Portrait: Schwarzbrauenalbatros

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
Familie: Albatrosse (Diomedeidae)
Gattung: Thalassarche
Art: Schwarzbrauenalbatros (Thalassarche melanophris)

Schwarzbrauenalbatros (Johann Friedrich Naumann)

Der Schwarzbrauenalbatros kann vom Wanderalbatros (Diomedea exulans) durch die namensgebenden dunklen Augenstreifen und die breiten schwarzen Flügelkanten auf der sonst weißen Unterseite unterschieden werden. Die Spannweite eines ausgewachsenen Exemplars kann eine Größe von bis zu 245 Zentimetern erreichen. Die Art wird etwa 80 bis 83 Zentimeter groß, die Höhe beträgt im Stand durchschnittlich 63 Zentimeter. Schwarzbrauenalbatrosse wiegen zwischen 2,9 und 4,6 Kilogramm. Damit ist der Schwarzbrauenalbatros eine der kleinsten Albatros-Arten.
Die beiden Geschlechter unterscheiden sich rein äußerlich nicht. Erwachsene Vögel haben einen gelben Schnabel, bei Jungvögeln ist er grau. Jungvögel sind insgesamt mehr grau gefärbt, besonders am Hals. Bei ausgewachsenen Schwarzbrauenalbatrossen ist der Kopf und der übrige Körper weiß. Der Schwanz dieser Vögel ist kurz und grau. Die langen, schmalen Flügel sind ein Meisterwerk der Evolution und Aerodynamik. Der Schwarzbrauenalbatros kann stundenlang dicht über den Wellen schweben, ohne mit den Flügeln schlagen zu müssen.
Verwechslungsmöglichkeiten bestehen insbesondere mit dem Campbell-Albatros, der früher als Unterart des Schwarzbrauenalbatros galt.

Der Schwarzbrauenalbatros brütet auf Inseln rund um die Antarktis. Die Nominatform T. m. melanophris brütet im Gebiet um Kap Hoorn, auf den Falklandinseln und Südgeorgien und auf den Südlichen Sandwichinseln. Eine zweite Unterart, T. m. impavida, brütet ausschließlich auf der zu Neuseeland gehörenden Campbell-Inselgruppe. Diese Unterart wird inzwischen von den meisten Autoren als eigenständige Art Campbell-Albatros (Thalassarche impavida) eingestuft.
Wie fast alle Albatros-Arten nisten Schwarzbrauenalbatrosse in Kolonien, die oft aus mehreren tausend Vögeln bestehen, dabei kann es auch vorkommen das gemischte Kolonien aus Felsenpinguin und Albatros entstehen (Falklandinseln). Die Falklandinseln gehören zu den wichtigsten Brutgebieten der Art. Vermutlich brüten etwa 75 Prozent des Weltbestandes auf den Inseln dieses Archipels. Für die dortige Avifauna stellt der Schwarzbrauenalbatros die zweithäufigste Brutvogelart dar.
Der Schwarzbrauenalbatros verbringt fast sein ganzes Leben in der Luft über dem Südpolarmeer, besonders in der Drake-Passage ist er häufig anzutreffen. Von 1860 bis 1894 lebte ein Exemplar mit Namen Súlukongur 34 Jahre – bis zu seinem Abschuss – unter den Basstölpeln der färöischen Insel Mykines. Ein weiterer Vogel dieser Art hat zwischen 1967 und 2007 in wechselnden schottischen Basstölpel-Kolonien übersommert. Da niemals ein zweiter Schwarzbrauenalbatros zeitgleich in einer anderen Kolonie gesehen wurde, geht man inzwischen fast sicher davon aus, dass es sich – wie bei Súlukongur – immer um denselben Vogel gehandelt hat. Dieser Vogel – „Albert“ genannt – war zuletzt mindestens 47 Jahre alt und hatte mindestens 40 Jahre davon auf der Nordhalbkugel der Erde verbracht.
In Mitteleuropa sind Sichtungen noch rarer und der Schwarzbrauenalbatros gilt hier als extrem seltener Ausnahmegast. Ein Individuum dieser Art wurde unter anderem jeweils im Dezember 1980 in Belgien sowie im Oktober 1988 in Niedersachsen gesehen.

Die Tiere dieser Art sind sehr treue Vögel. Die Paare kommen im Normalfall jedes Jahr aufs Neue zusammen, um gemeinsam zu brüten. Als Nistplätze bevorzugen sie die Steilküsten der der Antarktis vorgelagerten Inseln, weil sie von dort aus den Aufwind beim Abfliegen besser nutzen können. Dabei kommen sie nur zur Brut und Brutpflege an Land, wo das Paar meist nur ein Ei ausbrütet.
Um in dem kalten und rauen Klima zu überleben, werden junge Schwarzbrauenalbatrosse von einer dicken Fettschicht und einem dichten Daunenkleid vor der Kälte geschützt. Bei der Brutpflege wechseln sich die Eltern ab. Während ein Elternteil oft viele Kilometer bei der Nahrungssuche zurücklegt, warten das Küken und der andere Elternteil an Land. Die Aufzuchtzeit der Jungen dauert ungefähr vier Monate. Danach verlassen die Jungen das Land und verbringen bis zum Eintreten der Geschlechtsreife die ganze Zeit auf dem offenen Meer. Diese tritt etwa im Alter von vier Jahren ein. Wie die meisten Albatrosse haben auch die Schwarzbrauenalbatrosse einen Trick entwickelt, um sich vor Feinden zu schützen. Bei einem Angriff bespritzen sie den Feind oder Angreifer zusätzlich mit Öl aus ihren Nasenlöchern. Dieses Öl stammt aus dem Magen der Tiere und hat einen sehr unangenehmen ranzigen Gestank.

Die Nahrung bilden hauptsächlich Tintenfische, Krebse und Krill. Wie viele Seevögel nimmt auch der Schwarzbrauenalbatros Meerwasser auf und scheidet den Großteil des Salzgehaltes durch die Nasendrüsen wieder aus. Es gibt Hinweise, dass diese Art in den Gewässern rund um die Falklandinseln zumindest kurzfristig von der Zunahme der kommerziellen Fischerei nach Tintenfischen profitierte. Fischerei dieser Art findet vor allem in der Nähe der Beauchene Island, der südlichsten der Falklandinseln, statt. Fünf Prozent der Fänge werden wieder ins Wasser geworfen und fünfzig Prozent davon werden von den Schwarzbrauenalbatrossen gefressen. Der langfristige Einfluss dürfte allerdings nachteilig sein, da es hier sehr schnell zu einer Überfischung der Bestände gekommen ist.

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