3. Zooreise 2015 – Tag 4: Über und unter Tage (Archiv)

(Erstveröffentlichung am 12. April 2015)

Bildkarte von Goslar und dem Rammelsberg (1574, Matz Sincken)

Am Ostersonntag hatte sich das Hotel etwas Besonderes einfallen lassen: Der Osterhase war durchs Hotel gehuscht und hat einige Leckerreien versteckt. Wir haben ein paar gefunden, aber natürlich nicht alles weggenommen. Auf der Suche nach weiteren Leckereien haben wir das Hotel auch nicht durchsucht. Wir hatten genug von Zuhause mitgenommen und gestern, als wir vor dem Essen unseren Getränkevorrat aufgefrischt hatten, haben wir auch an unsere Gelüste nach Schokolade gedacht (von diesen Einkäufen zehren wir noch heute ..)
Gestern Abend habe ich mir auch Gedanken gemacht, wohin wir an diesem Tag hin wollten.
Der ursprüngliche Plan sah Besuche der Baumannshöhle Rübeland, des NatURzeitmuseum Bad Sachsa und der BergbauerlebnisweltRabensteiner Stollen vor. Aber nachdem wir das bereits alles erledigt hatten mussten Alternativen her: Das Weltkulturerbe Rammelsberg, das Haus der Natur in Bad Harzburg und der Tierpark Hexentanzplatz.
Im Gegensatz zu gestern sollte der Tag nicht ganz zoofrei verlaufen.

Der Rammelsberg ist ein 635 m hoher Berg am Nordrand des Harzes im Landkreis Goslar, südlich der Stadt Goslar in Niedersachsen. In ihm befindet sich ein bekanntes Bergwerk. 1988 wurde nach über 1000 Jahren nahezu ununterbrochenen Bergbaus die Erzförderung eingestellt; seit 1992 gehört das Besucherbergwerk Rammelsberg zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Einer Sage nach soll der Berg seinen Namen von einem Ritter namens „Ramm“ erhalten haben: Auf einem Jagdausflug im Jahr 968 band der Ritter, ein Gefolgsmann Kaiser Ottos des Großen, sein Pferd an einen Baum, um dem Wild im unwegsamen Gelände zu Fuß nachzustellen. Das Ross scharrte in ungeduldiger Erwartung seines Herrn mit den Hufen und legte so das Erz frei. Zu Ehren des „Entdeckers“ wurde der Berg – von Otto I. daselbst – nun „Rammelsberg“ genannt.
Ein weiterer Erklärungsversuch wurde von der Heimatforschung von dem im Harz gebräuchlichen Namen der Pflanze Bärlauch nämlich „Ramsen“ abgeleitet. „Rammelsberg“ wäre dann also als „der mit Bärlauch bewachsene Berg“ zu deuten.
Eine weitere Erklärung besagt, dass sich der Begriff „Ram“ auch in anderen Gebieten mit bergbaugeschichtlichen Traditionen wiederfindet, wie zum Beispiel bei Ramsau. Das italienische Wort für „Kupfer“ ist „rame“.

Im Angebot der HarzCard ist neben dem Museumsbesuch auch eine Führung inbegriffen. Rammelsberg bietet drei verschiedene Führungen an, wir haben uns für die Fahrt in der Grubenbahn entschieden. Ein Erlebnis für sich (klein, eng und dunkel) und kein Vergleich mit der Fahrt im Rabensteiner Stollen (weil anders).
Natürlich fährt man nicht nur mit der Bahn (das wäre auf Dauer eher langweilig), neben der Bahnfahrt erfährt man auch einiges über den Bergbau des 20. Jahrhunderts und den Veränderungen, denen er unterlegen war/ist.
Eine weitere Führung beschäftigt sich mit dem Roeder-Stollen und zeigt jahrhundertealten Bergbau. Vielleicht werden wir dieses Führung zu einem anderen Zeitpunkt machen.
Leider war der Schrägaufzug von Rammelsberg wegen Frost nicht in Betrieb. Auch das ist ein Grund noch einmal nach Goslar zu fahren.

Das Bergwerk Rammelsberg war das letzte Abenteuer unter Tage während dieser Reise und auch wenn wir oft den traditionellen Bergmannsruf „Glück auf!“ zu hören bekamen, etwas haben wir auf dieser Reise nicht gesehen: Die Heilige Barbara, die Schutzheilige der Bergleute. Bei keiner unserer Führungen wurde sie erwähnt, und gesehen haben wir sie auch nicht.

Bad Harzburg

Nach Rammelsberg fuhren wir nach Bad Harzburg zum Haus der Natur, einer Interaktive Dauerausstellung zum Thema Harzwald mit Deutschlands größtem Ameisen-Formicarium (mit Kahlrückigen Waldameisen).
Die kleine Ausstellung bietet zahlreiche Informationen zum Thema Wald und bringt auf interaktive Weise das Wissen an kleine und große Besucher. Das Formicarium (eine Art Ameisenterrarium) ist zweigeteilt mit Innen- und Außenraum und sehr interessant. Es müssen nicht immer tropische Blattschneiderameisen sein, es schadet nicht auch über die bedrohten heimischen Arten Bescheid zu wissen.
Bad Harzburg hat aber auch noch einiges mehr zu bieten (auch wenn wir das vorerst ignoriert haben): Neben einem Wildgehege (mit Hirschen, Mufflons und Zwergziegen), gibt es ein Luchsgehege und einen Wildkatzen-Erlebnispfad.
Und auch sonst hat Bad Harzburg viel für den Urlauber zu bieten.

Nach Bad Harzburg ging es weiter nach Thale zum Tierpark Hexentanzplatz. Dort besorgten wir auch diverse Schierker Feuersteine, als Mitbringsel für die bayrische Heimat.
Schierker Feuerstein ist ein Kräuterlikör (Halbbitter mit 35 Volumenprozent Alkoholanteil), dessen Rezeptur in den 1920er Jahren von Willy Drube, dem damaligen Inhaber der Apotheke „Zum Roten Fingerhut“ im Ort Schierke im Harz, entwickelt und 1924 zum Patent angemeldet wurde. Benannt ist der Likör aufgrund seiner rotbraunen Farbe nach der rötlichen Färbung des Granits der Feuersteinklippen, einer Felsformation in Schierke.
Wir haben zwar auch eine Flasche, aber probiert haben wir noch nicht.

Nachdem wir noch Zeit hatten entschied ich, dass wir nach Wernigerode fahren und dort den kleinen Wildpark Christianental besuchen. Auf dem Weg dorthin wurden wir von der Wernigeröder Schlossbahn ausgebremst und spontan wie wir sind machten wir einen Abstecher zum Schloss.
Von Dienstag bis Freitag ist der Besuch des Schlosses bis April nur in Verbindung mit einer Führung (zu jeder vollen Stunde) möglich. An den Wochenenden und in den Schulferien kann man individuell durch das Schloss schlendern, am Besten mit Audioguide.
Selbst wenn man das Schloss nicht von innen besichtigen möchte so hat man von den Schlossmauern einen weiten Blick über Wernigerode und Umgebung. Auch der Brocken ist zu sehen.

Die erste urkundliche Erwähnung eines Grafen von Wernigerode im Jahre 1121 ist gleichzeitig die Ersterwähnung der Rodungssiedlung Wernigerode, deren Anfänge jedoch etwa ein Jahrhundert früher zu datieren sind. Die Burg Wernigerode wird erstmals im Jahre 1213 als castrum erwähnt, was ihren geschichtlichen Ursprung offenlässt.
Die Grafen von Wernigerode hatten ihre Herrschafts- und Besitzrechte in einem Bereich, der durch eine Vielzahl von anderen kleinen Territorialgewalten geprägt war. Unmittelbar benachbart waren die Grafen von Blankenburg und von Regenstein, mit denen es häufig Auseinandersetzungen gab.
Auf einer Anhöhe rund 100 Meter oberhalb der verkehrsgünstig gelegenen Rodungssiedlung Wernigerode ließ Graf Adalbert oder dessen unmittelbare Nachkommen, die neben den Grafschaftsrechten auch die Verwaltung des Reichsforstes am Nordostharz innehatten, eine Burg errichten, die sie zu ihrem dauerhaften Herrschaftssitz wählten. Zu ihren Füßen kreuzten sich zwei Handels- und Heerstraßen, was einer der Hauptgründe war, warum sich im Schutz der Burg zahlreiche Handwerker und Händler in Wernigerode niederließen. Der rasch anwachsenden Siedlung verliehen die Grafen von Wernigerode am 17. April 1229 das Stadtrecht nach dem Vorbild des benachbarten Goslar. Das weitgehend in sich abgeschlossene Territorium der Grafschaft Wernigerode, wie es über viele Jahrhunderte bestand, bildete sich hingegen erst 1343 heraus. Damals wurden die in einem verheerenden Nachbarschaftskrieg unterlegenen Grafen von Regenstein gezwungen, große Teile ihres Gebietes an die Grafen von Wernigerode abzutreten.
Als die Grafen von Wernigerode 1429 in männlicher Linie ausstarben, übernahmen die verwandten Grafen zu Stolberg die Grafschaft Wernigerode und damit auch die Burg. Während der neu erworbene Besitz zunächst an Graf Heinrich von Schwarzburg verpfändet wurde, ließen sich im 16. Jahrhundert hier mehrere Vertreter der Grafen zu Stolberg nieder. Im ausgehenden Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg Wernigerode jedoch nach Auseinandersetzungen mit Vertretern der Stadt Wernigerode als Herrschaftssitz aufgegeben und die stolbergische Residenz nach Ilsenburg verlegt. Erst der junge Graf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode, dem die Herrschaft 1710 durch Erbfolge zugefallen war, verlegte seinen Hofhaltungssitz wieder nach Wernigerode zurück und ließ die Burg zu einem Barockschloss umbauen. Einer seiner Nachfolger, Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode, finanzierte den aufwendigen Umbau zu einem Repräsentationsschloss des ausgehenden 19. Jahrhunderts, wie es noch heute in großen Teilen erhalten ist. Der Innenhof des Schlosses erhielt seine malerische Gestaltung. Dabei entstand auch die 1880 nach Plänen des Wiener Architekten Friedrich von Schmidt vollendete Schlosskirche. Die Kerbschnitzereien in den Brüstungsfeldern des Neorenaissancefachwerks am von 1878 bis 1881 errichteten Saalbau und am Holzhaus schuf der Wernigeröder Holzbildhauer Gustav Kuntzsch.
1929 wurde das Schloss als ständiger Wohnsitz der Familie Fürst zu Stolberg-Wernigerode aufgegeben. Teile der Außenanlagen und inneren Räumlichkeiten konnten von April 1930 bis Ende Dezember 1943 im Rahmen von Führungen gegen Entgelt öffentlich besichtigt werden. Jährlich besuchten damals über 40.000 Personen das Schloss. Ab 1944 wurde der größte Teil des Schlosses von der Rüstungskontor GmbH für Wohnzwecke genutzt. Botho Fürst zu Stolberg-Wernigerode als Eigentümer des Schlosses wurde 1945 durch die sogenannte Bodenreform enteignet.
Mitte Dezember 1946 kam es zu einer unkontrollierten Vernichtungsaktion aller historischen Waffen und Rüstungen sowie der Gemälde von Personen in Uniformen oder mit militärischen Ehrenzeichen durch sowjetische Militärangehörige.

„Osterinsel“ (Wildpark Christianental)

Nach der Schlossbesichtigung sind wir noch in den Wildpark gegangen und in Anbetracht des voranschreitenden Abends haben wir bei einem Italiener in Wernigerode gegessen. Den Namen hab ich vergessen, aber obwohl das Essen gut war, war die Musik gewöhnungsbedürftig (nicht unbedingt das was man in einem Speiselokal erwartet hätte, eher in einem Club) und die Bedienung war auch nicht gerade die freundlichste. Vielleicht gar nicht so verkehrt, den Namen vergessen zu haben, auch wenn das bedeuten könnte, dass wir italienische Restaurants in Wernigerode meiden werden … sollten wir dort jemals wieder essen.

Zur Stadt selbst noch die Anmerkung, dass sie zwar sehr schön anzuschauen ist (wie man anhand des Tourismusvideos erkennen kann), aber auch einige enge Gassen aufweist, die das Navigieren mit größeren Autos zur Herausforderung macht.

Als wir ins Hotel zurück kamen erwartete uns eine Überraschung, die uns nicht nur irritierte, sondern auch etwas überraschte: Das Zimmer war nicht aufgeräumt, alles war so wie wir es verlassen hatten. So etwas hatten wir noch nie erlebt, aber wir hatten auch keine Lust uns jetzt zu beschweren, das verschoben wir auf den nächsten Tag, dem Tag der Abreise.

Weltkulturerbe Rammelsberg
Haus der Natur – Bad Harzburg
Tierpark Hexentanzplatz
Schloss Wernigerode
Wildpark Christianental

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