Stepha Quitterer: Freiheit für die Waldwiesel (Rezension)

Piet Wiesel muss unbedingt beim großen Kletterwettbewerb mitmachen – obwohl man munkelt, der Wettkampf sei eine Falle. Noch ehe Piet begreift, was da geschieht, werden alle Waldwiesel gefangen genommen! Er entkommt als einziger und weiß, dass nur er die anderen befreien kann. Aber dazu müsste er in die Große Stadt, wo nicht nur düstere Kanalratten, knallharte Tierfänger und geschäftssüchtige Menschen lauern. Und die Zeit läuft! Ein rattenscharfes Abenteuer um Freundschaft, Mut und den Wert der Freiheit.
Eigentlich klingt die Geschichte spannend und durchaus unterhaltsam, nur … so ganz berührt hat mich die Geschichte nicht.
FREIHEIT FÜR DIE WALDWIESEL will ein spannendes Tierabenteuer über Mut und Freiheit erzählen, bleibt dabei jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Grundidee, ein Wettkampf als Falle und ein einzelner Held, der seine Gemeinschaft retten muss, verspricht Tempo und Dramatik. In der Umsetzung wirkt die Geschichte jedoch oft vorhersehbar und schematisch und, das muss man sagen, nicht wirklich neu, Geschichten dieser Art gibt es viele, aber natürlich erwarte ich von niemanden dass das Rad neu erfunden wird. Nur erwarte ich auch irgend etwas, das mich selbst dazu bringt mich nicht zu langweilen, sei es ein besonderer Charakter oder ein ungewöhnliches Setting. Letzteres gibt es jedoch nicht, sieht man vielleicht von der Tatsache ab, dass manche Menschen mit Tieren zusammenarbeiten, andere aber nicht, weshalb ich mir etwas schwer tat das Worldbuilding nachzuvollziehen. Und Nacktmulle machen auch noch keine gute Geschichte (obwohl ich es durchaus witzig fand wie sie präsentiert wurden).
Die Handlung jagt von einem Gefahrenmoment zum nächsten, ohne sich genügend Zeit für echte Entwicklung zu nehmen. Gerade die Große Stadt, die als bedrohlicher Gegenpol zur Heimat aufgebaut wird, bleibt überraschend oberflächlich. Viele Konflikte lösen sich schnell oder bequem, wodurch wenig Spannung erzeugt wird. Hinter einer komplexen Idee steckt eine geradlinige Umsetzung, das vielleicht jüngere Leser noch begeistern kann, aber das empfohlene Lesealter kann durchaus auch gefordert werden. Von daher bin ich mir nicht sicher, ob die Zielgruppe gut gewählt ist. Für jüngere mag die Geschichte zu komplex sein, für ältere dagegen zu einfach.
Auch Piet als Hauptfigur bleibt etwas blass. Zwar ist er als unsicherer Held angelegt, doch seine innere Entwicklung wird eher behauptet als ausgearbeitet. Entscheidungen wirken teilweise erzwungen, um die Handlung voranzutreiben, statt aus seiner Persönlichkeit heraus zu entstehen. Nebenfiguren dienen vor allem als funktionale Helfer oder Hindernisse und gewinnen kaum eigenes Profil.
Thematisch setzt das Buch stark auf bekannte Motive: Freundschaft, Zusammenhalt, Freiheit. Daran ist nichts verkehrt, Botschaften wie diese werten eine Geschichte durchaus auf, aber hier werden sie sehr direkt und belehrend vermittelt. Subtilität fehlt, wodurch die Geschichte eher wie eine moralische Lektion wirkt, deren belehrender Zeigefinger den Fluss der Handlung stört.
Gut gemeint, aber erzählerisch wenig überraschendes Tierabenteuer. Stellenweise ganz nett, aber … muss man nicht gelesen haben.

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(Rezensionsexemplar)

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