Portrait: Sulawesi-Hirscheber

Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Echte Schweine (Suidae)
Gattung: Hirscheber (Babyrousa)
Art: Sulawesi-Hirscheber (Babyrousa celebensis)
Hirscheber (Zoo Frankfurt)

Hirscheber (Zoo Frankfurt)

In verschiedenen Zoologischen Gärten wird der Hirscheber erfolgreich gezüchtet. Die Tiere, die in westlichen Zoos gehalten werden, dürften aus dem Norden Sulawesis stammen und sind somit höchstwahrscheinlich dem Sulawesi-Hirscheber zuzuordnen. Allerdings wird ihre genetische Variabilität als relativ niedrig eingeschätzt, da alle der rund 200 Tiere, die heute in Gefangenschaft leben, auf ein Männchen und zwei Weibchen zurückgehen dürften, die 1972 in den Surabaya-Zoo auf Java verbracht wurden und sich vermehrten.

Der Sulawesi-Hirscheber ist spärlicher behaart als der Molukken-Hirscheber und besitzt im Gegensatz zum Togian-Hirscheber einen nur sehr spärlich behaarten Schwanz. Die Oberkiefer-Eckzähne, die wie bei allen Hirschebern das Schnauzendach durchstoßen, sind relativ lang und bogenförmig in Richtung Augen gebogen. Im Gegensatz zum Molukken-Hirscheber kreuzen sich die unteren und oberen Eckzähne bei seitlicher Betrachtung in der Regel nicht. Die Kopfrumpflänge beträgt 85–110 cm, die Schwanzlänge 20–32 cm und die Schulterhöhe 65–80 cm. Das Körpergewicht liegt bei bis zu 100 kg. Die oberen Backenzähne M2 und M3 sowie die unteren Backenzähne M1 und M3 sind länger als bei anderen Hirscheber-Arten. Wie bei anderen Hirschebern fehlt das Rüsselbein, das den anderen Schweinen das Graben mit der Schnauze im Boden erleichtert.

Der Sulawesi-Hirscheber bewohnt die Insel Sulawesi. Darüber hinaus war er einst auf den vorgelagerten Inseln Muna, Buton und Lembeh verbreitet, wo er heute vermutlich ausgestorben ist. Der Sulawesi-Hirscheber bewohnt Tropische Regenwälder. Dabei wurde ursprünglich berichtet, dass er die tiefergelegenen, küstennahen Bereiche bevorzugt. Mittlerweile scheinen die Tiere ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Zentralteilen der Insel zu haben. Diese Entwicklung wird möglicherweise durch das Zurückdrängen der Art in abgelegene Bereiche durch den Menschen verursacht. Er wird von der IUCN als gefährdet (Vulnerable) eingestuft.
Generell scheinen diese Hirscheber eine Vorliebe für Gewässer zu besitzen. Salzlecken werden gerne aufsucht.

Hirscheber fressen überwiegend Blätter, Früchte, Nüsse und Pilze. Hier und da nehmen sie aber auch Insekten und deren Larven zu sich. Sie wühlen dabei nicht, wie bei Schweinen üblich, den Waldboden auf. Mit ihren starken Kiefern sind sie in der Lage auch harte Nussschalen aufzubrechen.

In Gefangenschaft werden die Tiere mit etwa 5–10 Monaten geschlechtsreif. Der Sexualzyklus dauert insgesamt 30–40 Tage, wobei der Östrus, die Zeit in der das weibliche Tier empfängnisbereit ist, nur jeweils 2–3 Tage andauert. Die Tragzeit liegt in der Regel bei 155–158 Tagen, obwohl auch Tragzeiten von bis zu 171 Tagen dokumentiert sind. Ein Wurf besteht meist aus ein bis zwei, seltener drei Jungen. Diese sind bei der Geburt sehr klein und wiegen lediglich 800 g. Die Weibchen haben in der Regel zwei Paar Zitzen, selten ist ein drittes Paar bezeugt. In Gefangenschaft erreichen die Tiere ein Alter von bis zu 24 Jahren, wobei als unwahrscheinlich gilt, dass sie in freier Wildbahn älter als 7–12 werden. Anscheinend werden die langen Hauer nicht in den Rangkämpfen eingesetzt. Vielmehr schieben sich konkurrierende Männchen umher, bis sie sich gegenseitig auf die Hinterbeine aufrichten und dabei versuchen die Schnauzen oben zu behalten.

Hirscheber (Zoo Jihlava)

Hirscheber (Zoo Jihlava)

Nach Beobachtungen von Hirschebern in Gefangenschaft und freier Wildbahn wird davon ausgegangen, dass die Tiere in erster Line tagaktiv sind. Mit dem Sonnenaufgang wachen die Tiere auf und beginnen den Tag mit einer Morgentoilette. Danach ziehen sie auf der Suche nach Futter umher. Im späteren Teil des Tages nehmen andere Tätigkeiten, wie Suhlen oder Ruhen, einen größeren Teil der Zeit in Anspruch. Die Tiere sind recht sozial und bilden Gruppen von bis zu 13 Tieren. Gelegentlich wurden an Salzlecken oder anderen Anziehungspunkten auch Ansammlungen von bis zu 46 Tieren beobachtet. Einzeltiere sind meist alte Männchen. Die Weibchen sind meist in Begleitung ihrer Jungen, oft befinden sich auch Männchen in ihrer Nähe. Es wird vermutet, dass die ausgewachsenen Männchen Territorien verteidigen, die sich jeweils mit denen mehrerer Weibchen überlappen. Die Populationsdichte kann recht hoch sein, gebietsweise leben 4–11 Tiere auf einem Quadratkilometer. Allerdings wurden auch erheblich geringere Populationsdichten von 0,7–4 Tieren pro Quadratkilometer ermittelt. Hirscheber gelten als gute Schwimmer. Ein Tier wurde 500 m von der Küste entfernt in einem See schwimmend beobachtet.

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