint es wichtiger zu sein zu unterhalten und eine Mehrzahl an Lesern zu erreichen. Und dieses Ziel ist ihm gelungen. Eine Reise durch die Tierwelt mit Seitenhieben auf die „Krönung der Schöpfung“ für alle die Tiere mögen, mit lustigen Illustrationen von Arthur Balitskii.

(Rezensionsexemplar)

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