Sy Montgomery: Der Ruf der Rosa Delfine (Rezension)

Sy Montgomery ist mit ihrem Bestseller »Rendezvous mit einem Oktopus« in die erste Liga der Nature Writer vorgestoßen, auch in Deutschland. Doch nicht nur Oktopoden liegen der Naturforscherin und Autorin am Herzen – sie hat für viele faszinierende Kreaturen Leib und Leben riskiert, aber insbesondere für die rosa Amazonas-Delfine. Viermal ist sie ins Amazonas-Delta gereist, um ihnen auf die Spur zu kommen, wurde von Ameisen gebissen, teilte mit Spinnen das Quartier und schwamm mit Piranhas.
Schnell wird ihr klar: Man kann den rosa Delfin nicht erfassen, wenn man nicht begreift, wo er in der Evolution steht und welche Rolle er im Ökosystem Regenwald spielt – es ranken sich zahlreiche Mythen um die »Botos«, die Amazonas-Bewohner verehren und fürchten sie. Sy Montgomery begegnet allen auf Augenhöhe: Den »Indigenas«, die mit dem ständigen Schwund ihres Lebensraumes ringen müssen, den Forscher*innen, die ihr Leben dem Studium des Amazonas-Deltas gewidmet haben, und nicht zuletzt den Tieren und Pflanzen der Region. Ihre Liebe zu den Geheimnissen unserer Natur ist ansteckend – und in Zeiten des Klimawandels notwendiger denn je!

Ich gebe zu, dass mich das Buch etwas enttäuscht hat. bereits 2000 erschien das Buch in Deutschland unter dem Titel:“Ich folgte den Rosa Delfinen“. Der Ruf der Rosa Delfine wurde durch neue Vorworte erweitert (ich hätte mir auch ein Nachwort gewünscht, aber in dieser Hinsicht wurde ich enttäuscht)
Sy erzählt in ihrem Buch viele Mythen, die über die rosa Delfine (Inia geoffrensis) erzählt werden. nebenbei erfahren wir einiges über ihre Abenteuer mit Ameisen, Tausendfüßern, Piranhasund Menschen, die mit den Botos zu tun haben (meist Vertreter der indigenen Bevölkerung Amazoniens). Die eigentlichen Hauptpersonen, die Delfine bleiben dagegen eher im Hintergrund und auch das Wissen über sie (das auch allgemein eher dürftig ist) wird sehr zurückhaltend vermittelt. Dafür erklärt sie Lebensgewohnheiten, Bräuche und Sagen der menschlichen Bewohner des Amazonas.
Leider schleichen sich auch Fehler in das Buch, die ich als störend empfand.
ich kann allerdings nicht sagen, ob es an der Autorin oder der Übersetzung liegt.
Beispiele?
Wenn Aale keine Fische sind, was sind sie dann? Der Zitteraal, der kein Aal ist wird später allerdings oft als Aal bezeichnet und anscheinend gibt es eine Verwechslung zwischen Aguti (das als wasserliebend und in Wassernähe lebend bezeichnet wird) und Wasserschwein.
Vielleicht nur Kleinigkeiten, aber doch störend für ein Buch, dass doch ein bisschen den Anspruch auf Wissensvermittlung legt.
Tatsächlich liegt die Stärke der Autorin jedoch in der Beschreibung von Natur und Umwelt und ihren eigenen Erfahrungen.
Die Delfine kommen dabei etwas zu kurz.

Ich empfehle dieses Buch allen, die sich für die mystischen Aspekte der Flussdelfine interessieren. Für diejenigen, die die Tiere aus eher wissenschaftlicher Sicht betrachten wollen mag höchstens der Anhang hilfreich sein, der Adressen bietet, wo man Delfine sehen kann.

(und nebenbei bemerkt: Der Duisburger Zoo besitzt ebenfalls einen Boto, den einzigen außerhalb Südamerikas… man muss also gar nicht so weit reisen)

(Rezensionsexemplar)

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