Rita Mae Brown: Mrs Murphy (Teil 1 – 7)

Ich kann nicht genau sagen warum, aber ich habe Jahrzehntelang einen Bogen um die Katzenkrimis von Rita Mae Brown gemacht. An sich habe ich bis vor Kurzem wenig Tierkrimis gelesen und die meisten zeichnen sich eher durch eine seichte, unblutige und minderspannende Handlung aus, auch wenn es Ausnahmen gibt, die dann meist auch etwas witziger in ihrer Beschreibung sind.
Vor kurzem erschienen einige der ersten Katzenkrimis von Rita Mae Brown als ebook und so bietet sich die gelegenheit etwas tiefer in die Materie ihrer (angeblich zusammen mit ihrer Katze Sneaky Pie geschriebenen) Katzenkrimis einzutauchen.
Und soviel sei schon einmal verraten: Ich habe es nicht bereut.

Schade, dass du nicht tot bist
Rezensionsexemplare:
Ruhe in Fetzen
Mord in Monticello
Virus im Netz
Herz Dame sticht
Tödliches Beileid
Die Katze riecht die Lunte

Schade, dass du nicht tot bist
In einer Kleinstadt wie Crozet, Virginia, kennt jeder jeden. Sollte man meinen. Doch dann geschieht ein Mord: Der unsympathische Bauunternehmer Kelly Craycroft wird tot aus seinem Zementmischer gezogen. Kurz nachdem er eine mysteriöse Postkarte mit dem Bild eines Grabengels und dem Satz »Schade, dass du nicht hier bist« erhalten hatte, wie Mary Minor »Harry« Haristeen weiß, die es als Leiterin der Poststelle nicht lassen kann, die eingehenden Karten zu lesen. Ihre Neugier ist geweckt. Und ihre Katze Mrs. Murphy hat auch schon eine Spur?
Der Auftakt der Serie um Harry Harristeen und ihre Haustiere, der Katze Mrs Murphy und dem Hund Tee Tucker, ist ein gemütlicher Krimi, der auf amüsante, sehr sympathische Weise die menschlichen Bewohner Crozets und einige ihrer Haustiere vorstellt. Daneben gibt es ein Verbrechen und genügend Geheimnisse, die den leser bei Laune halten. Man mag das Buch gar nicht mehr weg legen (und ich weiß gar nicht, warum ich nicht viel früher diese Katzenkrimis gelesen habe).
Sehr angenehm ist, dass die Tiere zwar untereinander kommunizieren, die Kommunikation zwischen Mensch und Tier aber meist zu Missverständnissen führt und die Tiere intelligenter als ihre Besitzer dargestellt werden (meistens jedenfalls). Und wenn man andere Hilfsmittel als der Mensch hat ist man diesem zwar weit vorraus (was kriminalistische Ermittlungen anbelangt), kann diesem aber nichts von seinen Erkenntnissen mitteilen.
Tatsächlich ist das eigentliche Verbrechen nur Nebensache, so liebevoll und authentisch werden die Bewohner der Kleinstadt beschrieben und man kann sich den Ort der Handlung gut vorstellen.
Ein Katzenkrimi mit hohem Suchtfaktor. (Ach ja… auch Hunde spielen eine Rolle …allerdings ist die hauptamtlich agierende Detektivin Mrs Murphy …)

Ruhe in Fetzen
Herbst in Crozet, Virgina: Ihr neuer Nachbar, ein junges, attraktives Model, hat es Postbeamtin Mary Minor »Harry« Haristeen angetan. Doch dann finden ihre Tigerkatze Mrs. Murphy und Corgi-Hündin Tee Tucker bei einem nächtlichen Streifzug eine abgehackte Hand im Gebüsch. Weitere Leichenteile folgen und plötzlich erscheint der Neuankömmling doch irgendwie verdächtig.
Gemütlich geht es weiter und man mag fast vergessen, dass man einen Krimi liest. Rita Mae Brown beschreibt das Leben in der Kleinstadt Crozets ruhig und beschaulich, immer besser lernt man die Bewohner mit ihren Eigenheiten kennen und irgendwie mag man sie alle, sowohl die Tiere als auch die Menschen.
Und es spielt überhaupt keine Rolle, dass erst sehr spät ein Verbrechen geschieht. Eine abgehackte Hand ist nur der Anfang und natürlich muss es ein Außenstehender sein, der das Gemetzel verursacht hat.
Ruhig und gemütlich und doch spannend erzählt Brown (oder Sneaky Pie) ihre Geschichte und man tappt (ebenso wie Harry, ihre Tiere und Freunde) lange im Dunkeln, ehe sich alles klärt, auf eine unerwartete Weise.
Schade, dass du nicht tot bist war ein guter Einstieg, aber Ruhe in Fetzen legt dem ganzen noch etwas drauf. Und auch wenn die Jahreszeit nicht passt, so habe ich jetzt doch Lust auf Ahornsirup im Schnee.

Mord in Monticello
Frühling in Monticello, Wohnsitz von Präsident Thomas Jefferson: Archäologe Kimball Haynes macht einen grausigen Fund. In den alten Sklavenquartieren, wo einst die schöne Sklavin Medley Orion lebte, liegt das über hundert Jahre alte Skelett eines reichen Mannes. Sein Schädel wurde zertrümmert. Kurz darauf wird auch Haynes ermordet. Mit Tigerkatze Mrs. Murphy an ihrer Seite taucht Mary Minor »Harry« Haristeen tief in die Vergangenheit Crozets ein.
Es wird wieder gemordet und es spielt keine Rolle, dass das Verbrechen weit in der Vergangenheit zurück liegt. Denn die Schatten der Vergangenheit zeigen auch in der Gegenwart ihre Spuren. Und so dauert es nicht, bis auch in der Gegenwart gemordet wird.
Rita Mae Brown würzt ihre typischen Klatschgeschichten/Katzenkrimis diesmal mit fiktiven Stammbäumen und Klatsch aus der Vergangenheit. Durchaus amüsant, auch wenn die Rolle von Mrs Murphy und ihren Freunden etwas in den Hintergrund gerät, bzw. ihre Rolle weniger präsent ist als in den beiden Vorgängerbänden.
Aber natürlich spielen Katzen (und andere Tiere) eine „wichtige“ Rolle bei der Aufklärung der Verbrechen.
Wer den geruhsamen Stil von Rita Mae Brown (oder Sneaky Pie, wer kann das schon sagen) schätzt, wird auf seine Kosten kommen.

Virus im Netz
Ash Lawn, Landsitz des Präsidenten James Monroe: Bei sengender Sommerhitze rast ein Hell’s Angel auf einer Harley-Davidson über die Landstraße. Wenig später liegt er erschossen im Gebüsch. Zur gleichen Zeit legt ein Computervirus die Stadt lahm und Bankdirektor Hogan Freely wird vor seinem Bildschirm ermordet. Tigerkatze Mrs. Murphy bringt Mary Minor »Harry« Haristeen schließlich auf die richtige Fährte – und verhilft der sympathisch-neugierigen Postbeamtin zu einem weiteren Ermittlungserfolg.
Computerviren und Katzen, passt das zusammen? Nein, und deswegen ist „Virus im Netz“ keine Hightech-Geschichte. Es gibt den üblichen Klatsch und Tratsch, sympathische und weniger sympathische Charaktere, Tiere, die den Menschen immer eine Nasenlänge voraus sind und natürlich auch den ein oder anderen Mord.
Zutaten eben, wie man sie aus den vorangegangenen Mrs Murphy-Bänden kennt. Es spielt auch keine Rolle, dass man (beim aufmerksamen Lesen) sehr früh den Täter erahnen kann.
Aber das ist das Schöne an den Mrs Murphy-Bänden: Die Verbrechen sind nur Nebensache, die Bücher leben vom Drumherum.
Und das ist auch bei „Virus im Netz“ der Fall.

Herz Dame sticht
Pferderennen im herbstlichen Montpelier, Virginia: Zwei Jockeys werden tot aufgefunden, ihre Herzen durchbohrt und die Spielkarten Kreuzdame und Pikdame aufgespießt. Es steht zu befürchten, dass die Herzdame als nächstes an der Reihe ist. Postbeamtin Mary Minor »Harry« Haristeen ermittelt in den gar nicht so feinen Kreisen des Reitsports. Ihr tierisches Detektiv-Team um Katze Mrs. Murphy bekommt überraschend Unterstützung von zwei Rennpferden.
Pferderennen, Klatsch und Tratsch, Katzen, Mäuse und natürlich Hunde (und diesmal sogar mehr als nur eine Corgihündin). Bekannte und neue Zutaten werden zu unterhaltsamen Lesevergnügen gemischt. Natürlich darf die obligatorische Mordserie nicht fehlen, aber Rita Mae Brown schafft es wie üblich, ihre liebenswerten und liebgewonnenen Hauptpersonen ins Rampenlicht zu stellen. Das Postamt, das sonst immer eine zentrale Rolle der Fälle spielte gerät hier etwas in den Hintergrund, diesmal sind die Pferderennbahnen der Ort des Tratsches (und Mrs Murphy ist nicht dabei … allerdings bedeutet das auch, dass ihre Rache fürchterlich ist).
Herz Dame sticht bietet all das, was man von den vorangegangenen Büchern um Mrs Murphy kennt. Kurzweilige Unterhaltung, die Lust auf die Nachfolgebände macht.

Tödliches Beileid
Aufruhr an der renommierten Privatschule St.-Elizabeth von Crozet: Zwei Mitglieder des Kollegiums müssen in der Zeitung ihre eigenen Todesanzeigen lesen. Wenig später stirbt einer von ihnen in der Autowaschanlage, der andere wird auf dem Halloween-Ball erdolcht. Als Postbeamtin ist Mary Minor »Harry« Haristeen die erste, die alle Gerüchte in der Stadt zu hören bekommt. Hatten die Pläne der beiden Männer für eine Filmabteilung an der Schule womöglich etwas mit ihrem Ableben zu tun? Wieder ein Fall, den nur Harry mit ihrer klugen Tigerkatze Mrs. Murphy lösen kann.
Es hätte ja tatsächlich mal ein einfacher Scherz sein können. Von falschen Todesanzeigen liest man ja des Öfteren. Aber natürlich wäre ein Scherz kein Fall, der einer Mrs Murphy würdig wäre. Und so läuft auch dieser Fall so ab, wie man es von den Mrs Murphy-Büchern kennt, ohne dass man von einem Schema F ausgehen darf. Natürlich gibt es wieder viel Klatsch und Tratsch (und Gebelle und Miaue, neben den bekannten tierischen Nebendarstellern dürfen auch Rotluchs und Rotfuchs eine Rolle spielen).
Wie in den Vorgängebänden auch wird Bekanntes mit Neuem vermischt und das Resultat ist ein unterhaltsamer Krimi mit Tieren, die natürlich den Menschen immer eine Nasenlänge voraus sind, aber ständig an Kommunikationsproblemen scheitern.
Es gibt ein paar Leichen, viele Verdächtige … und sehr viel (kurzweiligen) Lesespaß.

Die Katze riecht die Lunte
Im Mai wirft sich ganz Crozet in historische Kostüme und gedenkt des Bürgerkriegs mit einer Schlacht samt Reiterei und Platzpatronen. Doch als sich diesmal der Pulverdampf verzieht, liegt Sir H. Vane-Tempest, von echten Kugeln getroffen, in seinem Blut. Ein neuer Fall für die samtpfötige Mrs. Murphy und ihre tierischen Kumpane.
Fast könnte ich wiederkäuen, was ich zu den vorangegangenen Bänden bereits gesagt habe, aber, leider muss man schon fast sagen, ist das nicht ganz der Fall.
Liebgewonnene Menschen und Tiere spielen nach wie vor eine Rolle, neben etwas Lokalpolitik fehlt auch das Schicksal mancher einzelner nicht und natürlich gibt es die eine oder andere Leiche (jüngeren und auch älteren Datums).
Die Zutaten stimmen, alles ist in gewohnter Miss Murphy-Manier.
Aber … und diesmal gibt es ein aber, es gibt eine Szene, die mich in diesem Buch gestört hat. Und zwar massiv. Man lernt zwar vieles in den Büchern zu akzeptieren (das ist wohl ein Kompromiss, den man eingehen muss, wenn Tiere mit Menschen agieren und umgekehrt), aber manches geht dann doch zu weit: Autofahrende Katzen …
Das hat mir den Lesespaß etwas verdorben (und ich erlaube mir auch die Gemeinheit zu spoilern, auch wenn ich nicht weiter darauf eingehe, warum die Katzen das tun … und auch noch können).
Die Katze riecht die Lunte ist kein schlechter Roman, spannend und liebenswert wie die Vorgänger, gut geschrieben und witzig.
Aber, das mit den autofahrenden Katzen geht mir zu weit.

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