Tracy Chevalier: Zwei bemerkenswerte Frauen (Rezension)

Elizabeth Philpot ist eine junge Frau aus besseren Kreisen, deren Familienerbe nicht zu einem standesgemäßen Leben in London reicht. Daher zieht sie 1830 in den kleinen südenglischen Küstenort Lyme Regis. Was ihr zunächst wie eine Verbannung vorkommt, erweist sich als glückliche Fügung, denn am Strand nehmen seltsame Steine sie völlig gefangen: Fossilien. Sie begegnet Mary, einem Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen, das die Familie mit dem Verkauf von Fossilien über Wasser hält und dabei spektakuläre Versteinerungen findet. Die beiden ungleichen Frauen freunden sich an. Doch dann verlieben sich beide in denselben Mann.

Elizabeth Philpot (* 1780 in London; † 1857 in Lyme Regis) war eine britische Fossiliensammlerin des frühen 19. Jahrhunderts, eine Amateur-Paläontologin und Künstlerin, die rund um Lyme Regis in Dorset an der Südküste Englands Fossilien sammelte.
Sie wurde 1780 als eines von fünf Kindern in London geboren. Sie zog mit ihren Schwestern Mary und Margaret 1805 nach Lyme Regis. Die drei Schwestern teilten sich ein Haus das ihr Bruder für sie erstanden hatte. Dort lebten sie bis zu ihrem Tod. Keine der drei Schwestern heiratete.
Nachdem sie sich in Lyme niedergelassen hatten, wurden sie bekannt für ihre Fossilien-Sammlung, aber auch für ihr hausgemachtes Medikament, eine schmerzlindernde Heilsalbe, die sie selbst herstellten und vertrieben.
Elizabeth Philpot freundete sich mit Mary Anning an, als diese noch ein Kind war. Trotz der fast 20 Jahre Altersunterschied und der Tatsache, dass Anning aus einer viel ärmeren Klasse abstammte, während Philpot aus dem begüterten Mittelstand kam, freundeten sie sich an und wurden fast täglich beim gemeinsamen Fossilien sammeln gesehen. Philpot ermunterte die junge Anning, geologische Schriften zu lesen und so die Wissenschaft hinter den Fossilien, die sie gesammelt und verkauft hatte, zu verstehen.
Mary Anning (* 21. Mai 1799 in Lyme Regis; † 9. März 1847) war eine britische Fossiliensammlerin. Sie war eine der ersten professionellen Sammlerinnen von Fossilien und wird damit als eine der ersten Paläontologinnen betrachtet.
Mary Annings Vater Richard war Tischler, der sein Einkommen dadurch aufbesserte, dass er an den Klippen in der Nähe von Lyme Regis Fossilien suchte, die er dann an Touristen verkaufte. Als er 1810 an Tuberkulose starb, blieb die Familie ohne Ernährer zurück und Mary und ihr Bruder Joseph fingen an, in großem Stil nach Fossilien zu suchen, mit deren Verkauf sie das Familieneinkommen aufbesserten.
Auch wenn Anning das Sammeln lediglich begann, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, hatte sie bald Verbindungen zu den Geologen und Biologen ihrer Zeit. Der erste Anlass war die Entdeckung des Skeletts eines Ichthyosaurus, eines Fischsauriers, wenige Monate nach dem Tod ihres Vaters. Ihr Bruder hatte ein Jahr zuvor einen Schädel entdeckt, der aussah wie der eines großen Krokodils. Der Rest des Skeletts konnte anfangs nicht gefunden werden, bis Mary Anning nach einem Sturm, der Teile der Klippe wegriss, den Rest des Körpers fand. Dies war das erste komplette Skelett eines Ichthyosaurus, das man bis zu diesem Zeitpunkt gefunden hatte. Teile von Skeletten waren zuvor schon gefunden und die Art war anhand von Fragmenten, die man in Wales entdeckt hatte, schon 1699 beschrieben worden. Der wichtige Fund eines kompletten Skeletts fand jedoch Eingang in die Transactions of the Royal Society. Mary Anning war zu diesem Zeitpunkt zwölf Jahre alt.

Zwei bemerkenswerte Frauen beschreibt nun, mit einigen künstlerischen Freiheiten, die Freundschaft der beiden sehr unterschiedlichen Frauen. Der Vergleich mit Jane Austen liegt nahe, doch unterscheidet sich Chevaliers Werk von der Autorin, obwohl … Jane Austen und Fossilien, wäre fast schon treffend. Wobei auch die Anmerkung erlaubt sein darf, dass die angedeutete Liebesgeschichte nicht vorhanden ist, sondern nur Beiwerk ist und die beiden Frauen und ihre Faszination für Kuris (Fossilien) im Vordergrund stehen.
Chevalier versetzt uns in eine vergangene Zeit, aber so detailorientiert, dass man glauben könnte selbst auf Fossiliensuche am Strand zu sein.
Chevalier lässt beide Protagonistinnen zu Wort kommen und man erkennt schnell welches Kapitel welchen Charakter beschreibt. So erhält die Geschichte durch ihre beiden Protagonisten Tiefgang.
Zwei bemerkenswerte Frauen ist eine interessante, nie langweilig werdende Geschichte, die vielleicht nur dann enttäuscht, wenn man ein kleines Liebesdrama erwartet. Gefühle spielen natürlich eine Rolle, aber Fossilien ebenso und natürlich das Lebenswerk zweier wirklich bemerkenswerter Frauen.

Die Küste, an der Mary Anning und Elizabeth Philpot ihre Funde machten, ist heute eine der berühmtesten Fundstellen für Saurierfossilien weltweit. Die ältesten Schichten der Küste stammen aus der Trias und können auf ein Alter von ca. 250 Millionen Jahren datiert werden, die jüngsten Schichten stammen aus dem Ende der Kreidezeit – somit decken sie einen Großteil des Erdmittelalters, einer von Sauriern dominierten Erdepoche, ab. Sie wird allgemein Jurassic Coast genannt und gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO

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